Praktikanten zum Nulltarif

„Meine Jahresaufgabe bestand darin, in einem muffigen, dunklem Keller riesige Aktenstapel zu sortieren und zu beschriften. Geld bekam ich nicht.“
„Blätter kopieren und Kaffee holen war alles, was ich in dem Jahr dort gemacht habe.“
„Ich musste mit dem Zug zur Arbeit fahren. Das Monatsticket kostete mich 35€, und nicht einmal die wollte mir mein Chef bezahlen.“

Das sind alles Zitate von Schülern, die letztes Schuljahr ein Jahrespraktikum absolvieren mussten. 3 Tage die Woche, 8 Stunden am Tag arbeiten. Die Liste könnte noch viel länger werden, aber die Beispiele sprechen ja eine deutliche Sprache. Jedenfalls war der Unmut zum Thema Praktikum in meiner Klasse sehr groß, sodass wir uns für dieses Schuljahr (12. Klasse Fachoberschule) dazu entschieden haben, ein Projekt ins Leben zu rufen, in welchem wir das derzeitige Modell der Praktika in Frage stellen. Vor allem fordern wir eine gesetzlich vorgeschriebene Vergütung von Langzeitpraktikanten, denn ein Drittel meiner Mitschüler bekam kein Geld und ein Großteil nicht mehr als 100€, was wir einfach skandalös finden. :smt011 Ein Praktikant arbeitet im Grunde genommen genauso wie ein Azubi: Dieselben Arbeitszeiten, die gleiche Ausbildung, die gleiche (niedrige) Berufserfahrung. Trotzdem kriegt der Praktikant oftmals keine Vergütung. Und am schlimmsten ist, dass einige Arbeitgeber auf den Gedanken kommen: „Wozu soll ich noch Azubis einstellen? Ich krieg die Praktikanten ja für umsonst!“ :smt029

An vielen Stellen, wo ein Praktikant arbeitet, könnte ein Azubi sein. Das Lohndumping greift immer weiter um sich, eine Mitschülerin von mir war als Praktikantin zeitweise sogar ALLEINE in der Filiale und musste den Laden selbst schmeißen. Immer mehr Arbeitsplätze werden durch billige Praktikanten ersetzt, was natürlich zu einer Qualitätsreduzierung und geringerer Produktivität führt, aber Hauptsache, die Arbeitgeber sparen sich den Lohn.
Durch einen Mindestlohn für Praktikanten hoffen wir, dieser Entwicklung entgegen zu steuern.
Außerdem sollen Praktikanten endlich mehr Rechte eingeräumt werden, zum Beispiel das Recht auf eine Fahrkostenerstattung. Wie oben schon erwähnt, musste ein Bekannter von mir dafür bezahlen, dass er arbeiten gehen kann. :smt017 Eine Bezahlung wäre auch eine Form der Anerkennung und täte dem Praktikanten signalisieren, dass seine Arbeit was Wert ist.

Ein Praktikum sollte dazu dienen, einem Schüler Einblicke in ein Unternehmen und ein „Reinschnuppern“ in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Leider halten sich viele Firmen nicht daran und missbrauchen Praktikanten als billige Arbeitskräfte für niedere Tätigkeiten. (siehe oben) Viel gelernt haben diese Schüler in ihrem Praktikum offensichtlich nicht. (Der Fernsehkritker und CF! hatten das Thema in Folge 22 in weiser Vorraussicht schon einmal persifliert. :wink: ) Gegen diese Missstände wollen wir ebenfalls vorgehen.

Natürlich sind nicht alle Praktika so schlimm, es gibt auch Unternehmen, die freiwillig ein gerechtes Gehalt bezahlen und wo der Praktikant wirklich etwas lernt. Doch leider sind dies viel zu wenige und alle Praktikanten können diese Unternehmen ja auch nicht aufnehmen.

