Wortnomaden... "Es" lebt

Nicht neu ist die Herum -“äääherei” vor Kameras. Paradebeispiel war Edmund Stoiber, dessen sprachlichen Ergüssen ich alleine deswegen nie zu Ende folgen wollte.
Mir persönlich hat erst Dieter Bohlen den Rest gegeben, der gekonnt (und penetrant oft) sein “Untem” ins Mikro säuselte und bei mir damit eine Allergie ausgelöst hat, denn seit dem fällt mir (penetrant oft) auf:
Keiner, der sich vor einer Kamera präsentiert, scheint ohne “es” auszukommen. “Es” scheint ein Qualifikationsmerkmal erster Güte zu sein, ins Fernsehen zu kommen.
Worte, die auf “d” enden, werden mit einem “e” oder “ä” (mal länger, mal kurz, mal mit Zusatz -“m”, mal ohne) versehen, die zugleich das weiche “d” in ein hartes “t” verwandeln. Eine neue Regel in der Rechtschreibreform, die mir entgangen ist??
“Es” nervt und es scheinen selbst Sympathieträger, wie Günther Jauch und/oder gebildete Menschen, wie Barbara Salesch befallen zu sein.
Es sind nicht nur diese beiden (sonst) angenehmen Personen und es sind nicht nur die Wörter, die auf ein weiches “d” enden…, “es” ist ein Fass ohne Boden… (was bei mir sofort und unabhängig vom Inhalt zum Ausschalten des Tones führt).

also… solche angewohnheiten fallen mir, wenn ichs recht überlege, bei jedem meiner Mitmenschen auf, sowohl in Familie als auch im Freundeskreis…drum: Was war noch mal der Punkt?

Stimmt, aber Mitmenschen verlangen für diesen Mist kein Geld von mir. Im Fernsehen erwarte ich ein gewisses Sprech-Niveau.

und/oder gebildete Menschen, wie Barbara Salesch befallen zu sein.

:shock: Also da hätte ich jetzt doch n anderes Beispiel gewählt…

Im Fernsehen erwarte ich ein gewisses Sprech-Niveau.

Wirklich? Also ich erwarte da überhaupt kein Niveau mehr, weder in der Sprache noch irgendwo anders.

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, worüber du dich aufregst. Warum sollen Leute, nur weil sie vor der Kamera stehen, nicht so sprechen, wie sie es normalerweise auch tun?

Find’s schon lustig, was die Leute immer so für Ansprüche stellen.
Ich glaube eins der größten und vorallem wichtigsten Probleme im dt. Fernsehen ist nicht Aussprache diverser Wörter und Aufbau von Sätzen, hm?!

Mfg Forger

P.s. Ich erkläre mich eigentlich schon als einer der Hauptvorsitzenden des Vereins “Vergewaltigung der deutschen Sprache ist nicht lustig e.V.(imaginär)” und bei Sachen wie “einzigste” oder “die wo” könnte ich Stunden reiern, aber die hier angeführten Punkte sind ja wirklich trivial.
Außerdem -> Lieber dutzende Ähs und der Typ überlegt wenigstens, was er labert, als dass solche Verbalverbrechen wie bei Mario Barth oder anderen Kaspern rauskommen.

Mich stört es wirklich.
Andere stört halt anderes. Natürlich ist oft das inhaltliche Niveau mit dem Sprech-Niveau wegen der großen Differenz nicht vergleichbar.

@Forger
mit „einzigste“ oder „die wo“ hast du natürlich Recht. Grauenhaft, aber nicht so penetrant häufig anzutreffen.

@Blitzkraeg
Anjo hat geschrieben:
und/oder gebildete Menschen, wie Barbara Salesch befallen zu sein.
Also da hätte ich jetzt doch n anderes Beispiel gewählt…

B. Salesch läuft gerade, mit außenem Ton :smiley: ( „außenem“ Forger, ich weiß … :mrgreen: )

Ich finde sie ja nicht schlecht sonst, sie ist halt meine „eeeeehme“

Und ich finde schon, dass es einen Unterschied darin geben sollte, ob man privat vor sich hin blubbert oder beruflich im Fernsehen etwas darstellen will oder soll.

