Umsetzung der Energiewende

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A) Wir importieren Atomstrom aus Frankreich um überhaupt eine Grundsicherung an Strom sicherstellen zu können. Dir wird sicher kein Geheimnis sein, das man Strom nicht einfach speichern kann. Das was du meinst mit “Strom exportieren” liegt ganz einfach daran, das das ein Teil EEG-Strom, ein Teil Atomstrom aus Frankreich ist. Damit die Stromkonzerne weniger Verlust machen, weil sie - ganz im Stil der Planwirtschaft - dazu gezwungen werden zum einen die Grundsicherung irgendwie sicherzustellen und zum anderen den Strom jedes Hans Wurst der sich eine Solaranlage aufs Dach geflanzt hat zu nicht marktregulierten Preisen abzunehmen.
Strom der “über” ist, weil man sich beim Einkauf verkalkuliert hat bzw. weil die Wetterbedingungen hergeben das die EEG mehr produziert haben als erwartet, wird dann idealerweise wieder verkauft. Ganz logische und ganz normale Sache, das ist ja genau das was die AKWs in Frankreich mit uns machen, überschüssige Energie verkaufen

B) EEG lohnt sich nicht, unsere Infrastruktur ist überhaupt nicht darauf ausgelegt mit so vielen dezentralen Stromproduzenten energie- und wirtschaftlich effizient umzugehen. Statt also eine ad hoc-Lösung wäre es hier deutlich schlauer gewesen erst einmal in die Entwicklung von Smart-Grid und dezentraler Infrastruktur zu investieren. Eine Infraastruktur, die mit den geänderten Bedingungen, die bei EEG gelten umgehen kann, z.b. Energiespitzen effizient zu nutzen. Die derzeitige Infrastruktur setzt vorraus, das eine bestimmte Menge Strom IMMER da ist. AKW haben einen festen Output, die EEG-Struktur logischerweise NICHT, denn der Privatanwender entscheidet selbst, ob er den Strom den er produziert selbst verbraucht oder “verkauft”

C) Es ist kein Geheimnis das um die Energiewende bewältigen zu können früher oder später Kohlekraftwerke oder andere konventionelle Energieerzeuger (wieder) gebaut werden (müssen), um eine konstante Grundversorgung sicherzustellen die die heutige Infrastruktur einfach braucht. Das ist ein nicht wegzudiskutierender Fakt.
Und das ist eine ganz simple 50:50 Frage: Wollen wir auf Atomstrom verzichten oder wollen wir unseren CO2-Ausstoß reduzieren? Beides geht nämlich nicht. Zumindest nicht, wenn wir die Energiewende so umsetzen wie sie jetzt gerade äußerst stümperhaft umgesetzt wird

D) Die Erneuerbaren Energien von heute werden auch nichts mehr sein als Übergangslösungen bis es Fortschritte z.b. bei der Kernfusion gibt. Dafür produzieren sie nicht genug Energie und sind auch sonst nur in bestimmten Gebieten wirklich profitabel. Ganz zu schweigen von den bisher von den Grünen nicht ohne Grund nicht weiter erwähnten Auswirkungen auf die Umwelt durch das Zupflastern mit Windrädern, deren Bestandteile unter Umständen die hiesige Fauna beeinträchtigt. Dazu noch die umweltschädliche Produktion von Solaranlagen und WKW, z.b. durch Glaswolle und bei Solarpanelen die Verwendung höchst unnatürlicher Substanzen und Metallen.

E) Ich bin kein Atomkraft-Fan, aber ich bin auch kein Idealist und vor allem kein Idiot, der die Realität nicht erkennen will: [B]Die EEG die heute zur Energiewende gezählt werden sind NICHT die Zukunft.[/B]
Ich bin dafür weiter in die Erforschung fortschrittlicher konventioneller Energiebeschaffung zu investieren, in die Erforschung intelligenter dezentraler Stromnetze und die EEG DANN als Möglichkeit autarker Energieproduktion einzusetzen.
Dafür müssen aber bis dahin entweder wieder konventionelle Kraftwerke in Betrieb genommen oder die Atomenergie als das weiter betrieben werden was sie schon seit Tschernobyl mehr als eindeutig ist: Eine [U]Übergangstechnologie[/U], die auch endlich mal wie eine solche behandelt werden sollte. Nicht mehr, aber auch nicht für weniger.

