Papstrede im Bundestag

So, ich habs mir jetzt gnadenlos reingezogen und trotz aller Kritik muss ich sagen es hat sich gelohnt. Soviel indirekte Kritik in Richtung derzeitige Regierung hab ich gar nicht erwartet. Allein die etwas debilen Gesichter von Angie und Philipp Rößler nach der Rede haben sich bezahlt gemacht… der ganzen Rede zu Folge.

P.S. Ich bin nicht gläubig und zudem für die strikte Trennung zwischen Religion und Staat!!!

Ich meine in seiner Rede gefährliche Forderungen gehört zu haben, u.a. scheint er mir die Position eines möglichst rationalen Rechtes angegriffen zu haben.
Aber ehrlich gesagt, ist die Rede nicht so einfach. Ich werde mir erst eine niedergeschriebende Form suchen müssen. Eine Kritik an die aktuelle Regierung konnte ich in der Rede nicht raushören.

Schon allein die Tatsache, dass Politiker nicht aus Gründen des materiellen Gewinns sondern im Sinne der Gerechtigkeit Politik betreiben sollen, sehe ich als indirekte Kritik an den derzeitigen Vorgängen. Aber Du hast Recht, in Bezug auf eine geschriebene Ausführung dieser Rede… das macht eine Auswertung leichter.

Man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen (Wortspiel gnihihi) …

Das war eine ganz normale Rede eines Staatsoberhauptes, der natürlich in seinen Weltanschauungen steckt und dem entsprechend spricht und argumentiert. Und dafür war die Rede sehr rechtsstaatfreundlich, sehr vernunftbetont und durchaus auch selbstironisch!

Aber selbst wenn er jetzt eine Brandrede gegen schwule Priester, gegen Kondome und die Verfolgung von pädophilen Würdenträgern gehalten hätte würde das die Parlamentarier wohl kaum in ihren aktuellen Positionen beeinflussen …

Unterm Strich eine harmlose Rede, die niemandem weh tun sollte, die wenigen harten Fakten und leise Kritikpunkte waren intellektuell verschwurbelt, ob der Durchschnittsabgeordnete das mitbekommen hat weiß ich nicht …

… und ich warte auch noch auf ein Protokoll der Rede …

Ich hab da nichts bemerkenswertes rausgehört. Als er davon sprach, dass der Mensch sich nicht selbst macht, sondern von der Natur gegeben ist, hab ich einen Moment gedacht jetzt kommt gleich Homo-Bashing, aber das blieb aus. Alles in allem absolut harmlos, um nicht zu sagen: langweilig.

Lammerts Rede war da schon interessanter, mit seiner Forderung an den Papst mehr als nur ein wenig Ökumänische Symbolik zu bringen, und sein Erinnern an Aufklärung und Trennung von Staat und Kirche als Grundwerte unserer Demokratie.

Ich freu mich auf den Stand Up im Olympiastadion.

Jesus. kennste? Kennste Jesus? Türlisch kennste! Jesus war neulisch mit seine Froindin inne Stadt jewesen wa? Weeste wat die da wollte? Klingelbeutel koofen! Verstehse? Frauen! Handtaschen! Hihihi! … :smt015

Im Grunde genommen wollte ich nur mal eine Diskussion über dieses Thema anregen, ist mir ja zum Teil auch gelungen. Mich kotzt es sowieso an, dass hier nur über Trash-Sendungen sinniert wird, aber nie über die wenigen guten die noch laufen. Was einen den Schluss ziehen lässt, dass die Nutzer dieses Forums auch nur Schrott-Sendungen gucken, oder nicht über die guten diskutieren wollen.

Das eine Überführung der katholischen Kirche in die Ökumene nie stattfinden wird ist von vornherein klar, weil wie sollte sich die katholische Kirche dann noch positionieren können. Sie würde sich ganz einfach überflüssig machen.
Im Übrigen sollte man sich die Statistiken nochmals zum Thema Homosexualität und Zölibat anschauen. Der Großteil der Katholiken ist für die Abschaffung des Zölibats und viele der Homosexuellen sind gläubig. Es würde wenig Sinn machen eine Homo-Ohrfeigen-Rede zu halten. Das der Mensch sich nicht selbst macht, sondern von der Natur gegeben ist, sehe ich nicht als Einleitung für ein Homo-Bashing.

