Wenn die ÖR mal was richtig machen...

Ich möchte hier mal eine Sammlung inkl. Diskussion um die höherwertigen Inhalte ÖR-Medienanstalten initiieren, gerade was eigene Produktionen, Reportagen, Dokus etc. angeht.

Den Anfang möchte ich mit dem ZDF-Fernsehfilm “2030 - Aufstand der Jungen” machen. Man kann sich den Film in der ZDF-Mediathek ansehen. Der Film lief am 11.1.2011 um 20:15 auf ZDF, eine gute Beschreibung findet man hier.

Erstaunlich, wie hart hier die aktuelle soziale Entwicklung, die durch die letzten Regierungen vorangetrieben wurde kritisiert wird. NOCH ERSTAUNLICHER ist die Medienkritik in der Rahmenhandlung …
Der Film ist ein indirekter Nachfolger von 2030 - Aufstand der Alten von 2007, welcher sich aber eher auf die Sozialkritik beschränkte (aber auch zu empfehlen ist!).

Eine echte Empfehlung. DAFÜR zahl ich gerne! Für Milski & Co im Fernsehgarten nicht!

Meiner Meinung nach gibt es nicht nur schlechte Sachen im ÖR. In FKTV werden ja immer mal wieder gute Sachen gezeigt und kommentiert oder sind bei den TV-Empfehlungen zu finden.

Ohne genauer an dieser Stelle auf dieses Machwerk eingehen zu wollen, hier ein Artikel:

Das haben leider viele dieser Fernsehproduktionen auf sich, in dem einfache Wahrheiten verkündet werden und es behandelt gerade das sehr sehr komplizierte Thema Demographie wie einen üblichen Dreisatz, andem sich ganz klar kausale Schlüsse ziehen lassen. Schlimmer sind dann nur noch Talkshows in dem die immer selben Nasen ihren Unrat absondern.

Also der von dir verlinkte Artikel überzeugt mich überhaupt nicht …
Ich glaube, der Autor hat den Film nicht ganz verstanden. Er schreibt:

Wenn man diese „Doku-Fiktion“ also nur ein bisschen mit einem kritischen Auge auf die zurückliegenden Entscheidungen auf den Feldern der Renten-, Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik betrachtet, könnte man auch sagen, dieser Film führt vor, was bei einer Fortsetzung und Intensivierung des neoliberalen politischen Kurses in zwei Jahrzehnten herauskommt.
Hier schreibt er GENAU, was mit dem Film kritisiert wurde, tut aber so, als sei das ein zufälliger Effekt, da das ZDF - seiner Meinung nach - nicht kritisch sein dürfe???
Die Vorgabe der Bortschaften wirkt so aufdringlich, als hätte das ZDF Angst, dass der Film womöglich als massive Kritik am bestehenden Kurs verstanden werden könnte.
Was ihm nicht auffällt: Genau das soll der Film ja sein. Eine massive Kritik am bestehenden politischen Kurs!
Hätte er sich mal das vom ZDF bereitgestellte pdf mit Hintergrundinfos zum Film durchgelesen, wäre deutlich geworden, dass die Redaktion sicher keine Angst hat, der Film könne als Kritik verstanden werden. Das war durchaus Absicht! Les dir ruhig mal das Dokumet durch, was da alles kritisiert wird!! Fast alles hätte auch aus dem aktuellen Pispers-Programm stammen können … müssen sich die ZDF-Redakteure jetzt anhören, linke Spinner zu sein?

Ich bin sicherlich kein ZDF-Fanboy, aber hier haben die mMn einen wirklich guten Job gemacht, das solte auch gewürdigt werden. Wenn der Autor auf nachdenkseiten.de das anders sieht, kann er das gerne tun :wink: … Aber ich finde, er hat den Film und die Botschaft dahinter nicht verstanden. Wie er zum Schluss kommt, das sei eine Propaganda-Sendung ist mir völlig schleierhaft (vllt. kannst du mir da weiterhelfen?), da haben wir (GEZ) schon ganz anderes erlebt …

Also,

erstmal muss man sich ansehen was denn konkret kritisiert wird.

