Wir basteln uns eine Kategorie

Diskussion über den Blog-Artikel: Wir basteln uns eine Kategorie

Haben Sie am Donnerstagabend die Bambi-Verleihung in der ARD gesehen? Ich will gar nicht so viel Schlechtes darüber schreiben, denn immerhin hatte diese Veranstaltung, im Gegensatz etwa zum Deutschen Fernsehpreis, durchaus ein wenig Glamour zu bieten - und es kommt ja nicht oft vor, dass Weltstars wie Sarah Jessica Parker und Orlando Bloom im deutschen Fernsehen auftreten.

Womit wir auch schon beim Thema wären: die Stars. Oder besser gesagt: die Stars und die Kategorien. Orlando Bloom erhielt den Bambi in der Kategorie “Charity”. Nun werden Sie zu Recht fragen: Wieso “Charity”? Und die zweite Frage wird lauten: Wer bekam denn in den vergangenen Jahren den “Charity”-Bambi? Beginnen wir mit der Antwort auf die zweite Frage: Niemand erhielt in den vergangenen Jahren einen Bambi in der Kategorie “Charity”, weil es eine solche Kategorie zuletzt 2005 gegeben hat. Und Orlando Bloom hätte solch einen willkürlich erdachten Bambi sicher nicht bekommen, wenn er nicht zufällig derzeit wenige Kilometer vom Veranstaltungsort entfernt “Die drei Musketiere” im Filmstudio Babelsberg drehen würde. Oder anders ausgedrückt: Wenn schon mal ein Weltstar um die Ecke arbeitet, dann laden wir ihn doch gleich ein, dachten sich die Bambi-Veranstalter. Und wenn wir ihn schon einladen, dann müssen wir ihn auch mit einem Bambi auszeichnen - egal, ob er ihn nun wirklich verdient hat oder nicht. Und so entstand also der “Charity”-Bambi.

So ist das in den vergangenen Jahren immer bei der Bambi-Verleihung gewesen: Zuerst ist der Star da, und dann strickt man um ihn einfach eine passende Kategorie herum. In diesem Jahr gab es auch Bambis in den Kategorien “Talent” (Sophia und Jana Münster) und “Integration” (Mesut Özil) - diese Kategorien hat es in den Jahren zuvor nicht gegeben. Hingegen gab es 2009 zum Beispiel die Kategorie “Film National” (ging damals an das Team von “Wickie und die starken Männer”), diesmal gab es diese Kategorie nicht. Auch einen Bambi “Kreativität” gab es im vergangenen Jahr (Giorgio Armani), diesmal nicht. Der Bambi “Wirtschaft” ging 2009 an Uli Hoeneß - auch den suchte man diesmal vergeblich. Warum nicht? Gibt es 2010 niemanden aus dem ökonomischen Bereich, den man auszeichnen könnte? Selbiges könnte man auch bei “Film National” fragen.

Tatsächlich scheint es so zu sein, dass die Leute vom Burda-Verlag, der den Bambi vergibt, erstmal wie wild herumtelefonieren und schauen, wen man kriegen kann - und sobald jemand zusagt wird drüber sinniert, wie man den Bambi nennen soll, den er oder sie kriegen soll. So muss es dann auch bei Sarah Jessica Parker gewesen sein: Der Star aus “Sex And The City” sollte auch ein goldenes Rehkitz kriegen, wenn er denn schon mal vor Ort war - und weil der Jury wohl partout keine passende Kategorie einfiel, gab man am Ende der Frau Parker einfach den “Überraschungs-Bambi”. Ja, das klingt doch richtig feierlich - auch wenn damit schleierhaft bleibt, welche Leistung die Schauspielerin dafür erbracht haben soll. Sie war eben einfach nur da.

P.S.: Auch Unheilig erhielt einen Bambi (“Pop National”), was an sich in Ordnung wäre - wenn nicht derzeit diese erbärmliche Kinowerbung für RTL 2, in der kranke und behinderte Menschen herhalten müssen, um das asoziale Programm des Senders zu rechtfertigen, laufen würde - inklusive Unheilig. Na, wenigstens gab es dafür nicht auch einen “Charity”-Bambi…

Die Werbung mit Unheilig finde ich eigentlich gar nicht schlecht - schade nur, dass sie nicht für Aktion Mensch ist. Die kranken und behinderten Menschen werden meiner Meinung nach eher in der beworbenen Sendereihe (und dem restlichen RTL2-Programm) missbraucht als im Spot.

