Wie dogmatisch sind unsere Wissenschaften?

Ich finde schon, dass das nach Verschwörung klingt. Warum sollte irgendein peer reviewtes Journal eine Studie nicht publizieren, wenn sie wirtschaftlichen Interessen widerspricht?

  • Die Aufnahme von wissenschaftlichen Erkenntnissen in der nicht-wissenschaftlich gebildeten Bevölkerung wird durch Barrieren wie Formalisierung, Mathematik, einen nicht allgemein verständlichen Jargon erschwert. Dies führt einerseits zu einer Ghettoisierung der Wissenschaft - das Klischee des zerstreuten, hochintelligenten Wissenschaftlers, der von dem, worauf es im Leben ankommt, keine Ahnung hat -, andererseits zu einem Hohepriestertum, das Herrschaftswissen produziert und kontrolliert (wie Feyerabend beklagt).

Ist das eine Kritik oder eine Feststellung? Wie sollte man das verhindern? Um seriöse Wissenschaft betreiben zu können, muss man sich einfach ein bisschen auskennen mit Statistik, Hypothesen, Signifikanztestung, etc. Und wenn man davon keine Ahnung hat, lassen sich wissenschaftliche Untersuchungen oft schwer bis gar nicht nachzuvollziehen. Das lässt sich aber nicht vermeiden, meine Idee wäre eher, dass man soetwas in der Schule schon unterrichtet.

  • Die wissenschaftlichen Disziplinen grenzen sich gegen populärwissenschaftliche Vorstöße zu neuen Paradigmen ab, um vermeintlich pseudowissenschaftliches Sektierertum nicht eindringen zu lassen (z.B. Sheldrakes morphogenetische Felder). Populärwissenschaftliche Publikationen scheinen aber oft der einzige Weg zu sein, eine Paradigmendiskussion überhaupt erst in Gang zu setzen, da diese in den wissenschaftlichen Disziplinen kaum stattfindet.

Diese Abgrenzung gegen populär"wissenschaftlichen" Vorstößen findet in 99% der Fälle völlig zurecht statt. Die meisten, die sich über soetwas beschweren und dann wieder gleich eine Verschwörung vermuten, forschen nach folgendem Schema: ich habe eine Stichprobe von 10 Personen, bestehend aus mir, meinen Eltern, meinen Geschwistern, meiner Freundin und meinem Hund, und ich konnte einen Unterschied beobachten, auch wenn der nicht signifikant ist oder sonst irgendwelchen wissenschaftlichen Kriterien genügt (Stichwort Homöopathie und anderes esoterisches Blabla). Oder bei manchen Naturwissenschaften eben: ich behaupte irgendetwas völlig abstruses, das sich mit wissenschaftlichen Methoden überhaupt nicht messen und somit auch nicht falsifizieren lässt, dann behaupte ich, dass die Wissenschaftler alle von der Ostküste oder der Mafia kontrolliert werden und ich eigentlich recht hatte.
Das hat mit Wissenschaft nichts zu tun und bedarf auch keiner näheren Betrachtung vonseiten der echten Wissenschaften.

  • Wissenschaft dient auch der Objektivierung von Aberglauben und Meinung („Wissenschaftler haben herausgefunden…“) - manchem Wissenschaftler würden jetzt natürlich die Haare zu Berge stehen. Aber gerade der Objektivitätsanspruch wissenschaftlicher Erkenntnis lädt dazu ein, Wissenschaftlichkeit in einer politischen Auseinandersetzung oder für ökonomische Zwecke als Waffe zu gebrauchen. Die Frage ist, ob es sich hierbei um einen Mißbrauch handelt, oder ob dieser nicht von vorneherein in der Konzeption wissenschaftlicher Rationalität enthalten ist. In diesen Zusammenhang gehört die Zahlengläubigkeit: Zahlen machen aus Meinungen Fakten, was mit Zahlen belegbar ist, kann den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben.

