Microsoft holt auf was Datensammelei betrifft

http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/ … 62813.html

Oh man, da fragt man sich was die so Rauche bei Facebook, Google und nun auch Microsoft. Ein paar Highlights:

“Für Office 365 zum Beispiel entwickeln wir eine Anwendung für die Inbox, die auf maschinellem Lernen basiert. Das Programm guckt sich alle E-Mails eines Nutzers an und zieht daraus Schlüsse, was für den Nutzer wichtig ist. Diese Dinge werden dann als Gruppe von E-Mails zusammengefasst. Das Programm weiß, was dem Nutzer wichtig ist, weil es über einige Zeit dessen Verhalten beobachtet hat.”

Was macht denn dieses Programm dann mit der Information? Aber doch nicht etwa an Microsoft oder sonst wohin schicken, oder?

[i]SPIEGEL: Wollen die Leute nicht selbst entscheiden, was für sie wichtig ist?

Mundie: Dann müssten die Leute in der Lage sein, ihr eigenes Verhalten zu beschreiben. Unsere Erfahrung jedoch ist, dass sie das nicht können. Die Leute können zwar sagen, was sie denken, aber sie können ihr Verhalten nicht in Regeln fassen. Der Computer dagegen ist sehr gut darin, Verhalten zu beobachten und daraus Regeln abzuleiten.[/i]

Menschen, die außerstande sind ihr eigenes Verhalten zu beschreiben? Klingt fast schon utopisch, aber: leider glaub ich ihm dahingehend sogar. Und genau deswegen finde ich diese Entwicklung auch so gefährlich.

“Irgendwann werden wir einen Raum betreten, und der Raum wird der Computer sein. Die Leute werden nicht mehr über Computer nachdenken sondern eher über Computing, über Rechenleistung. Wir werden in einen Raum kommen, das Smartphone in der Hosentasche und das Tablet im Aktenkoffer, und sofort werden alle Geräte zusammenarbeiten.”

Darauf kann ich verzichten, vielen Dank! Aber: schon jetzt werde ich häufig doof angeguckt wenn ich sage: ich habe kein Smartphone, noch nichtmal ein Hady. Und nen Tablet schon gleich dreimal nicht. Was will ich mit dem Müll?

Und worüber diskutieren wir nun?

Über die ethischen Aspekte? Über die intellektuellen Aspekte? Über die technischen Möglichkeiten? Über die Datensammelwut von Microsoft? Oder über die Datensammelwut im Allgemeinen?

„Für Office 365 zum Beispiel entwickeln wir eine Anwendung für die Inbox, […]“

Was macht denn dieses Programm dann mit der Information?

Kleiner Insidertipp: dafür müssen wir nicht erst auf Office 365 warten; nein auch heute schon kennt MS-Outlook (oder wahlweise Mozzarella) all unsere Mails. Und Word kennt übrigens alle Briefe, die Du damit schreibst - sendet sie selbstnatürlich sofort direkt an Bill Gates, der sie Abends heimlich unter der Bettdecke liest.

Okay: einfache Ausgangsfragen, die mich wirklich mal brennend interessieren würden:

  • Warum müsen wir unser Verhalten beobachten lasen? Soetwas wie E-Mails sind eine sehr persönliche und intime Angelegenheit. Das was Microsoft da plant ist in etwa damit vergleichbar, würde die deutsche Post jetzt jede Brief lesen und diese in bestimmte Schubladen stecken!

  • Und allgemeiner: wie abhängig sind wir eigentlich als Menschen vom Computer? Wenn der Mensch verlernt zu beschreiben was für ihn wichtig ist, degeneriert der Mensch dann nicht? Wurden Computer nicht daür geschaffen, damit wir es bequemer haben Nun geht es immer mehr in die Abhängigkeit dieser Maschinen und der Konzerne dahinter.

  • Muss der Mensch eigentlich immer und überall von Informationen umgeben sein? Ich kann diesen ganzen Hype um Smartphones und Tablets nicht nachvollziehen. Ich möchte doch garnicht ständig erreichbar sein. Ich möchte doch garnicht ständig Informationen haben. Ich möchte nicht ständig bei Intagramm & Co. teilen wo ich grade bin.