Auf der einen Seite wird die Demographie als Grundübel aller Zustände dargestellt. In dem von dir verlinkten Dokument werden Progrnosen von mehr als 10 Jahre bzw. bis 2050 aufgestellt. Wissenschaftlich sind solche langzeit Prognosen sehr problematisch, da die unabhängigen Variablen nicht unbedingt konstant sein müssen. Daher ist es sehr fraglich ob eine dekutive Analyse des heutigen Status wirklich prognosewert hat. Der andere Punkt ist das “Forscher” wie Oberender für mich schon in der Vergangenheit negativ aufgefallen sind. Z.B. hatte er vorgeschlagen den Organhandel in Deutschland freizugeben, damit finanzschwache Personen ein Auskommen finden. Weiterhin wird in seinen Zahlen nicht deutlich ob es sich um nominale oder reale Zahlen handelt hinsichtlich der Rente. Dass das Geld wegen der permanten Ausweitung der Geldmenge Wert verliert hängt dann damit zusammen.

Ein anderes Thema sind die Staatsschulden. Es wäre für mich Interessant die Schulden den Aktiva-Werten der ganzen Bilanz gegenüber zu stellen. Teilweise wird dann da sehr hysterisch geschrien, wir würden bald alle Pleite sein. Allein im Krisenjahr 2009 gab es eine Ansparung von Vermögen von 177 mrd €. Auch die Frage, warum uns sozial System überlastet ist wird nicht wirklich beantwortet, alleine Demographie kann darauf keine Antwort geben. Wenn sie es könnte wären unsere System schon in den 70er bankrott gewesen, weil die Bevölkerung schon seit 1900 schrumpft.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/nachrichten/deutsche-sparen-wieder-mehr/3577500.html

Aber zum Film: Der Film kritisiert ja gerade die Zustände AUSGELÖST durch das bestehende soziale System. Gerade die pauschal Behauptung die Renter würden in Geld schwimmen ist meiner Meinung nach mehr als fraglich.

Aber die Lösung all dieser Probleme ist ja vorgegeben: Wir verabschieden uns von den sozialistischen Sicherungssystem und vertrauen auf die unsichtbare Hand, denn die weiß eh alles besser. Zwar muss man dem zdf zu Gute halten, dass zum Schluss des pdfs die Frage aufgeworfen wird, wie z.B. die private Pflegeversicherung bezahlt wird, aber insgesamt bleibt für mich der Eindruck haften, dass an allem Übel der Sozialstaat Schuld hat.

Zu deinen Argumenten bezüglich der Zahlen:
Prognosen sind natürlich IMMER problematisch, aber man sollte immer den worst-case in Betracht ziehen, gerade, wenn man sich einen Überblick verschaffen will. Das Rentensystem war deswegen in den 70ern nicht am Ende, weil es ja in der heutigen Form erst mit dem Generationenvertrag 1957 eingeführt wurde und zwar so, dass es mindestens ein paar Jahrzehnte läuft. Da kannst du nicht mit der Entwicklung vor dem Krieg argumentieren.

Der Film kritisiert vor allem die durch den ABBAU sozialer System ausgelösten Zustände. Es soll ein worst-case Szenario im Falle einer Fortführung aktueller Tendenzen sein. Und als solches finde ich den Film durchaus passend.
Private Versicherungen werden ja gerade NICHT als Ausweg präsentiert, da diese für die untere Mittelschicht abwärts nicht bezahlbar ist (sein wird).

Dem Sozialstaat wird da in meinen Augen nicht die Schuld gegeben. Eher der Unterhöhlung des Sozialstaats.

