ntv-Dokumentation "Die Geisterjäger" am 3.06.2009

Über das Niveau von Dokumentationen auf den Privatsendern ist in diesem Forum schon viel geschrieben worden, insbesondere über jene auf ntv und N24. Von diesen Dokumentationen sind wir gewohnt, das sie keinen echten Bildungswert haben und Informationen bieten, mit denen man höchstens bei Stammtischen angeben kann. Dies sieht man schon allein daran, daß die Auswahl der Themen für eine tiefergehende wissenschaftliche Besprechung ungeeignet sind (z.B. Elitesoldaten, schwere Baugeräte, neuartige Waffen). Übermäßig häufig werden für diese Dokumentationen auch Themen aus den Bereichen Esoterik oder Parapsychologie gewählt. Bisher habe ich solche Dokumentationen nicht kritisiert, da ich zum einen hier die Verantwortung auf der Seite des Zuschauers gesehen habe, der sich nun einmal zu entscheiden hat, was für ihn sinnvolle Information darstellt. Zum anderen bin ich davon ausgegangen, daß es kein Sender wagen würde, in einer Dokumentation die Meinung von “Parapsychologen” unkommentiert als objektiv richtig auszugeben. Mit der Sendung, die ich gestern sehen mußte, ist meiner Meinung nach diese Grenze überschritten worden.

Der Inhalt der Sendung ist kurz darzustellen: Ein Team von “Geisterjägern” in den USA dokumentieren Spukphänomene und versuchen diese zu erklären. Zu diesem Zweck setzen sie Geräte wie Sensoren für elektromagnetische Felder, Diktiergeräte und Kameras ein. Ein “Medium” im Team versucht dann Kontakt mit dem Geist aufzunehmen. Sie wurden an insgesamt drei Orten in den USA begleitet.

An der Darstellung in dieser Sendung hat mich vor allem folgendes gestört:

  1. Der Zuschauer erfährt so gut wie nichts über die Personen im Team. Was haben sie studiert oder gelernt, also haben die das nötige Fachwissen für ihre Untersuchungen? Arbeiten sie in einem universitären oder privaten Institut oder ist ihre Arbeit gar bloß ein Hobby? Schreiben sie Veröffentlichung und wie werden diese rezipiert? Alles Fragen, die sich ein Zuschauer stellt, wenn er sich nach der Seriosität dieser “Experten” fragt. (Im Laufe der Sendung wurde dagegen deutlich genug, daß es sich hier nicht um akademische Forscher handeln kann.)

  2. Die Methoden mit denen gearbeitet wurde, wurden in keiner Weise erklärt oder bewertet durch die Macher der Sendung. Hier springt jedem halbwegs gebildeten Zuschauer ins Auge, das diese für seriöse Forschung ungeeignet sind. Wer Rauschen von Tonbändern mit voller Lautstärke abspielt und Kameras Rückkopplungen aufzeichnen läßt, wird aufgrund von wahrnehmungspsychologischen Effekten mit Sicherheit etwas erkennen, was menschlicher Stimme bzw. menschlichen Gestalten ähnelt. Außerdem ist ein “Medium” als Meßinstrument, das objektive Daten liefern soll, völlig ungeeignet. Am lächerlichsten war das Phantombild eines Mädchens, das nach den Beschreibungen des Mediums gezeichnet wurde und das eher einem expressionistischen Gemälde glich, in dem man wohl sehr viele Personen wiedererkennen könnte.

  3. Insgesamt wurden die Vorgänge kaum kommentiert, lediglich gegen Ende wurde eingestreut, daß man sicher nicht sicher sei, ob hier ein Beweis für die Existenz von Geistern gefunden wurde.

