Privatisierung des Mehrprodukts

Liebes Forum,

ich hoffe hier auf eine plausible Erklärung bzw. interessanten Theorien zur Frage: Wie kam es zur “Privatisierung” des Mehrprodukts? Welche Umstände führten dazu um schließlich in die nächste Gesellschaftsform des Sklavenhaltertums “aufzusteigen”? Ich erinnere mich dunkel, dass Engels hierzu die Entstehung der Monogamie anführt (da so nun ein väterliches Erbe Sinn macht). Es ist natürlich auch irgendwo eine Frage nach der Entstehung von Privateigentum (+ Familie und Staat). Genossen sagen mir dazu, es wären psychologische Gründe gewesen ala “Wenn ich schon so viel alleine erwirtschafte und auch so überlebe, brauche ich mich nicht mehr der Gesellschaft zu fügen (in Form von Vergesellschaftung des Mehrprodukts) und erkläre diesen Acker zu meinem Eigentum.”

Ist es aber wirklich so einfach? Wie entstand dieser Prozess, was begünstigte ihn?

:?:

EDIT

Prof. Bernd Senf führt hierzu in einer 3 stündigen Veranstaltungzum Thema “Gewalt als Geburtshelfer des Kapitalismus” kurz an, dieser Vorgang sei durch Kriege oder Naturkatastrophen geschehen. Ich checks nicht.

Ist das für die Schule ?

  1. ich gehe (schon lang) nicht mehr zur Schule
  2. es ist für mich, zum besseren Verständnis der marx. Geschichtstheorie
  3. du wirst wohl nicht mal im Ansatz eine Antwort darauf haben, weshalb Du lieber sinnlos herumspamst :roll:

Ich fands nur merkwürdig, ausgerechnet hier nach solchen Informationen zu fragen.
Aber du hast Recht, von mir gibts da keine fundierte Antwort.

Schule war auch stellvertretend für Studium etc. Die Art wie dein Post verfasst ist ließ diesen 1. Gedanken bei mir auftreten.

Echt? Ich würde mal die These aufstellen, in keinem Geschichtsseminar (geschweige denn Schulstunde) würde diese Thematik behandelt werden - ein zu heißes, unbürgerliches Eisen.

Ich hätte gerne einfach auch mal “andere” Erklärungen dazu gehört, als mir Genoss(Inn)en vortragen…

Och, ich könnt mir durchaus vorstellen, dass sich der eine oder andere BWL Student auch schon mal an derartige Themen herangewagt hat ^^
Aber nun gut, ich will den Genossen mit meinen naiven Fragen nicht im Wege stehn - vielleicht findet sich ja hier doch noch jemand, der sich ernsthaft damit auseinandersetzen will.

Erst recht kein BWLer :smiley: Ich kann immer wieder nur die Videos vom (querdenkenden) Wirtschaftsprof. Bernd Senf empfehlen - er stellt ziemlich gut dar, wie die heutigen Wirtschaftsstudenten mit einseitiger, neoliberaler Propaganda ala Adam Smith vollgemüllt werden. Erst eben eine Vorlesung geschaut zum Thema Profit(gier) und Folgen für die Umwelt und Gesellschaft. Der Mann hat einfach mal sowas von Recht:
Der Tanz um den Gewinn - Von der Besinnungslosigkeit zur Besinnung der Ökonomie http://blip.tv/file/3463381/

Bitte anschauen, man lernt enorm :smt023

ps. er ist kein „Linker“ oder Marxist, sondern überparteilich.

Hallo zusammen!

@ Filmriss

Eine interessante Fragestellung, zu der ich Dir gerne meine Gedanken darlegen möchte.

Ich denke, eine mögliche Herleitung ist gar nicht so schwierig. Einer der Schlüssel ist wohl das natürliche Bedürfnis des Menschen, innerhalb einer Gemeinschaft eine Hierarchie zu bilden. Das ist ein grundlegendes Modell, nach dem schon unsere nomadisch lebenden Vorfahren und wahrscheinlich auch deren Vorfahren gelebt haben.

Eine der grundlegenden Konsequenzen aus diesem Modell ist die, dass die Befriedigung von Grundbedürfnissen (Nahrung, Schutz, Kontakt zu anderen usw.) nur in Gemeinschaftsarbeit erfolgen kann. Die Erzeugnisse oder Anschaffungen des Einzelnen sind also auch in der Wahrnehmung des Individuums nicht zwingend sein Eigentum gewesen. Die Instanz, die das Ganze organisierte und verwaltete, war im Zweifel die höchste Hierarchiestufe (Oberhaupt, Anführer, Häuptling, wie auch immer).
Das Bestreben nach Individualisierung, auch durch Eigentum, hat sich natürlich auch in dieser Zeit entwickelt, allerdings war dies erst durch eine relative Absicherung der Grundbedürfnisse möglich.

