Virtuelles Leben

Man will sich einen schönen Abend machen, die Wahl fällt auf die hübsche neue Bar in der Innenstadt. Schnell noch schick in Schale geworfen (neue, teure Klamotten, frisch aus dem Geschäft) und dann kann’s auch schon los gehen. Stilvoll im Cabrio vorfahren und dann ran an die Bar. Nach dem ersten Drink schaut man sich um um sich ein Flirt lohnt. Man gibt sich beim Zielobjekt spendabel, kommt ins Gespräch…
Moment, was hier nach recht gewöhnlicher Abendgestaltung klingt ist es nicht. Oder doch. Zumindest virtuell. Die Grenzen sind fließend, die virtuelle Kohle entspricht nach fixem Kurs echtem Geld. Man zahlt also in einer virtuellen Bar für virtuelle Drinks (oder was auch immer man da noch so vor hat…) indirekt mit echtem Geld.

Man muss an eine Sache glauben, damit sie einen Wert (also irgendwie ähnlich den Gemälden deren Wert sich zu 10% nach dem Bild und zu 90% nach dem Namen des Künstlers richtet, Reliquien oder überteuerten Markenartikeln…) bekommt. Vor fünf Jahren erregte Jon Jacobs, Nickname Neverdie, Aufsehen, als er für das Online-spiel Entropia Universe (http://www.entropiauniverse.com) einen virtuellen Asteroiden für 100000 echte Dollar (~ 78000 Euro) kaufte. Doch es geht noch besser. Ein Entropia-Bewohner – Buzz „Erik“ Lightyear – kaufte 2010 eine virtuelle Raumstation, Crystal Palace genannt (Schade, nicht Citadel…), für über drei Millionen Project Entropia Dollars (PED). Der Umrechnungskurs in echte US-Dollar ist 1:10.
Beide Käufer glauben wohl an den Wert ihrer Erwerbungen. Jon Jacobs verdient seit seinem Kauf mit einem virtuellen Nachtclub (ach so, ich dachte er erpresst die Welt mit einem virtuellen Einschlag seines Asteroiden) angeblich gutes Geld und Buzz „Erik“ Lightyear wird wohl ähnliche Pläne mit seiner Station haben (und dass obwohl man doch schon echte Raumfahrten buchen kann statt es aufgebohrten Mischmasch aus Chat und Sims) …

… Am eifrigsten kauften iPhone-Benutzer(innen): 43 Prozent der Anwender, die sich mit virtuellen Gütern eindeckten, haben das Apple-Telefon. (Wieso überrascht mich DAS jetzt so gar nicht?)
(PC Magazin, 11 / 2010, rot = meine Anmerkungen)

Also wenn das alles modern ist bin ich lieber altmodisch. Ich könnte mir zwar durchaus vorstellen auch mit so etwas Geld zu verdienen (höhö) aber wieso sollte ich meine reale Kohle für Äquivalente aus Pixeln in einer Welt aus Polygonen ausgeben? Virtuelle Drinks? Statt Vol% also Volbit? Statt Frauen (oder für die Leserinnen dieses Threads halt Männer) aus Fleisch und Blut also… das spinn ich jetzt mal nicht zu Ende. L.I.S.A.? Ist ja noch schlimmer als diverser DLC für angesagte Spiele.

Wer hat schon Erfahrungen (und Investitionen) in Second Life, Entropia & Co gemacht? Was haltet ihr davon?

nüscht!

kann aber verstehen wenn sich dort ein paar einsame seelen wohlfuehlen und geld ausgeben.