Anjo, der wo sich überlegt, ob es wohl Sinn macht, so kleine Probleme hier anzusprechen :wink:

Also das mit dem weichen d und dem harten t lässt sich bestimmt auch auf Dialekt und persönliche Sprachfärbung zurück führen.
Wäre es nicht langweilig wenn jeder Mensch, jedes Wort exakt gleich betonen und aussprechen würde?
Natrülich sollten öffentliche Personen keine Probleme haben sich rhetorisch gekonnt auszudrücken, doch so kleine Betonungsunterschiede würde ich nicht einmal als Fehler bezeichnen. Ich verstehe also deine Kritik nicht so ganz.

Eine neue Regel in der Rechtschreibreform, die mir entgangen ist??

Was hat die Rechtschreibreform mit der Aussprache zu tun?

Nicht neu ist die Herum -„äääherei“ vor Kameras. Paradebeispiel war Edmund Stoiber, dessen sprachlichen Ergüssen ich alleine deswegen nie zu Ende folgen wollte.
[…]
„es“ ist ein Fass ohne Boden… (was bei mir sofort und unabhängig vom Inhalt zum Ausschalten des Tones führt).

Ja, Du hast recht.

Die gegenwärtige Entmenschlichung unserer Sprache wurde schon weiland von Edward G. Dreyfus in einem seiner Betrachtung des Germanischen Idioms „The German Idiom and the majoric abuse of „it““ angeprangert. Dreyfus stützt sich dabei auf eine langanhaltene Studie der königlichen Universität von Kopenhagen in der - rein statistisch - die Verwendung des „Es“ in einem „Über-ES“ signifikant dargestellt wurde … ein Fakt der bereits von Nietzsche hinreichend betrachtet wurde.

Wir sollten das Phänomen einer erhöhten Aufmerksamkeit für würdig erweisen

@ Aero
Vielleicht meint er „Rechtsprache“? :smt017

Ok, ich lerne dazu :lol:

Trotzdem: achtet mal drauf

Ähm tut mir Leid, aber könnte mir vielleicht jemand erklären, was die ganze Zeit mit “es” gemeint ist? Die falsche Aussprache? Oder etwas anderes?
Ich erkenne im Eingangspost nicht wirklich eine Erklärung dafür… :?:

P.s. Ich erkläre mich eigentlich schon als einer der Hauptvorsitzenden des Vereins „Vergewaltigung der deutschen Sprache ist nicht lustig e.V.(imaginär)“ und bei Sachen wie „einzigste“ oder „die wo“ könnte ich Stunden reiern, aber die hier angeführten Punkte sind ja wirklich trivial.

Ich könnte mich durchaus zu der Riege der Vorsitzenden des „Vereines zum Schutze der Vielfalt deutscher Dialekte e.V.“ (ebenfalls imaginär) zählen. Als Schwaba muss ich die Kritik an dem „die wo“ immer wieder lautstark zurückweisen. In unserem Diakelt ist die übermäßige Verwendung der Wortes „wo“ nicht nur üblich sondern auch die einzig grammatikalisch richtige Ausspracheform.

Es ist allgemein wichtig zu wissen, dass niveauvolle Sprache an vielen Stellen nicht verständlich ist. Ich gehe davon aus, dass rund 80% der Bevölkerung mit vielen unserer Forenbeiträge kaum etwas anfangen können, da sie zu kompliziert geschrieben sind.

Allerdings stimmt es durchaus, dass unsere Sprache immer weiter verfällt. Ich bin kein Freund dieser Konrad-Duden-Gedächtnisvereine. Ich meine diese welche ihre Ansichten jedem aufs Auge drücken und als die einzig Richtigen darstellen. Auch diesen übertriebenen Kampf gegen Anglizismen halte ich für kontraproduktiv. Wenn man diese Leute fragt, wie man denn statdessen sagen soll kommt als Antwort irgend ein Wort, dass schon beim ersten Klang ganz mies gekünstelt wirkt und meinst länger als der Anglizismus ist.