Meine Kritik zielt vor allem darauf, daß man offensichtlichen Humbug in einer sehr zurückhaltenden Weise kommentiert hat, so daß dies von manchen Menschen für bare Münze genommen werden könnte. Welche pädagogischen Wirkungen dies auf Kinder, Jugendliche und ungebildete Leute mit einem schon vorhandenen Bedürfnis, an Geister zu glauben, haben kann, muß ich wohl nicht erklären. Andere Sendungen, die sich zum Exzess mit Parapsychologie beschäftigt haben wie “Galileo Mystery” haben sich wenigstens um eine dialektische Darstellung bemüht, indem auch Experten aus den empirischen Wissenschaften befragt wurden, die solche Vorgehensweisen als objektiv falsch erweisen konnten. Hier gab es nicht einmal Ansätze dazu. Die Sendung hat es meiner Meinung nach verdient, vom Fernsehkritiker verrissen zu werden – ich befürchte nur, daß es zu wenige komische Momente gab, die man auf die Schippe nehmen kann.

Hallo,

interessanter Beitrag. Aber diese Sendung zu verreißen, wäre thematisch verfehlt. Es handelt sich hierbei lediglich um die aus den USA eingekaufte Reihe: „Legend Hunters“ des Discovery Channels, wie ich nach ein wenig Recherche erfuhr. Diese Episode hieß im Original: „Legend Hunters: Ghosts“
http://www.amazon.com/s/ref=nb_ss_d?url … de&x=0&y=0

Die Ammis fahren auch voll auf „Ghost Hunters“ des SCI FI Channels ab, das in die gleiche Kerbe schlägt. Auch wenn ich nur einen Ausschnitt auf youtube gesehen habe, gebe ich dir Recht. Es wird sich wohl um Doku handeln, die mehr Wert auf einen hohen Schauwert liegt als auf harte Fakten. Gelangweilt wirst auch du sicher sicher nicht haben, oder?

Hier ein Auszug eines enttäuschten Kunden zur DVD-Episode:Legend Hunters - Irokesen-Mythos:
„If you are delving into Iroquois mythology this is a dead end road. If you are a spook enthusiast or are fascinated by the unexplainable/supernatural then this is very interesting and would be a good DVD for you.“

Para-Psychologie lädt natürlich auch dazu ein, auf Optik und Effekthascherei ohne echte Informationen zu setzen. Das ist vermutlich auch einfacher als das professionelle Durchführen verschiedener Tests und das Sammeln von wertvoller Informationen und Beweise für die aufgestellten Theorien. Vermutlich würden dann auch weniger zuschauen, da eine weniger reizerische Inzenierung den Gewohnheitszuschauer verschrecken würde …

Gelangweilt habe ich mich tatsächlich nicht während der Sendung, aber vor allem deswegen, weil ich untersuchen wollte, wie in dieser Sendung mit dem Thema Geister und Spuk umgegangen wird. Hätte ich dieses Interesse nicht gehabt, dann hätte ich auch keinen Grund gehabt, die Sendung anzuschauen. Das Thema Parapsychologie an sich interessiert mich nur noch, wenn ich ein paar ausgewählte Experten dazu reden höre (z.B. James Randi, Walter von Lucadou), bei denen ich (auch nur ein bißchen) methodische Kompetenz erkennen kann.

Die Tatsache, daß diese Sendung nicht als seriöse Dokumentation von ihren Machern intendiert war, läßt für mich das Ganze noch viel schlimmer erscheinen, da ntv diese ohne darauf hinzuweisen zu einer Sendezeit untergebracht hat, wo der Zuschauer sonst ernsthafte (wenn auch nicht immer tiefschürfende) Dokumentationen zu sehen bekommt. Das führt zu dem Fehlschluß, der mir ja auch passiert ist.

Die Existenz parapsychologischer Phänomene zu belegen ist tatsächlich schwierig. Es benötigt jedoch nur die Meinung eines nicht einmal spezialisierten Psychologen oder Physikers, um deren Existenz zu widerlegen. Stoff für eine wissenschaftliche Dokumentation läßt sich also durchaus auftreiben. Diese hätte sogar einen pädagogischen Wert, da sie die Zuschauer befähigen könnte, die Tricks von Scharlatanen und Pseudowissenschaftlern zu durchschauen.