Wie weit muss Demokratie gehen?

Diskussion über den Blog-Artikel: Wie weit muss Demokratie gehen?

Beim Konsum der Live-Übertragung der Wahl des Bundespräsidenten habe ich mir wieder mal eine Frage gestellt: Welche Pflichten hat Fernsehen bei einer solchen Berichterstattung? Worum es mir geht, ist folgendes: Vier Kandidaten bewarben sich um das Amt des deutschen Staatsoberhauptes - aber nur drei wurden gezeigt. Nummer 4 war ein Kandidat der rechtsextremistischen NPD und DVU. Ich habe wahrlich nichts mit solchen Leuten am Hut und finde rechtsextremistisches Gedankengut widerlich. Dennoch gehört es meinem Verständnis nach nicht zu den Aufgaben von ARD, ZDF und PHOENIX (alle haben live übertragen), mir als Zuschauer vorzuschreiben, was ich sehen darf und was nicht. Mir fiel jedenfalls unangenehm auf, dass der Kandidat Frank Rennicke zwar namentlich genannt wurde, gezeigt haben ihn die TV-Sender jedoch nicht ein einziges Mal. In der langen Pause zwischen dem Wahlgang und der Verkündigung des Ergebnisses (etwa 45 Minuten) wurde andauernd in den Plenarsaal geschaltet, immer wieder wurden Horst Köhler, Gesine Schwan und auch der von der Linken nominierte Peter Sodann gezeigt, ebenso diverse Spitzenpolitiker - der vierte Kandidat hingegen war nicht einmal im Bild. Was ist das für ein demokratisches Verständnis? Wenn Mitglieder der Bundesversammlung, und vier davon sind nun mal aus dem Rechtsaußen-Lager, einen eigenen Kandidaten nominieren, dann hat das Fernsehen diesen Kandidaten genauso fair zu behandeln wie die anderen drei - ganz egal, was das für ein Typ sein mag. Als interessierter Zuschauer einer solchen Veranstaltung sollte ich wohl aufgeklärt genug sein, um mir ein eigenes Bild machen zu können. Dass das Fernsehen einen ordnungsgemäß aufgestellten Kandidaten schlichtweg unterschlägt, ist skandalös.

Wenn ich mir anschaue, was die öffentlich-rechtlichen in letzter Zeit so abziehen, wird mir immer schlechter.
Und da hast Du ganz recht, der Kandidat muß genauso fair behandelt werden, wie alle anderen. Ob er dann schlußendlich gewählt wird, das ist ja egal.

Ich fand die ganze Übertragung ziemlich entsetzlich, aber gut das ist Geschmackssache.
2 Stunden Nichts zu moderieren gibts ja normalerweise nur bei Marathonläufen oder der Tour de France.
Allerdings stimme auch ich dem FK zu, dass gefälligst alle Kandidaten gezeigt werden sollten, durch totschweigen hat sich schließlich noch kein Problem gelöst.

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Ich habe wahrlich nichts mit solchen Leuten am Hut und finde rechtsextremistisches Gedankengut widerlich. Dennoch gehört es meinem Verständnis nach nicht zu den Aufgaben von ARD, ZDF und PHOENIX (alle haben live übertragen), mir als Zuschauer vorzuschreiben, was ich sehen darf und was nicht.

Man muss aber auch beachten das nicht jeder Mensch über deinen gesunden Verstand verfügt und dass man selbst sowas wie rechtsextremistisches Gedankengut auch schönreden kann. Das könnte viele Menschen dann verwirren.
Und die stimme von jeden Menschen ist halt gleichwertig.
Irgentwo muss ja schluss sein sonst könnte man ja auch gleich Werbung für Schusswaffen machen zB.

dabei vergisst du wer den Bundespräsidenten wählt.

ja das ist richtig^^

Man muss aber auch beachten das nicht jeder Mensch über deinen gesunden Verstand verfügt und dass man selbst sowas wie rechtsextremistisches Gedankengut auch schönreden kann. Das könnte viele Menschen dann verwirren.
Und die stimme von jeden Menschen ist halt gleichwertig.
Irgentwo muss ja schluss sein sonst könnte man ja auch gleich Werbung für Schusswaffen machen zB.

