Naja, man muss aber auch die Nachteile sehen, die so manche Schulen mit sich bringen. Das ist nicht bloß die reine „Blumenwiese der sozialen Kontakte“.
Nennen wir die Nachteile beim Namen (und natürlich sag ich nicht, dass ALLE Schulen so sind):
- Mobbing, soziale Ausgrenzung
- Gewalt
- Einstieg in Drogen oder Kriminalität
- Ausbremsen von Schülern mit höheren Fähigkeiten, weil sich Lehrer immer den Leistungen des Klassendurchschnitts anpassen müssen (hierunter fällt natürlich auch, wenn der Großteil der Klasse erst mal eine riesengroße Sprachbarriere zu überwinden hat). Folge: Langeweile, Demotivation, Leistungsabfall der besseren Schüler
- häufiges schlichtes „Zeit absitzen“ im Unterricht
Und was Holger doch sehr bei der Reaction ignoriert hat: Es soll ja bei dieser alternativen Bildungsform trotzdem regelmäßige Lernkontrollen geben, sodass nicht einfach jeder tun und lassen kann, was er will, ohne sich weiterzubilden über Jahre hinweg. Es wurde klar gesagt: Wird keine Leistung erbracht, dann ist die Alternative gescheitert und das Kind muss zurück an eine klassische Schule. Es soll die Schule ja nicht abgeschafft werden, sondern an mögliche Alternativformen gedacht werden.
Ich find auch die Frage schon falsch gestellt „Wie soll DIE Alternative konkret aussehen?“ Ich finde, man sollte da offen sein für mehrere Optionen. Mein Favorit sind kleinere, private Lerngruppen betreut von professionellen Lehrkräften, also keine überfüllten Klassen, effizienteres Lernen, viel größere individuelle Förderung und kein bloßes Zeit absitzen mehr. Was es auf jeden Fall braucht, sind menschliche Lehrkräfte: Es wird auf keinen Fall die Lösung sein zu sagen „Hier ist der Lehrplan, hier die entsprechende Literatur, im Zweifel frag einfach noch die KI und in X Tagen ist dann über Thema Y die Lernkontrolle beim Ministerium“.
Ich glaub auch nicht, dass es massenweise genutzt würde, sondern die Mehrheit nach wie vor die klassische Schulform besuchen würde, aber bei Problemen wie oben genannt, ist es doch völlig legitim über gute, förderliche Alternativmaßnahmen nachzudenken und nein, ich will auch nicht, dass Kinder völlig abgeschottet und sozial isoliert aufwachsen werden, und wir überspitzt gesagt massenweise neue „Kaspar Hauser“ damit hervorbringen.
Und noch weil Holger das Thema Sportunterricht erwähnte: Ich finde auch da sollte man neu denken. Das Hauptziel des Sportunterrichts ist doch, dass Kinder sich bewegen, Spaß haben und austoben. Die Frage ist: Jetzt haben wir ein Kind mit großem Talent und Spaß beim Fußball. Warum muss dieses Kind dann noch zum Geräteturnen, Weitspringen, Kugelstoßen oder sonst was gezwungen werden, worauf es so überhaupt keinen Bock hat? Was soll der Sinn dahinter sein?