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Betreutes Gucken #8

Wieder mal eine interessante Folge. Es war eine gute Idee, Lars mitmachen zu lassen, wobei er ruhig etwas offensiver hätte auftreten können. Auch Holger war sichtlich um Harmonie bemüht. Sofern es keinen gegenseitigen Groll gibt, der auf diese Weise besänftigt werden muss, könntet ihr euch gerne einen härteren Schlagabtausch liefern.

Zur Sache: Klischees sind von Natur aus übertrieben, aber meist nicht aus der Luft gegriffen, wobei ethnisch-kulturelle Klischees m.E.n. eher in der Unterschicht zutage treten, während z.B. auf akademischer Ebene das Akademikerklischee dominiert, also Studenten aus aller Herren Länder einfach typische Studenten sind. Chebu und Engel wiederum verkörpern das Klischee des ÖR-Journalisten. Das sind einfach gruppenkulturelle Eigenheiten, die davon abhängen, was in der jeweiligen Gruppe vorgelebt wird, und nichts mit DNS zu tun haben. (Dann wiederum gibt es auch physische Unterschiede zwischen unterschiedlichen Gruppen - es sei denn, die NBA ist rassistisch gegen Weiße oder die UFC eine nigerianisch-tschetschenische Naziorganisation. Und darüber, dass afrikanischstämmige Sprinter europäischstämmigen überlegen sind, besteht selbst in den USA weitestgehend Konsens.) Ich erkenne auch nichts Schlechtes daran, Menschen zunächst in ihre jeweiligen Schubladen zu stecken, zumal ich selbst meinem Klischee recht nahekomme und die Einordnung an und für sich weder positiv noch negativ ist. Ich hasse niemanden wegen der Erwartungshaltung, die ich damit verbinde, ihn zu sehen oder zu hören.

Von Hanseaten erwarte ich ebenfalls ein bestimmtes Verhalten und bin z.B. überrascht, wenn sie sich locker machen können. Warum sollte ich Gruppen mit Migrationshintergrund anders behandeln als die Bewohner anderer Bundesländer? Wenn ich in anderen Bundesländern bin, äffen die Leute einen oberbayrischen Dialekt nach, obwohl ich Franke bin, und fragen mich, ob ich aus München oder Österreich komme. Und besonders in abgelegeneren Landesteilen fragt mich jeder zweite, wo ich herkäme und was ich hier wolle. Diese Ignoranz nervt mich, aber es wäre bescheuert, mich deshalb diskriminiert zu fühlen, selbst wenn in manchen Fällen der Tonfall feindselig ist.

Das ist einfach der normale Umgang im Alltag und anstatt sich von Fragen nach der Herkunft beleidigt zu fühlen, könnte sich man auch darüber freuen, dass man nicht wie ein Kleinkind behandelt wird, sondern wie jeder andere Mensch auch.

Bei den interviewten Dunkelhäutigen fällt auf, dass sie allesamt klingen wie zum Thema geschulte Akademiker. Das schreit nach einer Vorauswahl, da kaum ein Mensch, den man im Alltag trifft, anders als durchschnittlich spricht, und zwar unabhängig von der Hautfarbe. Jedenfalls kann ich nicht anders, als eine Frau, die mir im hochdeutschen Singsang der Oberschicht erzählt, es tue ihr in der Seele weh, dass Stifte, die der Hautfarbe der Mehrheitsgesellschaft ähneln, „Hautfarbe“ heißen, nicht als Vertreterin der dunkelhäutigen Minderheit wahrzunehmen, sondern als Vertreterin einer privilegierten Klasse, die Luxusprobleme hervorhebt, um Opfer sein zu können. Es ist eine Unverschämtheit des HR, auch nur anzudeuten, Amadeu Antonio sei ermordet worden, weil blassrosafarbene Stifte „Hautfarbe“ heißen.

