Spiegel TV Frankfurter Terrorist spielte Killerspiele?

Tach
Auf der Videoseite von Spiegel TV kann man sich ein rund 8 Minuten langes Video mit dem Titel “Flughafen-Attentat: Vom Realschüler zum islamistischen Attentäter” anschauen. Dort sollen einige Stationen im Leben des Attentäters beschrieben werden. Bei Minute 4:55 gibt es einen harten Schnitt und man bekommt Trailerszenen von Call of Duty: Black Ops zu sehen. Dabei verkündet der nette Offsprecher haarsträubenden Unfug wie: Am heimischen Computer wird der nette Helfer zum Rächer. In dem millionenfach verkauftem Killerspiel Black Ops gibt es nur ein Ziel: möglichst viele gegnerische Soldaten abzuschlachten.
Ja natürlich. Wieder mal grandios recherchiert. Besaß der Attentäter überhaupt dieses Spiel? Ich glaube kaum dass ein Amerikahasser ein solcher Hurra-Hurra-Amerika-AMERIKA-Patriotismus-Spiel spielen würde.
Leider weiß ich auch nicht ob dass in dieser Form auch ausgestrahl wurde/wird.

vielleicht hatte er ja auch Americas Army, ein Killerspiel das von der US Regierung bezahlt wurde…

:mrgreen:

Die Picken sich halt immer nen bekanntes Spiel raus, würde Activision hier wegen Rufschädigung klagen wär das ganze schnell geschichte, aber die Hersteller haben ja keine eier in der Hose… :smt013

Ich glaube kaum dass ein Amerikahasser ein solcher Hurra-Hurra-Amerika-AMERIKA-Patriotismus-Spiel spielen würde.

Das ist lediglich Deine vermutete Meinung. Monokausalitäten greifen bei diesem Täter, wie meist, zu kurz. Die Familie hat z.B. geschildert, dass sich der Junge sehr gut mit der jüdischen Freundin des Bruders verstanden habe. Dieses Detail passt ebenfalls nicht zum Stereotyp des Radikalislamisten.

Das Spiel ist in dem Beitrag nur ein mögliches Puzzleteil von vielen. Eine Schuldzuweisung seitens SpiegelTV findet nicht statt.

Die Picken sich halt immer nen bekanntes Spiel raus

Ich bin kein Gamer und deshalb ist mir das Spiel vollkommen unbekannt. Wie wahrscheinlich der Mehrzahl der Zuschauer von SpiegelTV.

[quote]Ich bin kein Gamer und deshalb ist mir das Spiel vollkommen unbekannt. Wie wahrscheinlich der Mehrzahl der Zuschauer von SpiegelTV.
[/quote]

Weil du es also nicht kennst ist es nicht bekannt oder was? Von der Serie wurden bestimmt Millionen von Exemplaren verkauft, also isses bekannt, Punkt.

Außerdem hat er vollkommen recht. Es werden immer die bekannten Spiele genommen um zu schocken. Würde man ein No-Name Spiel nehmen würde es keinen interessieren, weil es ja keiner besitzt. Aber wenn man von CoD spricht, schockt man natürlich, weil viele Eltern denken werden: OMG, das spielen meine Kinder!!!

Es werden immer die bekannten Spiele genommen um zu schocken

Wo wurde denn „geschockt“? Es wurde gesagt, der Junge habe das Spiel besessen und wahrscheinlich auch gespielt. Das alles in ca. 15 Sekunden von knapp 9 Minuten. Der Focus des Beitrags lag auf den Hasspredigern und den Widersprüchen im Charakter des Jungen. Auf die Handlung des Spiels wird mit einem einzigen Satz eingegangen und schon widmet man sich wieder wichtigeren Dingen.

Hätte SpiegelTV das Spiel als Ursache für die Tätergenese ausmachen wollen, weiß man, wie der Beitrag dann ausgesehen hätte: Christian Pfeiffer bläht sich auf und doziert falsche Tatsachen, Man hätte das Stimulus-Response-Modell aus der Mottenkiste gekramt und den ganzen Rest des Berichts einfach weggelassen.

Mir scheint, als regt Ihr euch hier über eine Marginalie auf.

P.S.: Es mag ja sein, dass das Spiel in Gamerkreisen sehr bekannt ist. Das habe ich auch nicht abgestritten. Aber außerhalb der Zielgruppe sieht die Sache anders aus. Punkt.

