RTL Punkt 12 "Das sind alles Kinder!"

Lieber Fernsehkritiker,

ich sah heute voller Entsetzen den RTL Punkt 12-Beitrag “Das sind alles Kinder!” - Hart [das z wurde vergessen] 4-Empfänger machen ihrem Ärger Luft.
Wer sich da wirklich Luft macht ist eine angebliche Ex-ALG II-Bezieherin a la Helena Fürst, die jetzt arbeitet und so über 300 Euro weniger zum Leben hat als noch während des Leistungsbezuges. Sie sagt, man dürfe nicht verhungern und nicht erfrieren, beides sei mit dem Hartz 4 Satz ausgeschlossen und auf weiteren Konsum habe nur der Anspruch der arbeitet (oder eben auch nicht, wenn man davon ausgeht, dass sie als Mensch mit Arbeit weniger hat kopfkratz). Der Beitrag ist natürlich sehr tendenziös und auffällig stark geschnitten, gerade was die Äußerungen der ALG II-Bezieher betrifft. Das ist schlimme Meinungsmache und mir wird ganz schlecht bei dem Gedanken, wer das alles sieht und als Wahrheit im Hinterstübchen abheftet. Der Beitrag ist zu finden auf http://www.rtl.de/cms/news/punkt-12.html unter "Die Videos aus Punkt 12"
Vielleicht passt es ja in deine nächste Sendung

Liebe Grüße

jaja, wer Hartz4 bezieht, der hat schlichtweg kein Recht auf Konsum… Alles was über Essen und Schlafen hinausgeht ist also schon Luxus in Deutschland? Von sowas wie gesellschaftliche Teilhabe hat die gute Frau wohl noch nicht gehört. Auch darauf hat jeder Mensch ein Recht in unserem Land.

Ich versteh nur eines nicht ganz: es wird nie erwähnt, welchen Job diese Frau momentan hat. Wahrscheinlich hat das irgendeinen Grund. Denn wie kann es denn sein, dass sie 300€ weniger hat als im Hartz4-Bezug?? Selbst bei einem 400€ -Job hat man 150€ ca. mehr in der Tasche als komplett ohne Job, denn man bekommt dann ja Hartz4 + einen anrechnungsfreien Teil aus dem Nebeneinkommen.

Es kann also gar nicht sein, dass sie mit Job weniger hat als vorher. Es sei denn sie beantragt jetzt überhaupt kein Hartz4 mehr, auch keine Aufstockung. Aber 300€ weniger? :smt017 Dann dürfte sie ja nur eine Arbeit haben, die fast noch wneiger als ein 400€ Job einbringt. Und davon kann man keinesfalls allein leben. Da passt also was vorne und hinten nicht und der Zuschauer wird für blöd verkauft…

Ich habe den Beitrag nicht gesehen, aber es ist ja nicht so schwer zu errechnen, was diese Frau für Bezüge bekommen müsste.
Als Alleinstehende bekommt sie 382,00 €. Pro Kind (je nach dem wie alt) bekommt sie entsprechende Bezüge zuzüglich Kindergeld. Falls sie einen Partner hat, der ebenfalls HartzIV bezieht, bekommen beide jeweils 345,00 €.

Hinzu kommen dann noch Kosten für Miete, Heizung und sonstige Nebenkosten, die allerdings direkt an den Vermieter gehen.

Es ist natürlich möglich, dass sie nun mit einem Job gerade so ein bisschen mehr verdient, als ihr nach HarzIV zustehen würde und sie nun Miete und Nebenkosten selbst zu tragen hat… So kann der Eindruck entstehen, jetzt weniger Geld zu haben als vorher…

Es gibt allerdings die Fälle in denen beispielsweise eine Familie mit vier Kindern einen Anspruch auf 1.846,00 € (zzgl. Kindergeld und Wohngeld) hat, die mit HartzIV besser da stehen als wenn ein Elternteil Alleinverdiener ist und Miete gezahlt werden muss (und 1.846,00 € netto verdient auch nicht jeder…)

Was mich hier wieder wundert ist: zum Arbeit finden stellt man sich zu blöd an, aber was man alles beantragen kann, das weiß man sofort. Es würde mir gar nicht einfallen irgendwas für gesellschaftliche Teilhabe (Kino usw) zu beantragen, weil ich so erzogen wurde, dass ich dann eben darauf verzichten muss, wenn ich es mir nicht leisten kann. Und dann muss ich eben so lange sparen, bis ich das Geld zusammen habe.

