Reproduktion und Wiederholung in der Musik

Damit beziehe ich mich nicht etwa nur auf Cover-Versionen oder Remixes. Die sollen natürlich auch berücksichtigt werden, ebenso aber auch wirklich alles, was sich mit diesen Begriffen beschreiben lässt und im Prinzip besteht Das können Parallelen zwischen ganzen Bewegungen sein, oder auch nur einzelne Loops und Samples.
Oder bestimmte “Künstler”/Künstler, die in einer unglaublichen Frequenz veröffentlichen, was darin resultiert, dass alle ([I]der Wendler[/I]) oder zumindest sehr viele ([I]G.F. Händel[/I]) ihrer Werke nicht voneinander zu unterscheiden sind.

Was hier mein Ziel ist? Im Prinzip geht es mir einfach darum, auf welche Arten man Reproduktion und Wiederholung - auf der ja alles irgendwie basiert - findet und wahrnimmt und möglichst viel davon zu erfassen. Ich hab keinen Bock hier lange rumzuschwafeln und stelle einfach ein paar Beispiele in den Raum.

[B]1. Abstraktere Formen dieser Wahrnehmung[/B] sind “klingt ähnlich wie”, “könnte inspiriert sein von” oder eben Assoziationen mit unterschiedlichsten - ganz allgemein - Gegebenheiten außerhalb der Musikwelt (Epoche, Gegend, Landschaft, Architektur …).
Bei [I]Vasily Kalinnikov[/I] mag man vielleicht an [I]Tchaikovsky[/I] oder andere Romantik-Russen denken, zugleich (bei beiden) aber irgendwie auch an Kommunismus.
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//youtu.be/TVakXOkE2G4
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[B]2. Ein viel konkreteres Beispiel und der einzige Fall, in dem ein einziger Sample Grundlage für ganze Genres bildet[/B], ist der allseits bekannte
Amen Break (Wiki Deutsch/English)

“a six-second clip that spawned several entire subcultures.” It is arguably the most sampled drum beat of all time and unarguably one of the most sampled loops in contemporary electronic music.

Zumindest auf Jungle und damit auch Drum and Bass dürfte der erste Satz wirklich so zutreffen. Hier ein kurzes englischsprachiges Audio-Feature:
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//youtu.be/5SaFTm2bcac
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Und der Ursprung des Samples: [I]Amen Brother (1969)[/I]
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//youtu.be/GxZuq57_bYM
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[B]3. Bekanntes in völlig neuem Kontext: [/B]Zum Beispiel das bekannteste Serien-Theme der Welt in einem Mashup - miese Quali, aber der gute Mann ist mir zuerst eingefallen.
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//youtu.be/0kxhtmj6oSY
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Ein durchaus mehr akzeptabler Fall von “Das Publikum […] beklatscht seine eigenes Gedächtnis” (Max Goldt). Der erbärmlichste Fall wäre wohl eine Tribute Band …

[B]4. Musik, die auf wenigen Loops basiert:[/B] Muss wohl nicht größer ausgeführt werden. Um mit einem 37 Minuten langen Track wie [I]Fitzheuer Zieheuer[/I] von [I]Ricardo Villalobos[/I] etwas anfangen zu können, muss man keine Psilos fressen, wenn man dafür zugänglich ist. Überwiegend Veränderungen einzelner Parameter und gelegentliches Ein- und Aussetzen einzelner Stimmen machen hier die Musik. Das alleine ist natürlich kein Alleinstellungsmerkmal, ich habe allerdings noch nie zuvor einen Titel in dieser Länge gehört, der mit so wenigen Mitteln so gut funktioniert.
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//youtu.be/H8_BAoVwoaM
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Das verwendete Blech im Original
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//youtu.be/H8_BAoVwoaM
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[B]5. Manchmal lernt man das Original erst später kennen und schätzen[/B], während zuerst wahrgenommene belanglos bleibt und schnell wieder in Vergessenheit gerät. So etwa ging es mir, als ich bei einem sehr guten (und echten) Italiener [I]Renato Corassones [/I][I]Tu Vuò Fa’ L’Americano[/I] als Hintergrundbeschallung hörte.
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//youtu.be/BqlJwMFtMCs
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[B]6. Manchmal lässt sich nicht mehr alles erkennen, was da verwendet wird.[/B] Dazu zwei völlig unterschiedliche Beispiele, einmal [I]Kid Koala[/I], wie er einen seiner Plattenspieler als Live-Instrument einsetzt, per se kein Alleinstellungsmerkmal, in dieser melodischen Form allerdings schon.
[I]Drunk Trumpet[/I] Musikclip
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//youtu.be/Tzq5ZvZMW4E
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und live
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//youtu.be/Ia5oK4PCCoM
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und zweitens [I]Akufen[/I], der durch microsampling-basierte Produktionen seinen komplett eigenen Stil gefunden hat, also schlicht und einfach mit sehr kurzen Samples arbeitet.