Ich habe mich nicht wirklich auf den Artikel bezogen. Das war eher verallgemeinert. Du hast mich ja schön zitiert,“Es werden immer…” Und man kann halt nicht sagen, das “Goodfellas” kein bekannter Film oder “Biss zum Morgengrauen” kein bekanntes Buch ist, nur weil du es nicht kennst. Und das Spiel ist mittlerweile bestimmt auch in Elternkreisen bekannt, weil immer in den Medien darauf rumgeritten wird und weil es die Kinder spielen, oder die Kinder wollen.

Was soll denn dieser Erwähnung, außer zu sagen: Killerspiele machen Terroristen? sie haben mir nichts von einem Sandwichmaker oder einem Sodastream oder eine Fritzbox erzählt… wenn es denn nichts damit zutun hat, kann man es weglassen.
Aber es geht eher darum, dass auch Spiegel TV sagen will, dass Killerspiele gefährlich sind, ich wünschte, dass es mal 2-3 Jahre kein einziges “Killerspiel” gäbe und welchen Schuldigen man dann findet, denn Mord und Totschlag, Terrorismus und Amokläufe wird es auch dann geben, es ist einfach die billigste Art der Schuldzuweisung.

Was soll denn dieser Erwähnung, außer zu sagen: Killerspiele machen Terroristen?

Wenn ich diesen Satz weiterdenke, frage ich mich, warum im Bericht explizit erwähnt wird, dass das Spiel millionenfach verkauft wurde. Existieren Millionen von tickenden Zeitbomben weltweit, wartend auf die nächstbeste Gelegenheit zu töten? So einen Schmarrn würde nicht mal die Quatschzeitung schreiben, geschweige denn SpiegelTV absondern. Das Detail verdeutlicht eben nur, dass der Täter ein ganz normaler Jugendlicher war, der den gleichen Hobbies nachging wie Millionen andere auch.

Der kurze Einschub dient als Juxtaposition zur Sichtweise des Pflegedienstleiters, der Uka unmittelbar zuvor als „zärtlich“ und sanft beschreibt. Der Schnitt zeigt, dass er zumindest am heimischen PC auch unzärtlichen Dingen nachging. Ein dramaturgischer Kniff, der knapp 3% des Beitrags ausmacht. Nichts weiter. Mit keiner Silbe wird ein Zusammenhang zwischen Spiel und Tat hergestellt.

Solch semisubtile Polemik gehört zu Print- und TV-Spiegel einfach dazu. Hier eine „hidden agenda“ hinein interpretieren zu wollen, halte ich für sehr gewagt. Hätte SpiegelTV Kausalzusammenhänge konstruieren wollen, wären diese deutlich artikuliert worden. In dem Bericht konzentriert sich die Ursachenforschung auf salafistische Hetzpropagandisten und sonst niemanden.

Wer aus dem kurzen Stück abzulesen vermag, dass „Killerspiele“ Uka zur Tat trieben, ist auch anfällig für die These, dass Charles Manson zum irren Sektenführer wurde, weil er gerne Gitarre spielte. Vegetarische Hundefreunde müssen auch nicht zwangsläufig zu Vernichtungskriegen neigen. Bei der Erstellung eines Täterprofils dürfen aber andererseits auch vermeintlich unwichtige Aspekte Erwähnung finden. Viel Lärm um nichts also.

Das Detail verdeutlicht eben nur, dass der Täter ein ganz normaler Jugendlicher war, der den gleichen Hobbies nachging wie Millionen andere auch.

Wer aus dem kurzen Stück abzulesen vermag, dass „Killerspiele“ Uka zur Tat trieben, ist auch anfällig für die These, dass Charles Manson zum irren Sektenführer wurde, weil er gerne Gitarre spielte.

Nein, eben nicht! Gerade älteren Menschen die sich damit nicht auskennen wird wieder einmal suggeriert dass die Killerspiele die Mitschuld tragen! Wäre es angeblich nur um die „Hobbies“ gegangen hätte man einfach nur erwähnen können das er gerne am Pc gespielt hat. Stattdessen wird wieder nur ein „Killerspiel“ erwähnt. Vielleicht hat er ja auch Fußball, schach oder andere Spiele auf dem Pc gehabt?! Außerdem hatte er bestimmt noch andere Hobbies! Hier wurde eindeutig manipuliert!