Naja, und was die ganzen Preise angeht, in denen die Medienbranchen sich selbst einschleimen - die sind mir allesamt egal, inklusive Oscar. Ist ja im Prinzip eh nur Wetten, dass… ohne die Wetten. (Stinklangweilig, viele Promis, belangloses Gerede, auftragen Augenkrebs verursachender Klamotten, …) :smt002

Wenn mir einfach so jemand erzählt hätte, es gäbe nen Überraschungs-Bambi und nen Integrations-Bambi, ich hätts für nen Scherz gehalten.

Ach herrje,

unkreativer wäre man wohl nur angekommen, wenn man die neuen auszeichnungen ganz maschinell “NewAward001” oder so genannt hätte, aber das lässt vielleicht auch darauf hoffen, dass irgendwann auch Zuschauer ausgezeichnet werden - einfach, weil sie da sind! Das ist dann der umgekehrte Zuschauerpreis und sicher eine Zierde für jedes Trophäenschränkchen.

Ich bin aber ernstlich besorgt, ob diese Auszeichnungsinflation den allgemeinen Wert dieser Veranstaltung samt ihrer ernst gemeinten Auszeichnungen nicht verringert. Wenn internationale Größen für ihre bloße Präsenz einen Preis kriegen, so werden diese Leute zukünftig auch nur in Erwartung eines Preises kommen, der, wie oben beschrieben, aber so an Wert verlieren könnte, dass die ganze Veranstaltung An Reiz und schließlich an relevanz verliert, weswegen dies hier wohl der Beginn der Bambi-Banalisierung ist, an dessen Ende die gänzliche Einstellung dieser Preisverleihung steht. Naja, mir soll es recht sein; diese Auszeichnungen kümmern mich nicht und die Verleihung derselben noch weniger.

@Sirius: Manche Scherze bleiben im Halse stecken :?

Schönen Morgen noch!

Tja,der burda Clan ist halt manipulativ,da passt doch sowas ins Bild.
Ich geh nächste Jahr auch hin,und möchte den Hartz4 Bambi :smt021

Schlagermusik wurde schon immer für zweifelhafte Werbung benutzt.
Als ich den Song das erste Mal hörte, dachte ich “Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Kinderchor am Ende”.

Jetzt weiß ich wieder, warum ich solche Preisverleihungen nie gucke…

Doch, doch, den Charity-Bambi gab’s schon öfter. 2001 hat ihn zum Beispiel die Krankenschwester Karla Schefter bekommen, 2005 Bill Clinton http://www.bambi.de/historie/Geschichte … d_275.html

Gestern das erste Mal im Kino diese RTL2-Werbung gesehen. Ich war schlicht entsetzt. Ja, diese Menschen haben ein Recht auf Glück. Ja, sie sollten ihre Behinderungen in der Öffentlichkeit zeigen können, ohne dass Leute entsetzt zurückschrecken. Aber bei RTL2 mit kitschigem Hintergrundsong? Das ist die moderne Version der Freakshows von früher - rein auf Profit ausgelegtes Ausnutzen dieser Menschen, die sich offensichtlich nicht wehren können. Ekelhaft.

Leider gibt es wohl immer noch genug Erziehungsberechtigte, die sich von dem Argument einlullen lassen, RTL2 tue so etwas aus Mitgefühl. Oder das bisschen Geld brauchen, dass der Sender bietet.

Mal ganz ehrlich…der deutsche Fernsehpreis hat sich dem deutschen Fernsehen angepasst…das deutsche Fernsehen ist scheisse also wird auch der Preis scheisse…DAS ist nur konsequent. Der Bambi passt sich seinen Gästen an…DAS ist erbärmlich.

Und die “Weltstars” Orlando Bloom und Sarah Jessica Parker können nur als solche bezeichnet werden weil ihr Kram in Hollywood produziert wird und sie daher automatisch in der westlichen Welt sehr bekannt sind. In meinen Augen sorgt das aber nicht für Glamour…mir sind da deutsche Schauspieler die wesentlich mehr geleistet haben hundert mal lieber…gerade im Fall von dieser talentfreien Parker.

