Vertrieben aus Berlin

Diskussion über den Blog-Artikel: Vertrieben aus Berlin

Gastbeitrag von Stefan Neumann

Jetzt ist es also raus: SAT.1 zieht weg aus Berlin. Das Geheul unter den ca. 600 Mitarbeitern, die mit ihren Familien umziehen müssen, ist groß; eine pseudojournalistische Internetseite mit Sitz in einem unterfränkischen Dorf hat sogar eine Petition gestartet! Bei so einer Unterstützung kann man sich eigentlich schon mal den Strick nehmen.
Was ist passiert? SAT.1 macht immerhin Gewinn, doch die Aktie der Pro7Sat.1 Media AG hat aufgrund des Wirkens der sogenannten Heuschrecken Permira und KKR binnen zweier Jahre 95% ihres Wertes verloren. Außerdem hat der Konzern über 3 Milliarden Euro Schulden aufgehäuft.
Vor diesem Hintergrund ist völlig klar, dass die Konzernspitze reagieren muss. Eine Zusammenlegung von Redaktionen ist - falls die Qualität erhalten bliebe - durchaus sinnvoll.
Doch da sind wir schon beim entscheidenden Punkt: Qualität. Wodurch hat sich SAT.1 in den letzten Jahren ausgezeichnet? Wer würde den Sender vermissen, wenn statt eines Umzuges eine Schließung bevorstünde? Ist das, was SAT.1 momentan ausmacht, ortsabhängig?
Liebe SAT.1-Mitarbeiter, für uns Zuschauer es ist egal, ob Ihr in Berlin, München oder Köln sitzt, denn auch dort werdet Ihr genug minderbemittelte Laienschauspieler finden, die Ihr für wenig Geld am Nachmittag aufeinanderhetzt. Hartz IV-Empfänger, denen ihr mit kamerageilen Sozialfahndern auflauern und haltlose Sachen unterstellen könnt, gibt es überall. Münchens Ordnungsbeamte, die Platzverweise an Leute verteilen, die ihr Gehirn wegsaufen, sind legendär, und einige möchten auch gern ins Fernsehen. Eurer Zielgruppe ist sicher auch egal, wo Ihr Eure Pappwände aufstellt, um Telenovelas oder Crime-Dokus à la “Lenßen und Partner” oder “Anna und die Liebe” am Fließband zu produzieren. Deutschland muss auch keinen C-Promis dabei zusehen, wie sie mit Spielen, die Ihr aus der Mottenkiste geholt habt, versuchen, ihre Existenz zu rechtfertigen.
Wo war Euer Protest, als man Eure Informationsschiene wegkürzte? Warum habt Ihr es wortlos hingenommen, dass man nachts bei Euch die Zuschauer mit Call-in abzockt, und wer fällte die Entscheidung, vor ca. einem Monat die “Quiz Night” wieder ins Programm zu nehmen?
SAT.1 mag finanziell Gewinn machen, aber für die deutsche Fernsehlandschaft wäre es ein Gewinn, wenn dieser Murks, den Ihr jeden Tag abliefert, endlich für alle Zeiten verschwände!

Das liest sich so dass man sich gut vorstellen könnte wie der Gute beim Schreiben beinahe vor Wut geplatzt ist.

Das Geheul unter den Sat1-Mitarbeitern ist deshalb so groß, weil diese offensichtlich „Verliebt in Berlin“ sind und klar - „Nur die Liebe zählt“. Bei einem Zwangsumzug haben sie nun mal keine „Schmetterlinge im Bauch“ und hoffen auf „Geheime Helfer“, die „Gnadenlos gerecht“ sind. Aber „Genial daneben“ - da hilft kein Jammern - „That’s Life“. Und “Zack”!
Also folgt „Schwupps - die Umzugsshow“.

Aber nun erst mal danke für diese gut gewürzte Betrachtung.
Sicher hat Stefan die Antworten auf seine Fragen längst selbst gefunden. Es geht – wie immer nur um eines – um den Kommerz. Das Menschen des Geldes wegen oft zu abstrusen Mitteln greifen, sehen wir nicht nur an den Sat1-Mitarbeitern, die Ihr eigenes Wirken nicht zu hinterfragen scheinen, sondern täglich in vielen (… auch) von Sat1 ausgestrahlten Sendungen.
Nicht der Zweck heiligt die Mittel – sondern das Geld. Da bleibt kein Raum für Qualität.