Für diese Summe hätte man sich soviele Nutten leisten könnnen … ^^

ich fühle mich an den film “gamer” erinnert

mit dem fettsack der zuhause in seiner dunklen bude hockt und mit nem computer echte menschen in soner second life welt steuert

@masterhendrix

ich kenn ein’ (der freund eines freundes eines freundes… :wink: ) hat kohle, traut sich aber nichmal in’ puff. :smt009
wenn er mit dem virtuellem zeug happy ist - who cares? -wuerde ihn trotzdem nicht fuer bescheuert abzustempeln… da gibts noch ganz andere, die ihre kohle fuer noch mehr schwachfug ausgeben…

da gibts noch ganz andere, die ihre kohle fuer noch mehr schwachfug ausgeben

Fussball im PayTV zum Beispiel? :wink: bitte nicht hauen!
Aber stimmt schon, für was manche Leute ihre Kohle raushauen muss man nicht immer verstehen. Nur wenn’s ihnen halt gefällt, sei es Sammelei von irgendwas, Hobby oder was auch immer, ist’s doch okay. Nur bei virtuellem Zeug hat man ja nicht (thx Silvere) mal „was zum anfassen“ wenn ich das mal so sagen darf.

Wobei man könnte das Ganze ja fairerweise auch als Online-„Spiel“ ansehen bei welchem man sich nur die Inhalte kauft die man wirklich haben will.

Ich vermute mal das dazueditierte “nicht” von mir sollte der gedachten Antwort von dir entsprechen :_D

Na, du musst das anders sehen -
Dort kennen dich keine Leute. Dort kannst du machen was du willst. Dort brauchst du nicht Sportler sein, damit du keine 200kg hast (Ja, Übertreibung, blablub). Dort kannst du Sachen machen, die du sonst evtl. nie machen würdest/könntest - Wozu du dich evtl. nicht trauen würdest (Vor allem in Sozialem Hinblick bzgl. Leute ansprechen… auch wenn´s so nicht besser wird)

Um den Namen schön aufzugreifen: Ein zweites Leben halt, wo du nicht an das gebunden bist, was aus dir geworden ist und über Grenzen hinausgehen kannst.

Und nein, ich spiele so etwas nicht, da ich es für höchst uninteressant halte ^^

Vor allem in Sozialem Hinblick bzgl. Leute ansprechen… auch wenn´s so nicht besser wird

Also quasi ein Rollenspiel (wobei “Rollenspiel” in dem Bereich wohl eine andere Bedeutung haben wird :mrgreen: )

Ein zweites Leben halt, wo du nicht an das gebunden bist, was aus dir geworden ist und über Grenzen hinausgehen kannst.

Nun ja, was real nicht möglich ist (oder schlicht zu teuer) kann man da ja “erleben” - für alles andere verlasse ich mich lieber auf die Realität - oder meine dreckige Phantasie 8)

Ich persönlich halte von SecondLife und wie das alles heisst nichts.
Wer mit sowas glücklich ist, soll es machen, ich habe aber da einige bedenken:
Ich finde das Internet ist eine super Plattform um erste Kontakte zu knüpfen, gerade auch für Leute die sich im echten Leben nicht immer zum ersten Schritt überwinden können. Und wenn es dann vom PC ins echte Leben übergeht ist das doch super. Sicher wäre es besser sein Selbstbewusstsein auch soweit aufbauen zu können locker leicht jeden Menschen im RL anzusprechen, aber das kann nunmal nicht jeder einfach so. Auch mir fällt das manchmal schwer, wobei ich eine gewisse Scham solange sie nicht zum Hindernis wird für menschlich halte.

Sich aber regelrecht ein komplettes virtuelles Leben aufzubauen, grenzt meiner Meinung nach sobald man dort anfängt sich für jemanden auszugeben der man (so) nicht ist, und sein echtes Leben vernachlässigt an eine starke Persönlichkeitsstörung. Ich denke, irgendwann verliert man dann jegliche Sozialkompetenz im echten Leben.
Wer also wirklich meint er kann nur mit seinem virtuellen Leben 100% glücklich werden, dem glaub ich das nicht. Körperliche Nähe und dergleichen kann (Gott sei dank!) noch keine Maschine dieser Welt ersetzen.

Körperliche Nähe und dergleichen kann (Gott sei dank!) noch keine Maschine dieser Welt ersetzen.