Also, Orlando Bloom ist durchaus ein Weltstar der jüngeren Zeit. Herr der Ringe und Fluch der Karibik waren wohl die größten Fantasy-Spektakel in den letzten Jahrzehnten, und in beiden hatte er eine Hauptrolle. In Black Hawk Down und in Königreich der Himmel war er ja auch noch.

Ich finde den ganzen Preis mehr als Lächerlich. Da ist so übelst fremdschämen angesagt und ich bin jedesmal - wie auch bei Wetten dass…? - erstaunt, wie gut sich die Leute im Griff haben. Und wie sehr die Vetternwirtschaft der dt. Filmindustrie es überhaupt nicht interessiert, solange sie dafür Kohle bekommen, sich gegenseitig einzuschleimen.

Ne, da schau ich mir lieber Schlammcatchen an. Ist das gleiche, nur mit mehr nackter Haut. Wobei… wird wohl auch bald ähnlich sein.

[…] im Gegensatz etwa zum Deutschen Fernsehpreis, durchaus ein wenig Glamour zu bieten - und es kommt ja nicht oft vor, dass Weltstars wie Sarah Jessica Parker und […] im deutschen Fernsehen auftreten.

Sarkasmus, Holger? :wink:

Auf jeden Fall verstehe ich unter Weltstars andere Personen als diese austauschbare Statistin.

[…] Und Orlando Bloom hätte einen solchen schnell herbei erdachten Bambi sicher nicht bekommen, wenn er nicht zufällig derzeit wenige Kilometer vom Veranstaltungsort entfernt „Die drei Musketiere“ im Filmstudio Babelsberg drehen würde. […]

Dann wäre es meiner Meinung nach besser gewesen, lieber einen interessanten Schauspieler wie Christoph Waltz anstelle dieser langweiligen Sarah Jessica Parker einzuladen.
(Naja, vielleicht hat ja Herr Waltz auch geahnt, dass es besser ist, solchen Veranstaltungen fern zu bleiben.) :wink:

In diesem Jahr gab es auch Bambis in den Kategorien […] und „Integration“ (Mesut Özil) - diese Kategorien hat es in den Jahren zuvor nicht gegeben. […]

Wurde etwa auch die Kategorie „Sport“ gestrichen? :lol:

Wenn ja, dann finde ich es auch peinlich, wie Kategoien gebastelt werden. Da kann ich nur am Veranstalter zweifeln, ob es sich nun um Fachjournalisten oder um Boulevard-Schmierer handelt.

[…] Der Star aus „Sex And The City“ sollte auch ein goldenes Rehkitz kriegen, wenn er denn schon mal vor Ort war - und weil der Jury wohl partout keine passende Kategorie einfiel, gab man am Ende der Frau Parker einfach den „Überraschungs-Bambi“. […]

Da hätte ich einen besseren Vorschlag für eine Kategorie: „Bambie für die belangloseste Hauptdarstellerin der nervigsten Tratschtanten-Serie“ :mrgreen: :smt029

Immerhin kommen die Stars noch, andernfalls würde Jürgen Milski im nächsten Jahr wohl den Bambi für sein Lebenswerk erhalten :smiley:

Guter Hinweis - mir lagen nur die Kategorien der letzten drei Jahre vor… aber trotzdem darf man ja die Frage stellen, warum es diesen Bambi nicht jedes Jahr gibt?

@Gast

Mach uns keine Angst,brrr Milski den Bambi…

mir lagen nur die Kategorien der letzten drei Jahre vor…

Das dreisteste Beispiel wurde allerdings vergessen: Der „Mut-Bambi“ für Tom Cruise, weil er „Operation Walküre“ drehte. :smt011
Und Sarah Jessica Parker wusste auch nicht, wo sie ist; die Verleihung fand in Potsdam statt, nicht in Berlin… :smt015
—>Gute Kritik zum Bambi<—

Ich frage mich ja immer wieder, warum eine Werbeveranstaltung des Burda-Verlages Jahr für Jahr im Fernsehen übertragen werden muss. Dies noch mit großem Brimborium. Sehr komisch.

Wurde die Verleihung eigentlich live ausgestrahlt, oder war diese Sendung mal wieder aufgezeichnet bzw. zeitversetzt (sowas halte ich bei solchen „Veranstaltungen“ immer für besonders feige!)?