Die hier dargestellte Kritik ist schon von vorne herein völlig überflüssig. Als ob dies stören wirde, wenn ab und zu ein Äh einfließt. Dies ist menschlich!

Ähm… bin ich der einzigste, der wo finden tut, dass das eigentliche Problem nicht istäm, also dass das von den Medien - also, öhm, vor allem Fernsehen - auf den normalen Sprachgebrauch am übergreifen ist. Irgendwie ist das am anstrengendäm sein, so zu schreib’n, was mir dann wieder einem gewissen Bewunderung am abzollen ist, für die wo so sprechen tun. :smt006

Das finde ich aber wirklich das eigentliche Problem. Die berühmte graue Masse konsumiert das falsche Sprechverhalten nicht nur, sondern erlernt es auch. Wie sonst wäre es zu erklären, dass das “ch” in weiten Teilen der Bevölkerung dem “sch” gewichen ist und man jetzt befiehlt: “Werf” und “Ess” statt “wirf!” und “Iss!”. Ferner - und ich seh bzw. hör es ja an mir selbst - gehen viele Floskeln in unseren alltäglichen Sprachgebrauch über (einige davon begrüße ich sogar, weil sie mittlerweile einfach Teil der Popkultur sind und sowas zum Sprachwandel dazugehört):
“Ja, nee, is klar!”
“Nich’ wirklich”
“Wat is los?”
“Wie? wat bis’ du’n?”
“Ach, neeeeee?”
“Mmmmmmh…[was auch immer]”
“Nein” (also das aus den Simpsons)
“Ich will nur hier sitzen!”
“Klar soweit?”
“Eine Hausfrau hat das im Gefühl”
“Ach, ist das schöööön!”
“Wir ham doch keine Zeit!”
“Och, wie unangenhem!”
“Was würde der Führer dazu sagen?” (natürlich ironisch/satirisch gemeint - bei sowas muss man ja schon wieder aufpassen)
“Pfuuui, wie gemein!”
“Ich bin auf dich nicht angewiesen!”
“Röööööchtiiiiisch!”
“Das ist eine Aktion, die ich einhundertzehnprozentig unterstütze!”

Ich könnte mich durchaus zu der Riege der Vorsitzenden des „Vereines zum Schutze der Vielfalt deutscher Dialekte e.V.“ (ebenfalls imaginär) zählen.

Dito!! Ich bin stolz auf meinen Dialekt und dessen Eigenarten. Sie gehören zu meiner Kultur und zu meiner Heimat. Ich bin für sprachliche Vielfalt! Und ich bin auch für Veränderung bzw Weiterentwicklung der Sprache, egal in welche Richtung das geht. Sprache DARF nicht statisch sein, sie muss sich verändern, um lebendig zu bleiben. Wer eine sich nie verändernde Sprache sprechen will, der wählt Latein. Wenn eine Sprache gesprochen wird, dann verändert sie sich auch. So war das schon immer und das kann man auch nicht aufhalten.

@andreR,

„Als ob dies stören wirde, wenn ab und zu ein Äh einfließt.“

Da gebe ich dir recht. Ab und zu würde mich es nicht stören, aber inflationär…

Auch ich habe kein Problem mit dem „wo“ oder dem „die wo“, was in meinem ebenfalls schwäbischen Umfeld oft anzutreffen ist. Ich finde nur, es hat im Fernsehen nichts verloren, es sei denn auf einem regionalen Sender. Es gibt ja auch Sendungen in Mundart, die ich hammergut finde. Oder endgeil :wink: . Ich liebe Humor in jedem Dialekt und ich verstehe sehr viele. Und ich kann sie nach wenigen Tagen in entsprechendem Umfeld auch sprechen.

