Was kostet ein Fernsehsender?

Es hat mich schon immer interessiert, was der Betrieb und vorallem überhaupt die Inbetriebnahme eines Satellitenfernsehsenders in Deutschland kostet. (Ohne Kabel)

Recherchiert man im Internet erhält man eigentlich grundsätzlich kein vernünftiges Ergebniss was stimmen kann. Meistens ist die Rede von mehreren Millionen. Man kommt zwangsläufig darauf, dass solche Zahlen schlichtweg Stuss sind, wenn man sich mal die Mühe macht sämtliche digitalen Kanäle durchzuzappen. Ich glaube nicht, dass z.B. Minierotiksender über solche Einnahmen verfügen können, auch wenn hier wohl eine Rolle spielt, dass Standbilder in Verbindung mit Audio günstiger sind.

Ich denke einmal, wenn man irgendwo eine Antwort erhält, die Hand- und Fuß hat, dann hier. Schließlich treiben sich sicherlich auch ein paar herum, die beruflich mit der Branche zu tun haben…


Jetzt stellt sich die Frage… warum diese Frage? Natürlich stell ich sie nicht ohne Grund…

In den letzten 10 Jahren hat sich eine eigene Internetkultur gebildet, die gänzlich neben dem Fernsehen stattfindet. Zwar findet sich Fernsehen als Bestandteil solcher Internetformate oft wieder (Fernsehkritker als Bespiel zu nennen), aber in Umgekehrter Richtung ist nahezu so, das Internetkultur im Fernsehen überhaupt nicht stattfindet. (Damit ist nicht gemeint, ob und wie über sie berichtet wird)

Ich frage mich schon länger, warum es keinen Sender gibt, der seinen Inhalt direkt aus dem Internet bezieht und sich schwerpunktmässig damit beschäftigt. Dabei denke ich jetzt z.B. nicht an Formate wie Game-One oder Neues… was es ja nicht mehr gibt, sondern Inhalte die generell von Usern stammen. Also z.B. Youtuber, Podcasts jeden Themas aus dem Internet.

Ich glaube es wäre nicht allzu unrealistisch anzunehmen, dass eine Internetplattform, die Usern sozusagen ermöglichst ihre Inhalte in einem Fernsehsender zu verbreiten, ein sehr erfolgreiches und finanziell solides Konzept darstellen könnte. Vorallem kritische Formate würden daraus profitieren, da sie auf diesem Weg die Zielgruppe erreichen, an die sie eigentlich gelangen wollen. Fehlende Professionalität bei der “Produktion” von solchen Formaten würde wohl nur ein geringes Manko sein, da ja generell im Fernsehen Amateurhafte Produktionen anklang finden. Der Erfolg eines solchen Senders würde wohl vorallem davon abhängen, dass die Richtige Mischung von Inhalten eingehalten wird. (Nicht ausschließlich Information, oder ausschließlich Unterhaltung) Mir ist klar, das neue Formate in einem Fernsehsender generell einer Genehmigung bedürfen, aber ich denke, dass solche Kosten sich über die schlichte Masse an interessierten Usern amortisieren würde.

Also… ich glaub die Grundidee ist eigentlich nicht dumm. Wo ist also der Haken, dass sowas nocht nicht probiert wurde? (Schließlich könnte es auch kommerziell attraktiv sein)

Wieso ein Haufen Formate die man sich im Internet zu jeder beliebigen Uhrzeit anschauen kann, in ein starres Sendekonzept gießen? Inzwischen können immer mehr Fernseher Inhalte aus dem Web wiedergeben. Es besteht also meiner Meinung nach gar kein Bedarf dafür einen extra Sender einzurichten.

Zudem sich dann eine unzahl weiterer Fragen auftut:
Wo legen wir den Schwerpunkt?
Wer schafft es bei der unendlich großen Zahl von Formaten ins TV Programm?
Wer entscheidet das?
Besteht nicht die Gefahr, dass bei einer simplen Mehrheitsentscheidung wieder genau solche kritischen Formate außen vor bleiben, die du dir wünscht?
Besteht die gefahr eines einseitigen Programms wenn man nur einen bestimmten Personenkreis bestimmen lässt?
usw. usw…

Und was man nicht vergessen darf: Wer finanziert das alles? Wer trägt das Risiko? Lässt sich wirklich so viel Geld damit verdienen, damit sich jemand das ganze wagt?

Alles in allem sehe ich die Zukunft eher darin, dass man wie oben erwähnt über seinen TV die diversen Internetformate direkt auf seinen Bildschirm zu Hause zu jeder Tages- und Nachtzeit abrufen kann.

Wenn Du wissen willst, was der Betrieb eines Fernsehsender kostet, dann schau Dir die Geschäftsberichte der Sender an, die findest Du auf deren Homepages meist unter “Investor Relationships” oder gleich im ebundesanzeiger.de.