Ein demokratischer Staat setzt aber einen mündigen Bürger voraus, der nicht gleich NPD wählt, nur weil deren Kandidat gezeigt wird oder weil ein paar der NPD-Hohlpfosten ein Statement im TV abgeben.
Durch die gezielte Ausblendung eines Kandidaten eine Vorauswahl zu treffen ist eigentlich schon Zensur und das sollte, gerade im öffentlich rechtlichen Rundfunk nicht tolerierbar sein. Die öffentlich-rechtlichen müssen ja auch NPD-Wahlwerbung ausstrahlen.
Werbung für Schusswaffen halte ich übrigens prinzipiell für genauso unverfänglich, allerdings gehört das ja wirklich nicht zu den Pflichten der öffentlich-rechtlichen. :smt023

Zur Demokratie gehört doch auch, dass jeder wählen kann, was er will.

Naklar sind [Neo]nazis Idioten, aber wer meint, sie wären gut für ihn, sollte sie finde ich auch ohne Einschränkung wählen dürfen, oder seid ihr dafür, die Meinungsfreiheit zu extrem einzuschränken?

In der langen Pause zwischen dem Wahlgang und der Verkündigung des Ergebnisses (etwa 45 Minuten) wurde andauernd in den Plenarsaal geschaltet, immer wieder wurden Horst Köhler, Gesine Schwan und auch der von der Linken nominierte Peter Sodann gezeigt, ebenso diverse Spitzenpolitiker - der vierte Kandidat hingegen war nicht einmal im Bild.
Ich denke allerdings, dass man gar nicht erst damit gerechnet hat, dass Herr Rennicke gewählt wurde und deshalb nur gezeigt wurde, wer wohl noch eine Chance hatte, wobei er wirklich, zumindest einmal, hätte gezeigt werden sollen, wenn diese Pause etwa 45 Minuten lang war. Ich, zum Beispiel, weiß jetzt noch nicht einmal, wie er aussieht, was mich schon interessieren würde ( das werde ich jetzt allerdings bei Wikipedia nachgucken).

Ich denke allerdings, dass man gar nicht erst damit gerechnet hat, dass Herr Rennicke gewählt wurde und deshalb nur gezeigt wurde, wer wohl noch eine Chance hatte

Warum wurde dann auch Sodann gezeigt? :smt017 Nee du, das Argument zieht nicht.

Sodann war zumindest interessant, da er ja mehr als 50 Stimmen gekriegt hat. Er hatte zwar keine Chance, aber er wurde zumindest von einigen gewählt, für die er ja wohl interessant war. Ich weiß, dass auch Frank Rennicke vier Simmen erhalten hat, aber das sind ja nun wirklich nicht viel.

Ich finde es gut der er nicht gezeigt wurde, solche Menschen haben nichts in den Medien und der Politik zu Suchen.
Ich weis ja nicht ob jemand hier seine Vergangenheit kennt. Ich kenne ihn leider Persönlich und musste im selben Dorf wie er Leben, Nahe Braunschweig. Ich kenne noch alle seine seine Rechten Lieder seine Kabarett Werke (Alle auf dem Index) und habe es selbst mit bekommen als er die Schulhof-CD Kampagne Startete.
Erschreckend finde ich das so ein Mensch sich überhaupt zur Wahl stellen kann.
Ich bin der Meinung jemand der wegen Volksverhetzung und Verbreitung Jugendgefährdenden Schriften Verurteilt wurde keine Politische und Mediale Aufmerksamkeit verdient.

Spiegel-Online hat den Kandidaten scheinbar sogar gleicht aus der Statistik “herausoptimiert”.

http://www.bildblog.de/8150/neonazis-gibt-es-nicht/

Vielleicht hielten die berichterstattenden Medien es für “peinlich”, dass Menschen solcher Gesinnung in der Bundesversammlung sitzen. Obwohl es ja auch nicht das erste mal ist.

http://www.spiegel.de/politik/deutschla … 06,00.html

Komisch, da hat der Spiegel sogar noch drüber berichtet.