Und natürlich ist es möglich mit Hartz4 mehr Geld zu haben, als wenn man arbeitet! Lass die doch mal kurz über der Aufstockergrenze liegen, dann darf sie ihre Miete selbst zahlen.

Wenn man mit Job knapp über der Aufstockergrenze liegt, dann kann man nicht weniger haben als ohne Job. Ich glaube ihr versteht da was falsch.
Wenn Sie vorher am Existenzminimum war (nach Hartz4), ihr jetzt aber 300€ fehlen, dann müsste sie bei Antrag vom Jobcenter 300€ Aufstockung bekommen, damit sie wieder auf auf das Minimum kommt.

Übrigens ist auch falsch, dass die Miete direkt an den Vermieter geht. Man bekommt das Geld normalerweise überwiesen, nur in Extremfällen (Unzuverlässigkeit) wird die Miete direkt an den Vermieter überwiesen.

@Kibi: Deinen ersten Absatz kannst du nicht ernst meinen, oder? Einen Beitrag für gesellschaftliche Teilhabe beantragt man nicht extra, sondern die Grundsicherung setzt sich bereits aus vielen kleinen Einzelposten zusammen.
Und du denkst wirklich, dass jeder Hartz4-Empfänger blöd ist und auch keinerlei Recht besitzt Teil dieser Gesellschaft zu sein? Na gute Nacht. Tolles Menschenbild. Lasst sie uns doch alle in einen Käfig wegsperren und mit Brot und Wasser füttern…(das war Sarksamus!)

Lol wie viele Hartz4empfänger sieht man denn so in Museen? Bibliotheken? (Die meisten kosten ja noch nicht mal was!)

Ansonsten lasse ich mir nicht gerne Worte in den Mund legen, denk mal drüber nach, bevor du irgendwas von “Du hast gesagt, dass hartz4 empfänger nicht Teil dieser Gesellschaft sein dürfen!!!111” laberst.

Lol wie viele Hartz4empfänger sieht man denn so in Museen? Bibliotheken? (Die meisten kosten ja noch nicht mal was!)

Davon abgesehen, dass ich, wenn ich in ein Museum gehe, mir weniger die Menschen als die Ausstellungsobjekte ansehe: Wie würde ich denn so einen Hartzler erkennen, falls einer da wäre? :roll:

Nicht dass ich eine ernsthafte Antwort erwarten würde.

Ganz davon abgesehen das der Posten “Teilhabe am Kulturellen Leben” kaum einen Museeumseintritt abdeckt :smt011

@Kibi: Klar, es ist völlig abwegig, dass Hartz4-Empfänger (unabhängig von ihrer Bildung, Intelligenz und Kunstinteresse) ein Museum, Theater oder Kino besuchen… Du hast echt komische Vorstellungen. :smt011

Lol wie viele Hartz4empfänger sieht man denn so in […] Bibliotheken?

Leider kennt die Deutsche Bibliotheksstatistik keinen Auswertungspunkt “Entleiher mit Hartz4- und anderen Sozialhilfe-Bezügen”, daher lässt sich die Frage nicht konkret beantworten. Es sind aber schon einige.
Im Übrigen gilt, was Twipsy schon sagte - woran wolltest du sie denn erkennen?

woran wolltest du sie denn erkennen?

Am T-Shirt
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@Kibi,

weißt du, gerade solche Aussagen wie von dir tragen dazu bei, dass es sich in irgendwelchen Hirnen einprägt, dass Hartz4-Empfänger zur absoluten Unterschicht gehören. Die können nichts und wollen nichts.
Soso.
Mir kommt es so vor, als würdest du dich an dem orientieren, was suggeriert wird und möchtest das weitergeben. Funktioniert aber nicht, denn es gibt noch Menschen, die über die Hutkrempe und der Suppenschüssel schauen können.