Es betrifft nicht nur Schüler, sondern auch Studenten, die nach ihrem Studium von einem Praktikum zum Nächsten weitergereicht werden. Die Arbeitgeber sagen sich:" Wozu soll ich den einstellen? Wenn seine Praktikumszeit abgelaufen ist, setze ich ihn vor die Tür, wo schon die nächsten drei Praktikanten warten, die einen Arbeitplatz suchen."
Dass Praktikumsstellen im kurzem Wechsel mit Studenten besetzt werden, die mit dem leeren Versprechen einer festen Arbeitsstelle angelockt werden, ist eine traurige, aber wahre Tatsache.

Das Projekt artet jetzt in einer Podiumsdiskussion aus, zu der wir Vertreter aller im hessischen Landtag vertretenen Parteien, die Gewerkschaft Verdi und den Arbeitgeberverband eingeladen haben. Die Diskussion wird im Februar im DGB-Saal in Frankfurt am Main stattfinden. Dort wollen wir das Problem ansprechen und hören, was die Politik dazu zu sagen hat, ob es Lösungen gibt und wer überhaupt auf unserer Seite ist. Nun ja, von der FDP haben wir bereits eine Stellungnahme erhalten. Wie befürchtet, sind sie gegen eine gesetzlich geregelte Vergütung von Praktikanten, aber es wäre wohl auch zu viel verlangt gewesen, dass sich die Liberalen auf die Seite der (Sklaven)arbeiter schlagen. :roll:

Die CDU fühlte sich zunächst nicht angesprochen und wälzte die Verantwortung an das Kultusministerium ab, doch um die Diskussionsrunde werden wir sie nicht herumkommen lassen. 8)

Die Linke hat bereits Unterstützung für unser Anliegen angekündigt, wenigstens eine Partei ist damit sicher auf unserer Seite. Von den Grünen und der SPD haben wir noch keine Stellungnahme erhalten, aber ich wage zu behaupten, dass sie eher für uns als gegen uns tendieren werden.

Doch bis es soweit ist, gibt es noch viel zu tun. Wir Schüler sollen uns umhören, was andere zu dem Thema zu sagen haben, wer schon einmal (schlechte) Erfahrungen in Sachen Praktikum gemacht hat und wie die öffentliche Meinung dazu ist, sei es in der Familie, im Freundes-oder Bekanntenkreis oder eben im Internet. Und genau das tue ich gerade. Wer also Lob und Tadel, Anregungen, Erfahrungsberichte oder eine schlaue Meinung zu unserem Projekt hat, sei bedankt, wenn er sie hier niederschreibt. :smt006

Soweit ich mich entsinne, ist es so, daß ein Praktikant durchaus vor das Arbeitsgericht treten kann, und eine Bezahlung seiner Leistung einklagen kann, wenn er dieselbe Arbeit verrichtet hat, wie ein normal Beschäftigter. Nach dem Motto “Gleiche Leistung, gleicher Lohn”. Leider tun das sehr wenige.

Wenn das Schule machen würde, würden die Arbeitgeber schnell wieder von dieser Masche runterkommen.

Schnell gegooglet und was gefunden:
Quelle: Arbeitsrecht Aktuell von hensche.de

Oder hier, noch ein Fall:
Kieler Arbeitsgericht spricht Praktikant 10.000€ Lohnnachzahlung zu

Und dazu hast du gar keinen Piraten eingeladen?

Ne, mal im ernst, sofern da noch keine Diskussion läuft, werde ich das mal anstoßen. Das ist ja skandalös!

@theHidden: Davon habe ich bereits gehört, allerdings wollen wir nicht, dass jedes Jahr hunderte von Praktikanten vors Gericht gehen und sich ihr Geld einklagen wollen. Wenn es eine gesetzlich vorgeschriebene Bezahlung gäbe, könnte man sich den Aufwand sparen.