Das Verschweigen von Mitgliedern rechtsradikaler Parteien ist für eine Demokratie kontraproduktiv. Dabei ist egal ob diese Menschen in einem Landtag, Bundestag oder in der Bundesversammlung sitzen.
Ignorieren sie die Medien, fühlen sich diese Leute bestätigt und als “Opfer des demokratischen Regimes”. Das beuten sie dann wieder aus um neue Leute zu werben.
“Ja, wir hatten einen Kandidaten. … Ja, wirklich… Nee, davon hast du nicht gehört. Das sind die Medien… die haben nicht drüber berichtet, weil die sich schon vor Angst ins Hemd machen!”, oder so ähnlich.

Wenn man über solche Leute berichtet, dann kommt hingegen sowas heraus:
http://www.n24.de/news/newsitem_4136964.html

Schon weniger geeignet um Leute anzuwerben, oder?

Ich finde nicht, dass hier das Verhalten der öffentlich-rechtlichen zu beanstanden ist.
Dass über Herrn Sodann berichtet wird, obwohl er selber keine Chance auf das Amt hatte, ist nur logisch, immerhin ist er der Kandidat einer Fraktion, die unter Umständen das Ergebnis in einem weiteren Wahlgang hätte wesentlich beeinflussen können.
Der Kandidat der Rechten und eben die rechten Wahlmänner hatten nunmal nichts mit dem Ausgang der Wahl zu tun, weswegen eine genauere Berichterstattung über ihren Kandidaten (also mehr als nur das Nennen seines Namens) nicht zwingend notwendig ist; es werden schließlich auch bei jeder Wahl diverse Pateien unter “Sonstige” zusammengefasst.

Es ist immer ein schmaler Grad zwischen überparteilicher Berichterstattung und der Verantwortung, antidemokratischer und -freiheitlicher Propaganda keinen Raum zu geben. Ich denke, hier wurde der richtige Weg gewählt.

Ich finde es gut der er nicht gezeigt wurde, solche Menschen haben nichts in den Medien und der Politik zu Suchen.
Ich weis ja nicht ob jemand hier seine Vergangenheit kennt. Ich kenne ihn leider Persönlich und musste im selben Dorf wie er Leben, Nahe Braunschweig. Ich kenne noch alle seine seine Rechten Lieder seine Kabarett Werke (Alle auf dem Index) und habe es selbst mit bekommen als er die Schulhof-CD Kampagne Startete.
Erschreckend finde ich das so ein Mensch sich überhaupt zur Wahl stellen kann.
Ich bin der Meinung jemand der wegen Volksverhetzung und Verbreitung Jugendgefährdenden Schriften Verurteilt wurde keine Politische und Mediale Aufmerksamkeit verdient.

ich bin sicher, wenn man ein Interview mit ihm geführt hätte, hätte er sich selbst demaskiert… das ist bei diesen Zeitgenossen meistens der Fall - so hingegen bleibt er ein Phantom

wenn er Volksverhetzung betrieben hat (was ja strafbar ist), dann muss man die Bestimmungen für eine Kandidatur eben so ändern, dass er gar nicht antreten darf - er war aber offizieller Kandidat und hat somit das demokratische Recht, gleichbehandelt zu werden - auch wenn es uns nicht gefällt

es werden schließlich auch bei jeder Wahl diverse Pateien unter “Sonstige” zusammengefasst.

…was auch eine Unverschämtheit seitens der Medien ist, sorry

So etwas ist echt lächerlich. Hätte ich jetzt diesen Thread nicht gelesen, dann wüsste ich gar nicht, das dieser Herr überhaupt zur Wahl stand (Von den Anderen wusste ich). Eine Demokratie ohne mündige Bürger kann nicht existieren, das scheinen aber momentan die Medien wie die Politiker nicht zu begreifen. Lieber sucht man nach kurzfristigen “Lösungen” wie unsinnige Verbote und Zensur (siehe Paintball, Killerspiele, Internetzensur).