Natürlich kann man sich über die Engstirnigkeit mancher Zeitgenossen ärgern.
Und ebenso natürlich wissen klar denkende Menschen längst, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Spielen von Ego-Shootern und einer realen Gewaltbereitschaft bei manchen Mitmenschen gibt.
Ich sehe diese Hysterie allerdings auch etwas gelassener, denn genau diese Diskussionen führte die Gesellschaft in den 70er und 80er Jahren schon einmal. Damals waren die Übeltäter aber nicht die “Killerspiele”, sondern die sogenannten “gewaltverherrlichenden Filme”. Man denke da nur einmal an die aufgeregten Diskussionen die seiner Zeit durch Filme wie “Mad Max” oder “die Klasse von 1984” hervorgerufen worden sind. Diese verteufelung der Gewalt in Kino- und Fernsehfilme ging schon damals in der Hauptsache von sogenannten Pädagogen und Psychologen aus.
(Ich nenne das die “Pippi Langstrumpf-Wissenschaft”…warum? nun - deshalb >> “…ich mach mir die Welt widde widde wie sie mir gefällt…”).
Das ganze geriet schnell zu einer Art “Zeitgeist”. Sogar solche pseudointellektuellen Musiker wie Herbert Grönemeyer sahen sich genötigt darüber Gesellschafts(un)kritische Verse zu schmieden. [spoiler]http://www.lyricstime.com/herbert-gr-nemeyer-kino-lyrics.html[/spoiler]
Letztendlich hat sich der Fokus also nur vom Film abgewandt und auf ein anderes Medium gerichtet.
Warum?
Weil man vor allem Angst hat das man nicht begreift.
Damals begriffen die “Alten” nicht worin die Faszination für Gewaltdarstellung im Kino her rührte.
Und heute verstehen die “Alten” nicht den Reiz der Ego-Shooter.
Der Witz daran ist aber, dass heute meist jene Alten solche Games verteufeln, die in ihrer Jugend ihre Faszination für brutale Filme vor den Altvorderen verteidigen und erklären mussten.
Vielleicht hängt das aber auch noch mit einem anderen, wieder von den Pädagogen und Psychologen in die Welt gesetzten Vorurteil jener Zeit zusammen, nach dem Personal-Computer grundlegend schlecht waren und deren Gebrauch zwangsläufig zur Verdummung und Vereinsamung führe. Kurzum … in meiner Jugend war alles was Flimmerte Teufelszeug und die wahre Erfüllung fand der Mensch sowieso nur im Vereinsleben. - Am besten im Schützenverein.
Na denn - Waidmanns heil ! - :ugly

Man sagt im Schützenverein nicht Waidmanns Heil. Viele Schützen mögen Jäger nicht mal… zu recht, während Schützen auf Zielscheiben Ballern knallen Jäger völlig sinnlos Lebewesen über den Haufen… :smt013

Es heißt Gut Schuss im Schützenverein, und 99% der Schützenvereine achten extrem darauf was ihre Mitglieder so anstellen, bei uns Schießt keiner Betrunken…

@Gabumon

Das ist mir durchaus bekannt.
Ich wollte damit auch nur verdeutlichen das eben nicht jeder der auf Zielscheiben schießt auch gleichermaßen auf Lebewesen ballert.
So wie eben nicht jeder Ego-Shooter-Zocker zum Amokläufer wird.

Vielleicht war mein Gedankensprung hier etwas zu groß geraten. :smt017

Also da hat es echt schon schlimmeres gegeben. Die Aussage, dass es darum gingt möglichst viele Soldaten abzuknallen ist zwar prinzipiell falsch allerdings ist die Call of Duty Reihe ja auch nicht gerade bekannt dafür intelligente Shooter hervorzubringen. Vielmehr ballert man sich stupide durch Schlauchlevels und erlebt herovrragende Skriptsequenzen. Ab und an gibts auch mal Schleicheinlagen, ich weis…anspruchsvoll ist daran aber auch nichts. Zurecht ist Black Ops daher auch ab 18.

Der TE sollte außerdem vorsichtig mit pseudopsychologischen Aussagen wie “Ein Amerikahasser spielt doch keinen Pro-Amerikashooter” sein. Das ist das gleiche Niveau wie “Killerspiele machen Menschen gewaltätig”. Unfundierter Mist und die Pixel auf meinem Monitor nicht wert…

Der Bericht ist davon ab aber schon ausgewogen und als Hauptschuldigen stellt Spiegel TV anscheinend die Salafisten Szene dar und nicht Killerspiele. Von daher halbwegs ok…sicherlich kritikwürdig aber im Vergleich zu manch vergangenem schon ok…