Der Beitrag ist mal sehr zynisch und unangemessen. Ob der Umzug nun sinnvoll ist, darüber kann man streiten. Für die Mitarbeiter jedenfalls ist es eine Belastung. Aber Sat1 produziert eben mitnichten nur Müll, hat sich in den letzten Monaten ja sogar um eine Qualitätsoffensive bemüht, indem nun eine Nachrichtensendung ausgestrahlt wird und andere Sendungen, die durchaus Informationscharakter haben. Dazu zähle ich auch “Die Abzocker” und “Gnadenlos gerecht”, auch wenn einige linke Gutmenschen, die da in den Betroffenen ihr Klientel sehen, schon aus Berufsgründen scharf und unsachlich angreifen müssen. Außerdem sehe ich auch “Zwei bei Kallwass” als Sendung, die Hilfestellungen für den Alltag geben kann. Und wenn es nur Sensibilisierung ist. Das hat bislang auch noch keiner parodiert. Zumindest keiner von denen, die ich anschaue. Aus meiner Sicht mit Recht.
Man könnte sicher noch weit mehr an Informationsmagazinen ausstrahlen, aber wenn man sich das Programm insgesamt anschaut, dann ist es immer noch besser, zumindest aber nicht schlechter als das der Konkurrenz.

Auf anderen Sendern kommen nachmittags auch Sendungen, über deren Sinn und Niveau man trefflich streiten kann. Aber ganz ohne diese Sendungen wäre das Leben auch nichts lebenswert, denn immerhin brauchen viele aus Ausgleich zum stressigen Alltag einfach mal seichte Fernsehunterhaltung zum Ausspannen. Und schlechter als das, was früher kam, unter anderem 5 Talkshows im Stil von Britt am Tag, die sicher im Niveau unter den Gerichtssendungen liegen und so unsägliche Produktionen wie “Hamster TV”, gegen das die Spielshows mit Balder noch direkt intellektuell wirken, ist es mit Sicherheit nicht. Das würde wohl keiner leugnen.

Also mal nicht übertreiben. Viel schlimmer finde ich da den Qualitätsabfall von Kabel 1. Das hab ich früher fast täglich geschaut, weil viele gute alte Serien und Filme kamen. Heute dagegen nur noch Sendungen, die nichts für mich sind.

Du findest, dass “Die Abzocker” und “Gnadenlos gerecht” Qualitätsformate sind? Und “zwei bei Kallwass” findest du informativ? Das kann ich bei besten Willen nicht nachvollziehen.

Du findest, dass „Die Abzocker“ und „Gnadenlos gerecht“ Qualitätsformate sind? Und „zwei bei Kallwass“ findest du informativ? Das kann ich bei besten Willen nicht nachvollziehen.

Da hast du wohl die Ironie in seinem Text nicht verstanden… :wink:

Aber Sat1 produziert eben mitnichten nur Müll, hat sich in den letzten Monaten ja sogar um eine Qualitätsoffensive bemüht, indem nun eine Nachrichtensendung ausgestrahlt wird und andere Sendungen, die durchaus Informationscharakter haben.

Dann habe ich hier ein ganz anderes Sat1…

Für die Mitarbeiter jedenfalls ist es eine Belastung.
Sicherlich, deshalb habe ich ja auch den Absatz aus Zuschauersicht geschrieben! Stell Dir vor, VW würde Autos bauen, die nach 50 km den Geist aufgeben, woher sollte der Autokäufer dann Verständnis aufbringen für Leute, die sich gegen Personalabbau wehren? Der würde doch eher sagen „Baut mal gescheite Autos“.

Aber Sat1 produziert eben mitnichten nur Müll, hat sich in den letzten Monaten ja sogar um eine Qualitätsoffensive bemüht, indem nun eine Nachrichtensendung ausgestrahlt wird und andere Sendungen, die durchaus Informationscharakter haben.
sich um eine Qualitätsoffensive bemüht. So eine Formulierung im Arbeitszeugnis, und Du hast schlechte Karten. Eine Nachrichtensendung, richtig; ca. so viel, um weiterhin als Vollprogramm durchzugehen. Wieso ist denn Thomas Kausch weggeekelt worden?
Dazu zähle ich auch „Die Abzocker“ und „Gnadenlos gerecht“, auch wenn einige linke Gutmenschen, die da in den Betroffenen ihr Klientel sehen, schon aus Berufsgründen scharf und unsachlich angreifen müssen.
Bzw. die Betroffenen vor Gericht gehen, um Schadenersatz zu bekommen. Die Formulierung „haltlos“ steht da nicht umsonst: „„Gnadenlos gerecht“ ist auf der immerwährenden Suche nach Hartz-IV-Betrügern. Doch bei der Wahrheit bleiben die Filmteams offenbar nicht immer. Nun klagen die zu Unrecht denunzierten.“

Außerdem sehe ich auch „Zwei bei Kallwass“ als Sendung, die Hilfestellungen für den Alltag geben kann. Und wenn es nur Sensibilisierung ist. Das hat bislang auch noch keiner parodiert. Zumindest keiner von denen, die ich anschaue. Aus meiner Sicht mit Recht.
Dann schaust Du zu wenig „Switch“, siehe hier: [video]http://www.youtube.com/watch?v=p3gXWW6Fmzs[/video]

Auf anderen Sendern kommen nachmittags auch Sendungen, über deren Sinn und Niveau man trefflich streiten kann. Aber ganz ohne diese Sendungen wäre das Leben auch nichts lebenswert, denn immerhin brauchen viele aus Ausgleich zum stressigen Alltag einfach mal seichte Fernsehunterhaltung zum Ausspannen.
Klar, wer um die Uhrzeit Fernsehen schaut, hat wohl nichts besseres zu tun. Wie wäre es mit Sport? Das entspannt auch. Oder ein Buch lesen, oder Musik hören. Alles Sachen, die zumindest mein Leben viel lebenswerter machen als dieser Müll.