Der Benedikt wird sich ohnehin nicht mehr von seinen Überzeugungen abgringen lassen. Der Mann ist ein Überbleibsel aus einer untergegangenen Epoche. Wenn es in 5-10 jahren einen neuen Papst gibt der etwas Jünger ist könnten sich eventuel auch einige Revolutionen durch den Staub der Erzkonservativen fressen.

Und so lange die Katholiken weiterhin bei Geschlechtskrankheiten und AIDS zu sexuellen Enthaltsamkeit raten werden die auch weiterhin einen Mitgliederschwund in Deutschland verzeichnen. :twisted:

Wenn es in 5-10 jahren einen neuen Papst gibt der etwas Jünger ist könnten sich eventuel auch einige Revolutionen durch den Staub der Erzkonservativen fressen.

Oh ja, dann werden sie bestimmt einen wahren Jungspund zum Papst wählen :smt005

Achtung, Papst-Bashing:

Ich find es immer zu komisch wie diese Päpste durch die Länder humpeln und vor sich hinvegetieren um ihre ach so bedeutende Meinung kundzugeben. Und wenn ich mir dann angucke in was für Fummeln die immer rumlaufen…das die sich überhaupt selbst ernst nehmen können! Beim örtlichen Schützenverein verstehe ich das ja noch, die sehen sich ja nicht zu ernst und schieben das eigentlich nur als weiteren Saufgrund vor, aber die Vatikangestalten laufen ja das ganze Jahr rum wie die Paradiesvögel :smt005

Naja meine Meinung: Der Papst nimmt sich wichtig, leider wird ihm diese „Wichtigkeit“ aber immer wieder bestätigt weil alle Staaten ganz demütig tun wenn der vorbeikommt. Hab mich echt gefreut als ich von dem Boykott der Abgeordneten gehört hab :smt023

Es wird in naher Zukunft keinen “jungen und revolutionären” Papst geben, da wäre ich sehr überrascht. Der Papst ernennt die Kardinäle und die Kardinäle wählen den Papst. Dazu ein interessanter Artikel, den ich heute gelesen habe:

http://www.heise.de/tp/artikel/35/35538/1.html

Ich glaube nicht, dass sich die Position der Kirche so bald so großartig ändern wird. Die Kardinäle sind halt einfach alle sturer Durchschnitt, während es auf den tieferen Ebenen auch viele gute Priester gibt, denke ich mal, ich hab noch nicht so viele getroffen und mich großartig mit ihnen über kirchenspezifische Themen unterhalten.

Unverständlich fand ich die stundenlange Übertragung in der ARD, wegen der sogar die Tagesschau auf 20:45 Uhr (!) verschoben wurde. Das sollen sie sich mal vor Atomkriege und Marslandungen aufheben und die große Papst Show auf einen anderen Sender verschieben.
Zumal um 20:15 Uhr schon alles wichtige vorbei war, aber die ARD zeigt noch eine halbe Stunde Singsang ich dachte ich fall um.

Apropos gutes Fernsehen: Im Bayerischen Rundfunk läuft wie jeden Donnerstag um 20:15 Uhr die hervorragende Sendung “quer”, ganz ohne Papst.

@ BlenderBender

Oh ja, dann werden sie bestimmt einen wahren Jungspund zum Papst wählen :smt005

Es kommt auf jedenfall auf die Definition von Jung an.