Noch nicht. NOCH nicht
gnihihihihihihihihi

Genau. Ist ja nichts anderes, dieses Second Life. Du schlüpfst in die Rolle deines Charakters und bist plötzlich jemand tolles :_D Oder eben nicht :confused:

Nun ja, was real nicht möglich ist (oder schlicht zu teuer) kann man da ja „erleben“ - für alles andere verlasse ich mich lieber auf die Realität - oder meine dreckige Phantasie 8)

Lässt sich auch auf die soziale Komponente bringen. Ein fetter Typ(Klischee, blablub) mit 200kg auf der Waage wird wohl kaum in eine Bar o.Ä. gehen, um Frauen kennen zu lernen (Belehrt mich eines besseren! duck) - Weil er dumm angeguckt wird. Und dort kann er´s halt machen. Das Geld für die echte Disco geht halt dann ins monatliche Budget für das Spiel rein und dort hat er Spaß, ohne sich angestarrt fühlen zu müssen. :3

Lässt sich auch auf die soziale Komponente bringen. Ein fetter Typ(Klischee, blablub) mit 200kg auf der Waage wird wohl kaum in eine Bar o.Ä. gehen, um Frauen kennen zu lernen (Belehrt mich eines besseren! duck) - Weil er dumm angeguckt wird. Und dort kann er´s halt machen. Das Geld für die echte Disco geht halt dann ins monatliche Budget für das Spiel rein und dort hat er Spaß, ohne sich angestarrt fühlen zu müssen. :3

Also ich weiss nicht, wie es dir geht, aber ich finds beunruhigend. Dadurch werden Menschen geradezu animiert, soziale Kontakte (und damit meine ich “Versammlungsorte”, wie Bars, aber auch mal das andere Geschlecht ansprechen usw) in den Hintergrund zu schieben.
Und das ist auch meine Befürchtung, die ich mit solchen “zweiten Leben” immer habe (dazu zähle ich allerdings generelles Onlineleben, wie Second Life, aber auch MMORPGs), sie unterstützen geradezu die Isolation. Natürlich gibts Menschen, die damit umgehn können, habe auch schon genug erlebt. Ich kenne aber auch genug Beispiele (auch solche Klischeebilder vom übergewichtigen Brillenträger ohne Beziehung), bei denen es eben genau zu dieser Isolation geführt hat. Es gab Leute, die sich irgendwann in Guildwars verfangen haben, eine Freundin fing mit Second Life an, drei ehem. Klassenkameraden haben WoW seit langem gespielt…und die habe ich wenig bis nie zu Gesicht bekommen, wenn wir auf der einen Seite unseren Abschluss gefeiert haben, oder wenn wir uns einfach in der Freizeit sonstwo getroffen haben.
Ich betone nochmal, das sind natürlich nicht alle und letzendlich ist das Problem nicht Second Life. Doch ich denke, das eben über diesen “bequemen” zweiten Weg manche Leute sehr spät bis nie mit ihren Problemen konfrontiert werden. Und wie Strohalm schon richtig sagte, solche Maschinen werden niemals Liebe ersetzen.

Ich zweifle ja nichts von dem an, was du sagst :wink: - Wo es ja eigentlich der Wahrheit entspricht.
Da muss man denke ich eben nicht viel mehr sagen.

Ich habe auch mal Second Life ausprobiert, weil das mal groß im Gespräch war und man nicht zwingend dafür zahlen musste. Am interessantesten fand ich, dass man in der Sandbox eigene Objekte erstellen konnte, was aber wohl nicht der Hauptsinn dieses Spiels ist. Sonst wurde es aber relativ schnell langweilg, weil man überall schnell und ohne Flugzeug hinfliegen kann (außer abgesperrte Privatgrundstücke). Man kann da ja einfach den Körper herumschweben lassen. Das ist an dem Spiel auch sehr unrealistisch. Man kann übrigens auch kostenlos Spielgeld verdienen. Das dauert dann natürlich wesentlich länger als wenn man Echtgeld investiert.

Edit: Ich habe gerade gesehen, dass Entropia Universe als Minimum 2048 MB RAM voraussetzt. :shock:
Da werden denke ich schon einige Computernutzer ausgeschlossen.