Ich stimme dem Autor des Blogeintrages inhaltlich zu, will deshalb nur ein paar kleine, unwichtige Fehler verbessern.

Liebe SAT.1-Mitarbeiter, für uns Zuschauer es ist egal, ob Ihr in Berlin, München oder Köln sitzt, denn auch dort werdet Ihr genug minderbemittelte Laienschauspieler finden, die Ihr für wenig Geld am Nachmittag aufeinanderhetzt. Hartz IV-Empfänger, denen ihr mit kamerageilen Sozialfahndern auflauern und haltlose Sachen unterstellen könnt, gibt es überall. Münchens Ordnungsbeamte, die Platzverweise an Leute verteilen, die ihr Gehirn wegsaufen, sind legendär, und einige möchten auch gern ins Fernsehen. Eurer Zielgruppe ist sicher auch egal, wo Ihr Eure Pappwände aufstellt, um Telenovelas oder Crime-Dokus à la „Lenßen und Partner“ oder „Anna und die Liebe“ am Fließband zu produzieren. Deutschland muss auch keinen C-Promis dabei zusehen, wie sie mit Spielen, die Ihr aus der Mottenkiste geholt habt, versuchen, ihre Existenz zu rechtfertigen.

Alle genannten Sendungen außer „Anna und die Liebe“ werden soweit ich weiß, nicht in Berlin gedreht.
„Gnadenlos gerecht“ in Offenbach (laut Wikipedia steht keins in Berlin)
Das komplette Lenßen & Partner Universum spielt sich in München ab (also auch K11, Richter Alexander Hold, und die Gerichtsmediziner-Serie die total floppte und sofort wieder verschwand), die anderen aus dieser Reihe sind afaik irgendwo in NRW.

Ich weiß, dass das nicht alles in Berlin gedreht wird, deshalb ist es ja auch egal, wo der Sender sitzt, solange das Programm nicht besser wird.
Edit: Gerade gelesen, Statement des BLM-Chefs Ring, Hervorhebungen von mir:

Zum von der ProSiebenSat.1 Media AG bekannt gegebenen Umzug des Senders Sat.1 von Berlin nach München/Unterföhring nimmt der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), wie folgt Stellung: „Vor dem Hintergrund der prinzipiell schwierigen Situation der ProSiebenSat.1 Media AG und der aktuellen Wirtschaftskrise ist der geplante Umzug des Senders Sat.1 von Berlin nach München verständlich, weil es dadurch möglich wird die Synergien innerhalb der Senderfamilie zu intensivieren. Auch wenn der jetzt angekündigte Umzug für viele Mitarbeiter von Sat.1 problematisch ist, muss man dem Unternehmen zu Gute halten, das alle aktuellen Arbeitsverträge auch für den neuen Standort Gültigkeit haben. Die Umstrukturierung bedeutet faktisch auch eine Stärkung des Nach­richtenkanals N24, was ein Indiz dafür ist, dass das Unternehmen seinen Informationsauftrag ernst nimmt und seine Kompetenz in diesem Bereich weiter ausbauen will. Es gab in den zurückliegenden Monaten an einigen Punkten berechtigte Kritik am Unternehmen und seinen Gesellschaftern. Man sollte dabei aber nicht übersehen, dass mit der Internationalisierung des Konzerns durch den Kauf des europaweit tätigen Medienunternehmens SBS generell die Grundlage für einen erfolgreichen europäischen Medienkonzern geschaffen wurde. Die positive Entwicklung auf internationaler Ebene ist in An­sätzen bereits vorhanden. Vieles spricht dafür, dass sie sich entsprechend auch auf das nationale Geschäft niederschlagen wird.“

:smt005 :smt005 :smt005 :smt005 :smt005 :smt005 :smt005 Wie weltfremd kann man sein? Wie rosa eine Brille?

Bei so geballter bajuvarischer Medienkompetenz lacht mein hanseatisches Banditenherz besonders laut. :mrgreen:

Guckt euch mal den Aktienkurs an: http://de.finance.yahoo.com/q/bc?s=PSM. … z=m&q=l&c=
Momentan steht die Aktie nur noch bei 1,66€ und da redet die BLM von der Grundlage für einen erfolgreichen europäischen Medienkonzern. :smt005
Mal sehen wie lange es noch dauert bis 1l Superbenzin mehr wert ist als eine Prosiebensat1 Aktie.

Nach der am Samstag Abend gestarteten Qualitätsoffensive bei Pro7 kann es nicht mehr lange dauern…