N24 "Delete - Spurlos verschwinden"

Auf N24 lief gerade eine richtig schöne Trash-Panikmache-Reportage mit dem schönen Titel „Delete - Spurlos verschwinden“.

Es geht darum, eine neue Identität aufzubauen und sein altes Leben quasi zu löschen.

Die Kernaussage dieses Formats lautet:
Jedermann wird rund um die Uhr überwacht, und kann jederzeit überall geortet werden.

So kann man z.B. anhand seiner Autoreifen geortet werden, man wird von seinem Navi belauscht, und man sollte immer im Schlafsack schlafen da Bettwäsche DNS nur so ansaugt.
Seinen Namen für die neue Identität soll man offiziell beim Amt ändern lassen.
Das ist aber ok, sofern man den neuen Ausweis auch schön in Alufolie einwickelt, sonst kann man ja geortet werden.
Wenn man eine Mütze mit LED-Leuchten anzieht, kann man auch im dunkeln nicht von versteckten Überwachungskameras gefilmt werden.
Auch muss man seine Essgewohnheiten umstellen und alle Lebensmittel in Plastikdosen umfüllen, da man sonst - natürlich - durch die Packungen geortet wird.

Das waren jetzt nur einige Beispiele.
Vielleicht wäre das ja was für die nächste Folge. :expressionless:

Hier ist das komplette Video zu finden: http://www.n24.de/mediathek/technik-und … 90643.html

Natürlich darf bei solchen Paranoia-Dödel-Dokus auch die beliebte Handy-Ortung per Triangulation nicht fehlen, wobei man über drei Mobilfunksender das betreffende Mobiltelefon genau lokalisieren können soll - was bei den üblichen GSM-Netzen so aber ohne weitere Maßnahmen nicht funktioniert weil dieses System zellenbasiert ist und damit nur eine grobe Ortung auf Zellengrösse zulässt (http://de.wikipedia.org/wiki/GSM-Ortung). Eine präzise Ortung wäre nur möglich wenn man sich an einem Punkt aufhält wo sich mindestens drei Zellen überschneiden und man dauernd zwischen diesen wechseln würde.

Der gleiche Bullshit wird aber auch gerne in Krimis gezeigt wenn sich das Handy des Observierten als Punkt auf der Karte der Fahnder bewegt … :smt005

Das ist aber ok, sofern man den neuen Ausweis auch schön in Alufolie einwickelt, sonst kann man ja geortet werden.

Der Tip ist zumindest erstaunlich da es sich um eine Doku aus den USA handelt wo die Einwohner ja gar keinen richtigen Ausweis haben … :smt017

Ich habe mir das angesehen und dachte mir die ganze zeit: Warum flüchtet der eigentlich, und vor wem?
Da gibt es ja zwei Möglichkeiten:

  1. Eine Privatperson (z.b. ein Auftragsmörder) ist hinter einem her. Dann würde ich mich allerdings nicht über Jahre verstecken wollen, sondern die Polizei informieren.
  2. Der Staat selber ist hinter einem her (z.b. weil man beschuldigt wird eine Straftat begangen zu haben wie bei „Auf der Flucht“). In diesem Fall ist es nicht Ratsam zu einer Behörde zu gehen und sich offiziell einen anderen Namen geben zu lassen.

Außerdem ist mir noch ein Fehler aufgefallen. In den USA wird ziemlich viel mit Kreditkarte bezahlt. Der Flüchtende zahlt natürlich in Bar. So schlau wird auch jeder Verfolger sein und nachdem er die Gegend eingeengt hat in der er suchen kann wird er dort einfach alle Hotels abklappern und bei den Rezeptionisten nachfragen wer mit einer größeren summe Bargeld bezahlt hat. In den USA fällt das bestimmt auf. (in Europa denke ich könnte man so ganz gut untertauchen).

Der Flüchtende benutzt natürlich nicht sein eigenes Auto, sondern er kauft oder mietet sich ein neues. Ich kenne die Vorschriften in den USA dazu nicht, aber in Deutschland muss man ein Auto anmelden, mit Namen. Und wenn man ein Auto Mietet wird auch der Name und Führerschein erfasst. Anonym an ein Auto zu kommen bedeutet das man es klauen müsste, oder ein Guter freund (der einen verraten könnte, daher ein zu großes Risiko) stellt es zur Verfügung.
Wer Ohne Anmeldung fährt der fällt ja auch auf und wird garantiert vom nächsten Polizeiauto angehalten.

Überhaupt benimmt er sich ziemlich auffällig. Wer wirft denn bitte seinen Müll in irgendwelche fremde Mülleimer. (In Deutschland undenkbar ohne das gleich irgendwer die GSG9 ruft). Ich hätte die Dokumente einfach verbrannt auf einen „Campingausflug“(der natürlich nur Tarnung ist) als Lagerfeuer.

Der Film Schließt ja damit ab das dieser Mann jetzt eine „Neu erworbene Freiheit“ hätte. Ich kann mir aber nicht vorstellen das man in Freiheit lebt wenn man ständig die angst hat das man doch auffliegen könnte. Gut eine Totalüberwachung ist auch nicht besser, aber die meisten Menschen bewegen sich irgendwo in der Mitte dieser beiden Extreme.

Der ganze Beitrag hat mich irgendwie an Kerner erinnert, wo ein Reporter herausfinden wollte ob es möglich ist unerkannt durch Deutschland zu reisen. Ob das möglich ist kann man aber mit dem dort gezeigten Experiment gar nicht nachprüfen, da der Reporter ja erstens dazu aufgefordert hat ihn zu suchen, und er Hinweise auf seinen Aufenthaltsort gegeben hat. Letztendlich wurde er erwischt als er irgendwo an einer Kasse stand (ich glaube es war einer Tankstelle). Er wurde also nur deswegen gefunden weil sein Gesicht bekannt war und er sich so durch die Öffentlichkeit bewegte. Es war ein Mensch, mit dem er in Kontakt gekommen war der ihn entdeckte, keine Kamera und kein RFID Chip, und auch kein Hacker der seine Webcam ausspionierte. Wenn ich mir eine Zielscheibe aufmale muss ich mich nicht wundern das ich getroffen werde