Johannes Paul war ja schließlich auch als er gewählt wurde relativ Jung für Vatikanische Verhältnisse… und der Benedikt schon relativ Alt…

Damals bei der Papstwahl haben die auch gemeint dass sie während Benedikts Amtszeit schon mal auf die Suche nach einem passenden Nachfolger gehen der dann Wieder etwas länger durchhält… :smt025

Ich kann außerdem nicht behaupten, dass die Papstrede langweilig war. Viel langweiliger war die gesamte Übertragung. Das fing schon bei der Ankunft an. 21 mal Salut mit 1. Weltkrieg-Kanonen Bomben (militärische Ehren???). Dann Bundeswehr-Spalier laufen und später dem gesamten Ministeriat über Dings und Plebs bis hin zum General-Major Schieß-mich-tot (muhahaha) die Hand schütteln-die bekommt er doch nie wieder sauber, die olle Flosse. Frag mich zudem, ob ein Staatsempfang auch in Tibet so stattfinden würde, wenn es unabhängig von China wär. Stell ich mir auf jeden Fall lustig vor, so ein paar wild um sich ballernde, Macht demonstrierende tibetische Mönche.

Ich hätte mir außerdem Jean Ziegler als Zweitredner gewünscht. Dann hätte er seine nicht gehaltene Rede bei den Salzburger Festspielen wenigstens noch im Bundestag halten können. Es wäre sicher eine Genuß gewesen Angie und ihren Bubi, der ihr erst die Puperze nuckelt bis er gänzlich drin verschwindet, zu sehen, die wohl im Anschluss noch debiler drein geschaut hätten. :twisted:

So ich mach mir jetzt ne Tütensuppe und glotz meine Lieblingsserie Lenßen und Partner

Wenn es in 5-10 jahren einen neuen Papst gibt der etwas Jünger ist könnten sich eventuel auch einige Revolutionen durch den Staub der Erzkonservativen fressen.

Wenn ich mir die letzte Hart aber Fair Sendung ansehe und mir die junge Katholikin (25) dort anschaue dann bezweifel ich das. Es gibt genügend Erzkonservative, nicht nur unter den Rentnern.

Naja meine Meinung: Der Papst nimmt sich wichtig, leider wird ihm diese „Wichtigkeit“ aber immer wieder bestätigt weil alle Staaten ganz demütig tun wenn der vorbeikommt.

Jetzt kann man darüber streiten wie sich Wichtigkeit überhaupt definiert. „Alle“ Staaten ist aber definitv falsch…gibt bestimmt auch einige die ihn mit Freude hinrichten würden wenn sie nicht unter internationalem Druck stünden.

Wenn ich mir die letzte Hart aber Fair Sendung ansehe und mir die junge Katholikin (25) dort anschaue dann bezweifel ich das. Es gibt genügend Erzkonservative, nicht nur unter den Rentnern.

Habe die Sendung auch gesehen und fand es ziemlich grußelig, wie verbohrt und fanatisch man in so einem Alter schon sein kann.

Außerdem ist der Papst ja auch „nur“ Staatsoberhaupt und muss sich mit jeder Menge Interessenverbänden herumschlagen. Bevor er ins Amt kam, soll er sich angeblich auch gegen das Zölibat ausgesprochen haben. Deshalb hatten viele Leute auch die Hoffnung, dass sich reformtechnisch etwas tut. Diese Hoffnung ist aber nun bitter enttäuscht worden. Die Folge ist eine Massenaustrittswelle. Die Missbrauchsfälle in diesem Zusammenhang, haben das Fass sicher nur zum überlaufen gebracht.

Zieht man als Vergleich Barack Obama heran mit welchem Enthusiasmus und Idealismus er ins Amt gegangen ist, und mit welchen verschiedenen Interessen er auf einen Nenner kommen muss. Und welche Ziele hat er denn letztendlich erreicht? Da halten nunmal ganz andere Leute die Fäden in der Hand.

Bevor er ins Amt kam, soll er sich angeblich auch gegen das Zölibat ausgesprochen haben. Deshalb hatten viele Leute auch die Hoffnung, dass sich reformtechnisch etwas tut.

Ratzinger war Chef der umgetauften Inquisitionsbehörde. Dass da nicht gerade ein Übermaß an Reformeifer im Katholenayatollah schlummert, hätte man sich denken können.

Habe die Sendung auch gesehen und fand es ziemlich grußelig, wie verbohrt und fanatisch man in so einem Alter schon sein kann.