Auch Alltagsrassismus sieht anders aus: Vor einigen Tagen versuchte ein älterer Türke im Wartezimmer meines Hausarztes, mit einer deutschen Frau Smalltalk zu halten. Er sprach sie lächelnd auf das heiße Wetter an, woraufhin sie das Gesicht verzog und ihm in Kindergartensprache erklärte, dass es im Sommer heiß und im Winter kalt sei. Anschließend wandte sie sich einer anderen deutschen Frau zu und plauderte fröhlich über das Wetter. Ich bin sicher, dem Türken wäre es lieber gewesen, hätte sie ihn interessiert gefragt, ob er die Hitze nicht von früher gewohnt sei.

Die deutsche Frau hat ihn behandelt wie ein lästiges kleines Kind, sobald sie seinen Akzent hörte, und genau hier beginnt rassistische Entwertung.

Und ganz generell verstehe ich nicht, warum dieselben Leute, die ständig von Vielfalt schwärmen, es gleichzeitig als rassistisch darstellen, Vielfalt wahrzunehmen.

Edit: Manchmal können Unterscheidungen auch zur Deeskalation beitragen. Der Täter von Würzburg etwa war Somalier. Somalia ist eine von Kriegen zerfressene und von mordenden Banden terrorisierte anarchische Trümmerwüste. Wer dort aufwächst, lernt mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts anderes kennen als Kummer und Gewalt, ist also potenziell gefährlicher als ein Perser oder ein Syrer. Würde dieser Umstand sowohl von den Behörden als auch von den Medien berücksichtigt, wäre es viel schwieriger, das Verbrechen dieses Täters pauschal „dem Islam“, „den Schwarzen“ oder „den Flüchtlingen“ zuzuschreiben.

Edit 2: Was Frau Chebu bequemerweise vergessen hat, ist die Tatsache, dass hellhäutigere Schwarze wie sie durchaus zu rassistischen Vorurteilen gegen dunkelhäutigere Schwarze neigen. Rassismus gibt es weltweit und er richtet sich immer gegen die Dunkleren (und Kleineren, denn die schlimmste Diskriminierung in Afrika erfahren die Pygmäen, die von größeren Stämmen teils als Affen eingestuft werden). Die einzige Ausnahme sind Albinos, die in Schwarzafrika bekanntermaßen Gefahr laufen, als Hexen verfolgt zu werden. Selbst wenn man meint, es gebe keinen Rassismus gegen Weiße, muss man anerkennen, dass es immer Rassismus gegen noch Dunklere gibt.

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Ein weiterer Sieg für die „Black Lives Matter“- und „MeToo“-Bewegung! :fist:

Passend zur Hautfarbendebatte in „Betreutes Gucken“ sagte Bill Cosbys Sprecher (Andrew Wyatt): „Mr Cosby has always used his celebrity and his name to uplift women… How could a man who is being watched by the FBI every day be raping and drugging women… especially a black man?“

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Hab ich mir auch so ähnlich gedacht, aber müsste es nicht heißen „BLM sticht MeToo“?

Dass ausgerechnet Cosby davon profitieren kann, finde ich extrem lächerlich. Er ist ja (im identitätspolitischen Sinne) nicht einmal schwarz, vielmehr diente seine Show dazu, die Ghetto-Realität zu verschleiern, also diskriminierte Schwarze unsichtbar zu machen und eine weiße Lebensrealität vorzutäuschen. Das weiß ich von Ice Ts erstem „Body Count“-Album („The Cosby Show… Ozzie and Harriet… Shit ain’t like that! It’s really fucked up!“).

Und wenn ich nicht vergessen hätte, wer das wo bezeugt hat, würde ich jetzt eine Quelle verlinken, aus der hervorgeht, dass Cosby im Fernsehbusiness für kleine sadistische Machtspielchen berüchtigt ist und sich wirklich niemand über seine Verurteilung gewundert hat.