Das hat schon sehr konkrete Auswirkungen auf die Arbeitswelt beispielsweise. Heute wird von Arbeitnehmer verlangt ständig und überall erreichbar zu sein “um mal eben schnell einspringen zu können”. Was soll das? Früher gab es mal sowas wie Arbeitszeiten und dann war man eben außerhalb der Arbeitszeit einfach nicht erreichbar und punkt. Heute ist das schon ein Kündigungsgrund! ch finde das bedenklich, weil so sämtliche Individualität auf Dauer verloren geht!

@Kiyotake: wenn ich mit Word arbeite (übrigens noch die alte 2003er Version), dann bin ich grundsätzlich nicht im Internet. Wichtige persönliche E-Mails werden auch nur mit Textdateien versendet. Schon allein weil so der Lesekomfort beser ist.

Wo Anchantia sich so bemitleidenswert über diesen fast 20 Stunden lang schändlichst ignorierten Thread beschwert hat. Werde ich mal ein wenig Antworten, da er ja tatsächlich halbwegs interessant ist. (Also der Thread nicht Anchantia… o.O wie auch immer…)

Wenig Zeit also erstmal nur kurze, prägnante Antworten, naja so kurz und prägnant wie ich es kann. :wink:

Warum müsen wir unser Verhalten beobachten lassen?

Weil es praktisch ist. Natürlich müssen wir nicht, aber ich persönlich bin z.B. Amazon sehr dankbar für sein Werbeprinzip. Auf die Art habe ich schon mehr als ein sehr interessantes Angebot entdeckt von dem ich sonst wohl nie etwas gehört hätte. Also ja ich bin dafür das Amazon meine Einkäufe überwacht und bearbeitet. Amazon gewinnt weil sie mir mehr Sachen verkaufen und ich gewinne weil ich mehr Sachen habe.

Das was Microsoft da plant ist in etwa damit vergleichbar, würde die deutsche Post jetzt jede Brief lesen und diese in bestimmte Schubladen stecken!

So sehr ich die bedenken verstehen kann, aber der Vergleich hinkt. Niemand liest deine Emails, dafür wäre der Arbeitsaufwand auch zu groß. Abgesehen davon könnten die Anbieter von Emaildiensten das schon seit bestehen von Emails. Aber sie würden damit in Europa sowieso nicht durchkommen, weshalb es hier eine Klage geben wird und man sich dann selber entscheiden kann ob man seine Daten verarbeiten lassen will oder nicht.
Aber was diesen „Lesevergleich“ angeht: Nochmal die Datenmenge ist zu groß als das irgendjemand das lesen könnte. Anders gesagt: Guck dir doch mal einfach alle Youtubevideos an die in der letzten Viertelstunde eingestellt worden sind. Wenn du damit fertig bist sag mir bescheid.

wie abhängig sind wir eigentlich als Menschen vom Computer?

Enorm abhängig. Die andere Frage: Ist das negativ? Ich bin auch abhängig von meiner Heizung. Fortschritt macht sich auch dadurch bemerkbar das wir unser Leben an diesen Fortschritt anpassen. Es geht nun mal alles schneller und einfacher durch moderne Technik. Wieso soll ich drei Wochen mit nem Pferdegespann durch Deutschland reisen wenn ich genauso gut innerhalb von einem Tag an jedem Punkt der Republik sein kann?

Muss der Mensch eigentlich immer und überall von Informationen umgeben sein?

Nein eindeutig nicht. Aber ich habe da vor kurzem etwas entdeckt. An meinem Rechner gibt es einen Knopf, der leuchtet gerade blau und hat einen durch einen Strich unterbrochenen Kreis als Symbol. Wenn ich da drauf drücke wird der Bildschirm schwarz und ich kann auf keine Funktion zugreifen. Keine Ahnung was da genau passiert, aber es ist echt beeindruckend. Mein Handy (übrigens kein Smartphone und kein Mensch guckt mich merkwürdig an…) hat so eine ähnliche Funktion nur muss ich dafür den „auflegen-Knopf“ länger gedrückt halten.
Will sagen: Du entscheidest selber wann du von Informationen umgeben bist. Das abschalten kannst du alleine übernehmen. Was ich einsehe ist: Es nervt tierisch das man durch keine Stadt gehen kann ohne an allen Ecken und Enden Werbung für jeden Scheiß zu sehen. Solche Sachen gegen die man sich nicht wehren kann die stören mich.
Aber gegen Technik kannst du dich wehren einfach durch abschalten.