Die gehört nur mal richtig durchgebumst. :ugly

Nee, mal ernsthaft! Der Fanatismus von Frollein Elter hat wohl nur wenig mit dem Alter zu tun. Beklemmend fand ich nur, dass sie die unagenehmen Tatsachen, die Niedecken und Domian vortrugen nach einem kurzen Moment des verwirrten Stotterns mit wortreich vorgetragenem, sachfremdem Transzendentalismus wegzuwischen suchte.

Für die Sprecherin der Generation Benny scheinen ein Hochamt und drei Hosianna schwerer zu wiegen als Missbrauch und Vertuschung. Was sind schon menschliche Verfehlungen gegen das Himmelreich? Offenbar ist der Katholizismus in den Augen seiner Anhänger immer noch eine am Jenseits orientierte Sklavenkultur.

Okay, hier dann mal die gesamte Rede:
Rede Papst Benedikts XVI. im Deutschen Bundestag am 22. September 2011

[spoiler]Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Herr Bundestagspräsident!
Frau Bundeskanzlerin!
Herr Bundesratspräsident!
Meine Damen und Herren Abgeordnete!

Es ist mir Ehre und Freude, vor diesem Hohen Haus zu sprechen – vor dem Parlament meines deutschen Vaterlandes, das als demokratisch gewählte Volksvertretung hier zusammenkommt, um zum Wohl der Bundesrepublik Deutschland zu arbeiten. Dem Herrn Bundestagspräsidenten möchte ich für seine Einladung zu dieser Rede ebenso danken wie für die freundlichen Worte der Begrüßung und Wertschätzung, mit denen er mich empfangen hat. In dieser Stunde wende ich mich an Sie, verehrte Damen und Herren – gewiß auch als Landsmann, der sich lebenslang seiner Herkunft verbunden weiß und die Geschicke der deutschen Heimat mit Anteilnahme verfolgt. Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt. Von dieser meiner internationalen Verantwortung her möchte ich Ihnen einige Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats vorlegen.

Lassen Sie mich meine Überlegungen über die Grundlagen des Rechts mit einer kleinen Geschichte aus der Heiligen Schrift beginnen. Im ersten Buch der Könige wird erzählt, daß Gott dem jungen König Salomon bei seiner Thronbesteigung eine Bitte freistellte. Was wird sich der junge Herrscher in diesem wichtigen Augenblick erbitten? Erfolg – Reichtum – langes Leben – Vernichtung der Feinde? Nicht um diese Dinge bittet er. Er bittet: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht“ (1 Kön 3,9). Die Bibel will uns mit dieser Erzählung sagen, worauf es für einen Politiker letztlich ankommen muß. Sein letzter Maßstab und der Grund für seine Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein. Die Politik muß Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Friede schaffen. Natürlich wird ein Politiker den Erfolg suchen, der ihm überhaupt die Möglichkeit politischer Gestaltung eröffnet. Aber der Erfolg ist dem Maßstab der Gerechtigkeit, dem Willen zum Recht und dem Verstehen für das Recht untergeordnet. Erfolg kann auch Verführung sein und kann so den Weg auftun für die Verfälschung des Rechts, für die Zerstörung der Gerechtigkeit. „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“, hat der heilige Augustinus einmal gesagt. Wir Deutsche wissen es aus eigener Erfahrung, daß diese Worte nicht ein leeres Schreckgespenst sind. Wir haben erlebt, daß Macht von Recht getrennt wurde, daß Macht gegen Recht stand, das Recht zertreten hat und daß der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde – zu einer sehr gut organisierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Abgrunds treiben konnte. Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grundlegende Aufgabe des Politikers. In einer historischen Stunde, in der dem Menschen Macht zugefallen ist, die bisher nicht vorstellbar war, wird diese Aufgabe besonders dringlich. Der Mensch kann die Welt zerstören. Er kann sich selbst manipulieren. Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen. Wie erkennen wir, was recht ist? Wie können wir zwischen Gut und Böse, zwischen wahrem Recht und Scheinrecht unterscheiden? Die salomonische Bitte bleibt die entscheidende Frage, vor der der Politiker und die Politik auch heute stehen.