@AndreR: Wir haben nur die Parteien eingeladen, die im hessischen Landtag vertreten sind. Wenn wir noch mehr Parteien einladen würden, würde die Diskussionsrunde aus allen Nähten platzen. Wir haben jetzt schon 7 Teilnehmer und bis sich da jeder zu Wort gemeldet hat, ist schon eine gute Stunde vergangen. Außerdem haben nur die 5 großen Parteien die Macht, etwas zu verändern. Die Meinung anderer Parteien, wie die der Piraten, interessiert mich zwar auch, allerdings sind sie nicht in der Position, neue Gesetzte durchzubringen.

@TheHidden: Danke für die Urteile, die kann ich sicher mal brauchen, wenn der Fernsehkritiker mal wieder frech wird. :mrgreen:

Ausbeuten und ausbeuten lassen. Warum sollte man ein einjähriges kostenloses Praktikum unterschreiben oder überhaupt machen?

Weil es in vielen Berufsbereichen aussichtlos ist einen Job oder sogar ein Studium zu bekommen, wenn man nicht schon diverse Praktika absolviert hat.
Die Praktika werden gebraucht und daher können die Arbeitgeber auch machen was sie wollen, sie werden immer einen Praktikanten finden.

dann ist das halt der Preis den man zahlen zwangsweise zahlen muss. Viele sind anscheinend bereit sich ausbeuten zu lassen um etwas bestimmtes zu arbeiten oder zu studieren, so sind die Konditionen!

oder man macht etwas anderes im Leben, solche Branchen wären mir ja schon per se unsympathisch :smt017

Ausbeuten und ausbeuten lassen. Warum sollte man ein einjähriges kostenloses Praktikum unterschreiben oder überhaupt machen?

Weil die Arbeitsgeber dann mit einem festen Job nach dem Jahr Praktikum locken. Aber wenn das Jahr vorbei ist haben sich die Rahmenbedingungen natürlich “verändert” und der Praktikant kann nicht übernommen werden. Die wollen die Praktikanten nur als kostenlose Arbeitskraft.

Aber man sollte schon vorsichtig sein wenn ein Praktikum verlangt wird was länger als sechs Monate dauert.

@ AndreR

Die Diskussion gibt es schon lange und ist selbst schon zur Bundesregierung vorgedrungen, aber die wollen da nix machen, auch wenn mal was geplant war.

@sonic: Ich meinte innerhalb der Partei. Dazu steht noch nichts in unserem Programm.

An vielen Stellen, wo ein Praktikant arbeitet, könnte ein Azubi sein. Das Lohndumping greift immer weiter um sich, eine Mitschülerin von mir war als Praktikantin zeitweise sogar ALLEINE in der Filiale und musste den Laden selbst schmeißen. Immer mehr Arbeitsplätze werden durch billige Praktikanten ersetzt, was natürlich zu einer Qualitätsreduzierung und geringerer Produktivität führt, aber Hauptsache, die Arbeitgeber sparen sich den Lohn.

Jep, es ist einfach zum Heulen. Letztes Jahr habe ich mich auf einen Job beworben, aber wurde abgelehnt, weil die sich kurzfristig entschieden haben, lieber einen Praktikanten einzustellen. :expressionless:

Als Student hat man aber wirklich die Arschkarte; man wird zum Spielball und hat einfach keine Chance, sich dagegen zu wehren.

P.S. Hier noch ein Artikel zur Situation in der Publizistik.

Ich meinte innerhalb der Partei. Dazu steht noch nichts in unserem Programm.

Nun ja, die Piraten sind (noch) eine Themenpartei, die sich auf bestimmte Angelegenheiten fokussiert, in ihrem Programm fehlen noch so manche wichtige Punkte.

Natürlich kann man sagen: "Wenns dir dort nicht gefällt, dann schmeiß das Praktikum doch einfach hin!"
Leider ist ein Jahrespraktikum unverzichtbar, wenn man die Fachhochschulreife erlangen will. Außerdem dürfen in der Ausbildungszeit keine Lücken vorhanden sein. Mitten im Jahr den Praktikumsplatz verlassen und nach einem neuen Ausschau halten ist nicht möglich.
Viele Arbeitgeber sagen ja auch, dass sie niemanden dazu zwingen, bei ihnen zu arbeiten, was im Prinzip auch stimmt, aber die Praktikanten haben einfach keine andere Wahl. Entweder das Praktikum durchziehen oder den Sprung in die nächste Klasse nicht schaffen.