F) Ich bin NICHT gegen eine Energiewende im allgemeinen, aber gegen die Art und Weise, wie sie Amateurhaft von der letzten und dieser Regierung umgesetzt wird und wurde. Sie zeugt von wenig Weitsicht und Verständnis der Problematik, von Popuismus und Dummheit und nicht zuletzt davon, das man manchmal auch ohne Ideolgien Probleme angehen sollte.

G) Wir haben das Know-How, das technische Verständnis und das Potential, die Atomkraft so weit zu beherrschen, das wir sie einsetzen können. Das ist einfach so. Man guckt lieber in den Rest der Welt und vergisst dabei, das wir in Deutschland leben. Dem Land der Gesetze und Regelungen, mit den womöglich weltweit stärksten Einschränkungen im Bezug auf Sicherheitsrelevante Fragen.
Leider führt man diese Debatte lieber polemisch und ohne jeglichen Sachverstand, Weil man sich lieber an der Phantasie aufgeilt, die Betreiber wüssten nicht welcher gefährlichen Technologie sie sich bedienen.
Eine ernsthafte und versachlichte Diskussion wäre angebracht, Und zwar nicht auf dieser grenzdebilen “Wenn ein Flugzeug reinfliegt”-Ebene, sondern ernsthaft und realistisch.
Denn bei einem Terroranschlag ist im Grunde jede Chemiefabrik gefährlicher als ein AKW. Da ist die Sicherheit deutlich laxer als in einem AKW.

Die Rechnung zahlen wir, und das ist einfach nur verbranntes Geld. In ein paar Jahren hör’ ich euch schon jammern, das wir diesen Fehler wieder einmal teuer bezahlen dürfen.

Nicht die Energiewende als solche ist falsch, sondern die Methode die gewählt wurde. Diese 3 Buchstaben EEG sind das Problem. Ich mache mich hier bestimmt sehr angreifbar aber ich möchte dennoch erklären warum ich das denke, und was ich anders gemacht hätte.

Der Gründe dafür sind sowohl zahlreich als auch vermeidbar gewesen, wenn die Politik nicht so in Panik vor dem GAU so ziemlich alles was vorher schon schlecht am EEG war noch schlechter gemacht hätte.

Wäre man die Sache Ruhiger angegangen hätten sich einige Probleme Vermeiden lassen, die jetzt dazu führen das der Strompreis so unglaublich angestiegen ist, während die Solarhersteller in Deutschland pleite gehen.

Das EEG subventioniert die Leute sie sich eine Solar oder Windkraftanlage Leisten können, und zwar nicht mit Steuergeldern, sondern indem die Stromanbieter diesen Strom zu einem Mindestpreis abnehmen müssen. Selbst dann wenn der Strompreis viel niedriger wäre muss dieser Mindestpreis gezahlt werden. Die Stromanbieter haben jetzt die Möglichkeit über die EEG Umlage diese Mehrkosten an die Kunden weiterzugeben. Also zahlen alle mehr für ihren Strom, die einzigen die Hiervon Profitieren sind die Leute die eine Solaranlage haben, wodurch ein Anreiz geschaffen wird sich eine Solaranlage zu kaufen. Allerdings können das nicht alle. Es gibt Leute die Nicht den nötigen Platz haben, oder die schlicht und einfach zu Arm sind um sich eine solche Anlage zu leisten. Die Zahlen also mit der Stromrechnung die Ersparnis bei denen, die eine Solaranlage haben (Das gilt auch für Wind, aber ich konzentriere mich jetzt mal auf Solar).

Dann kam noch dazu, dass Großverbraucher von dieser Umlage befreit wurden. Jetzt kann man ja sagen: Wer im internationalen Wettbewerb steht, der kann sich die Umlage nicht Leisten. Jedoch gibt es für diese Großunternehmen nun weniger anreize auch Energie zu sparen.

Dann hat man Vergessen, die Infrastruktur so anzupassen, das sie für Erneuerbare Energien geeignet ist. Die Produktion von Erneuerbaren Energien schwankt sehr stark, jedoch schwankt das nicht im selben Takt wie der Stromverbrauch. Beispielsweise kann es nachts um 3 Uhr sehr windig sein, es gibt aber niemanden der diesen Strom nutzen möchte. Es wird noch Jahre dauern bis man die nötigen Stromspeicher gebaut hat (da hätte man ja mal eher dran denken können). Das heißt es wird Strom ins Netz Eingespeist, und bezahlt, der gar nicht genutzt wird, bzw. man Stellt um das Netz stabil zu halten steuerbare Kraftwerke ab. Das sind dann aber meistens nicht Kohlekraftwerke (weil die ein bisschen gemächlicher reagieren) sonder das sind Gaskraftwerke. Die Verbrennen zwar auch fossile Brennstoffe, haben aber meistens einen Wirkungsgrad von über 90% im Gegensatz zu den Kohlekraftwerken. Man Fährt also die im Vergleich umweltfreundlicheren Kraftwerke herunter, und lässt die Kohlekraftwerke laufen.