Dass Rosie O’Donnell entrüstet ist, ist allerdings eine gute Nachricht, denn die gilt seit Trumps Wahlkampagne regelrecht als Heilige. Vielleicht hört jemand auf sie. :smiley:

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Apropos „Betroffenen zuhören“ - hier ein Video von einem Betroffenen, der davon erzählt, wie es für ihn war, als Schwarzer in den USA aufzuwachsen und später als Polizist zu arbeiten:

Laut Cosbys Sprecher ist es wohl ein Sieg für den schwarzen Mann und für Frauen weltweit. Als Nicht-Betroffener erlaube ich mir nicht, ihm zu widersprechen. Listen and believe! :innocent:

Mein Beitrag wird nicht auf viel Zustimmung stoßen. Aber eine Wahrheit bleibt eine Wahrheit, auch wenn sie einem nicht gut schmeckt!

Rassismus gab es schon immer, wird es immer geben und ist in uns Menschen fest verwurzelt. Warum das so ist, kann ich nur vermuten. Vielleicht hat es eine Schutzwirkung gehabt.

Wer nun glaubt, das wir einfach so diesen Urinstinkt überwinden können, der irrt. Meiner Meinung nach werden diese noch eher durch diese ganzen Maßnahmen verstärkt.

Ich will auch nicht sagen, das wir uns deshalb weiter wie wilde Urviecher verhalten können und das so OK ist, aber das einfach ein bisschen davon IMMER über bleiben wird und wir das nicht überwinden können.

Dazu kommt einfach noch der Faktor Erfahrung. Es hat einfach Gründe wieso Frau Müller (35) leichter die Wohnung bekommt, als Mustafa Ötztürk (24) oder warum eine Frau die Strassenseite nachts wechselt wenn eine Gruppe Migranten laut und lustig auf diese zukommt. Bei einer deutschen Gruppe wäre das vielleicht nicht so.

Am Ende entscheidet oft das Bauchgefühl und das wird eben beeinflusst von diesem Instinkt.

Vorurteile lassen sich nur überwinden, indem man sich kennenlernt und positive Erfahrungen macht. Aber sicher nicht dadurch, das uns solche Menschen „anklagen“, weil wir keine schwarzen Pflaster in unseren Geschäften führen oder eben mal gucken, wenn ein schwarzer Mensch in einer weissen Gesellschaft auftaucht und dieser eben heraussticht und uns besonders vorkommt.

Angefeuert wird dieser ganze scheiss von Menschen, welche das alles garnicht betrifft, damit Gratismut abkassieren und sich eine Berechtigung in der Öffentlichkeit ergattern wollen. Diese wollen davon so oder so profitieren!

Indiz dafür ist doch, das diese sich in ihren absurden Vorwürfen gegenseitig übertreffen wollen. Schwarze Pflaster, Make-up für dunkelhäutige Menschen, Strumpfhosen für schwarze… Wo bleibt der Vorwurf, das die Sitzplatzfarbe in Bus und Bahn nur für weisse Menschen optimal ist?

Aber wenn das wirklich die besten Argumente sind, haben wir doch den Rassismus in Deutschland überwiegend schon überwunden und es gibt eben nur noch diesen kleinen Überrest, welchen wir nie und nimmer überwinden werden können.

Meiner Meinung nach, dient das ganze nur der Ablenkung von den ganzen Problemen hier im Lande, welche in Form von Elefantenherden schon im Raum stehen. Da muss man dann eben lauter und lauter Ablenken. gleichzeitig lässt sich mit diesem Thema wieder prima die Gesellschaft spalten!

Und dabei kann es sein, dass Frau Müller einen geisteswissenschaftlichen Orchideenstudiengang studiert hat und seit dem sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelt während Mustafa Öztürk gerade seinen Master in Maschinenbau abgeschlossen hat, jetzt seine erste gut bezahlte Stelle antritt und nun aus dem elterlichen Einfamilienhaus ausziehen will.

