RTL und Hypnose die zweite oder RTL und der Jade Skorpion

Nach der zugegeben etwas merkwürdigen Aktion bei Stern TV mit der Hypnose, kam letzte Woche Mittwoch und Donnerstag auf eine der frühabendlichen RTL Sendungen ein weiteres Highlight zum Thema Hypnose.

Diesmal ging’s über eine von einer ehemaligen guten Freundin hypnotisierten Dame mittleren Alters, die von der Freundin ein Trigger Wort eingepflanzt bekommmen hat und darunter leidet.

Als Beweis wie toll doch die Hypnose ist wurde dann die “Hypnosetherapeutin” gezeigt die nun versucht der Frau das Trigger Wort auszuhypnotisieren und die hat dann gezeigt wozu ein Hypnotiseur fähig ist. Nämlich die Leute zum stehlen in dieser Hypnose zu bewegen.

Irgendwie glaub ich wollen die uns alle verarschen. Also wenn euch jemand anruft und nur “Konstantinopel” sagt ganz schnell einhängen!

Gruß

Wollviech

Die Sendung habe ich (zum Teil) auch gesehen. Die Sache bei Hypnose ist ja, dass man nur hypnotisiert werden kann, wenn an das auch will, allerdings weiß ich nicht, was das genau bedeutet, denn wenn man in eine Hypnose einwilligt, dann aber z.B. hypnotisiert wird, dass man stehlen soll, dann hat man ja eingewiligt, aber speziell stehlen wollte man ja nicht. Ich glaube persönlich nicht, dass es so sehr und gut klappt, dass man direkt Leute hypnotisieren kann, dass sie stehlen, aber ich kenne mich damit nicht so gut aus.

Das ist dieselbe Sache wie im Thread „Punkt 12“, nehme ich an?

Ist vielleicht ein wenig Off-Topic aber heute kam bei Punkt 12 ein Beitrag über Hypnose.
Ich fand diesen insofern Interessant, da er das genaue Gegenteil von dem rüber brachte was ich „gelernt“ habe.

Als Gegenstand in diesem Beitrag nahm man eine Frau die von ihrer (nun ex-) Freundin hypnotisiert wurde.
Sie hat über 4 Jahre alles gemacht, was die Freundin wollte, sofern diese das Trigger-Wort sagt („Schlaf!“).
Als Nebeneffekt war ihr öfters schwindelig und sie hatte Kopfschmerzen, sowie scheinbar dauerhafte Gedächtnislücken.

Was stimmt hier nun nicht bzw. was habe ich über Hypnose in Erfahrung gebracht (u.a. durch Aussagen von Hypnotiseuren)?
1.: Man kann, auch unter Hypnose, immer und zu jeder Zeit frei entscheiden was man macht. Folglich kann man auch nicht machen, was man nicht will. (Man kann auch nicht hypnotisiert werden, wenn man es nicht will)
2.: Man kann kurzzeitige Gedächtnislücken hervorrufen, aber keine dauerhaften.
Warum sollte das Unterbewusstsein einem wichtige Informationen vorenthalten?
3.: Warum sollte das Unterbewusstsein einem Schmerzen zufügen? Das Unterbewusstsein ist immer bestrebt keinen Schaden zuzufügen (Das widerspricht Punkt 2 ein wenig: Schädliche Informationen können durchaus verdrängt werden)
4.: Ich persönlich glaube nicht, dass man auf der Stelle hypnotisiert ist, wenn man ein vorher eingepflanztes Trigger-Wort ausspricht. Man ist allerhöchstens schein-hypnotisiert (will sagen: man denkt nur, das man es ist).

Man ging im Beitrag auch noch mit einer Hypnotiseurin auf die Straße um Passanten zu hypnotisieren (was ich lustig finde, da man sich negativ über Show-Hypnose geäußert hatte).

An dieser Stelle war ich kurz weg. :wink:

Als ich wieder da war hypnotisierte sie eine Frau, welche dann Ladendiebstahl begehen wollte.
So komme ich zu Punkt 5.