Aber auch die Kohlekraftwerke können gesteuert werden, und an tagen wo es besonders viel Ökostrom gibt werden die Kohlekraftwerke auf ein Minimum Heruntergefahren (man stellt die aber nicht ganz ab, denn die sind ja ziemlich behäbig). Dadurch sparen die Kraftwerksbetreiber CO2 Emissionsrechte ein. Das bedeutet, die Emissionsrechte werden Günstiger, und es gibt wiederum, keinen Anreiz etwas an den Kraftwerken zu verändern. Die Politik hatte anfangs geplant, das eine Tonne CO2 etwa 30€ kosten sollte. Man ist im Moment deutlich drunter. Und wenn man es mal Optimistisch sieht werden diese Problematischen Kraftwerke noch 30-40 Jahre Laufen.

Zurück zum solar. Die Chinesen schaffen es mittlerweile Solaranlagen herzustellen, die Qualitativ gleichwertig zu deutschen Anlagen sind. Allerdings sind diese viel billiger. Wenn ich mir überlege eine Solaranlage anzuschaffen, dann würde ich mich für eine Chinesische Anlage entscheiden, denn durch den Günstigeren Preis und die Mindestvergütung hätte ich die Kosten für die Anlage viel eher raus, als bei einer deutschen. Das bedeutet: Der Deutsche Stromkunde subventioniert mit der EEG Umlage Chinesische Solarhersteller. Während in Deutschland schon mehrere Hersteller pleite gegangen sind.(und die hatten sich meistens in strukturschwachen Regionen angesiedelt, wo es jetzt natürlich mehr arbeitslose gibt)

Deswegen kommt jetzt die Sache so wie ich es gemacht hätte:
[ol]
[li]Der Staat Baut die Infrastruktur aus
[/li][li]Strom produzierende Bürger sollen sich zu Energiegenossenschaften zusammenschließen.
[/li][li]Die Energiegenossenschaften sollen in einem Einspeisegesetz bevorzugt werden
[/li][li]Energiegenossenschaften werden vom Staat direkt gefördert
[/li][li]Der Bau von Erneuerbaren Energie Anlagen wird vom Staat direkt gefördert
[/li][li]Die Solarforschung und Windgasforschung (die steckt noch in den Kinderschuhen) werden vom Staat direkt gefördert
[/li][li]Die Emissionsrechte werden verknappt
[/li][li]Alle Jahre wieder müsste man überprüfen ob Fördermittel noch nötig sind, oder ab sie sogar raufgefahren werden müssten
[/li][/ol]

Was hätte das für Folgen: Durch die Energiegenossenschaften hätten die Bürger die Gleiche Planerische Sicherheit beim Bau einer Solaranlage wie heute mit dem EEG, allerdings kann die Genossenschaft (auch durch die Förderung durch den Staat) Strom anbieten zu einem Preis der Marktfähig ist. Man braucht also keinen Mindestpreis mehr, sondern kann hier über den Markt verkaufen, ohne das der Bürger der Strom produziert einen Nachteil Hätte. Er vermietet quasi seine Solaranlage an die Energiegenossenschaft, an der er selber Anteile Hält (so wie in Genossenschaften üblich)
Es gibt in einigen Regionen schon solche Energiegenossenschaften, die Gut funktionieren.

Durch die Förderung für den Bau von Solaranlagen bleibt es Attraktiv solche anlagen zu bauen. Durch Die Förderung der Solarforschung bekommen die deutschen Unternehmen in dem Bereich neue Möglichkeiten, bessere Produkte anzubieten als die chinesische Konkurrenz (wenn man eine Solaranlage hätte deren Wirkungsgrad höher wäre, wäre das ja ein Anreiz diese zu kaufen statt der chinesischen.