Kein seriöser Wissenschaftler würde einen Objektivitätsanspruch erheben. Allerdings sind wissenschaftliche Methoden das objektivste, was uns zur Verfügung steht und deshalb dem Hausverstand bei politischen Entscheidungen immer vorzuziehen. Damit meine ich natürlich keine Studien alla „wir wollen etwas entscheiden, also macht eine Studie, die das rechtfertigt“, von denen es sicher auch reichlich gibt.

Ich finde diese ganze Diskusion hier etwas realitätsfern. Sicherlich hat Mannbärschwein recht. Es wäre wünschenswert wenn auch Ansätze erforscht werden würden die der mehrheitlichen Meinung entgegenlaufen. Nur woher sollen denn das Personal und die Mittel dafür herkommen. Forschungsgelder zu bekommen ist auch so schon schwer genug.

Daher ganz klar nein. Bei uns an der Uni werden z.B. aktuell wieder Lehrstellen gestrichen weil das Geld nicht reicht. Die Einstellung von studentischen Hilfskräften ist auch nur sehr limitiert möglich. Und dann sollen noch Mittel für Forschungen abgestellt werden, die wahrscheinlich keinen Nutzen bringen?

Wie dogmatisch ist die Ägyptologie?
Gerade lief auf Phoenix eine Dokumentation über den Bau der Cheops Pyramide, und da fiel mir ein französischer Film ein, den ich vor kurzem gesehen habe.
Das populärwissenschaftliche Machwerk liefert keine neuen Erkenntnisse. Die ketzerischen Fragen, die aufgeworfen werden, und uns mehr oder weniger mitteilen sollen, dass die Ägyptologen weltweit uns einen Bären aufbinden und in Wirklichkeit nicht den Hauch einer Ahnung haben, wer, wie und warum die großen Pyramiden von Gizeh gebaut hat, sind mindestens seit den 60ern parawissenschaftlicher Konsens.
Doch das Ganze ist zumindest spannend und in anständiger Ästhetik aufbereitet, und bietet sich den uninformierten Gesellen als Einstieg an:
[SPOILER]
//youtu.be/4ZupkGsevI8
[/SPOILER]

Die Macher des Films liefern natürlich auch die üblichen, teilweise haarsträubend klingenden Antworten.
Die Von-Dänikenschen-Außerirdischen sind halt ein Muß, wenn man zum Schluß auch schlüßige Antworten liefern muss.

Dabei ist das gar nicht nötig. Die offenen Fragen bieten meiner Meinung nach genug Ansatzpunkte, um die Verkrustung in der internationalen Agyptologie zu hinterfragen:

  • Ist das “Riesending” innerhalb der vier Jahrzehnte Regierungszeit von Pharao Cheops überhaupt auf die Beine stellbar?
  • Wie sind die astronomischen und geografischen Informationen zu erklären, die man aus den Maßen des Bauwerkes ableiten kann? Kannten die Ägpter den Meter, bzw. benutzen wir alt-ägyptische Maßeinheiten?

[QUOTE=Mannbärschwein;343777]Wie sind die astronomischen und geografischen Informationen zu erklären, die man aus den Maßen des Bauwerkes ableiten kann? Kannten die Ägpter den Meter, bzw. benutzen wir alt-ägyptische Maßeinheiten?[/QUOTE]
Hier zumindest können wir einen Dogmatiker fragen:
[SPOILER]

//youtu.be/SWfAJi5R1VQ

//youtu.be/hoVfWZJM234
[/SPOILER]

@MBS: Der Off-Text dieser Doku in den ersten Minuten ist ja schon grauenhaft. “Sie werden erschüttert”, “Ihr Weltbild wird sich ändern”, “Fakten werden von der Forschung ignoriert”, u.s.w. in jedem 2. Satz…das kann ich echt nicht weitergucken…geht mir zu sehr auf den Sack.

@Harald Lesch: Word! 8)