N24 - Schuhmachers Woche

Hallo,

heute beim Frühstück ist mir zuerst vor Entsetzen und dann vor Lachen beinahe der Belag vom Brötchen gefallen.
N24 scheint ein neues Format auszuprobieren: “Schuhmachers Woche”

http://www.n24.de/news/newsitem_6510819.html?id=1011636&autoplay=true (3 min)
(Keine Ahnung, wie lange es online bleibt, kann es nicht von der Seite extrahieren)

Das Format scheint neu zu sein, da die aktuelle Ausgabe der einzige Treffer auf der Seite von N24 zum Thema “Schuhmachers Woche ist”. Laut Wikipedia war Schuhmacher neben Hans-Hermann Tiedje Host der Talkshow “Links-Rechts” bei N24.

Synopsis:
Ein Jürgen Drews-Verschnitt (Hajo Schuhmacher) fasst die Geschehnisse der Woche in bester Michael-Kneisler-Manier zusammen. Statt der bei Kneisler üblichen ADHS-Prominenz zieht er über tatsächlich relevante Personen des Zeitgeschehens (Wolfgang Schäuble, Julian Assange, …) her, was ja lustig wäre, hätte die Sendung einen satirischen Unterton. Sie ist aber genau so unterirdisch wie das Pro7-Pendant bei taff. Allerdings läuft Schuhmacher nicht in der Boulevard-Happy-Hour, sondern als MAZ in oder Follow-Up nach den Hauptnachrichten (sorry, so aktiv habe ich nicht aufgepasst, wie es in den Programmablauf eingebunden war, werde versuchen, heute nochmal drauf zu achten).

Konkrete Kritikpunkte:

  • Gewinner- & Verlierersektion in bester BILD Manier.
  • Ziemlich unterirdisches Assange-Bashing in der Verlierersektion verbunden mit der kollossalen Fehleinschätzung, dass Assange (und damit implizit Wikileaks) aus der Haft heraus nichts mehr bewegen könne. Impliziert hierarchische Struktur von Wikileaks (Assange == “Chef”, nicht Gründer). Ansatz für Humor wäre Schuhmachers Aussage: “Hinter Gittern werden Volkshelden ziemlich schnell grau” -> grau war er schon vorher und es hat Wikileaks nicht geschadet http://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Assange
  • Alles, was bei Kneisler schon schlimm ist, verstärkt durch Schuhmachers Auftreten im Kontext und zu Themen der Hauptnachrichten

Comic Relief:

Das Thema würde sich meiner Meinung nach gut in Kurz kommentiert machen, mit dem Comic Relief am Ende.

Mich interessiert dabei mal folgendes:

Wenn er nun statt “Assange-Bashing”, “Bush-Bashing” betrieben haette, sagen wir in Bezug auf dessen Buch, waere deine Kritik dann auch so ausgefallen?

Oder wenn er den USA die Schuld am (voraussichtlichen) Scheitern des Klimagipfels in Cancun gegeben haette weil diese Ignorante Egoisten sind?

Waere dir dann auch erst vor Entsetzen und dann vor Lachen der Belag vom Broetchen gefallen? Oder waere dann das ganze Broetchen durch den morgendlichen Fruehstuecksraum geflogen weil du beide Haende zum Klatschen gebraucht haettest?

Kurze Antwort in Reihenfolge der Fragen:
Ja. Ja. Ja. Nein.

Lange Antwort:
Meine Emotionen und die Motivation zu dem obigen Posting basieren auf dem Format, der Platzierung im Programm und dem Protagonisten. Da das Format traditionell falsche oder mindestens fragwürdige Inhalte mit sich bringt, wäre es wohl zu jedem Thema ein Leichtes gewesen, Kritik zu üben. Z.B. sehe ich auch seine Ausführungen zu Schäuble oder Henkel eher durch die Finger meiner Hand im Gesicht.

Für das Thema Wikileaks bin ich derzeit sensibilisiert, weil da von den Medien, die nicht in vorderster Reihe mitleaken dürfen, massiv Desinformation betrieben wird. Darum habe ich die Anmerkung zu Assange etwas umfänglicher gestrickt.

Das alles ändert natürlich nichts daran, dass Herr Bush und die Lebensart der VSA mindestens genauso brechreizverursachend sind, wie andere fundamentalistische Suppressionsstaaten und Terroristen. Trotzdem hätte ich “Schuhmanns Woche” auch mit Bush / VSA als Verlierer kritisiert. Vielleicht sogar die Begründung, warum Bush / VSA Verlierer sind, weil diese sicherlich auf unwichtige Kleinigkeiten abgezielt hätte, statt die grossen Verbrechen.

Womit die Frage aufkaeme wieso du dann nicht schonmal etwas zu seinen Kommentaren ueber Schaeuble oder Henkel gepostet hast. Dein letzter Absatz klaert da mehr als der erste. Aber lassen wir das…

Vielleicht solltest du einfach mal die Definition von Kommentar nachschlagen. Wikipedia scheint ja fuer dich ein grosser Informationslieferant zu sein, moeglicherweise bringt es auch hier Licht ins Dunkel…

Dann klaert sich vielleicht auch die Frage wie ein Kommentar einen falschen Inhalt haben kann.