Ich mache seit dem 1. Oktober selber so ein Jahres Praktikum weil ich einfach keine Ausbildung gefunden habe, bezahlt bekomme ich vom Betrieb selbst nichts, nur 121€ vom Arbeitsamt da es ein Projekt von denen ist das sich " Einstiegsqualifizierung" nennt.

Ziel davon ist es halt da direkt im Anschluss eine Ausbildung weiterzumachen und als erstes Lehrjahr kann es auch angerechnet werden, 2 Tage Berufsschule sind auch dabei.

Muss aber zugeben das ich mich lange gesträubt hatte praktisch für lau zu arbeiten, aber was soll ich machen, ein Jahr zuhause vor mich rumsitzen?

Ausserdem ist der Betrieb ziemlich gut, hat in der Region die am besten bezahlten Azubis und ist auch komme ich mir bis jetzt nicht vor wie ausgebeutet, mir wird alles in ruhe erklärt und gezeigt bevor ich da selber zur Tat schreite.

Naja…mal schauen, wenn ich da natürlich nichts bekomme nach dem Praktikum hab ich trotzdem die ziemliche Arschkarte, da hätte ich dann auch weiter ein paar Stunden die Woche für mehr Geld im Supermarkt um die Ecke weiterarbeiten können.

Hm… also ich muss sagen, ich seh diese Thematik etwas anders. Ich finde es im Grunde nicht ungerecht, für eine Arbeit keinen Lohn zu bekommen. Ich finde es lediglich ungerecht, wenn ein Praktikant nichts lernt, weil er weder in verantwortungsvolle Positionen noch in Positionen gesetzt wird, in denen er etwas über das Unternehmen erfahren kann.

Was das Gehalt angeht, so find ich es eher einen Verfall der Gesellschaft, wenn Jugendliche und junge Menschen als eine Generation, der es generell eher besser als schlechter finanziell geht und die von ihren Eltern mitfinanziert werden können, allgemein nicht mehr bereit sind, Arbeit zu leisten, für die sie kein Geld bekommen, die sich aber ganz egal, was sie dabei gemacht haben, ziemlich gut in ihrem Lebenslauf macht. Diese Kultur gab es früher ganz selbstverständlich, aber sie scheint wohl abgekommen zu sein. “Was krieg ich dafür?”, das ist doch das erste, was man hört, wenn man junge Leute fragt, ob sie Lust haben, bei etwas zu helfen oder mitzumachen.

Ich persönlich habe für mein Studium ein unbezahltes Praktikum für 5 Monate gemacht. Wisst ihr, was ich dabei gemacht hab? Fotos in eine Datenbank eingescannt. 5 Monate lang.
Ich habe zu Anfang meines Praktikums zu meinem Arbeitgeber, der meinte, er könne mich nicht einstellen, wenn ich Geld haben wolle, weil es finanziell einfach unmöglich war, gemeint, ich bräuchte kein Geld, wenn er mir versprechen könnte, dass ich bei allen Besprechungen zumindest anwesend sein dürfte, um verschiedene Vorgängen, Kundenumgang und ähnliches mitzubekommen. Zuerst hat er mich ganz verdutzt angesehn. Dann hat er gemeint, das hätte er noch nie gehört, die anderen hätten ihm gesagt, sie würden dann eine andere Stelle nehmen, wenn er nichts bezahlen könnte. Er hat sich total gefreut und mir nach meinem Ausscheiden aus der Firma ein makelloses Arbeitszeugnis geschrieben. Außerdem war er dann auch viel mehr bereit, mich in gewisse Vorgänge miteinzubeziehen, hat meine Meinung erfragt, mir aushilfsweise Aufgaben zugeteilt.
Ich habe dieses Praktikum deshalb gemacht, weil ich an der Organisation interessiert war, weil ich einen Einblick haben wollte und weil mir das Anliegen des Unternehmens und seine Tätigkeiten am Herzen gelegen haben, nicht weil ich mich materiell bereichern wollte.

