Es ist zwar schon alt (2006) trifft es aber ganz genau, ich möchte es euch nicht vorenthalten:
"Zerstreuung ist immer eine Flucht, und sie ist auch notwendig. Wenn jemand täglich schwerst körperlich arbeitet und völlig ausgepumpt nach Hause kommt, der will sicher keinen Film von Haneke sehen. Der will etwas sehen, wo er abschalten kann. Deshalb ist das Fernsehprogramm ja so, dass man es nicht abschalten muss. Es muss so sein, dass man selbst dabei abschalten kann. Deswegen ist eigentlich ein Kamin der bessere Fernseher. "
http://www.zeit.de/2006/04/Interview_Haneke
Es ist zum einen eine arbeitsoziologische Diskussion: unsere Erwerbsarbeitsgesellschaft mit ihrem Arbeitszwang (Herrschaft über Zeit und Raum) macht die Menschen einseitig und stupide, so dass sie nach der monotonen und unerfüllten Arbeit (toten Arbeit: Ziel ist das Geldverdienen um Lebensunterhalt sichern) “abschalten” müssen.
Die Pointe bei Haneke ist eben, dass wenn das Fernsehen (vor allem öffentlich-rechtlich) anspruchsvoll wäre, würden noch weniger einschalten als jetzt, da das Ziel Zerstruung vom Altag ist. In einer demokratischen Gesellschaft, in der auch die Medien einen demokratie-sichernden Auftrag haben, eine Katastrofe.
Wenn nur jeder einen Kamin hätte?!