Ich denke schon, dass es Vorteile bringt bestimmte Formate “in ein festes Sendekonzept” einzugießen. Ein Vermeintlicher Nachteil des Internets ist die Informationsvielfalt, die nun mal über wahnsinnig viele Quellen verteilt ist - allein das auffinden bestimmter Formate hängt oft nur mit Zufällen zusammen. In einem relativ festen Programm hingegen ist die Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen, wesentlich größer.

Man muss daran denken, dass jeder bestimmte Surfgwohnheiten hat. Wenn ich z.B. mein eigenes Surfverhalten betrachte ist es so, dass ich mich im Endeffekt immer auf den selben Seiten herumtreibe - es sei denn ich suche etwas spezifisches.

Danke für den Link, werd ich mir mal anschauen.

Edit: Der Link ist nicht im geringsten Hilfreich, da nur anscheinend nur gängie Sender publizieren. Und auf Websiten der Minisender, bei denen mich es interessieren würde, wird soetwas in der Art garnicht veröffentlicht. Mit nützen die Zahlen großer privater Sender nichts.

Welche Minisender meinst Du denn genau? Manchmal muss man auch genauer hinschauen, Tele5 bsp. gehört der TM-TV GmbH, die findet man. Sport1 gehört Constantin. etc.pp…
Auch eine gute Quelle ist die KEK: http://www.kek-online.de/db/ Da müsstest Du alle Sender und ihre Besitzverhältnisse finden.

Der Link zur Kek wär sehr informativ und Interessant. Danke dir dafür. Ich habe da gut 2 Stunden mit stöbern verbringen können. (Bin dabei 3 mal Jürgen Milski als Werbefigur von Sendern gestoßen, von denen ich noch nie gehört habe^^)

Aber das Ergebniss der Suche bleibt das selbe. Winzig kleine Spartensender veröffentlichen schlichtweg ihre Geschäftsberichte nicht - warum auch - es sind ja keine AGs. Hinter vielen Minisendern (besondern im Erotikbereich) steckt meist ein großer Invenstor, der zwar Geschäftsberichte veröffentlichen, diese aber nicht nach den einzelnen Sendern aufschlüsseln. Dazu kommt noch die (für mich ein wenig verwirrende) Tatsache, dass solche Großinhaber vieler Minisender scheinbar ihr Geld nicht durch den Sendebetrieb und dadurch anfallende Einnahmen einnehmen, sondern zum überwiegenden Teil dadurch, dass sie wohl in ganz anderen Bereichen investieren. Auf jeden Fall ist das Ganze sehr, sehr, sehr, sehr verwirrend und es ist daraus nicht die Kosten für den reinen Sendebetrieb nicht abzuleiten. (Aber 4,8 Mille Reingewinn bei 18 Angestellten - Holla… ich mach was verkehrt.)

Ok, back to topic.

Beim Stöbern durchs KeK sind mir aber auch Sender aufgefallen (von denen ich übrigens auch noch nie gehört habe), die gänzlich in Privatbesitz sind oder als Co. KG geführt werden - und dabei einen Rundum seriösen Eindruck machen. Hier handelt es sich vorwiegend um fachbezogene Spartensender. Als wohl bestes Beispiel ist hier wohl „Dr.Dish“ zu nennen. http://www.insat-media.com
Hier ist zwar auch nirgends ein Geschäftsbericht auffindbar, aber über das Internet lassen sich so ziemlich alle Informationen zusammentragen, die über die Entwicklung dieses Minisenders erzählen und wie klein er angefangen hat. Wahrscheinlich wird doch kein so übermässig gigantisches Startkapital benötigt. Zusätzlich informiert die Website sogar selber darüber - sehr Interessant für jene, die sich für die Materie interessieren scheint mir. Zahlen und Geschäftsberichte sind auch hier nicht aufzufinden, aber ich denke ich werde mal versuchen mit dem Sender Kontakt aufzunehmen und einfach mal zu fragen… vielleicht bekomme ich ja eine Antwort.

Falls ja, werd ichs natürlich weiterverraten :wink:

Ich wünsch mir auf jeden Fall schon mal einen Sendercheck für DrDish <3

Die Kosten sind höchst unterschiedlich. Beispielsweise sind die Verbreitungskosten reine Verhandlungssache. Doctor Dish-TV hat beispielsweise in den 1990gern den Transponder gratis nutzen können, und die Sendungen aus Kostengründen aus einem Konferenzraum bei der Bodenstation gedreht. Das ist relativ preiswert.

Grob gesagt musst Du wissen, dass das Satellitengeschäft ähnlich ist wie bei Flugzeugen. Ein freier Sitz kostet genau so viel wie einer in dem jemand sitzt, ebenso kostet ein freier Transponder auch genau so viel Geld wie ein benutzter. Kapazitäten gratis abzugeben kann auch sinnvoll sein, denn das zieht mehr Zuschauer an, was mehr zahlende Kunden anlocken kann. Das ist alles eine Frage wie man sein Geschäft führen will.