Leider wird über die Erfolgsfälle halt zu wenig geredet. Aber es gibt viele Familien wo die Großeltern noch als ungelernte Arbeiter nach Deutschland kamen, wo die Eltern Facharbeiter waren und wo die aktuelle Generation erfolgreich studiert. Wo die Familien sich systematisch eine solide Existenz mit Wohneigentum aufgebaut haben. Diese grenzen sich im übrigen vom Milieu wie man es in Problembezirken antrifft ab in dem sie sehr genau drauf achten, dass ihre Kinder keinen Umgang mit der „Isch bin so krass“-Fraktion haben und in dem sie ihre Kinder auf Privatschulen schicken.

Perser werden übrigens anders wahrgenommen als Türken, was wohl daran liegt, dass viele Perser in Deutschland nachkommen der intellektuellen Elite sind die beim Beginn der islamischen Republik Iran das Land verlassen haben.

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Wo leben eigentlich die weißen SJW-Hipster, die sich am lautesten darüber aufregen, dass bestimmte ethnische Gruppen hierzulande bei der Wohnungssuche immer wieder Diskriminierung erleben? Richtig: Die leben oft in weitläufig gentrifizierten Stadtvierteln, deren Einwohnerschaft unterm Strich weißer ist als die Soja-Schlagsahne auf ihrem überteuerten Coffeeshop-Gesöff. :face_with_hand_over_mouth:

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Siehst du darin mehr als nur eine Erscheinungsform des alten „wir gegen die“? Es ist ja durchaus natürlich: Die eigene Familie ist mir wichtiger als andere Familien, die eigene Stadt ist mir wichtiger als andere etc., und auf den ersten Blick am sympathischsten sind mir - ob ich will oder nicht - Menschen, die denen ähneln, mit denen ich bereits gute Erfahrungen gemacht habe.

Und klar, wenn plötzlich Fremde im Territorium erscheinen, begegnet man ihnen mit instinktivem Misstrauen. Wie selbstverständlich dem Anderen bisweilen mit offener Feindseligkeit begegnet wird, erkennt man zum Beispiel daran, wie fuchsteufelswild Linke werden, wenn in ihren Szenekneipen ein Nichtlinker auftaucht. Erst einmal Misstrauen zu haben, ist vollkommen normal, nur sollte man sich schon zusammenreißen und zumindest Toleranz üben.

Insgesamt krankt diese Debatte auch daran, dass viele Leute den Willen für freier halten, als er ist, und z.B. nicht verstehen, dass die meisten Entscheidungen nicht bewusst, sondern instinktiv getroffen und dann im Nachhinein rationalisiert werden. Unsere Willensfreiheit ist unser Vetorecht im Umgang mit diesen Entscheidungen. Ich kann den rassistischen Reflex nicht verhindern, aber ich kann mich weigern, ihn in entsprechende Worte oder Taten umzusetzen.

Nun, „einfach so“ bestimmt nicht, aber auch unserer Spezies wird noch der eine oder andere evolutionäre Schritt bevorstehen. Bislang ist es im demokratischen Westen ganz gut gelungen, das „Wir gegen die“ in Schach zu halten, und zwar mit Hilfe des freiheitlichen Rechtsstaats und seiner blinden Justitia.

Sehr wahrscheinlich, denn wenn rassische Merkmale wieder offiziell eine Rolle spielen, entfällt der schützende Effekt zugunsten einer zunehmend aggressiven Tribalisierung der Gesellschaft. Aus der Sicht der Oberschicht ist das insofern gut, als eine in Rassen und Geschlechter gespaltene, also mit sich selbst verfeindete Unter- und Mittelschicht niemals die Geschlossenheit aufbringen kann, die nötig ist, um ihre Interessen zu vertreten. Vor diesem Hintergrund wundert es auch ganz und gar nicht, dass der ganze Sums gerade bei den Privilegierten so beliebt ist.

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