Durch die Verknappung der Emissionsrechte würde konventioneller Strom Teurer, während Ökostrom günstig wäre (auch als Unterstützung für die Energiegenossenschaften)

@IceTwo: Sehr schöner Beitrag, der die größten Probleme eigentlich gut darstellt. Und auch eine gute Alternative, besonders weil man die Vorschläge theoretisch noch im nachhinein umsetzen könnte.
Es zeigt sich hier einfach mal wieder, dass aus Gesetzen im hauruckverfahren einfach nichts gutes entstehen kann.

Vor allem der Ausbau der Infrastruktur ist ein gutes Beispiel, weil es dort so starke Versäumnisse gibt, dass man es einfach nur peinlich nennen kann.

Allerdings würde ich in einer Hinsicht eine Lanze für Kohlekraftwerke brechen wollen. Moderne Kohlekraftwerke sind, dank Katalysatoren, sehr umweltfreundlich.
Das Problem ist, dass gar nicht wirklich auf die Effizienz der Kraftwerke geguckt wird, sondern nur auf das was oben raus kommt.
Ob nun ein modernes Kohlekraftwerk mehr Strom bei weniger CO2 Ausstoß produziert interessiert fast gar nicht, solange es in absoluten Zahlen mehr produziert.
Ein wunderbares Beispiel dafür ist das neue Kohlekraftwerk in Datteln. Jahrelanger Streit und während der Zeit laufen 3 Kraftwerke weiter die insgesamt umweltschädlicher sind als es das neue sein würde.

Also Kohlekraftwerke können auch im Zusammenhang der Energiewende sinnvoll sein, wenn alle beteiligten ehrlicher zueinander wären und bereit wären auch mal über den eigenen Tellerrand zu sehen. (E-ON hat in diesem Streit alles andere als eine weiße Weste. z.B. was die Planung angeht, da haben sie schlichtweg versagt.)

@ExtraKlaus: Auch dir kann ich zum größtenteil eigentlich nur zustimmen. Will aber auch da eine kleine Kritk anbringen.
Und zwar geht es mir um deinen Punkt G)

Klar sind deutsche Atomkraftwerke vergleichsweise sicher. Aber erstens hinkt dein Vergleich mit den Chemiefabriken, weil die Langzeitwirkungen deutlich geringer ausfallen als bei einem Unfall in einem Atomkraftwerk.
Bei Chemiefabriken haben wir einmal einen großen Schaden und dann über ein paar Jahre vermutlich hohe Kosten.
Bei einem Atomkraftwerk haben wir einmal großen Schaden und dann über Jahrzehnte imense Kosten bei gleichzeitig bestehender Gefahr von neuen Unfällen.

Hinzukommt, dass die Hauptkritik gegen Atomkraft sich nicht einmal gegen den GAU wendet, auch wenn der schlimm genug wäre.
Die Hauptkritik richtet sich gegen den Müll. Hier gibt es einfach keine Möglichkeit das Zeug vernünftig los zu werden.
Keiner will den Müll haben, was verständlich ist und daher gibt es nur “Zwischenlager” oder eine Unterbringung die ein unnötiges Sicherheitsrisiko bedeutet.

Wenn Atomkraftwerke nach den selben Maßstäben erbaut worden wären, wie andere Firmen, dann hätten die niemals eine Zulassung bekommen, weil die Erbauer die Frage nach der Müllbeseitigung nicht hätten beantworten können.
Man lehnt sich also nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man sagt, dass es eigentlich kein rechtmäßig errichtetes Atomkraftwerk in Deutschland gibt.

Wie du siehst, man braucht keinen Flugzeugabsturz damit Atomkraftwerke scheiße sind. (Abgesehen davon sind sie eigentlich sogar sehr ineffizient. Was aber kaum von Belang sind, weil ihm laufenden Betrieb sind sie deutlich sauberer als normale Verbrennungskraftwerke. Wenn da nicht dieser blöde Atommüll wäre…)

Die Energiewende ist also tatsächlich auch notwendig um es zu schaffen irgendwann einmal vom Atomstrom wieder weg zu kommen. Nur hast du vollkommen recht, man müsste da viel überlegter rangehen.

Wie war das doch gleich letztes Jahr? Durch unsere grandiose Windkraft hatten wir einen Sommertag so viel Strom das wir den Ösis diesen verschenken mußten und dafür auch noch bezahlt haben? Zwei Tage später hatten wir nicht genug und haben Strom importieren müssen?

Ein Hoch auf die Umweltlobby!