"Süddeutsche Zeitung Magazin"/'Verdummung' i.d. Printmedien

Lieber Fernsehkritiker,

ich bin gerade etwas verzweifelt. Zufällig fiel mir die neuste Ausgabe des „Süddeutsche Zeitung Magazin“'s in die Hände. Auf dem Titel: ein stilisiertes Bild einer Frau mit 60er -Jahre Bob-Frisur -.- (natürlich dünn, geschminkt und faltenfrei Oo aber das nur btw.)

Thema laut Titel:
„Yes she can. Die Revolution ist im vollen Gang, es merkt nur keiner. Frauen übernehmen die Macht, leise unaufgeregt und unaufhaltsam. Ein Frauenheft
Ich fahre jetzt erst einmal mit der Beschreibung des Heftes fort sogut ich es gerade vermag, bevor ich die Gedanken und Gefühle beschreibe, die mich (ua. als Frau) bei Betrachtung dieses Heftes heimsuchten.

Im Inhaltsverzeichnis liest man folgendes:
12)Dein Reichtum komme: Die neue Macht der Frauen ist ihr Geld (ach Geld ist Macht in dieser Welt? , das wusste ich ja noch gar nicht was eine Neuigkeit. :smt005 habe ich etwa was verpasst? :smt017)
18)„Nutzen sie Charme?“-„Oh nein, das finde ich ganz furchtbar“ Ein Interview mit einer der wenigen Frauen in einem Dax-Vorstand.
30)Wie es im Buche steht. Immer dem Romanhelden nach: über das Phänomen des Bestellertourimus.
36)„Rinder und Schweine verstehe ich sehr gut. Bei Hühnern klappt es nicht so“ Warum die Autistin Temple Grandin neue Methoden entwickelt, Tiere zu töten.
44)Sie braucht uns. Ein Portrait der weltweiten Nanny-Industrie
56)Das niedliche Mädchen. Was ist nur mit den Frauen los, die Putzigkeit mit Weiblichkeit verwechseln? Eine Abrechnung. (Einziger Ansatzweise kritischer Artikel mit Exkurs nach Japan)
60)„Der Mut von Frauen wird chronisch ünterschätzt“. Der Weltberühmte Friseur Vidal Sassoon über seinen Beitrag zur Emanzipation.
68)Kunstschuss. Ria von Dijk hat seit 1936 fast jedes Jahr ein Portraitfoto von sich auf der Kirmes geschossen. Nun hängen die Bilder im Museum.
76) Still leben. Das Berliner Designer-Duo Perret Schaad ist das Beste. was der deutschen Mode passieren konnte.

-zustätzlich moch die übrigen Rubriken inklusive einer Vorstellung von Bryan Adams Fotografien zum Projekt „Große Frau/Kleiner Mann“(Riesige Models in Highheels neben hilflos und dümmlich drein blickenden kleinen Männern in Anzügen, die deren Einkäufe tragen während sie nur eine kleine Handtasche trägt :smt017 :smt021 ): „Die Bilder erscheinen unter dem Titel „Size an the Citiy“ demnächst als unverkäuflicher Kalender für die Carl Zeiss AG.“

Zusätzlich ist das Heft angefüllt mit Werbung für teure Mode, sparsame Haushaltsgeräte (lol) und (wer hätte das gedacht^^) Anti Aging Produkten.

Ich kann das natürlich nicht so gut beschreiben, weil ich die Aufmachung und Gestaltung des Heftes nicht authentisch wiedergeben kann und auch die genauere Beschreibung der einzelnen Artikel und Beiträge auslasse, weil dies dann entdgültig zu lange werden würde :wink:

Nun, als ich den Titel dieses Heftes sah, war der erste Gedanke „Von was reden die da? Hab ich was verpasst?“

Und als ich mir dann die Artikel angeschaut habe, hatte ich nicht nur das Gefühl eine der asozialsten printmedialen Verarschungen in den Händen zu halten, sondern auch ein Heft voller mehr oder weniger subtilen Beleidgungen, Klischees, Augenwischereien… welche einem durchgestyled und strahlend mitten in die Fresse lachen.

Man hat mal wieder -natürlich- schon den Eindruck, dass dies nicht beabsichtigt ist, sondern dass wir alle mal wieder für dumm verkauft werden sollen.
Oder die verantwortlichen Redakteure (hauptsächlich Männer-lol?) selbst für dumm verkauft sind?