Dieses Modell hat sich, vielleicht überhaupt erst als Grundlage oder als Ortientierungspunkt, bei der zunehmenden Komplexität der Gemeinschaftsstrukturen und der technischen Errungenschaften halten können. Das Besondere an diesem Modell ist, dass es offenbar beliebig erweiterbar und das variable Rollenverständnis in den jeweiligen Lebenssituationen und Gemeinschaftskonstellationen für den jeweiligen Menschen einfach anzunehmen war.
Das bedeutet, dass sich im Laufe der Zeit immer mehr Hierarchiestufen zwischen der untersten und der obersten etabliert haben. Man darf dabei nicht vergessen, dass jede Hierarchiestufe für die unter ihr angesiedelten Verantwortung trägt, aber auch Macht über sie hat.

Da die Gemeinschaften wuchsen und die technische Entwicklung stetige Innovationen hervorbrachte, gab es auch eine Erweiterung der Grundbedürfnisse. Dabei müssen wir uns vor Augen halten, dass es dabei niemals um logisches Kalkül ging. Diejenigen zum Beispiel, die nomadisch lebten und jeden Tag um Essen, Unterkunft und den Zusammenhalt der Gemeinschaft kämpfen mussten, waren sich dieser Grundbedürfnisse durchaus bewusst (wir haben Hunger, uns ist kalt, wir sind zu wenige, wir haben Angst), aber diese Grundbedürfnisse wurden nicht als abstrakt definierbare Notwendigkeit verstanden. Es geht um Gefühle, nicht um rationale Entscheidungen.
Als die Grundlage zur Absicherung der tatsächlichen Grundbedürfnisse, die für das (Über-)Leben unabdingbar sind, ausreichend gesichert war, konnten weitere Bedürfnisse gestillt werden, die lediglich als Grundbedürfnisse wahrgenommen wurden und werden. Diese Entwicklung führte zu dem, was wir heute als Kulturen kennen.

Dabei fällt auf, dass auch Ideen, die ursprünglich einer Individualisierung dienen sollten, zu einem Gemeinschaftsgut wurden und somit den hierarchischen Strukturen unterlagen. In Einzelleistung wäre es auch gar nicht gegangen, die aufkommenden Bedürfnisse zu befriedigen. Dazu bedurfte es einer Arbeitsteilung und einer zunehmenden Spezialisierung. Teile der Gemeinschaft waren also nicht mehr nur dafür zuständig, die Grundbedürfnisse abzudecken, sondern auch, die darüber hinaus entstandenen Bedürfnisse zu befriedigen. Aus dieser zunehmenden Spezialisierung und Abkapslung der Grundsicherung einzelner Mitglieder der Gemeinschaft, entstanden die Berufe. Organisiert und verwaltet wurde das alles, nach bewährtem Prinzip, von den übergeordeneten hierarchischen Strukturen.

Wie eingangs erwähnt, scheinen mir diese hierarchischen Strukturen der Schlüssel zu der Entwicklung zu sein, die zur Privatisierung des Mehrprodukts führte. Diese hierarchischen Strukturen haben diverse Veränderungen im Laufe der Zeit erfahren. Die Verfahren, wie man in höhere Hierarchie-Stufen aufsteigen kann, haben sich dabei ebenso verändert, wie die Art der Legitimation der damit einhergehenden Macht.
Dabei darf man nie vergessen, welche Wahrnehmung die Menschen hatten und haben: Je weiter oben jemand in der Hierarchie steht, desto angesehener ist er, desto weniger austauschbar ist er, desto mächtiger ist er usw. usf. Daraus folgt, dass gewisse Privilegien, eine bessere Gesundheit, Reichtum und daraus resultierend ein höherer Anteil am „Mehrprodukt“ den höheren Hierarchiestufen zugebilligt wurden.

Das Lehenswesen ist ein gutes Beispiel dafür. Hier haben wir Lehensherren und deren Vasallen, allesamt durch ihren Adelsstand per se einer höheren Hierarchieebene zuzuordnen, die ihre Länderein von Pachtbauern und freien Bauern, die Abgaben zu leisten hatten, bewirtschaften ließen. Hier erkennen wir schon eine ganz klare Mentalität, die das Eigentum weniger von dem Eigentum aller abgrenzt, auch wenn das Eigentum weniger allen Mitgliedern der Gemeinschaft zu nutzen hat.
Von einer Privatisierung in dem Sinne kann man hier aber noch nicht sprechen, da die Staatsgewalt in Form des Hochadels und der obersten Herrscher die letztendliche Hoheit über die Eigentumsverhältnisse behielt.

Von dieser Mentalität hin zur tatsächlichen Privatisierung des Mehrprodukts ist der entscheidende Schritt die zunehmende Einflussnahme des Faktors Geld auf diese hierarchischen Strukturen. Natürlich war Geld schon sehr viel früher ein sehr, sehr wichtiger Faktor, allerdings hat sich sein Einfluss als Machtfaktor durch das schwindende Gewicht anderer Kriterien, wie etwa Legitimation vor Gott oder militärische Erfolge, sukzessive vermehrt.