5.: Der Hypnotisand muss ein tiefes vertrauen zum Hypnotiseur haben oder/und sehr schnell auf Hypnose anspringen (Er muss fest daran glauben, dann klappt es auch). Die Aussage die im Beitrag rüber gebracht wurde („Hypnose ist gefährlich, weil man ja jeden hypnotisieren kann und der dann ein willenloser Sklave ist, der auch gerne mal Straftaten begeht“) trifft also nicht zu, es sei denn die Hypnotisierten wollen das.

MfG
Thomas

Ich selbst habe die Sendung nicht gesehen, hoffe aber, dennoch einige Antworten zu den allgemeinen Fragen geben zu können:

Als Gegenstand in diesem Beitrag nahm man eine Frau die von ihrer (nun ex-) Freundin hypnotisiert wurde.
Sie hat über 4 Jahre alles gemacht, was die Freundin wollte, sofern diese das Trigger-Wort sagt („Schlaf!“).
Als Nebeneffekt war ihr öfters schwindelig und sie hatte Kopfschmerzen, sowie scheinbar dauerhafte Gedächtnislücken.

In all den Fällen, in denen ein Hypnotiseur sein „Opfer“ in der beschriebenen Weise über längere Zeit manipulierte bestand stets eine persönliche Abhängigkeit, wie sie auch ohne Hypnose vorkommt und das infrage stehende Verhalten erklären kann.
Es gibt im Verhältnis zur großen Azahl der Hypnosen und Hypnotiseure übrigens bemerkenswert wenige Fälle dieser Art.
Außerdem muß man solche Fälle immer vorsichtig prüfen. Die Beeinflussung duch Hypnose ist beispielsweise auch eine beliebte Idee bei manchen Psychosen.

1.: Man kann, auch unter Hypnose, immer und zu jeder Zeit frei entscheiden was man macht. Folglich kann man auch nicht machen, was man nicht will.

Davon kann man ausgehen, auch wenn es schwierig ist, endgültige und definitive Beweise zu finden.
Das „freie Entscheiden“ bedeutet allerdings nicht, daß man sich dabei frei fühlt. Beispielsweise hat man Untersuchungen, nach denen Hypnostisierte und Nicht-Hypnotisierte im gleichen Maße Aufforderungen des Experimentators nachkommen, die Hypnotisierten aber das Gefühl haben, sie ständen unter einem hypnotischen Zwang. So kann sozialer Druck in einer hypnotischen Situation leicht fehlinterpretiert werden, als „Macht der Hypnose“.
Es muß aber zumindest eine unterbewußte Bereitschaft bestehen.
Hypnose an sich scheint gehorsames Verhalten nicht mehr zu begüntigen als vergleichbare soziale Situationen.

Man muß dabei auch in Rechnung stellen, daß während einer Hypnose ein starker sozialer Druck existieren kann, sowohl in experimentellen, therapeutischen wie Showsituationen. Allein schon die Vorstellungen von Hypnose als „Mind Control“ können das ihre tun.

(Man kann auch nicht hypnotisiert werden, wenn man es nicht will)
]
Das ist deshalb schwer zu beantworten, weil es schwer ist zu sagen, ob jemand „hypnotisiert“ ist. Hypnose ist an sich kein Fake. Es existierenauf alle Fälle hypnotische Phänomene, aber ein eindeutiger „hypnotischer Zustand“, der sich klar gegen den Wachzustand abgrenzen ließe, ist umstritten und schwer zu beweisen.
Es käme ealso sehr darauf an, was man unter „hypnotisiert“ versteht.
Meine Antwort wäre: Nein, es geht jedenfalls nicht ohne eine unterbewußte Bereitschaft, und schon gar nicht im Sinne eines Zustands von „Willenlosigkeit“.
Allerdings ist durch Manipulation natürlich einiges möglich - das gillt mit, aber genau so auch ohne Hypnose.