In einem Großteil der rechtlich zu regelnden Materien kann die Mehrheit ein genügendes Kriterium sein. Aber daß in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht, das Mehrheitsprinzip nicht ausreicht, ist offenkundig: Jeder Verantwortliche muß sich bei der Rechtsbildung die Kriterien seiner Orientierung suchen. Im 3. Jahrhundert hat der große Theologe Origenes den Widerstand der Christen gegen bestimmte geltende Rechtsordnungen so begründet: „Wenn jemand sich bei den Skythen befände, die gottlose Gesetze haben, und gezwungen wäre, bei ihnen zu leben …, dann würde er wohl sehr vernünftig handeln, wenn er im Namen des Gesetzes der Wahrheit, das bei den Skythen ja Gesetzwidrigkeit ist, zusammen mit Gleichgesinnten auch entgegen der bei jenen bestehenden Ordnung Vereinigungen bilden würde …“

Von dieser Überzeugung her haben die Widerstandskämpfer gegen das Naziregime und gegen andere totalitäre Regime gehandelt und so dem Recht und der Menschheit als ganzer einen Dienst erwiesen. Für diese Menschen war es unbestreitbar evident, daß geltendes Recht in Wirklichkeit Unrecht war. Aber bei den Entscheidungen eines demokratischen Politikers ist die Frage, was nun dem Gesetz der Wahrheit entspreche, was wahrhaft recht sei und Gesetz werden könne, nicht ebenso evident. Was in bezug auf die grundlegenden anthropologischen Fragen das Rechte ist und geltendes Recht werden kann, liegt heute keineswegs einfach zutage. Die Frage, wie man das wahrhaft Rechte erkennen und so der Gerechtigkeit in der Gesetzgebung dienen kann, war nie einfach zu beantworten, und sie ist heute in der Fülle unseres Wissens und unseres Könnens noch sehr viel schwieriger geworden.

Wie erkennt man, was recht ist? In der Geschichte sind Rechtsordnungen fast durchgehend religiös begründet worden: Vom Blick auf die Gottheit her wird entschieden, was unter Menschen rechtens ist. Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt. Die christlichen Theologen haben sich damit einer philosophischen und juristischen Bewegung angeschlossen, die sich seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. gebildet hatte. In der ersten Hälfte des 2. vorchristlichen Jahrhunderts kam es zu einer Begegnung zwischen dem von stoischen Philosophen entwickelten sozialen Naturrecht und verantwortlichen Lehrern des römischen Rechts. In dieser Berührung ist die abendländische Rechtskultur geboren worden, die für die Rechtskultur der Menschheit von entscheidender Bedeutung war und ist. Von dieser vorchristlichen Verbindung von Recht und Philosophie geht der Weg über das christliche Mittelalter in die Rechtsentfaltung der Aufklärungszeit bis hin zur Erklärung der Menschenrechte und bis zu unserem deutschen Grundgesetz, mit dem sich unser Volk 1949 zu den „unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt“ bekannt hat.