[B]7. Live-Produktion und Reproduktion --> Live-Looping.[/B] Gibt es natürlich in allen Möglichen Abstufungen. [I]Beardyman[/I], der nun nicht unbedingt der beste Beatboxer ist, arbeitet oft ausschließlich mit Live-Looping, zeichnet also seine Sounds live auf und macht daraus Samples.
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//youtu.be/-vHZrd_rGu4
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Das soll’s fürs erste mal gewesen sein. Etwas dilletantisch-chaotisch geschrieben, mir schwirrt einfach recht viel dazu im Kopf rum und das Thema wollte ich schon länger mal hier ansprechen. Jetzt noch auf Bastard-Pop, Jazz-Standards oder Traditionals einzugehen wäre mir etwas zu viel … Was assoziiert ihr denn noch so mit Musik, Wiederholung und Reproduktion? - Falls sonst niemand antwortet, mache ich das irgendwann selbst.

Minimal Music liebt das


und eben genau mit diesen Wiederholungen zu spielen und zu variieren wie man Bock hat
Michael Nyman ist vielleicht das beste Beispiel, da er ne Karriere drauß gemacht hat alte Partituren zu “samplen” und darauf zu variiren. The Draughtsman’s Contract basiert auf Kompositionen von Henry Purcell

und

vielleicht auch der ganze Sinn der Konzepte “Strophe” und “Refrain”

und ambient dub und ambient techno gehen auf Sampling, Wiederholung und Reproduktion richtig steil

Do I gets the gist of this thread?

Spaghetti Rag

plus Katholizismus = Vatican Rag

Was mich immer total beeindruckt sind diese Live-Mashups von Ableton Push-Geräten, wo man ein komplett eigenständiges Werk aus dutzenden von Samples kreiert: Das ist die Stufe nach Remix.

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//youtu.be/3vC5TsSyNjU

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Oder es gleich richtig übertreiben mit Samples aus über 30 verschiedenen Tracks:

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//youtu.be/9i6rHUUqWkc
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[QUOTE=alderschwede;358317]3. Bekanntes in völlig neuem Kontext[/QUOTE]

Was in diesem Fall hier sogar so weit geht, das ich grundsätzlich vielen Bekannten nochmal erklären muss, das dies NICHT das Original ist (Es wurde allen ernstes behauptet, Daft Punk sampled von Kanye West Oo)

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//youtu.be/sgsKrcBGKuw

[/SPOILER](Hab das Gefühl hier wurde mal wieder gekeyed, aber naja)

Wobei “Harder, Better, Faster, Stronger” so ziemlich das berühmteste Sample sein dürfte.

und Harder, Better, Faster, Stronger hat gesampled von

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//youtu.be/Kp2jUhljgn8
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hört man kaum :ugly

Daft Punk haben Samples aus dem Original davon von Edwin Birdsong (1979) verwendet. Das Baker-Brothers Cover von Cola Bottle Baby ist 7 Jahre jünger als Harderbetterdings. ^^

oh

Uhm, ein besonders interessantes Beispiel ist mir grad noch eingefallen: Todd Rundgrens [I]Faithful[/I]. Das Konzept der a-Seite des Albums war Originalstücke eben nicht “kreativ” zu interpretieren sondern möglichst originalgetreu (eben faithful) zu reproduzieren.

[QUOTE=alderschwede;358317]Das verwendete Blech im Original[SPOILER]
//youtu.be/H8_BAoVwoaM
[/SPOILER][/QUOTE]Sollte da ein anderer link rein?

Allerdings, danke :—DD. Das lustige daran finde ich ja, dass man fest mit was bayerischem rechnet, wohl auch durch den Titel suggeriert.
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//youtu.be/nFn8C8dXMm0
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Gabs ne schöne Doku dazu, everything is a Remix