Auch zu dem Hype um Smartphones: Kann ich auch nicht nachvollziehen und deshalb mache ich nicht mit. Aber anscheinend gibt es genug Leute die es toll finden. Also warum soll man sie nicht machen lassen?

Zur Arbeitswelt: Es gibt Verträge in denen deine Arbeitszeit geregelt ist. Wenn du nun ständig erreichbar sein sollst, weiß deinen Arbeitsgeber auf den Vertrag hin. Wenn er es nicht einsieht: Klage.
Ich habe genau einen Freund der ständig und überall für seinen Arbeitgeber erreichbar ist und der macht das freiwillig mit. Der bleibt auch drei oder vier Stunden länger am Tag weil er neben seiner Arbeit nichts anderes braucht.
Alle anderen (von den arbeitenden Freunden) haben frei wenn sie frei haben. Die werden maximal vll mal angerufen wenn jemand auf der Arbeit etwas nicht findet und nachfragt wo das den wäre. Aber ja die haben Feierabend und sogar Wochenende. (Von den normalen Überstunden und Wochenenddiensten mal abgesehen, aber das hat ja nichts mit unserer modernen Gesellschaft zu tun.)

Wobei das natürlich auch eher Ausnahmen sein können. Und die Erwartung eines Arbeitgebers das seine Angestellten immer erreichbar sein müssten ist mehr als nur unverschämt. Aber das ist kein Fehler der modernen Technik sondern ein Versäumnis der Politik, die nicht früh und entschieden genug solchen Entwicklungen einen Riegel vorgeschoben haben.
Will sagen: Da ist das Arbeitsrecht gefragt und zwar in dem Sinne als das Telefongespräche als Arbeitszeit anzurechnen sind. (Bsp: 5 Minuten Telefongespräch nach Arbeitsende und maximal eine E-Mail von maximal 500 Wörtern. Alles andere muss als Überstunden angerechnet werden. Wäre so ein Vorschlag)

Die Mails werden schon automatisiert “gelesen”, um Spam zu blocken. Ich gehe davon aus, dass die kritisierten Filter mit einer vergleichbaren Methode arbeiten.

Vor allem liest nur das Programm die/das Inhalte/Verhalten und reagiert entsprechend. Da werden keine Daten an einen Dritten geschickt.
Keine Ahnung wo ihr das rausgelesen habt O_o

Wir können ja wieder DOS oder den Norton Commander einführen. Aber ich glaube damit sind 99% der Benutzer heutzutage vollkommen überfordert. Und daher nimmt man wohl die Auswertung der eigenen Daten in Kauf.

Der Satz “Simlpicity sell” ergibt in Bezug auf unsere Gesellschaft schon Sinn.

Dieses Video bringt es humoristisch dargestellt ziemlich exact auf den Punkt. Und die Geschichte mit dem Schreibprogramm passt auch noch perfekt zu diesem Beitrag hier:

http://www.ted.com/talks/david_pogue_sa … sells.html

Mfg
Chris

Wir können ja wieder DOS oder den Norton Commander einführen. Aber ich glaube damit sind 99% der Benutzer heutzutage vollkommen überfordert. Und daher nimmt man wohl die Auswertung der eigenen Daten in Kauf.

Spannendes Thema. Ich war gestern damit beschäftigt, auf einen Rechner, auf dem nur FreeDOS lief, erst Win XP und dann Win 8 zu installieren. :smt019
Da gibt es nämlich dieses Angebot: Upgrade auf Win 8 für 30 Euro. Aber dann die Überraschung: Als Verkäufer tritt die nette Firma Arvato Logistik auf, eine Tochterfirma von Bertelsmann, die sich auf die Art ein paar nette Datensätze sichert. :smt013

Der Satz „Simlpicity sell“ ergibt in Bezug auf unsere Gesellschaft schon Sinn.

Computer wurden dazu erfunden Dinge einfacher zu machen, daher darf man sich nicht beschweren wenn man diesen Weg konsequent weiter geht :wink:

Und was Microsoft dort mit Outlook 2013 macht, macht Google Mail ja auch schon eine Weile in dem es scheinbar wichtige Mails direkt oben anzeigt. Eine Funktion die ich sehr gut finde, denn sie funktioniert in 99% der Fälle und ist lernfähig.

Wie Anchantia hier anhand dieses Beispiels auf eine Datensammelei kommt ist mir schleierhaft…

Wieso aufhohlen? Machen sie das nicht seit Windows XP schon?