Für die Entwicklung des Rechts und für die Entwicklung der Humanität war es entscheidend, daß sich die christlichen Theologen gegen das vom Götterglauben geforderte religiöse Recht auf die Seite der Philosophie gestellt, Vernunft und Natur in ihrem Zueinander als die für alle gültige Rechtsquelle anerkannt haben. Diesen Entscheid hatte schon Paulus im Brief an die Römer vollzogen, wenn er sagt: „Wenn Heiden, die das Gesetz (die Tora Israels) nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist, so sind sie… sich selbst Gesetz. Sie zeigen damit, daß ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab…“ (Röm 2,14f). Hier erscheinen die beiden Grundbegriffe Natur und Gewissen, wobei Gewissen nichts anderes ist als das hörende Herz Salomons, als die der Sprache des Seins geöffnete Vernunft. Wenn damit bis in die Zeit der Aufklärung, der Menschenrechtserklärung nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Gestaltung unseres Grundgesetzes die Frage nach den Grundlagen der Gesetzgebung geklärt schien, so hat sich im letzten halben Jahrhundert eine dramatische Veränderung der Situation zugetragen. Der Gedanke des Naturrechts gilt heute als eine katholische Sonderlehre, über die außerhalb des katholischen Raums zu diskutieren nicht lohnen würde, so daß man sich schon beinahe schämt, das Wort überhaupt zu erwähnen. Ich möchte kurz andeuten, wieso diese Situation entstanden ist. Grundlegend ist zunächst die These, daß zwischen Sein und Sollen ein unüberbrückbarer Graben bestehe. Aus Sein könne kein Sollen folgen, weil es sich da um zwei völlig verschiedene Bereiche handle. Der Grund dafür ist das inzwischen fast allgemein angenommene positivistische Verständnis von Natur und Vernunft. Wenn man die Natur – mit den Worten von H. Kelsen – als „ein Aggregat von als Ursache und Wirkung miteinander verbundenen Seinstatsachen“ ansieht, dann kann aus ihr in der Tat keine irgendwie geartete ethische Weisung hervorgehen. Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Naturwissenschaft sie erklärt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen, sondern wiederum nur funktionale Antworten hervorrufen. Das gleiche gilt aber auch für die Vernunft in einem positivistischen, weithin als allein wissenschaftlich angesehenen Verständnis. Was nicht verifizierbar oder falsifizierbar ist, gehört danach nicht in den Bereich der Vernunft im strengen Sinn. Deshalb müssen Ethos und Religion dem Raum des Subjektiven zugewiesen werden und fallen aus dem Bereich der Vernunft im strengen Sinn des Wortes heraus. Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewußtsein weithin der Fall –, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt. Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede ist.

Das positivistische Konzept von Natur und Vernunft, die positivistische Weltsicht als Ganzes ist ein großartiger Teil menschlichen Erkennens und menschlichen Könnens, auf die wir keinesfalls verzichten dürfen. Aber es ist nicht selbst als Ganzes eine dem Menschsein in seiner Weite entsprechende und genügende Kultur. Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht und alle anderen kulturellen Realitäten in den Status der Subkultur verbannt, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit. Ich sage das gerade im Hinblick auf Europa, in dem weite Kreise versuchen, nur den Positivismus als gemeinsame Kultur und als gemeinsame Grundlage für die Rechtsbildung anzuerkennen, alle übrigen Einsichten und Werte unserer Kultur in den Status einer Subkultur verwiesen und damit Europa gegenüber den anderen Kulturen der Welt in einen Status der Kulturlosigkeit gerückt und zugleich extremistische und radikale Strömungen herausgefordert werden. Die sich exklusiv gebende positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen kann, gleicht den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen. Und dabei können wir uns doch nicht verbergen, daß wir in dieser selbstgemachten Welt im stillen doch aus den Vorräten Gottes schöpfen, die wir zu unseren Produkten umgestalten. Die Fenster müssen wieder aufgerissen werden, wir müssen wieder die Weite der Welt, den Himmel und die Erde sehen und all dies recht zu gebrauchen lernen.

Aber wie geht das? Wie finden wir in die Weite, ins Ganze? Wie kann die Vernunft wieder ihre Größe finden, ohne ins Irrationale abzugleiten? Wie kann die Natur wieder in ihrer wahren Tiefe, in ihrem Anspruch und mit ihrer Weisung erscheinen? Ich erinnere an einen Vorgang in der jüngeren politischen Geschichte, in der Hoffnung, nicht allzusehr mißverstanden zu werden und nicht zu viele einseitige Polemiken hervorzurufen. Ich würde sagen, daß das Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht überhören darf und nicht beiseite schieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet. Jungen Menschen war bewußt geworden, daß irgend etwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Daß Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern daß die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen. Es ist wohl klar, daß ich hier nicht Propaganda für eine bestimmte politische Partei mache – nichts liegt mir ferner als dies. Wenn in unserem Umgang mit der Wirklichkeit etwas nicht stimmt, dann müssen wir alle ernstlich über das Ganze nachdenken und sind alle auf die Frage nach den Grundlagen unserer Kultur überhaupt verwiesen. Erlauben Sie mir, bitte, daß ich noch einen Augenblick bei diesem Punkt bleibe. Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten. Ich möchte aber nachdrücklich einen Punkt noch ansprechen, der nach wie vor weitgehend ausgeklammert wird: Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muß und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.

