Positive Kritik

Mir hatte der Beitrag zu Hart aber Fair bezüglich Scientology gut gefallen weil der Fernsehkritiker die Senudng schön analysiert hat. Die stärken und schwächen wurden aufgezeigt. Kritik kann ja auch positiv sein :wink:

Ich vermisse das leider in letzter Zeit ein bisschen. Es werden immer nur die schlechten Beispiele gezeigt und das wird auf die Dauer zu eintönig.

Wie sieht die Community das?

Das Problem ist einfach, dass die schlechten Sachen im deutschen Fernsehen momentan sehr stark überwiegen.

Beispiel: Du schaltest morgens vor der Arbeit, also gegen 7/8 Uhr, den TV ein. Was siehst du? Entweder das öffentlich-rechtliche Morgenmagazin, das besonders in Richtung Japan sich mittlerweile die “Berichterstattung” umstrittener Nachrichtensender abgeschaut hat und einen Mann als Vor-Ort-Reporter einsetzt, der sich normalerweise um Südasien kümmert und von Japan keinen blassen Schimmer hat. Die Berichterstattung zu Libyen kann ich kaum beurteilen, weil mir da schlichtweg das Hintergrundwissen jenseits von Dokus fehlt - aber Libyen und Japan sind momentan die Leitthemen der Nachrichtenwelt. Kritische Sachen zur Medienwelt fehlen allgemein im Fernsehen, egal ob morgens oder abends, und die paar Formate, die so tun, alsob sie den “Journalismus” in Deutschland kritisieren, sind öffentlich-rechtlich und wagen sich daher nicht im erforderlichen Umfang an Baustellen wie GEZ, politisch motivierte Propaganda-Berichterstattung und co.
Egal, wir waren beim Morgen-Programm: Schaltet man um, so hat man noch Boulevard-Morgenmagazine, die sich liebendgern mit reißerischen und auch trivialen Dauerthemen wie “Nimmt man mit XXX wirklich ab?” oder “So starten Sie modisch in den Frühling!”, wahlweise aber auch “der Sternekoch testet YYY” beschäftigen. Dazu werden nochmal die Themen vom Vorabend wiederverwertet oder Ausschnitte von Reportagen gezeigt, die am gleichen Abend in Magazin ZZZ laufen sollen.
Schaltet man wieder um, ist man bei infantilen und eher lernbehindernden statt neugierig-machenden Kinderprogrammen angekommen. Oder beim Teleshopping. Oder bei den ersten Brüsten des Tages, die im Zusammenhang von Pseudo-Reportagen rhythmisch vor der Nase wackeln.

Den späten Vormittag kann man vergessen, weil dort zu 90% nur weitere Morgenmagazine, Seifenopern, geskriptete “Dokus”, SMS-Klingelton-Werbung und Programme für zurückgebliebene Säuglinge laufen. Mittags laufen Propaganda- oder Boulevard-Nachrichten, dazu die nächsten Brüste des Tages, gefolgt von noch mehr geskripteten Pseudo-Realitäten, die neben schlechtem Kinderprogramm den Nachmittag bevölkern. Am Abend gibt es ein paar lustige Serien, ab 20:15 Uhr auf den Privatsendern ein paar gute amerikanische Serien und noch mehr Brüste, die ab 0 Uhr ihre eigenen 15- bis 60-Minuten-Werbeblöcke bekommen. Achso, und irgendwann in der Nacht, während der potenzielle Interessierte schlafen muss, versendet die ARD Qualitätsfernsehen, damit es ja niemand guckt und durch die Einschaltquote den Musikantenstadl in Frage stellen kann.

