Afghanistankrieg-Doku

Habe gerade in Berlin Direkt einen kurzen Ausschnitt aus einer am kommenden Mittwoch gezeigten Doku über Afghanistan Veteranen und Interviews mit Witwen von gefallenen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan.

Ich bin zwar selbst politisch gegen den Afghanistankrieg, aber die Soldaten die nun mal dort sind können nichts gegen politische Entscheidungen und die Zeit wo Soldaten noch freiwillig in solche EInsätze gegangen sind, sind schon lange vorbei… Die Soldaten können genausowenig etwas für ihre schlechte Ausrüstung, die aus politischen Gründen nicht verstärkt bzw. erneuert wird.

Diese Reportage befasst sich mit diesem Thema, also die Akzeptanz der Soldaten innerhalb der Bevölkerung auch wenn die Mehrheit nun mal gegen den Krieg ist. Es sterben trotzdem deutsche Soldaten und es scheint keinem besonders nahe zu gehen, wenn man sich im Vergleich amerikanische Begrüßungsrituale anschaut…

Ich will natürlich NICHT dass Deutschland zu einer “Kriegsnation” mutiert, aber Aufklärung sollte trotzdem betrieben werden.

Umso schlimmer die Tatsache wann denn die Doku läuft, nämlich Mittwochs um 0:30! Bei so einem wichtige Thema könnte doch mal die Rosamunde Pilcher oder die ein oder andere Kochsendung ausfallen um diesen Bericht zu senden!
Tja, Deutschland befindet sich halt nicht im Krieg (zumindest nicht an der Heimatfront), dann schauen wir uns doch lieber Kochsendungen an!

Es passt einfach nicht zu unserer Vergangenheit, dass wir Soldaten im öffentlichen Leben einen so großen Raum eingestehen, wie das in den USA der Fall ist. Das wird sich in den nächsten Jahr(zehnt)en sicherlich noch etwas mehr zum Positiven für unsere Soldaten wenden, aber dabei wird es wohl auch bleiben. Die Bundeswehr hat eben keine so starke Lobby.

Natürlich ist jeder Tote (in der Bundeswehr) in Afghanistan einer zu viel, aber die Menschen hier in Deutschland verstehen doch zum großen Teil überhaupt nicht, warum unsere Jungs dort sind. Afghanistan… das ist für viele am Ende der Welt. Und das mit der Freiheit Deutschlands, die da verteidigt wird… nun ja. Das wird wohl auch den beschränktesten Zeitgenossen klar, dass das doch eine sehr fadenscheinige Begründung ist.

Sehr gut fand ich damals diesen Beitrag über traumatisierte Soldaten. Das war dann aber auch genau 1 Woche in der Medien und dann standen andere Themen im Vordergrund. Wer will es dieser Bevölkerung auch verübeln? Mit dieser Regierung gibt es genug innenpolitische Themen, die jeden Menschen betreffen und über die es sich vortrefflich streiten lässt. Der Afghanistan-Einsatz betrifft doch nur (geschätzt) 500.000 Menschen in Deutschland (Bundeswehr und deren Angehörige). Die Gesundheitsreform aber jeden. So einfach ist die Rechnung.

Das müssen doch die ÖR machen… Ich mein wie können sie besser die kriegsähnlichen Zustände dem Zuschauer klarer machen als mit Rosamunde Pilcher, wie Lord Baron of Downforest Wood sein Vermögen unter den Kindern aufteilen muss, da er bald abkratzen wird und auch noch der mittlerweile verarmte Sohn des Count of Choclate Castle sich an seine geliebte Tochter ranwirft. Da ist doch ein bewaffneter Konflikt (formally known as the artist Krieg) vorprogrammiert.

Oder wenn Laffer, dem Lichter in einer Essensschlacht unter dem Tisch was bläst (wo auf welcher Seite was rauskommt will man gar nicht wissen) so das es niemand sehen kann (hierbei soll verdeutlicht werden, wie die Bundesregierung etwaige Unfälle mit Tanklastern, Bombenopfern oder mit skelletalen Partyfotos bei der BW verfährt).

Man dafür sind doch die ÖR und die Bundesregierung zu kluk. Viel zu K-L-U-K. ^^

Das hat - denke ich - keine historischen Gründe.

Auch in den USA gibt es Soldaten und -innen die sich gegen eine Teilnahme an Kriegshandlungen der USA verweigern. Das wird in den Medien nur nicht wirklich thematisiert.

Gleichsam ist es dort schwieriger, da die US-Armee eine Freiwilligen-Armee ist, aber durch die Möglickeit der Verweigerung der GI immer noch die Möglichkeit eines Entscheidungsirrtums hat.

Das nur dazu …

In Deutschland ist es etwas anderes. Der deutsche Soldat hat die Möglichkeit, den Einsatz in Afghanistan zu verweigern. Das haben schon einige - nicht nur wenige - getan. Hauptgrund ist der thematische Ansatz, der sich aus der Verfassung ergibt: die Bundeswehr wurde als eine rein deutsche Defensivarmee geschaffen und die politische Ausdehnung (“Deutschland wird am Hindukusch verteidigt …”) und die damit offensichtliche geographische Verzerrung von Papi Steinmeier wird eben nicht von jedem mitgetragen.

Ich persönlich gehöre zu denjenigen, die eine “Deutsche Soldaten in … bei … getötet”-Meldung genau aus diesen Gründen schulterzuckend zur Kenntnis nehmen. Für mich gilt immer noch der Satz: “Wer die Hitze nicht verträgt, der sollte aus der Küche rausbleiben!”

Und … solange der deutsche Bürger den Jungs in Bonn in diesem Punkt nicht langsam den Hahn abdreht, solange scheinen noch nicht genug Särge zurückgeflogen zu sein.

Und wenn ich ganz böse wäre, könnte ich auch so argumentieren, das das Verfahren der Desinformation bei Kriegshandlungen der eigenen Truppen - hinsichtlich der Berichterstattung über Todesfälle - auch schon in der nicht allzufernen Vergangenheit bestens funktioniert hat.

Und die öffentliche Rückführung der [-]von den Politikern ermordeten[/-] Gefallenen gehört dazu.

Vielleicht würde sich das ändern, wenn einer der Sprösslinge der Berliner Bankdrücker in Afghanistan stationiert wäre, bzw. Tante Steffi zu Guttenberg ihr eigen Fleisch und Blut aus einer Laderampe in Empfang nehmen darf …

"Deutschland wird am Hindukusch verteidigt …"
Dazu möchte ich sagen: Hätten wir damals Stalingrad nicht erobert, hätten wir es auch nicht verteidigen müssen.