Kehren wir zurück zu den Grundbegriffen Natur und Vernunft, von denen wir ausgegangen waren. Der große Theoretiker des Rechtspositivismus, Kelsen, hat im Alter von 84 Jahren – 1965 – den Dualismus von Sein und Sollen aufgegeben. Er hatte gesagt, daß Normen nur aus dem Willen kommen können. Die Natur könnte folglich Normen nur enthalten, wenn ein Wille diese Normen in sie hineingelegt hat. Dies wiederum würde einen Schöpfergott voraussetzen, dessen Wille in die Natur miteingegangen ist. „Über die Wahrheit dieses Glaubens zu diskutieren, ist völlig aussichtslos“, bemerkt er dazu. Wirklich? – möchte ich fragen. Ist es wirklich sinnlos zu bedenken, ob die objektive Vernunft, die sich in der Natur zeigt, nicht eine schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus voraussetzt?

An dieser Stelle müßte uns das kulturelle Erbe Europas zu Hilfe kommen. Von der Überzeugung eines Schöpfergottes her ist die Idee der Menschenrechte, die Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde in jedem einzelnen Menschen und das Wissen um die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln entwickelt worden. Diese Erkenntnisse der Vernunft bilden unser kulturelles Gedächtnis. Es zu ignorieren oder als bloße Vergangenheit zu betrachten, wäre eine Amputation unserer Kultur insgesamt und würde sie ihrer Ganzheit berauben. Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die innere Identität Europas. Sie hat im Bewußtsein der Verantwortung des Menschen vor Gott und in der Anerkenntnis der unantastbaren Würde des Menschen, eines jeden Menschen Maßstäbe des Rechts gesetzt, die zu verteidigen uns in unserer historischen Stunde aufgegeben ist.

Dem jungen König Salomon ist in der Stunde seiner Amtsübernahme eine Bitte freigestellt worden. Wie wäre es, wenn uns, den Gesetzgebern von heute, eine Bitte freigestellt wäre? Was würden wir erbitten? Ich denke, auch heute könnten wir letztlich nichts anderes wünschen als ein hörendes Herz – die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit![/spoiler]
Quelle

Nee, mal ernsthaft! Der Fanatismus von Frollein Elter hat wohl nur wenig mit dem Alter zu tun. Beklemmend fand ich nur, dass sie die unagenehmen Tatsachen, die Niedecken und Domian vortrugen nach einem kurzen Moment des verwirrten Stotterns mit wortreich vorgetragenem, sachfremdem Transzendentalismus wegzuwischen sucht.

Also ich kann mit der Frau nur eines assoziieren-einen 81-jährigen Geisterfahrer, aber Du hast schon Recht man muss nicht alt werden um so bescheuert zu sein. Im Übrigen bin ich deiner Meinung, das Bückstück sollte mal zu einer Gang-Bang-Swingerparty gehen, danach ist sie vielleicht ein bißchen entspannter.

Für die Sprecherin der Generation Benny scheinen ein Hochamt und drei Hosianna schwerer zu wiegen als Missbrauch und Vertuschung.

Ich sehe diese Person nicht als Repräsentantin einer ganzen Generation Benny, die war wohl das schlimmste Kaliber was sie ausgraben konnten. Die Basis denkt da ganz anders drüber. Das Religion einen nicht zum besseren Menschen macht, sondern religiöse Werte die Delinquenz eher fördern, haben schon Studien bewiesen. Wozu eigentlich eine Studie für diesen Mist? Aber es liegt wohl in der Natur des Menschen, das Offensichtlichste auch noch mit einer Studie beweisen zu müssen. Man kann sich hinter religiösen Ämtern aber ganz gut verstecken, vor Allem wenn man komische sexuelle Neigungen hat. Das ist wie mit den Richtern, Anwälten und Ärzten die sich gern mal rumänische Kinder in ihrem Keller halten.