An Stelle von Özil hätte ich den Bambi dieser heuchlerischen Jury vor die Füße gepfeffert, aber sein Spielerberater hätte ihm das bestimmt verboten… Özil ist ein Leistungssportler, ein Ausnahmefußballer, ein Talent und dadurch letztlich in gewisser Weise auch ein Privilegierter. Er ist jemand mit dem auch andere ihr Geld verdienen. Ich verstehe zwar, dass so jemand schon eine „Signalwirkung“ haben kann… aber mit Özils Eigenschaften ist „Integration“ von beiden Seiten sehr einfach, da er eine Ausnahme ist (sehr vereinfacht; Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie). Soll man ihm doch bitte einen Sportpreis für seine fußballerischen Leistungen geben, aber keinen heuchlerischen Preis für Integration! Damit wird nämlich manifestiert, dass Integration eine Ausnahme bleibt(!).

Und dann noch dieser ebenso heuchlerische Charity-Bambi für Orlando Bloom… völlig beliebig! Ein Überraschungs-Bambi für Sarah Jessica Parker?! Wow, what a surprise! Ebenso beliebig. Zum Fremdschämen, einfach peinlich! Und dann noch dieses schwülstige Gesülze von Unheilig (ok, Geschmackssache!). Und überhaupt - nur Sonder-, Ehren- und XY-Bambis.

Und dann schämt man sich nicht, Christoph Schlingensief in diese Runde der Belanglosigkeit einzuhreihen… mit dem Bambi für „Kultur“! Natürlich erst nach seinem Tod - der Gipfel der Heuchlerei! Lebend hätte der niemals einen Unterhaltungspreis bekommen, denn man hätte ihn ja einladen müssen und er wäre entweder nicht gekommen oder hätte die Veranstaltung niedergebrannt :smiley: (hach, herrlich unkonventionell waren seine TV-Sendungen wie U2000 oder Freakstars)! So einen wie Schlingensief bräuchte die ARD mal als Intendanten!

Einzig und alleine „interessant“ sind eigentlich nur die Preise für bester Schauspieler, beste Schauspielerin und bester Fernsehfilm. Alles andere ist nur ein widerlicher, klebriger Brei aus Belanglosigkeit, (Selbst)gefälligkeit, Selbstbeweihräucherung und Heuchlerei.

  • „Und das alles von Ihren Gebühren!“ [Mongo Immsen, switch reloaded]

Das beste an diesem Preis war, das Özil einen vorgefertigen Text einfach runter ratterte! So wie das für mich aussah saß jemand im Publikum der ihm half die paar Sätze aufzusagen, er schaute nämlich ständig nach unten und es wurde auch kurz jemand eingeblendet, der den Text schon vorher sagte (!) bzw. Özil half. Dann immer diese Kommentare zum Türkei-Deutschland Spiel, das doch angeblich zeigte wie Özil die Kulturen verbindet, aber kein Wort darüber dass Özil (von den türkischen Fans) mehrheitlich ausgebuht wurde(!)

Preis für Integration, wie heuchlerisch, hier ging es nur darum einen polarisierenden Menschen, für beide Seiten, auf die Bühne zu stellen, ob er wirklich zur Integration beiträgt bleibt Nebensache…

Ich verstehe sowieso nicht, warum überhaupt die Nationalmannschaft ständig geehrt wird, vom Bundesverdienstkreuz bis zum Fernsehpreis…Was passiert denn wenn sie den wirklich Welt- oder Europameister werden? Werden sie dann vom Papst heilig gesprochen?

Noch geiler ist ja das die Serie “Um Himmels willen” als beste deutsche Serie ausgezeichnet wurde. Da bleibt mir nur eines: Um Himmels willen schreien und dann meinen TV ankotzen. Oder sämtliche Burdapamphlete zu kaufen und sie wegen Volksverdummung zu verbrennen. Warum musste eigentlich die SJP (die ne Ausstrahlung hat die die Bohnenstangen im Garten meiner Oma) diese Volksverdummungveranstaltung leiten? Und wieso wird imemr behauptet das sie attraktiv ist. Wenn ich mit nem Brett Sex haben will knall ich meinen Zaun…

(Sorry für meinen ausfallenden Ton diesmal aber diese Veranstaltung hat mich etwas stinktig gemacht)