Ich habe nicht zu allen Kommentaren was gepostet, weil ich

  1. Den Fernsehkritiker erstmal teasen wollte und dafür sind umfängliche Referate nun mal untauglich und
  2. weil ich für Assange die Kritik aus dem Ärmel schütteln konnte, wobei ich wegen Schäuble erst den Quellen (der Preis, dessen Renomee, Begründung der Verleihung, …) und bei Henkel der Person (Background, ich nehme ihn erst seit einigen Tagen in den Medien wahr) hinterher hätte suchen müssen - etwas viel Aufwand für einen schnellen Teaser, von dem ich nicht weiss ob er fruchtet. Wenn Interesse seitens des Fernsehkritikers besteht, kann man das vertiefen, obwohl er da wohl schon aus dem Stehgreif mehr wissen wird als ich in einer Stunde nachschlagen kann.

Ja, ich bin kein unkritischer Fan der VSA. Wie sehr viele andere kritische Menschen auch.

Die Deklaration eines Kommentars als Kommentar macht ihn nicht für Kritik unangreifbar. Deal with it. 8)

Dass ich auf einen Wikipedia-Artikel verlinke - der CC-liezensierten Bilder wegen, um einen Scherz zu untermauern - benutzt du, um im Subtext meine Medienkompetenz in frage zu stellen. Das wollte ich dir erst übel nehmen, aber dann sind mir dein Nick und dein Avatar aufgefallen. Die habe ich zwar vor der ersten Antwort nicht wahrgenommen, aber von deiner Seite aus muss mein Seitenhieb auf den half of north american way of life wie ein persönlicher Angriff gewirkt haben. In dem Kontext: Touché (auch wenns nicht beabsichtigt war ;))

Ich würde mir wünschen, dass die Diskussion hier von der Metaebene, auf der wir gegenseitig über unsere Beweggründe und Kompetenzen mutmaßen, abrückt und sich auf die (positive oder negative) Kritik von “Schuhmans Woche” fokussiert.

Danke.

Ich hab den Fuzzi auch gesehn.Das erste was ich dachte,ob der angetrunken sei.Der kam mir nicht ganz koscher vor.
Und seine Kommentare über Assange machten mich nur wütend.Gefasel eines Idioten der grade wohl vom n24 weihnachtsfest kam,inkl einiger grogs inne.
Mein Fazit:Ein Schwachmat der nicht auf den Bildschirm gehört.

Ja, der Rechercheaufwand…verstehe.

Nur der Klarstellung wegen: Auf Wikipedia hab ich angespielt weil du in deinem Eingangstext schon ganz deutlich auf Wikipedia verweist. Wie auch immer.

Ich habe gar kein Problem damit bzw. kann sehr gut damit ‘dealen’ das Kommentare kritisiert werden koennen. Nur nicht eingeordnet in den Kontext einer, wie auch immer gearteten, “medialen Desinformation” oder gar deklariert als “Falschinformation”.

Wie dir sicher bekannt sein sollte ist ein Kommentar eine persoenliche Meinung, die kann man kritisieren und soll das auch. Man kann auch anderer Meinung sein. Aber taugt es als Fernsehkritik? Aus meiner Sicht nicht.

Da hat sich der Kritiker mit dem hier so viel diskutierten Tagesschau Kommentar schon keinen Gefallen getan. Es ist nunmal die persoenliche Meinung des kommentierenden. Da gibt es kein wahr oder falsch. Und oft genug werden hier nunmal besonders die Kommentare als besonders “kritikwuerdig” bezeichnet die nicht der eigenen politischen Meinung entsprechen. Da sollte sich jeder mal hinterfragen, ob das wohl der richtige Weg ist.

Was waere denn die Konsequenz?

Unabhängig von den konkreten Inhalten ist sowohl das arrogante und skurrile Auftreten Schuhmachers sowie die polarisierende und stark vereinfachte Kategorisierung von Themen schon genug Stoff zum Fremdschämen. Siehe auch den Kommentar von KongoOtto, der muss nicht mal auf die Inhalte eingehen um sein Problem mit der Sendung glaubhaft aufzuzeigen. Der relativ hohe Anteil von Belanglosigkeiten (der Schäuble-Beitrag ist ne ziemliche Nebelkerze), Halb- und Unwahrheiten (siehe Assange) ist nur der Sahnehaufen auf der sowieso schon gerechtfertigten Kritik.

Schuhmacher ist wie Kneisler in nem anderen Millieu. Kneisler war in FK.TV erwähnenswert. Schuhmacher ist die Steigerung, weil er Kneislers Niveau in eine ‘seriösere’ Umgebung trägt, womit ein weiterer Meilenstein im Qualitätsverfall des Fernsehens erreicht ist. Kritikwürdig? Ja!