“Sowas gibts doch heute gar nicht mehr.” Das haben mir alle, die während meiner Arbeit dort begegnet sind, gesagt.

ich denke man kann das hier nicht alles pauschalisieren. Für einen Studenten kann es schon Sinn machen mal ein kostenloses Praktikum zu machen, für alle möglichen Ausbildungsberufe und abgeschlossene Ausbildungsberufe ist es aber total sinnlos und wirklich nur Ausbeutung. Für eine 40h Woche mal 300 oder 400 € zu bezahlen macht keinen Betrieb arm, SOLANGE man wirklich gebraucht und produktiv genutzt wird. Man sollte auch keine falsche Scheu besitzen, mit 300 oder 400 € ist keiner reich und nicht alle werden die ganze Zeit von den Eltern durch gefüttert.

Das Argument des Arbeitgebers dass man zu teuer sei kann so nicht wirklich stimmen, da die Kosten für einen Praktikanten nicht wirklich hoch sind. Dass man kein Geld bekommt kann verschiedene Gründe haben:
-Man wird in dieser Zeit nur rumsitzen und nichts tun ergo auch nichts bekommen, meist bedingt durch mangelnde Qualifikation
-jeder drängt sich auf kostenlos zu arbeiten
-es ist ein institutionell verordnetes Praktikum

Da es sich hier offensichtlich um eine Kombination aus 1, 2 und 3 handelt bleibt mir nur zu sagen:
Kritisiert das Pflicht-Praktikum an sich aber nicht die Bezahlung. Natürlich könnt ihr euch dafür einsetzen, dass jeder seine 300 oder 400 € bekommen soll, nur werde ich euch gleich sagen, dass euch dann keiner mehr einstellt und genau da ist der Haken.

und noch was: es gehört auch zur Arbeitswelt, mal nein zu sagen! Alleine den Laden für umsonst schmeißen gehört sicher nicht zu den Aufgaben eines kostenlosen Praktikanten. Wie gesagt: Ausbeuten und ausbeuten lassen.

Also tut mir leid, aber ich hab bis jetzt ein Praktikum immer als eine Arbeit um des Lernen willens oder um der Erfahrung willen angesehn. Warum sollte jemand ein Praktikum machen, wenn es ihm nicht
a) um das sich bekannt machen in und mit einer Firma oder
b) um das Erfahrung sammeln in einem Arbeitsbereich oder einer Unternehmung geht?
Bei beiden Motiven setze ich einen Mehrwert der Arbeit für den Arbeitenden voraus.
Wenn ich für eine begrenzte Zeit (Ferien oä, ich nehme mal an, dass ohnehin nur Nicht-Arbeitende, Schüler und Studenten Zeit für sowas haben) Geld verdienen will, dann mach ich einen Ferialjob (da gibts für stupide Arbeiten wenigstens ordentlich Kohle) oder such mir eine richtige Arbeit und kündige nach kurzer Zeit wieder.

@Minderheitenmitglied: Bei wirklich kurzen Praktika nur zum reinschuppern (z.b. Schulpraktika und Ferienpraktika, die gehen ja nur 2-4 Wochen), kann ich deine Argumentation ja verstehen. Da würden die Unternehmen dann natürlich auch nicht bezahlen wollen, da der Schüler ja eigentlich garkeine Qualifikation hat. Da ist es im übrigen in Kombination mit Datenschutz auch kein Wunder, dass man oft nur “langweilige” -oder wie sie hier auch genannt wurden “minderwertige” - Aufgaben wie Kaffe kochen und Akten kopieren machen muss.