Du stigmatisierst und machts das Einkommen abhängig vom Gebrauch von Kunst und Kultur, sprichst Hartz4-Empfängern das Recht, oder besser gesagt, die Intelligenz ab, überhaupt am Leben jenseits des Klischees teilzunehmen.
Ziemlich perfide und extrem simple Denkweise.

Ich habe mir den Beitrag gerade mal angeschaut. Ist ja echt ein Knüller. Man setzt vier Hartz4-Empfänger in einen Raum, die über die Leistungen und das Amt abkotzen, danach kommt diese Petra Wittkowski rein und kotzt über die Erwartungshaltung der Vier ab und am Ende wird liegen sich alle in den Armen und haben sich lieb. Und das zusammengeschnitten auf drei Minuten. Supi, haben wir wieder was gelernt. Ich hab bloß keinen Schimmer, was jetzt eigentlich - die Moral aus der Geschichte ist nämlich im Mülleimer des Cutters gelandet.

Keiner hat das Recht - meiner Meinung nach - auf Konsum, wenn er nicht dafür arbeiten geht. Das Geld ist dafür da, dass man nicht verhungern und nicht erfrieren muss.

Und essen kaufen =/= komsumieren? Ahja …

Autsch. Konsum bezeichnet die Fremdversorgung aus Erwerbsarbeit - Alles, was man nicht selbst produziert und trotzdem verbraucht (nachdem man es logischerweise gekauft hat) ist sozusagen Konsum.
Die zulässige Abgrenzung wäre der Konsum von Luxusartikeln von Grundnahrungsmitteln. Aber solange ich nicht Kartoffeln im Garten anpflanze ist auch das Essen von Kartoffeln Konsum.

Eigentlich wollte ich mich ja rarer machen, aber wenn ich Allgemeinplätze wie die hier lesen muss, schüttele ich den Kopf:

Was mich hier wieder wundert ist: zum Arbeit finden stellt man sich zu blöd an, aber was man alles beantragen kann, das weiß man sofort…

Für die berühmten “Bildungspakete” (die m.E. handwerklich pfuschig gestrickte Symptomkuriererei ohne Kenntnis der Workflows waren) gilt das leider nicht, da das Wissen um die Möglichkeit der Beantragung und die Bürokratie drumrum zu aufwändig ist. In Rheinland-Pfalz beispielsweise wurden von den 22,8 Mio Euro, die vom Bund bereitgestellt wurden, knapp 14 Mio. Euro (also 61%) abgerufen (Quelle: Rheinpfalz vom Mittwoch, 3.April 2013) . Achja - In Bremen und Hamburg wurden noch am meisten Gelder abgerufen.

Es ist ja auch nicht so, als würden die Damen und Herren vom Arbeitsamt sonderlich informationsfreudig sein. Ich durfte mir damals (Damals, Anno 2009 ^^) auch alles an Informationen selbst raussuchen. Und so ist es nun einmal auch so, dass viele Menschen mehr bekommen könnten, sie es aber einfach nicht wissen. “Sie wollen erstattet bekommen? Ja, das hätten sie nun wirklich im Vorfeld anmelden müssen. Da kann ich leider nichts machen. (Außer hier dumm rumsitzen und meinen Kaffee zu trinken.)” Ja, ich heiße ja auch Uri Geller und weiß im Vorfeld über alle Möglichkeiten Bescheid. :roll:

Bin ich eigentlich so innerlich blond, dass ich den Zusammenhang zwischen den Hartz-IV Sätzen und “Das sind alles Kinder!” nicht verstehe? Kann das Video auch irgendwie nicht mehr finden, vielleicht wird das ja dort erklärt? :smt017

[…]Bin ich eigentlich so innerlich blond, dass ich den Zusammenhang zwischen den Hartz-IV Sätzen und “Das sind alles Kinder!” nicht verstehe? Kann das Video auch irgendwie nicht mehr finden, vielleicht wird das ja dort erklärt? :smt017

Das Zitat kommt von der ehemaligen ALG II-Empfängerin, die hinter einer Spiegelscheibe saß und eine Diskussion von aktuellen Leistungsempfängern verfolgte.
Da sich diese ihrer Auffassung nach nicht genug tun, um eine Arbeit zu finden, sagte sie was nach dem Motto „Die können auch nichts alleine, die muss man immer an die Hand nehmen, das sind alles Kinder!“

Insgesamt fand ich den Beitrag ziemlich reißerisch, das Thema ist meiner Meinung nach viel zu komplex um es in 2 1/2 Minuten abhandeln zu können…

Ich hab mal mit straffälligen Abarbeitern (Hartz IV + Schwarzfahren, BtMG etc) gearbeitet; ua lief da 'n Kochkurs, wo zB erklärt wurde welche Teile einer Kartoffel essbar sind und wie sie zubereitet werden. Natürlich wäre es besser, wenn sie sowas wüssten und insgesamt selbständiger/erwachsener gewirkt hätten; insofern finde ich den Vergleich mit den Kindern nicht unbedingt falsch.

Wenn ich mich hingestellt und von den Teilnehmern mehr “Selbstverantwortung” oder sowas gefordert hätte, kann man sich die Erfolgs-Chancen wohl ausmalen; insofern finde ich solche Aussagen auch idR einfach nur zynisch. :smt011

Ich hab übrigens mal nach kostenlosen Museen in Hamburg gesucht, so richtig viel hab ich nicht gefunden. Die Regel waren ermäßigte Sätze von 4 - 9 €; wenn man noch eine Fahrkarte dazu nimmt entspricht das schnell den Sätzen für mehrere Tage essen: erst kommt das Fressen, dann die Kunst.

Es ist natürlich möglich, dass sie nun mit einem Job gerade so ein bisschen mehr verdient, als ihr nach HarzIV zustehen würde und sie nun Miete und Nebenkosten selbst zu tragen hat… So kann der Eindruck entstehen, jetzt weniger Geld zu haben als vorher…

Es gibt allerdings die Fälle in denen beispielsweise eine Familie mit vier Kindern einen Anspruch auf 1.846,00 € (zzgl. Kindergeld und Wohngeld) hat, die mit HartzIV besser da stehen als wenn ein Elternteil Alleinverdiener ist und Miete gezahlt werden muss (und 1.846,00 € netto verdient auch nicht jeder…)

Hallo, wenn jemand genug verdient um seine Wohnung zu bezahlen und etwas mehr, dann bekommt er Wohngeld. Dann ist man wieder ca. auf ALGII-Niveau.

Bezieht man Hartz-IV, dann bekommt man zwar Kindergeld, dieses wird jedoch komplett angerechnet, effektiv erhält die Familie also nur die Regelsätze für die Kinder und die Eltern; Wohngeld bekommt man mit ALGII nicht, da ja die Miete im Regelsatz enthalten ist. Besser steht die Familie da wenn einer oder mehrere Arbeit haben, denn ein Teil des verdienten Geldes kann einbehalten werden, bei 400 Euro z B 160 Euro, das heißt die Familie hat mit Arbeit mehr als ohne. Weniger geht nicht, bis auf die “Spendenzahlungen” für die öffentlich-rechtlichen Sender, die man mit ALGII abwählen kann, aber mit 1 Euro Verdienst (vielleicht auch weniger) über dem Regelsatz voll bezahlen muss wenn nicht andere Ausnahmen zutreffen. Also 17,98 pro Haushalt und Monat, aber 300 Euro weniger mit Arbeit geht nicht, außer man geht nicht zum Amt.

Eigentlich wollte ich mich ja rarer machen,

Wage es nicht! :smt018

Dein geliebter (Ex-)Landesvater hatte zum Problem des Threads doch alles Nötige gesagt: Die Hartzis sollen sich gefälligst waschen (wenigstens unter der Armen) und rasieren (muss ja nicht im Gesicht sein) und schon klappt es mit dem Versorgungsposten in irgendeinem Aufsichtsrat.

Schönes Wochenende! 8)