"Man musste ja in Kontakt sein"

Diskussion über den Blog-Artikel: “Man musste ja in Kontakt sein”

Nach dem Coup der belgischen Satire-Sendung “Basta”, in der die üblen Methoden von Call-In-Abzockern dokumentiert wurden (den Film können Sie mit deutschen Untertiteln HIER anschauen), streiten in Belgien nun die zuständigen Politiker und Behörden - und es geht ähnlich zu wie in Deutschland derzeit im Zusammenhang mit der Reform der Hartz-IV-Sätze. Keiner will schuld sein, alle wollen jetzt schnell handeln.

Die Frage lautet: Wie konnte es zu solchen kriminellen Machenschaften kommen, wer hat nicht aufgepasst? Die Glücksspielkommission, die seit dem Bericht in ein dubioses Licht gerückt ist, weist den Vorwurf zurück, nicht gehandelt zu haben. “Wir haben 2003 schon Strafanzeige gegen die Anrufspielchen gestellt, seit diese zum ersten Mal ausgestrahlt wurden”, so der Sprecher der Kommission, Marc Callu. Für die Staatsanwaltschaft sei dies aber keine relevantes Thema gewesen und die politische Führung habe gar darauf bestanden, die Spiele bestehen zu lassen. “Daraufhin haben wir Rahmenbedingungen erarbeitet, aus denen 2006 das Gesetz wurde, welches 2009 verschärft wurde.” Callu bestreitet vehement den im Raum stehenden Vorwurf, Mitglieder der Glücksspielkommission hätten gemeinsam mit den Machern der Abzockspiele gar Silvester gefeiert. “Aber man musste ja mit den Leuten in Kontakt sein.”

Medienministerin Ingrid Lieten will die Call-In-Spiele komplett verbieten, kann aber im Alleingang nicht handeln. Es muss ein Gesetz erarbeitet und verabschiedet werden. Die Glücksspielkommission lehnt einen solch radikalen Schritt ab (was bemerkenswert ist), plädiert stattdessen für noch härteres Vorgehen, auch in anderen Medien. Denn fürs belgische Radio etwa scheint es überhaupt keine Regelungen zu geben - und dort werde mindestens ebenso unverschämt abgezockt, so Callu weiter.

Wie auch immer: Die Aufregung zeigt, dass “Basta” hier wirklich in ein Wespennest gestochen hat - und man kann sich für Deutschland nur wünschen, dass hier auch über entsprechende Konsequenzen diskutiert würde. Der Verband der belgischen Privatsender, VMMA, hat inzwischen alle Call-In-Spiele in Belgien vom Schirm genommen (inklusive der Sendung, die infiltriert wurde).

Grundlage für diesen Text ist diese Meldung, die mir freundlicherweise auf Deutsch übersetzt wurde.

Für den deutschen Gesetzgeber liegt Belgien doch hinterm Mond. Was da passiert, schert die Schergen hier wenig.

Typisch Regierungen!

Statt Callin-Shows zu verbieten, um das Volk vor Abzocke zu schützten, wollen sie nur die Gesetze verschärfen um Bonuspunkte für die nächsten Wahl zu bekommen und gleichzeitig weiter am Sender kräftig mitverdienen.

wird in deutschland nicht geschehen, es regiert sich so schlecht ohne verdummende glotze. da müßte die bande in berlin ja befürchten, daß das volk auf die straße geht und sich gegen die lupenrein handelnde demokratische regierung wendet und sie davonjagt.

Naja,
ich würde jetzt nicht so auf der belgischen Regierung rumhacken, dazu müsste es erstmal eine geben. Ich kann verstehen, dass denen die regierungsbildung wichtiger ist als Call-In…naja, falls sie daran überhaupt interessiert sind.

ich würde sagen, meine Kritik geht eher in Richtung Glücksspielkommission! :wink:

@Fernsehkritiker

Könntest du bitte evtl. die deutsche Übersetzung des Artikels:
Kansspelcommissie: "Alle mediaspellen reguleren"
noch einfügen/nachreichen?

Würde mich sehr interessieren, vielleicht auch andere…

[b]Die Glücksspielkommission fordert Rahmenbedingungen für alle Medienspiele. Das sagt die Kommission aus Anlass des aktuellen Wirbels um Anrufspielchen. Diesbezüglich sagt die Kommission, dass (der Umgang damit jahrelang unterblieb) die Sache jahrelang schleifen gelassen wurde.

Die Glücksspielkommission war nach einer Ausgabe von “Basta” über Anrufspielchen unter Beschuss geraten. Dank eines Undercoverjournalisten kam ans Licht, dass die Macher einzig auf das Geld der Anrufer aus sind und dass die Gewinnchancen minimal sind.

Es gab Kritik, dass die Kommission nicht gehandelt habe, aber diese Kritik widerlegt die Kommission jetzt. “Die Glücksspielkommission hat 2003 Strafanzeige gegen die Anrufspielchen gestellt, seit die zum ersten Mal ausgestrahlt wurden”, sagt Marc Callu von der Glücksspielkommission.

“Allerdings war das für die Staatsanwaltschaft nicht wichtig und (politische Amtsführung) die Politik wollte diese Spiele bestehen lassen. Dann haben wir unsere Zuständigkeit aufgenommen (wie sagt man das auf Deutsch? “sind aktiv geworden”?) und 2006 versucht, einen Rahmen zu erarbeiten, weil wir die Glücksspiele gefährlich fanden. Dann gab es eine Diskussion und 2006 den Königlichen Beschluss, der 2009 verfeinert wurde.”

Der K.B. ist inzwischen bereit, veröffentlicht zu werden, und Medienministerin Ingrid Lieten (SP.A) will die Anrufspielchen selbst verbieten. Strenggenommen ist das Bundessache und sie kann den Beschluss nicht fassen, ohne Hintertürchen offen zu lassen. Die VMMa hat inzwischen schon die Anrufspielchen selbst (vom Schirm geholt) abgesetzt.

“Wir freuen uns, dass jetzt alles beschleunigt wird, befürworten selbst aber eher Rahmenbedingungen als ein Verbot.” Die Glücksspielkommission will noch mehr selbst regeln, namentlich alle Medienspiele. “Ich verweise hier auf Das Geräusch von Q-music, wo wir einen sehr repetitiven Charakter (?) sehen. Leute müssen oft anrufen, um mitmachen zu können, und die Preise gehen doch in die Höhe: 30.000 Euro. Ich will jetzt kein Urteil fällen, aber wir wollen wissen, ob dieses Spiel ordnungsgemäß ist.”

Zusammen feiern

In der “Basta”-Folge wird auch suggeriert, die Glücksspielkommission sei nicht vollständig unparteilich. Man habe sogar gemeinsam Neujahr gefeiert. Marc Callu bestreitet, dass es jemals Neujahrsfeste gegeben habe, an denen beide Parteien teilgenommen haben.

“Es gibt einige offizielle Begegnungen mit den Machern der Anrufspielchen, über die es Berichte gibt”, sagt Callu. “Aber man muss ja mit den Leuten in Kontakt sein, weil man die Sache kontrollieren muss und sie ihre Seite der Geschichte erzählen lassen muss.”[/b]

Die aktuelle Seite existiert nicht mehr …

Also die aus Belgien …