Metadiskussion:
Gnampf, hast recht, dass ich Wikipedia zweimal referenziert habe. Hängt aber direkt mit dem Rechercheaufwand zusammen. Eine ordentliche Recherche ist eben mehr als Wikipedia und Google Top 10, darum habe ich die Themen, bei denen ich unsicher war erstmal gelassen und um zu Schuhman den Kontext zu finden nur den Billigsten Weg gewählt.
So viel zur Metadiskussion über unsere Personen.

Sind Kommentare - speziell dieser - Kritikwürdig? Ich finde: ja.
Auch wenn eine Meinung als Kommentar deklariert ist, ist es auffällig, wenn die publizierten Meinungen innerhalb eines Medienkonglomerats (hier: Pro7 / Springer) sehr homogen sind. Dass da eine Absicht dahinter steckt ist nicht ganz abwegig. Das Vertrauen, das in die Richtigkeit der anhängenden Nachrichtensendung gesetzt wird, schwappt sicherlich auch teilweise in den Kommentar über. Wenn dieser heterogen ausfällt, bitteschön. Sixtus und Lobo, Kienzle und Hauser, gerne. Aber Pro7 / Springer haben hier eindeutig einen Bias.
Kommentare ohne Gegenkommentar sind in Broadcastmedien wie Radio, Fernsehen oder Zeitung sehr problematisch. Solange es keinen öffentlich einsehbaren und auch stark frequentierten Rückkanal gibt, ist Meinung für den unbedarften Zuschauer de facto Fakt.
Und jetzt frag bitte nicht, warum ich den Spiegel nicht für seinen Bias in die andere Richtung anfrotzle und versuche daraus eine Bestätigung deiner These, mein Urteil über Schuhmann entspringe meiner politischen Meinung. Das hier ist Fernsehkritik.
So viel zur Metadiskussion über Kritikwürdigkeit von Kommentaren.

Ne kleine Frage hätte ich noch:
Kann es eventuell - mit einer klitzekleinen Wahrscheinlichkeit - sein, dass deine politische Meinung dich dazu bringt, meinen Vorschlag auf jeden Fall unabhängig vom Gegenstand des Vorschlags zu zerreissen? Nur mal so nebenbei, weil mir auffällt, dass du bis jetzt noch nicht einmal auf die Sendung eingegangen bist, sondern mir immer nur mit Allgemeinposten an die Karre fährst ^^

Wahrscheinlich habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrueckt.

Mir geht es nicht um die Sendung. Sei sie so oder so. Ob nun Schuhmacher oder Sara Wagenknecht einen Wochenkommentar verfassen ist mir egal. Ich respektiere dies als persoenliche Meinungsaeusserung.

Welches Fernsehkonglomerat mit welcher Intention man da nun am Werke sieht ist davon voellig unabhaengig. Jeder Sender hat seine Agenda. Und das ist auch kein Problem, solange Nachrichten als Nachrichten geschehen und Kommentare als Kommentare gekennzeichnet werden. Denn dann wird ersichtlich das es sich hier nun um eine persoenliche Meinungaeusserung handelt.

Du hast also recht. Meine politische Meinung ist der Grund fuer meine Kritik. Da ich der Meinung bin Meinungsfreiheit sollte man auch denen zugestehen mit denen man inhaltlich nicht uebereinstimmt. Deswegen fragte ich dich auch nach der Konsequenz. Was ist sie also? Sollen nun unliebsame Meinungen nicht mehr gesendet werden? Warum? Weil du sie fuer polemisch oder schlecht recherchiert haelst? Wer entscheidet das denn?

Dazu ueber dies nachzudenken wollte ich mal anregen.

Schon wieder Metaebene, aber dein Argument zieht nicht.

Meinungsfreiheit != Deutungshoheit

Es hat mit freier Meinungsäußerung wenig zu tun, wenn man im Ferhsehen unreflektiert und unkorrigiert objektiv falsche Dinge sagen darf. Das Fehlen eines Korrektivs führt zu Faktenmacherei, weil die Meinung dann plausibel erscheint und von Vielen übernommen wird. So wird aus einer Menge unwiedersprochener Meinungen eine subjektiv empfundene Wahrheit. Geschieht die Streuung homogener Meinungen gesteuert im durch eine Instanz, hat diese Instanz die Deutungshoheit. Genau mit dieser fadenscheinigen Ausrede (Meinungs-, wahlweise auch Pressefreiheit) wieselt sich die BILD seit Ewigkeiten durch alle juristischen Instanzen. Und wenn du jetzt den mündigen und informierten Zuschauer postulieren willst: Das tut 9Live auch (pseudoquote: “Die Leute, die Anrufen, wissen doch, was sie tun! Die sind aufgeklärt!”).

Solange Lieschen Müller nicht einfach zu N24 marschieren und Sendezeit für ihre Meinung einfordern kann, ist das keine Meinungsfreiheit, sondern -mache.

Jetzt komm doch mal zu der Sendung. Findest du das eher gutes oder schlechtes Fernsehen? Vorbildwirkung? Nützlich? Lehrreich? Informativ?