2.: Man kann kurzzeitige Gedächtnislücken hervorrufen, aber keine dauerhaften.
Warum sollte das Unterbewusstsein einem wichtige Informationen vorenthalten?

Grundsätzlich kann man nach meiner Meinung beides.
Jedoch verliert der Hypnotisierte bei solch einer „Amnesie“ nicht die Kontrolle über sein Gedächtnis, wie verschiedene Versuche m.E. deutlich zeigen. Er hat zumindest einen „unterbewußten“ Zugang zu den vergessenen Informationen und kann auf diese, soweit nötig, zurückgreifen. Er kann auch die Amnesie durchbrechen, sich dann also auch wieder bewußt erinnern. Wie oben muß aber hinzugefügt werden, daß der Hypnotisierte nicht unbedingt das Gefühl hat, dies tun zu können, sondern eine eher „unterbewußt“ Kontrolle besitzt. Das gehört sozusagen zum Wesen mancher hypnotischer Phänomene, daß man gewisse Bewußtseinsgehalte von der bewußten Repräsentation „abspaltet“, „dissoziiert“.

3.: Warum sollte das Unterbewusstsein einem Schmerzen zufügen? Das Unterbewusstsein ist immer bestrebt keinen Schaden zuzufügen (Das widerspricht Punkt 2 ein wenig: Schädliche Informationen können durchaus verdrängt werden)

Das geht in die Psychologie allgemein und verläßt die Hypnose. Es gibt keine überzeugenden Argumente dafür, daß man während einer Hypnose eher zur Selbstschädigung bereit ist als in nicht-hypnotischen SItuationen mit denselben psychologischen und sozialen Faktoren.

4.: Ich persönlich glaube nicht, dass man auf der Stelle hypnotisiert ist, wenn man ein vorher eingepflanztes Trigger-Wort ausspricht. Man ist allerhöchstens schein-hypnotisiert (will sagen: man denkt nur, das man es ist).

Trigger funktionieren schon, aber anders, als es gewöhnlich verstanden wird. Genaue Untersuchungen konnten zeigen, daß solche „Trigger“ bzw. „posthypnotischen Auslöser“ nicht „automatisch“ wirken, sondern setzen Aumerksamkeit und eine entsprechende Entscheidung des Probanden vorraus, wobei diese wieder „unterbewußt“ stattfinden können.

Als ich wieder da war hypnotisierte sie eine Frau, welche dann Ladendiebstahl begehen wollte.
So komme ich zu Punkt 5.

Solche Experimente gibt es in großer Zahl, sogar viel dramatischere. Allerdings zeigen Nicht-Hypnotisierte stets dasselbe Maß an Gehorsam, wenn nicht eher sogar etwas mehr.
Außerdem durchschuaen die Versuchspersonen fast immer, daß es sich nur um ein Experiment handelt, bei dem niemand zu Schaden kommt. Solche Versuche sind daher naiv und zeichnen ein falsches Bld der Hypnose.

zu bedenken ist übrigens auch, daß die Berietschaft der Menschen zum Gehorsam in Psychologie-Experimenten oft extrem unterschätzt wird, das gilt völlig unabhängig von Hypnoe.

5.: Der Hypnotisand muss ein tiefes vertrauen zum Hypnotiseur haben oder/und sehr schnell auf Hypnose anspringen (Er muss fest daran glauben, dann klappt es auch). Die Aussage die im Beitrag rüber gebracht wurde („Hypnose ist gefährlich, weil man ja jeden hypnotisieren kann und der dann ein willenloser Sklave ist, der auch gerne mal Straftaten begeht“) trifft also nicht zu, es sei denn die Hypnotisierten wollen das.

Das stimmt im Wesentlichen, aber der Hypnotisierte muß nicht unbedingt an den Erfolg glauben". Er muß sich auf die Hypnose einlassen.
Natürlich ist der Hypnotisierte kein „Sklave“.
Was in dieser Hinsicht im deutschen Fernsehen kommt, ist hochgradig desinformativ und unwissenschaftlich.