In jedem Falle ist dieses Heft angefüllt mit irreführenden Suggestionen, (Verarschungen/-dummung darf ich doch sagen?^^), Falschdarstellungen, nutzlosen Informationen die mal wieder als bedeutsam gehypet werden usw.

Was daran besonders ist: Von den ganzen Klatschheftchen, Lifestyle- und Modeheften kennt man dies, das ist weder etwas neues noch lohnt es sich kaum noch darüber aufzuregen.
Aber dieses „Süddeutsche Zeitung Magazin“ hat eine andere Aufmachung und gaukelt vielfältig mehr Referenz vor, was diese Verdummung umso „gefährlicher“ und ärgerlicher macht.

Ich als Frau habe mich durch einen Medienbeitrag seit langem nicht mehr so geärgert und vor allem beleidigt gefühlt, wobei aber auch Männer ebenso mehr oder weniger indirekt wortwörtlich für DUMM verkauft werden, was ebensosehr meinem Frauen- als meinem Männerbild wiederspricht.
Diese Darstellung der Frau entweder als riesige durchgestylte arrogante stinkreiche Modehülse, Buisnessfrau oder unterbezahltes (laut Heft "oft illegal, oft schlecht behandelt, fast immer schlecht bezahlt) „Mädchen - für - alles“ (alle drei werden als scheinbar sehr guten ist-Zustand und Zeichen des neuen „Matriacharts“ suggeriert :expressionless: )
-war die entsetzlichste und unverschämteste öffentliche Beleidgung seit langem, die ich mitverfolgen konnte. (Und natürlich auch die Darstellung der Männer in dem Heft einerseits aber auch die als hirnrissigen und unreflektierten Leser, der ebenso entsetzlichen Idealen und Werten hinterherjagt und jeden Mist brav aufisst die man ihm vorsetzt.)

Wieso ich das hier schreibe und mitteilen möchte? Ich habe einen sehr guten Eindruck von deinen Meinungen und Recherchen, und fühle mich gerade mal wieder sehr hiflos und verzweifelt wie man die Masse wieder für dumm verkauft und dabei auch noch Profit macht, zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen… Das eine scheint wohl nicht ohne das andere zu gehen?!

Das Fernsehen verliert ja gerade bei der jüngeren Generation immer mehr an Bedeutung und neben den unendlichen Weiten des Internets existieren nach wie vor Printmedien für jede Zielgruppe. Oft einfach verdaulich dargestellt liegen diese Zeitungen und Hefte beim Friseur, im Kosmetikstudio, in Arztpraxen… fast jeder (?) greift dazu und blättert sie durch assimiliert meist das auf den ersten Blick einfach verdauliche und ansprechend wirkende…

Ich würde und könnte auch noch einen besseren und ausführlicheren Beitrag zu diesem Thema schreiben, zur Zeit befinde ich mich aber in einem schlechten gesundheitlichen Zustand, so dass ich dies momentan nicht schaffe.

Mich würde interessieren, was du zu diesem Thema denkst, wie sollte man damit umgehen, mehr fällt mir nicht ein außer sich selbst davor zu schützen, kann man denn auch mehr tun?
Ich selbst assimiliere diesen Mist nicht mehr unreflektiert seit ich ca 19 bin soweit ich mich entsinne, aber was ist mit den anderen Menschen? (Und nicht falsch verstehen, ich halte die meisten Leute nicht für dämliche unmündige Zombies, aber da wirken andere psychologische etc Mechanismen, die die Medien und die Werbung seeehr gut kennen und beherrschen!!)

Wie sollte man verfahren? Ich habe den größten Drang dieses Heft einfach in den Papierkorb zu schmeissen, allerdings aber auch zu geeignetem Zeitpunkt eine ausführlichere Kritik zu diesem Thema zu schreiben, wobei ich dieses Exemplar ja bräuchte.
Wäre letzeres aber nicht sowieso ein Kampf gegen Windmühlen?

VLG,
Susie

Ich würde der Redaktion auf jeden Fall eine ausführliche Mail schreiben (vielleicht nicht zu ausführlich, weil dann wird es nicht mehr gelesen) und mich beschweren. Dann sollte auch eine Antwort erfolgen.
Ansonsten ist dies ein Beispiel für eine allgemeine Tendenz zum Trivialen, wie wir sie auf allen Ebenen erleben - auch das Magazin der Süddeutschen bleibt da nicht außen vor!