Was ist da nun eigentlich falsch gelaufen?!

Das Öffentlich Rechtliche Fernsehen ist mal wieder Thema in den Print- und Web-Medien: ZDF Intendant Markus Schächter tritt 2012 zurück. Was mir dabei nun gerade mal wieder übel aufstößt, ist wie M.S. das ZDF bezeichnet:

Steht doch in unser aller Lieblings-kollektiv-Gehirn folgendes:

Die Sender sind als beitragsfinanzierte Körperschaften (bzw. Anstalten des öffentlichen Rechts) gegründet

WAS hat eine Anstalt des öffentlichen Rechts bitte mit einem Unternehmen zu tun? Wäre diese Bezeichnung zur Gründung der ÖR etwa auch durchgegangen?

(sorry wenn ich jetzt irgendein bestehendes Topic beim Suchen übersehen habe, ich bin fast blind vor Wut.)

Diese Thematik schneidet der FK ja auch nur zu gerne an aber ich frage mich, wie es überhaupt dazu kommen konnte! Wo und wann haben die Intendantin sich überlegt, nur noch Kohle zu scheffeln, sich als Unternehmen auszugeben, ihren Auftrag den Rücken zu kehren und die gesamte Bevölkerung zu verscheissern? Ist es schon zu spät? Das ZDF betitelt sich offenkundig als Unternehmen, und keine Sau interessierts? Hat das Fernsehen den Zuschauer so abstumpfen lassen, dass er einfach alles hinnimmt, Hauptsache Dschungelcamp läuft? Konnten die ÖR mit ihrem lange Zeit eingehaltenen Prinzip der Aufklärung und der Staatsferne, die älteren Generationen so ausserordentlich gut auf ihre Seite ziehen, dass sie den Wandel garnicht bemerkt haben? Wurden die nachfolgenden Generationen so lange mit uninteressantem Zeug aus der Mottenkiste der ARD eingelullt, dass sie heulkrampfend einen vermeintlich rettenden Ast im privaten Fernsehen sahen - worauf sie erst recht verstumpften? Steckt dahinter ein Plan? (nein keine VT!) Ich meine ein unbewusster Plan, die Bevölkerung möglichst der Ökonomie und ihren Mechanismen anzupassen? Und die, ja eher wenigen, die sich in die Foren- und Blogosphäre verkriechen, haben ihre eigene kleine Welt erschaffen, in der sie sich untereinander darüber aufregen, wie Scheisse alles geworden ist… Die „Intellektuelle Elite“, die Journalisten der großen Zeitungen, die Wissenschaftler - allesamt bereits Marionetten? Mir wird schlecht.

so Danke, die Wut ist raus. Für’s erste.

Ich glaube so etwas könnte man als Zeitgeist beschreiben wie am Beispiel der Deutschen Bahn deutlich wird. Alles muss dynamisch sprich “unternehmerisch” sein, egal welchen Zweck die Insitution verfolgt. Weitere Beispiele sind Universitäten (Stichwort Exellenzinitative) usw… In diesem Fall kann ich nur auf Georg Schramm verweisen der für meine Begriffe einen der besten Kabarettauftritte hingelegt hat, die ich je gesehen habe:

Gerade die Anfangsbeleidigung die er an sein Publikum richtet ist einfach zum brüllen :lol:

Ich habe schon lange darüber nachgedacht, aber es ist wirklich nicht einfach zu beantworten, was hier die letzten Jahre schief gelaufen ist. Die Gemengelage unterschiedlicher Interessen ist zu komplex, um hier mit simplen Verschwörungstheorien weiter zu kommen. Und die Printmedien haben hier eine nicht unerhebliche Mitschuld an der Nicht-Berichterstattung, möglicherweise, weil sie vom Zielpublikum her ähnliche Probleme zu bewältigen haben.

Tatsächlich fände ich es supertoll, wenn Holger mal jemanden vom WDR-Rundfunkrat für ein Interview kontakten würde, in dem er dann die Hintergründe erhellen kann, ( evtl. noch einen Medienwissenschaftler mit zu Rate ziehen ) . Dieser Personenkreis besteht aus so vielen Personen, dass die wohl nicht alle absagen werden…

Eine wichtige Frage wäre, warum es erst hat so schlimm werden müssen, bevor der Rundfunkrat sich zu einer Stellungnahme genötigt sah. Möglicherweise war das miese Fernsehprogramm ja sogar eine indirekte Botschaft/ Aufforderung der Programmplaner an die Politik: “Sagt endlich was, sonst bleibt die Quote unsere einzige Messzahl!” :ugly

Ich vermute ja, dass da 3 Punkte ins Spiel kommen.

  1. Ist es inzwischen üblich auch Fernsehsender als Unternehmen zu sehen. Das ist eigentlich auch gar nicht so falsch, denn auch solch eine Anstalt muss wirtschaftlich handeln. Das Problem dabei ist nur, dass bei einem Sender die Qualität der Programme ausschlaggebend ist. Diese Qualität lässt sich nicht so leicht bestimmen wie bei einem klassischen Unternehmen bei dem man beispielsweise den Aktienkurs nehmen kann. Das verstehen normale Manager nicht.

  2. In den USA ist es schon seit Jahren üblich das Fernsehen zu beschleunigen. Man zeigt dort beispielsweise häufig nicht mal mehr Abspänne, oder lässt manchmal sogar Sendungen etwas schneller laufen, damit man mehr Werbung in das Programm bekommt.

  3. Privatsender in Deutschland haben grob zur Jahrtausendwende bemerkt, dass man auch “extensiv” arbeiten kann. Sprich man produziert einfach Mist, und aus Mangel an Alternativen schauen das die Leute an. Im Kabelfernsehen hat man kaum eine Auswahl, Privatsender und öffentlich rechtliche Sender werden nur als Rumpfprogramm angeboten, die Leute müssen also, wenn sie Fernsehen wollen, diese paar Sender sehen.
    So sind die Leute auch schlechtes Fernsehen gewohnt.

Was man vielleicht machen kann ist sich einfach immer öfter sachlich zu beschweren, vielleicht könnte man mal vorschlagen britisches Fernsehen zu schauen.

Ich vermute, dass die es da drüben geschafft haben, gutes Fernsehen zu machen, da 1993 die ganze Welle der 1980ger Privatsender dank Murdoc quasi einging. Der hat damals alle diese Sender verschlüsselt, vermutlich bevor die zu schlecht geworden wären. Sprich Sender wie RTL oder Sat1 sind bei denen verschlüsselt.
Die Leute hatten dann nur die Auswahl zwischen 4 Sendern. BBC One und Two, ITV sowie Channel 4. 3 davon haben verpflichtende Qualitätsstandards. Das hält das Niveau oben.
(Inzwischen gibts eine ganze Reihe sehr kleiner neuer Privatsender)