Wenn ich überlege, was ich als gute Fernsehformate einschätze, lande ich bei folgenden Dingen:
[ul][li]bis vor einer kleinen Weile: RTL Nachtjournal. Warum “bis vor einer kleinen Weile”? Nun, RTL hat eine Programmreform bei dem Nachtjournal durchgeführt, durch welche nur noch 10 der ca. 25 Minuten Sendezeit wirklich etwas mit Journalismus zu tun haben - der Rest der Zeit geht nun für die Wiederverwertung von “Extra”-Reportagen drauf, die oftmals unterirdisches Nivea(u) haben.[/][/li][li]jede Sonntagnacht: RTL2-Nachrichtenjournal. Hier beweist RTL2, dass private Sender durchaus gute Nachrichtensendungen erarbeiten können, wenn sie dafür mal genügend Zeit haben: Die Sendung reflektiert die Themen der Woche weitestgehend sachlich und ohne grobe Schnitzer, dazu finde ich den “Wochen-Rapblick” mal eine wirklich unterhaltsame und frische Idee, da sich Kunst und Politik mittlerweile viel zu selten verbinden.[/][/li][li]keine Ahnung, wann es immer läuft: c’t Magazin. Nachrichten rund um PC und Technik werden laienfreundlich vermittelt, es gibt eine Ratgeber-Ecke, Produkttests und regelmäßig wird Schwierigkeiten mit Unternehmen wie eBay, der Telekom und co nachgegangen. Blöd ist für mich nur, dass ich mir so gut wie nie merken kann, wann und wo es läuft :smt009 [/][/li][li]immer wieder toll: Game One. Das ist die einzige Sendung, die ich wirklich regelmäßig und gern auf VIVA anschaue. Das Konzept ist innovativ, die Beiträge sind kurzweilig, die Moderatoren einfach authentisch lustig und zu allem Überfluss ist es mal wirklich eine Jugendsendung, die ohne verblödete und verblödende Kommentare bzw. völlig unnatürlich verzogenen Grinsefratzen auskommt.[/][/li][li]hin und wieder lustig: Satire-Gipfel und Neues aus der Anstalt. Ich stehe auf Kabarett und die beiden Formate haben noch so etwas wie Biss, auch wenn dieser etwas lascher geworden ist. Trotzdem ist es noch gute Unterhaltung. [/*][/ul][/li]
Außerhalb dieser Sendungen fällt mir nichts Gutes mehr im deutschen Fernsehen ein, das irgendwie erwähnenswert wäre - mehr aus Frustration als Lust schaue ich die meiste Zeit mittlerweile Cartoons wie Cosmo&Wanda - wenn Elfen helfen, die x-te Wiederholung der Simpsons und - wenn denn neue Folgen angekündigt sind - den mittlerweile etwas ermüdend werdenden Dr. House.

Alles in allem: Wie soll man etwas positiv kritisieren, wenn schlichtweg nichts Herausragendes da ist? :smt026

Aber gerade wenn schlechtes überwiegt sollte man doch das gute herausheben, findest Du nicht?

Boah hast dir ja ganz schön mühe bei deinem Beitrag gegeben. Wobei ich auch meinem Vorredner zustimmen muss.
Die Anstalt war mit Schramm besser wobei e sin letzter Zeit mit Priol und Pelzig besser wird. Mir hat Pelzig eigentlich in seiner eigenen Sendung besser gefallen weil er ziemlich viel aus den leuten raus kitzelt. Pelzig hält sich könnte man auch analysieren mit welchen Tricks er die Politiker zum Reden bringt.

Positive Kritik kann durchaus mal in einem Kurz Kommentiert Beitrag kommen, aber seien wir ehrlich, einen kompletten Beitrag in dem man überwiegend lobt? Das hier ist ein satirisch-kritisches TV-Magazin, und Satire und Lob lassen sich nicht wirklich gut vereinen. Außerdem möchte man hier ja gerade die Schattenseiten aufzeigen. Ein Beitrag mit nur Lob kann man vielleicht im Blog erwähnen oder eben in Kurz Kommentiert oder in den TV-Tipps, aber nen Beitrag? naja…

Ich red ja nicht von nur Lob aber mal von einer sachlichen Analyse einer guten Sendung wie es bei Hart aber Fair geschehen ist. Kritik heißt wie gesagt nicht immer negativ bewerten. Und auf die Dauer zu Zeigen wie blöd DokuSoaps/RealityShows/CallIn ist, ist ja auch nicht das wahre.

Das Schlechte zu zerreißen ist unterhaltsamer. Positiv kritische Satire gibt es nicht.

Folge 25 beinhaltete damals “10 Sendungen, die der Fernsehekritiker gerne einschaltet”. Dort war schonmal positiv kommentiert worden. Allerdings nicht in ausführlicherer Form (jede Sendung bekam eine bis zwei Minuten Raum).

Selten ist das natürlich. Vielleicht kann er ja mal wieder was ähnliches machen. Das ist schon wahr. Allerdings sollten wir dann auch im Forum mehr Fingerzeige auf gute Sendungen sammeln, damit er sich nicht alles selbst aus den Fingern saugen muss und am Ende eine halbgare Sammlung oder oberflächliche Kritiken bei rauskommen.

Positive und gleichzeitig sinnvolle Kritik setzt nämlich vor Allem eins vorraus: Eine enorme Kenntnis über die Funktionsweise des kritisierten Formats. Und das ist nunmal nicht so einfach zu bewerkstelligen, gerade bei der Bandbreite, die das Fernsehen bietet.