@KingMö
Danke für das posten der Rede. Live aus Ratzingers Munde wollte ich es mir gestern nicht antun.

Fazit:
Im Endeffekt das übliche katholische Missionierungsprogramm, nur halt rhetorisch etwas auf unmerklich getrimmt, damit es nicht zu offensichtlich rüberkommt.
Im Endeffekt aber auch harmlos. Viel Lärm um nichts.
Bei seinen kritisch zu betrachtenden Ansichten und „salomonischen Urteilen“ bleibt er unkonkret genug, um die Demonstranten draußen nicht empört aufschreien zu lassen.

Z.B.:

Wir Deutsche wissen es aus eigener Erfahrung, daß diese Worte nicht ein leeres Schreckgespenst sind. Wir haben erlebt, daß Macht von Recht getrennt wurde, daß Macht gegen Recht stand, das Recht zertreten hat und daß der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde – zu einer sehr gut organisierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Abgrunds treiben konnte.

Hier nennt er natürlich dieses gefährliche Schreckgespenst bewusst nicht beim Namen. Er meint natürlich das internationale Finanzjudentum. :mrgreen:

Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht und alle anderen kulturellen Realitäten in den Status der Subkultur verbannt, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit. Ich sage das gerade im Hinblick auf Europa, in dem weite Kreise versuchen, nur den Positivismus als gemeinsame Kultur und als gemeinsame Grundlage für die Rechtsbildung anzuerkennen, alle übrigen Einsichten und Werte unserer Kultur in den Status einer Subkultur verwiesen und damit Europa gegenüber den anderen Kulturen der Welt in einen Status der Kulturlosigkeit gerückt und zugleich extremistische und radikale Strömungen herausgefordert werden. Die sich exklusiv gebende positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen kann, gleicht den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen. Und dabei können wir uns doch nicht verbergen, daß wir in dieser selbstgemachten Welt im stillen doch aus den Vorräten Gottes schöpfen, die wir zu unseren Produkten umgestalten.

Was er im Grunde genommen sagt ist, dass eine ausschließlich auf Vernunft und den Werten der Aufklärung fußende Gesellschaft keine kulturellen Werte hervorbringen kann, dass sozusagen ohne die christlichen Werte ein kulturelles Vakuum entsteht, welches uns vor den „heidnischen“ Zivilisationen ringsum schwach erscheinen lässt und dadurch von Extremisten ausgenutzt werden könnte.

Er scheint uns davor warnen zu wollen eine Exklusivität in Sachen Werten und Normen zu zelebrieren, während der Rest der Welt auf „Gott“ setzt. Eigentlich widerspricht er sich in dem Punkt mit seiner am Anfang seiner Rede postulierten These selber, nämlich, dass man die Wahrheit auch gegen verblendete Mehrheiten verteidigen sollte.

Und witzig finde ich auch seinen Vergleich, dass die reine und nichts als die reine Vernunft einem Betonbau ohne Fenster entspricht. Also ich dachte Steinbauten, die einen Blick nach draußen verwehren, kennt man gemeinhin als Kathedralen, Kirchen, Moscheen, Synagogen, sprich die Gotteshäuser der abrahamitisch kurzsichtigen Zeitgenossen.

Schön finde ich, dass er die Umweltbewegungen zu den zwar berechtigten aber nicht-rationalen Dingen gepackt hat. Als sei Naturschutz nicht auch rational erklärbar.

Jungen Menschen war bewußt geworden, daß irgend etwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Daß Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern daß die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen.

Und ich verstehe auch weiterhin nicht, was er genau möchte:

Will er, dass die Gesetzgeber nicht mehr nur „rational“ entscheiden, sondern auch nach Gefühl? Dass unsere Kultur nicht nur positivistisch sein sollte ist keine Frage. Aber unsere Gesetze wieder von persönlichen Empfindungen mit abhängig machen? Da kommt man aber schnell wieder zu unnötigen Einschränkungen der Menschenrechte.

Er hätte seinen Wunsch stärker auf die Fälle beschränken sollen, wo es tatsächlich Probleme gibt, weil rational betrachtet verschiedene Lösungen in Frage kommen.