Aber längeren Praktika, dazu zähle ich auch schon welche mit 6 Monaten, sieht das ganze doch schon anders aus. Erst einmal ist das schon “mehr” als reinschuppern, wenn man sich grade in Ausbildung/Studium befindet, weil es ja schon ziemlich sicher ist, dass man in einem solchen Berufsfeld arbeiten wird. Denn dann werden Personen eingestellt, die Aufgaben übernehmen, für die normalerweise ein bezahlter Beschäftigter eingestellt werden muss. Folge ist also weniger Einstellung von “Fachkräften”, ergo erhöht sich auch die Arbeitslosenquote, wenn das jede Firma so macht (und die Tendenz geht ja dahin).

Und das ist definitiv dann Ausbeutung und schadet auch dem Arbeitslosen. Schrieb ja bisher jemand, dass er wegen einem Praktikanten seine Ausbildung nicht bekommen hat!

Dass die Ausbeutung für die Unternehmen kaum ein Problem darstellt, hat Rhasta bereits geschildert. Die Schüler/Studenten sind von den Unternehmen abhängig, da das Praktikum benötigt wird, damit man zur Prüfung zugelassen wird. Ohne Praktikum, kein Abschluss. Also sind viele Praktikanten, besonders wenn sie unter Zeitdruck suchen, auch für jeden Praktikumsplatz dankbar. Ob sie dabei nun wirklich was lernen oder bezahlt werden, ist erstmal Nebensache. Es ist für einige quasi “Mittel zum Zweck”; hauptsache man verwehrt nicht seinen Abschluss.

Und da liegt einfach ein Problem im System der Pflichtpraktika, die man machen muss!

Ich finde Pflichtpraktika ja sinnvoll, aber wie gesagt, viele Firmen sind offensichtlich nicht der Auffassung, dass die Praktikanten dabei nichts lernen müssen, das ist das einzige Problem, das ich sehe. Wenn der Praktikant was lernt dabei (was ja eigentlich der Sinn eines Praktikums sein sollte, insbesondere eines Pflichtpraktikums, Verdienst kann hier nicht der Sinn sein), dann ist es durchaus legitim, ihn nicht zu bezahlen, oder werdet ihr für Schulbildung auch bezahlt? Und es macht sich halt gut in einem Lebenslauf, wenn man nach dem Abschluss der Ausbildung dann sowas im Zeugnis stehen hatte. Viele Idioten können Abitur machen, wieviele haben danach aber schon relevante Arbeitserfahrung?
Also noch mal in der Zusammenfassung: Das einzige Problem sind fehlende Erfahrungen, die man dabei macht. Im übrigen habe ich noch nie gehört, dass man für eine bestimmte Schule oder ein Studium ein Praktikum von über 4 Monaten machen müsste.

@niclas: spar dir deine mühen. Sie wiederholt einfach noch einmal 1zu1 was sie schon einmal im Thread geschrieben hat und ignoriert das was du geschrieben hast.

ja, es gibt pflichtpraktika und ich mach sogar gerade ein 5 monatiges Praktikumssemester für mein studium … und werde dafür bezahlt und finde es völlig legitim. Wer sich dieser Realität der längeren Praktika verschließt… naja. Kenne auch viele die welche machen und wenn man dann schon 9. semester o.ä. ist kostenlos arbeiten? lolz, irgendwann mit 20 oder 25 muss man auch mal endlich selbst Geld verdienen, das machen andere schon mit 16…

Ja, wenn sie Geld verdienen wollen, sollen sie nach einer geregelten Arbeit suchen, nicht nach einem unverbindlichen Praktikum. Ich kenn genügend aus meinem Studiengang, die für ihr Praktikum im Wintersemester einfach im Juni einen vollen Job angenommen haben und im Winter wieder gekündigt haben. Das is vielleicht asozial dem Arbeitgeber gegenüber, aber möglich. Und da bekommen sie auch Kohle, wenn sie schon auf die Erfahrung und Kontakte nicht heiß sind.