Die Leute, die im Fernsehen eine breite Masse (ganz Deutschland) ansprechen wollen, werden Schriftdeutsch besser verstanden und die wirklich penetrant oft einfließenden Ääääähs an beinahe jedem Wortääää, die braucht es doch nicht. Es ist eine Konzentrationsfrage, ohne äääähs zu sprechen und Leute, die sich für`s Sprechen in der Öffentlichkeit bezahlen lassen, sollten das können. Sie können ja privat herumäääähen.

@Silvere,

"Ähm tut mir Leid, aber könnte mir vielleicht jemand erklären, was die ganze Zeit mit „es“ gemeint ist? Die falsche Aussprache? Oder etwas anderes?
Ich erkenne im Eingangspost nicht wirklich eine Erklärung dafür… "

Es geht um das im TV so oft angehängte Ääääää hinter fast jedem Wort, wenn die so genannten Medienprofis den Mund aufmachen. Ich habe das Ääääääh halt „Es“ getauft. Es stört mich wirklich sehr, aber ich lerne hier gerade, dass ich damit wohl alleine dastehe. Macht nichts. Und dein „Ähm“ stört mich nicht. In Foren oder auch beim Chatten ist wieder ein anderes Niveau üblich. Zum Beispiel wird da oft alles klein geschrieben. Finde ich ok.

@Anubis2705,

auch gegen Satire oder überspitzte Darstellungen habe ich nichts, im Gegenteil. Ich bin ein großer Freund des Humors.

Auch die Floskeln stören mich nicht. Siehe oben. Chatten oder Stammtischgeplauder, da kann man es halten, wie man will. Davon bin auch ich nicht frei.

Man kann es natürlich auch im TV so halten, wie man will, solange ich der Einzigste bin, den das stört und sonst keiner meckertääähm und alle brav GEZ bezahlen … nech? :smiley:

Ich weiß nicht, aber irgendwie glaube ich nicht das 9live besser wird, wenn die Moderatoren das “Gleich schlägt der Hot Button wieder zu, ich will hier einen Gewinner sehen…” im fehlerfreien Hochdeutsch über die Lippen kriegen.

Um Gottes Willen, dann würden die ja noch mehr Leute verstehen und es würden noch mehr leute da anrufen :smt005

Es geht um das im TV so oft angehängte Ääääää hinter fast jedem Wort, wenn die so genannten Medienprofis den Mund aufmachen. Ich habe das Ääääääh halt „Es“ getauft. Es stört mich wirklich sehr, aber ich lerne hier gerade, dass ich damit wohl alleine dastehe. Macht nichts. Und dein „Ähm“ stört mich nicht. In Foren oder auch beim Chatten ist wieder ein anderes Niveau üblich. Zum Beispiel wird da oft alles klein geschrieben. Finde ich ok.

Achso, darum geht es :roll:
Naja, ehrlich gesagt stört mich das auch immer wieder, wenn ich es höre. Wenn ich schon mal so etwas sehe, will ich keine verstümmelten Sätze hören sondern normale, nicht dauernd unterbrochenen. ^.^ Also sind wir 2!

Mir fällt gerade so ein: Am besten wird’s doch, wenn Leute, die iegentlich Deutsch sprechen schon deutsch untertitelt werden. Hoffentlich zeichnet sich da kein Trend ab, sonst kann man sich mit anderen nur noch unterhalten, wenn die ihren Untertitel dabei haben… :smt026
Denn so großen Einfluss wie das Fernsehen schon auf unseren Alltag und die Sprache im besonderen hat, sollte einem das Sorgen machen und dann kommen noch so Sätze wie: “Die Ausländer sollen ma’ anständig Deutsch können, wenn die hier hin kommen!” Legen wir das für die Deutschen als Mindestvorraussetzung an, haben wir bald nur noch 8 Millionen statt 80 Millionen Einwohnern.

Na dann werdet ihr hoffentlich auch euren eigenen Ansprüchen gerecht.

P.S.: “,wenn… . Wenn” ist kein gutes Deutsch und es heißt dauernd unterbrochene nicht unterbrochenen.

So jetzt warte ich gemütlich auf das Brecherargument: “Ich bin ja schließlich nicht im Fernsehen tätig, also gilt das für mich nicht.”