Ja so war der olle Adenauer.
Seine Berater und Fachleute warnten ihn damals (1957) davor dass ein solches Renten-System in spätestens 40 Jahren kollabieren würde. Während sein Vorgänger noch auf 1000 Jahre im voraus plante, hielt er einen Zeitraum von 40 Jahren schon für zu weit in in die Zukunft geblickt. Ihn interessierte eben nur seine Amtszeit. Er lehnte ja auch die Wiedervereinigung die Stalin ihm anbot ab um den Amis zu gefallen und somit auch die eigene Macht zu erhalten.

In Ergänzung zum post von doc.hackenbush möchte ich diesen link stellverttend für viele weitere Quellen, besonders der Name Wilfried Schreiber ist da wichtig:
http://www.zeit.de/2002/47/200247_01_leiter_01
Berühmt wurde der Satz Adenauers „Die Leute werden immer kriejen!“ (kein Schreibfehler). Tja, abgesehen davon, dass man sowieso schon ein übervölkertes Land hatte (Staatsgebiet um 1/3 geschrumpft bei fast identischer Bevölkerungszahl), konnte er schlicht den „Pillenknick“ nicht vorhersehen. Da liegt in der Tat der Fehler im System.

@doc: Die „Stalin-Note“, auf die Du anspielst, wird heute von den meisten Historikern als historischer Bluff Stalins angesehen, und wenn man bedenkt wie glaubwürdig und vertragstreu die Herren Diktatoren so waren bzw. sind, möchte ich mich dem anschliessen. Ist aber sowieso OT :wink:

Vor dem Krieg war es gerade der Groschen der auf die hohe Kante gelegt wurde. Die private Alterssicherung muss ja auch in irgendeiner Form ihre Zinsen abwerfen und da ist sie genauso wie das Umlageverfahren von der Demographie mit betroffen, Geld arbeitet nicht.

Der andere Punkt hinsichtlich der gesetzlichen Rente und das ganze Umlageverfahren sei ja eh zum Untergang verdammt, dann würde es auch automatisch die private Vorsorge treffen. Der entscheidende Punkt in all diesen Prognosen ist die Determinante Produktivität, die in sehr sehr vielen Debatten immer ausgeklammert wird. Das heißt wenn 1950 10 Arbeiter 2 Renter versorgen konnten können dass im Jahr 2000 schon 6 Arbeiter. Dies Beispiel ist frei aus der Luft gegriffen und soll verdeutlichen, dass nicht die quantitavie Menge an Arbeiter notwendig ist, sondern was und wieviel diese Leute leisten können. Auch zu der Diskussion passt, dass es vor dem Krieg „Volk ohne Raum“ hieße, heute „Raum ohne Volk“.

Gerade der Artikel aus der Zeit verschweigt die Determinante Produktivität und sagt dass alleine die Quantität der Arbeiter notwendig ist. Dazu wird noch geschrieben, viele Ältere wollten ja arbeiten, was wiederrum ein sehr kontrovers diskutiertes Thema ist. Aber es schließt sich wieder der Kreis, hier dass wenn die staatliche Rente nicht ausreicht, man doch bitte privat vorsorgen solle womit wir wieder beim Anfang wären, dass die Menschen in großer Zahl kein Geld für eine solche Absicherung haben. Dieses Thema würde sich aber insgesamt besser unter einem seperaten Thread eignen da dies vom Ursprungsthema abweicht.

Zum Thema: Die ÖR haben sehr gute Reportagen wie z.B. die Kik-Story die ich sehr erschütterend fand. Aber auch bei der Übertragung der Fußball-WM bzw. -EM muss sich der ÖR nicht verstecken.

Dieses Thema würde sich aber insgesamt besser unter einem seperaten Thread eignen da dies vom Ursprungsthema abweicht.

Ich war mal so frei falls Interesse besteht:
viewtopic.php?f=57&t=7532

Danke @KingMö fürs auslagern.

@Topic: Klar, die sportlichen Großereignisse Fußball-WM oder-EM sind natürlich auch super gemacht und hochkarätig besetzt.