ich bin sicher, wenn man ein Interview mit ihm geführt hätte, hätte er sich selbst demaskiert… das ist bei diesen Zeitgenossen meistens der Fall - so hingegen bleibt er ein Phantom

wenn er Volksverhetzung betrieben hat (was ja strafbar ist), dann muss man die Bestimmungen für eine Kandidatur eben so ändern, dass er gar nicht antreten darf - er war aber offizieller Kandidat und hat somit das demokratische Recht, gleichbehandelt zu werden - auch wenn es uns nicht gefällt

Ich glaube nicht das er sich geoutet hätte. Er hat Jahrelang Kabarett gemacht und ist Rhetorisch sehr gut. Habe ihn Live gesehen und er kann sehr überzeugend sein.(Zwangsweise, Lieber mit den Bomberjacken freundschaftlich zur Schule fahren als mit einem Blauen Auge nach Hause kommen)
Außerdem kann man das auch andersrum sehen. Wenn er demaskiert worden währe, hätten die Rechten auch wieder neuen Zündstoff gegen die Medien gehabt da sie mal wieder als Buhmann dargestellt worden währen.
Aber ich finde es schon bedenklich das weder in der einen oder anderen Richtung über ihn Berichtet wurde.

Wen es Interessiert es sind noch einige seiner “Werke” unter seinem Namen auf YouTube zu finden. Dann könnt ihr euch mal selber ein Bild von ihm machen.

[quote]es werden schließlich auch bei jeder Wahl diverse Pateien unter “Sonstige” zusammengefasst.

…was auch eine Unverschämtheit seitens der Medien ist, sorry[/quote]
Bei der Vielzahl der antretenden Parteien ist aber irgendwann ein Kompromiss nötig. Also in Live-Tickern ist das IMO durchaus gerechtfertigt.
Eine detaillierte Aufschlüsselung der “sonstigen” fände ich allerdings auch gut, so etwas gibt es bei uns nach Wahlen aber eigentlich regelmäßig in der Zeitung.

Vom Fernsehen könnte man sich das durchaus auch wünschen. Ich frage mich, ob die überhaupt drauf vorbereitet sind, wenn zufällig mal eine neue Partei als Underdog den Weg über die 5% Hürde schafft.
Und wenn die Sonstigen bei 7% z.B. liegen, dann will ich auch in der Wahlnacht schon wissen, ob da vielleicht einer haarscharf dran vorbeigeschrammt ist.

Man braucht ja nicht alle Sonstigen mit den Nicht-Sonstigen auf einen Bildschirm bringen. Aber einen zweiten Bildschirm zu zeigen, auf dem wenigstens die 5 größten Sonstigen zu sehen sind, ist doch nicht zu viel verlangt, oder?

Finde das auch absolut nicht in Ordnung, dass der Kandidat der NPD/DVU mal eben unter den Tisch gekehrt wurde; so getan wurde, als würde der gar nicht wirklich an der Wahl teilnehmen. Es ist völlig irrelevant, ob er nun Chancen hatte oder nicht (schließlich war Sodann auch chancenlos …), wenn man schon über die Kandidaten berichtet, dann doch auch bitte über alle. Das sollte eigentlich eine journalistische Pflicht sein, die die Sender zu erfüllen haben. Rechte Parteien einfach ignorieren, wie es derzeit immer praktiziert wird, bringt auch nichts. Faire Berichterstattung ist eine Grundvorraussetzung, wenn man sich wirklich als demokratischen Staat bezeichnen will, denn das was man bei der NPD und co. macht, ist streng genommen bereits Manipulation.

Genauso geht es mir, wenn ich an die kleinen Parteien, die “sonstigen” denke. Über diese wird einfach kaum bis gar nichts berichtet, auch diese werden größtenteils mal eben von den Medien ignoriert. Aber auch diese Parteien haben - so klein und unbedeutend sie auch vllt. sein mögen - ein Recht darauf vorgestellt zu werden und bei den Wahlergebnissen genannt zu werden. Wenigstens eine kleine Übersicht über die “sonstigen” Parteien mit den meisten Stimmen wäre schon recht interessant und wirklich nicht zuviel verlangt.