Lässt sich auch auf die soziale Komponente bringen. Ein fetter Typ(Klischee, blablub) mit 200kg auf der Waage wird wohl kaum in eine Bar o.Ä. gehen, um Frauen kennen zu lernen

Gibt’s alles - bei manchen klappt’s sogar. Und sei es nur des Geldes wegen. :wink:

Ich denke, irgendwann verliert man dann jegliche Sozialkompetenz im echten Leben.

Dadurch werden Menschen geradezu animiert (…) sie unterstützen geradezu die Isolation.

Sehe ich ähnlich. Wobei wohl auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift.

Am interessantesten fand ich, dass man in der Sandbox eigene Objekte erstellen konnte, was aber wohl nicht der Hauptsinn dieses Spiels ist.

Erinnert mich an die Sims. Als ich vor einigen Jahren das Spiel (Teil 1 & 2) ein wenig gezockt habe war ich auch 80 - 90 % der Spielzeit mit Bauen und Ausbauen von Grundstücken beschäftigt, das eigentliche Spiel war an sich ziemlich uninteressant. Ging mir eigentlich bei allen Spielen so bei denen man Charaktere, Karten oder sonstwas zusammenbasteln konnte. 8)

Man kann übrigens auch kostenlos Spielgeld verdienen.

Sim Work? :mrgreen:

Die Betonung lag auf Klischee :slight_smile:
Natürlich gibt es so etwas, aber ich denke (Oder bin einfach zu sehr überzeugt), dass dort der untere %-Teil bereitwillig hineingeht - Die, die genug Selbstvertrauen haben und denen die anderen egal sind. :3

Hm, da könnte man doch was machen: Themenabende in der Bar. Zur Not mit Kommunikation untereinander per Web, sonstige Tätigkeiten auch virtuell - nur mit der Möglichkeit zum direkten Umstieg auf RL :mrgreen:

Virtuelles Leben fängt doch schon da an, wo ich meine Mitspieler -äh, meine natürlich Gesprächspartner, nicht als reale Person kenne. Das beginnt doch z.B. in jedem Forum im Web. Es hat doch vor kurzer Zeit eine Umfrage in sozialen Netzwerken gegeben, ob die Mitglieder die Wahrheit über die eigene Person darstellen. Herausgekommen war, dass erheblich geflunkert wird, die eigene Person wird sozusagen ein wenig “geschönt”. Wer weiß denn, ob hier im Forum alles mit rechten Dingen zugeht. Existieren die Personen, deren Kommentare ich lese und teilweise auch beantworte? Vielleicht veräppel ich mich ja selber.

ähem. Gilhorn.
Wenn man jemand neues kennen lernt, weitet man immer die Wahrheit aus.
Das ist nichts weltbewegendes. Im Internet ist es nur schwerer jemand dabei zu
ertappen =)

… eine Umfrage in sozialen Netzwerken gegeben, ob die Mitglieder die Wahrheit über die eigene Person darstellen. Herausgekommen war, dass erheblich geflunkert wird, die eigene Person wird sozusagen ein wenig “geschönt”.

glaube ich gern ungesehen.
an dieser stelle wundere ich mich etwas ueber mich selbst.
bin ich mit mir und meinem leben so gluecklich, dass ich nicht mal auf die idee komme im WWW zu flunkern?
antwort - nein keineswegs!
ich habe lediglich ein schlechtes gedaechtnis, welches mich bei naeheren kontakten auffliegen lassen wuerde :mrgreen:

aber mal im ernst - wie scheisse muss man sich selber fuehlen, wenn man nach solchen
’ich bin der tollste hecht in diesem chat/forum" den rechner runterfaehrt und die realitaet ploetzlich gnadenlos reinhaut?!

Gilhorn
Virtuelles (…)selber.

Mir ging es in dieser Diskussion eher darum wie man für ein imaganiäres Dasein (in den Fällen, in denen dieses Leben auch real möglich wäre, zum Beispiel Bar) Unmengen an Kohle bzw. regelmässig investieren kann. Da täte es mir einfach leid um die Moneten. :mrgreen:

'ich bin der tollste hecht in diesem chat/forum"

Virtuelles Viagra selbstgemacht, strafft den E-Penis. Logisch dass dieser dann der Realität nicht stand hält… :wink: