RTL entfremdet mutmaßliche Täter nicht

Am Dienstag wurden in der RTL-Aktuell Ausgabe die beiden mutmaßlichen Täter im Fall Brunner nicht entfremdet. Gezeigt wurden Szenen aus dem laufenden Prozess. Einer von ihnen war zur Tatzeit noch minderjährig. Mir geht es hierbei weniger um den Schutz der Täter sondern vielmehr um die Frage, ob RTL dies mit dem Öffentlichkeitsinteresse rechtfertigen kann oder ob hier gegen geltendes Gesetz verstoßen wurde. Die Tagesschau und auch ntv hingegen entfremdeten die mutmaßlichen Täter.

Das ZDF hat sie auch ungepixelt gezeigt!

Bereits der Bild zeitung wurde untersagt den 17 Jährigen unverpixelt zu zeigen (was sie trotz allem taten). Daher würde ich sagen das RTL und das ZDF aufjedenfall gegen geltendes Gesetz verstößt. Namen von Personen und deren Bilder dürfen lediglich gezeigt werden wenn sie wichtige Personen im zeitgeschehen sind (so stehts zumindest im pressekodex keine ahnung ob das für Fernsehsender auch gilt).

Also ich verstehe so wie so nicht wann die Sender verpflichtet sich jemanden zu verpixeln. Ich hab es schon oft mitbekommen das z.B. Mordopfer bei RTL verpixlt wurden und beo Pro7Sat1 nicht.
Machmal glaube ich Personen werden nur verpixelt um die ganze Situation anzuheitzen, vielleicht glauben die Redakteure ja das die Zuschauer länger dran bleiben um mehr über diese “unbekannte” Person herauszufinden.

Also ich verstehe so wie so nicht wann die Sender verpflichtet sich jemanden zu verpixeln.

Pressekodex, Ziffer 13:

Richtlinie 13.1 - Vorverurteilung
Die Berichterstattung über Ermittlungs- und Gerichtsverfahren dient der sorgfältigen Unterrichtung der Öffentlichkeit über Straftaten und andere Rechtsverletzungen, deren Verfolgung und richterliche Bewertung. Sie darf dabei nicht vorverurteilen. Die Presse darf eine Person als Täter bezeichnen, wenn sie ein Geständnis abgelegt hat und zudem Beweise gegen sie vorliegen oder wenn sie die Tat unter den Augen der Öffentlichkeit begangen hat. In der Sprache der Berichterstattung ist die Presse nicht an juristische Begrifflichkeiten gebunden, die für den Leser unerheblich sind.
Ziel der Berichterstattung darf in einem Rechtsstaat nicht eine soziale Zusatzbestrafung Verurteilter mit Hilfe eines “Medien-Prangers” sein. Zwischen Verdacht und erwiesener Schuld ist in der Sprache der Berichterstattung deutlich zu unterscheiden.
Richtlinie 13.3 - Straftaten Jugendlicher
Bei der Berichterstattung über Ermittlungs- und Strafverfahren gegen Jugendliche sowie über ihr Auftreten vor Gericht soll die Presse mit Rücksicht auf die Zukunft der Betroffenen besondere Zurückhaltung üben.

Pressekodex, Ziffer 8:

Richtlinie 8.1 - Nennung von Namen/Abbildungen
(1) Bei der Berichterstattung über Unglücksfälle, Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren (s. auch Ziffer 13 des Pressekodex) veröffentlicht die Presse in der Regel keine Informationen in Wort und Bild, die eine Identifizierung von Opfern und Tätern ermöglichen würden. Mit Rücksicht auf ihre Zukunft genießen Kinder und Jugendliche einen besonderen Schutz. Immer ist zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen abzuwägen. Sensationsbedürfnisse allein können ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit nicht begründen.

@LaMuerta ist zwar aus dem Print, aber vielleicht überzeugt dich dieses Beispiel. Die Bild-Zeitung hat den Mann unverpixelt gezeigt, von der Überschrift “Dieses Schwein…” ganz zu schweigen. Nun gut, dieser Mann ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß, er war nicht der Täter. Und jetzt?

http://www.bildblog.de/20281/schwein-gehabt-2/

ich hab ja eine ganz andere Meinung zum ganzen Personenschutz Wahnsinn bei Straftätern.

Wenn jemand nachweislich eine Straftat begangen hat, so hat dieser Täter in meinen Augen seine persönlichen Rechte verwirkt. Hat also kein Recht auf Unkenntlichmachung. Alle sollen wissen was das für ein Schwein ist.
Hat er sich ja selber zuzuschreiben.

Wenn noch nicht geklärt ist, ob ein mutmaßlicher Täter wirklich der Täter war - klar, daher ja mutmaßlich - dann soll man ihn aufgrund Verhinderung von voreiligen Schlüssen, verpixeln.

Aber oft kommt es mir vor, dass die Rechte der Täter mehr geschützt werden als die der Opfer.
Rein subjektiver Eindruck. Wenn ich immer sehe, wie die sich hinter Ordnern oder unter Jacken verstecken…

@Rikibu:
nur so interessehalber: Was würdest Du dann mit Tätern machen, die psychisch krank sind? Also ich meine, so richtig krank - nicht solche, die auf psychisch gestört machen, um irgendwelche Strafmilderungen zu bekommen …
Haben die sich dann auch alles selbst zu verschulden und sollten unverpixelt in der Öffentlichkeit gezeigt werden? Auch wenn sie keine Gefahr mehr für die Bevölkerung darstellen?

Das ist schwierig. Man wird ja nicht von heute auf morgen psychisch krank. ich habe auch den subjektiven Eindruck, dass heutzutage zu sehr alles auf irgendwelche psychischen Erkrankungen oder die schlechte Kindheit geschoben wird, nur um eine Tat zu rechtfertigen. Fakt ist nun mal, dass keine Straftat der Welt zu rechtfertigen ist.

Es ist eher die Frage, wie geht die Gesellschaft mit öffentlich erkennbaren Tätern um?
Klar, es gibt die eine Gruppe, die eine Person ächtet, sie öffentlich diskreditiert usw.
Aber wäre es nicht auch möglich, einen der psychisch krank ist, kenntlich zu machen, damit ihm die Gesellschaft hilft, um ihn erkennbar zu machen?

Natürlich setzt das voraus, der kranke sich helfen lassen will.
Und doch steht die Frage offen, ob man eher die Rechte des Täters oder die des Opfers schützen sollte?

Und doch steht die Frage offen, ob man eher die Rechte des Täters oder die des Opfers schützen sollte?
Wo ist der Widerspruch? Auch die Opfer sollten verpixelt werden. Du tust gerade so, als würde ich das Opfer schädigen, wenn ich dem Täter gewisse Persönlichkeitsrechte zuerkenne. Wieso schütze ich die Rechte des Opfers, wenn ich die des Täters NICHT schütze oder andersrum? :smt017

Das unzensierte Publizieren von solchen Straftätern im Fernsehen ist eine zusätzliche Strafe. Mit Glück ist die Haftstrafe lang genug, dass der unbetroffene Zuschauer die Gesichter bereits wieder vergessen hat, aber wehe es gibt Freispruch auf Bewährung oder zu kurze Haftdauer. Dann könnte wer weiß was passieren, und plötzlich wird der Täter zum Opfer und muss mit Staatsgewalt beschützt werden…
In gewisserweise betreiben hier die Sender offenbar ne milde Form der Selbstjustiz was mit ausreichend großen öffentlichem Intresse entschuldigt wird.

Wenn jemand nachweislich eine Straftat begangen hat, so hat dieser Täter in meinen Augen seine persönlichen Rechte verwirkt. Hat also kein Recht auf Unkenntlichmachung. Alle sollen wissen was das für ein Schwein ist.
Hat er sich ja selber zuzuschreiben.

Du bist dir bewusst, dass dein Post hier dem Täter jegliche Möglichkeit der Reue und Besserung abspricht? Möglicherweise macht jemand einen Fehler, aber wer bist du, dass du glaubst, über ihn richten zu dürfen und entscheiden zu dürfen, wann jemand seine persöhnlichen Rechte verspielt hat? Das hat man nie, denn die sind unveräußerlich und stehen jedem zu.
Du sprichst ihm hier die Möglichkeit einer 2. Chance ab. “Alle sollen wissen was das für ein Schwein ist” - Warum, geht es sie etwas an? Sind sie unmittelbar von ihm bedroht, besteht die Chance, dass er bald plündernd und brandschatzend durch die Republik zieht? Er hat eine Strafe verdient, aber er hat dennoch das Recht, seine Würde zu bewahren.
Dein Post ist einfach egoistisch, auch ein Täter kann Opfer werden.