Das Problem, das wir nun haben, ist, dass sich die Abhängigkeitsverhältnisse durch diese Entwicklung verschoben haben. Die Privatisierung des Mehrprodukts, wie wir sie kennen, konnte nur durch eine De facto-Umverteilung der Machtverhältnisse Einzug halten. Wir haben keine hierarchische Spitze mehr, keine letzte Instanz, nach der sich alles richtet (auch wenn es nach außen hin anders verkauft wird), sondern ein wechselndes Rollenverhältnis je nach abzuwägenden Interessen und Einflüssen auf den einzig noch bedeutsamen Faktor: Wirtschaft
Aus diesem Grund sind wir über die Privatisierung des Mehrprodukts inzwischen weit hinaus.

Ich weiß, das ist alles sehr abstrakt, ich hoffe aber trotzdem einen Beitrag zu der Diskussion damit geleistet zu haben, die hoffentlich hier noch entsteht.:slight_smile:

Auf bald!

Theryn

  1. du wirst wohl nicht mal im Ansatz eine Antwort darauf haben, weshalb Du lieber sinnlos herumspamst :roll:

Echt? Ich würde mal die These aufstellen, in keinem Geschichtsseminar (geschweige denn Schulstunde) würde diese Thematik behandelt werden - ein zu heißes, unbürgerliches Eisen.

Ich muss zugeben, keine Ahnung zu haben, worauf du in deinem Anfangspost hinaus willst, weil ich keine Ahnung von der Materie hab. Aber ich hab Ahnung von Menschen. Und ich würde jetzt mal drauf tippen, dass du an einem Ort (einem Fernsehkritischen Forum, wobei du in einem Politik, BWL-, oder Geschichtsforum wesentlich mehr Input auf deine Frage erwarten könntest), wo derlei Dinge eigentlich eher unangebracht bis sinnlos sind (weil viel zu spezifisch und das Wissen der meisten hier weit überschreitend), genau dieses Diskusionsthema stellst, weil du weißt, dass es nur ein paar wenige bis hin zu keinem auf das Niveau dieser Unterhaltung schaffen werden, was dein eigenes Ego natürlich ungemein stärken würde und dir die Bestätigung geben würde, dass du in deinem kleinen einsamen Dasein am oberen Ende der Intellekt-Skala doch noch immerhin etwas besonderes bist. Aber eigentlich ist das eher erbärmlich.

Der weiss doch nix, sonst würde er doch nicht die Fragen stellen :open_mouth:

Ich muss zugeben, keine Ahnung zu haben
[…] blub blub […]
Aber eigentlich ist das eher erbärmlich.

Erbärmlich würde ich diesen Versuch nennen, mir Kontra zu geben. Null argumentativer Rückhalt, nur persönlich-ausfallend werdendes Gestelze. Schau Dir doch einfach das im Eröffnungspost verlinkte Video an, und Dein Horizont dehnt sich um das vielfache. Du kannst nur hinzu gewinnen, nutze die Chance.
( :wink: )

@ Theryn: großartig! Ich erwarte, dass sich in einem (fernseh-)kritischen Forum auch solchen Fragen gestellt werden kann. Du tust es - dafür danke ich Dir.

Zum Inhaltlichen:
Du stützt Dich ja weitestgehend auf der Annahmen, es habe von Anbeginn des gemeinschaftlichen Zusammenlebens hierarchische Strukturen gegeben. Dem möchte ich doch widersprechen. Dieser Gedanke resultiert meiner Meinung nach eher aus dem „zeitgeistlichen Denkmuster“. Es waren vielmehr Rätestrukturen etabliert - eine Art demokratischer Zentralismus in seiner Urform. Der Prozess der Privatisierung vom Mehrprodukt hat wohl mit dem Aufweichen dieser Strukturen, hin zum monogamen Patriarchat zu tun. Ich muss unbedingt nochmal Engels o.g. Buch zu dieser Thematik lesen (und kanns auch nur empfehlen!).

edit

Zum Rest später mehr, trotzdem vielen Dank erst mal. :smt023

Ich mach’s mal kurz:

[list=A][li]Ich frage mich gerade, weshalb Du eine solche Diskussion ausgerechnet in diesem Forum startest.[/li]
[/]
[li]Ich würde Dir empfehlen, andere nicht so anzupampen, wenn Sie Dich genau darauf oder auf die Motivation zu dieser Diskussion ansprechen.[/li]
[/
]

Erbärmlich würde ich diesen Versuch nennen, mir Kontra zu geben. Null argumentativer Rückhalt, nur persönlich-ausfallend werdendes Gestelze. Schau Dir doch einfach das im Eröffnungspost verlinkte Video an, und Dein Horizont dehnt sich um das vielfache. Du kannst nur hinzu gewinnen, nutze die Chance.

Was bitte soll das? Wieso „soll“ man Dir Kontra geben?
Du kloppst in ein fernsehkritisches Forum eine marxistische Diskussion und forderst sogar noch qualitative Beteiligung? Und dann „…sollen wir auch noch die Chance nutzen und … unseren Horizont erweitern“?[/*][/list]

Nee,… lass mal. Radiovens anfängliche Frage war schon berechtigt, … wäre es „kollegiale Hilfe“ für ein Schulprojekt gewesen, dann ok,… aber hier einen auf grossen Überzeuger auf Bekehrungsmission zu machen … brauchen wir hier nicht.

Mach mal woanders.

+++ THREAD CLOSED +++