LHC Berichterstattung

Ich musste heute doch tatsächlich meinen verängstigten kleinen Bruder eine Stunde lang erklären, dass morgen nicht die Welt untergehen wird.
Er hatte, ich weiß leider nicht wo, einen Bericht über das morgige Experiment im LHC gesehen in dem ernsthaft behauptet wurde, dass zu einer Wahrscheinlichkeit von 15% (!) ein alles vernichtendes schwarzes Loch entstehen wird.
Als Physikstudent ist es mir ein Anliegen etwas über die desaströse Berichterstattung zum LHC (zugegebenermaßen vornehmlich im Irrenhaus Internet) zu schreiben.

Ich gehe davon aus, dass sich hier die meisten mit dem Thema nicht sonderlich auskennen, darum werd ich erstmal, für die, die es interessiert, einen kleinen einfachen Exkurs in Form eines Gesprächs zwischen mir und meinem Bruder starten:

"Was ist denn ein LHC? :smt017

“Der LHC (Large Hadron Collider) steht in der Schweiz und ist der größte und Leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger der Welt. Man kann ihn sich als einen riesigen unterirdischen Ring vorstellen in dem, atomare Teilchen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden” :smt018

Warum macht man das denn?” :smt017

“Bei dem morgigen Experiment lässt man ganz primitiv zwei Protonen mit viel Kraft aufeinander Prallen, damit diese in möglichst kleine Bausteine zerbersten. Diese Bausteine analysiert man mit riesigen Detektoren um mehr über ihren Aufbau zu erfahren, um genau zu sein erhofft man sich einen Nachweis auf das Higgs-Boson zu finden, das bis jetzt nur theoretisch existiert und elementar wichtig ist zum beweisen von diversen grundlegenden Theorien.” :smt018

Und warum sagen die im Fernsehen, dass das die Welt zerstören könnte?” :smt010

“Laut den Medien könnte bei diesem Experiment ein schwarzes Loch entstehen, dass die Erde verschlingt” :roll:

Ein schwarzes Loch?” :smt017

“Der Begriff schwarzes Loch ist eigentlich irreführend. Die meisten stellen sich darunter irgend eine Art Riss im Raumzeitkontinuum vor durch den man bestenfalls in andere Dimensionen gelangen kann. Visuell würden sich die meisten eine zweidimensionale, flache, schwarze Scheibe vorstellen in der alles einfach verschwindet.
All das ist falsch.
Zunächst einmal muss man wissen wie ein schwarzes Loch entsteht: Nach dem ein Stern ausgebrannt ist wird er, wenn er groß genug ist, nach einer Supernovaexplosion kollabieren, also in sich zusammenfallen. Überschreitet der Stern eine kritische Masse (vor der Explosion ca. 15 mal so schwer wie unsere Sonne, nach der Explosion muss er noch mehr als 2,5 Sonnenmassen besitzen) wird die nach innen gerichtete Kraft der Gravitation sehr schnell die inneren Kernkräfte, die die Atome zusammenhalten, überschreiten. Das sorgt dafür, dass die Atome sich nicht mehr gegen ihre eigene Gravitation wehren können und der Stern immer weiter in sich zusammenfällt bis seine gesamte Masse auf einen theoretisch unendlich kleinen Punkt zusammengeschrumpft ist. Das so entstandene Gebilde bezeichnet man passender weise als eine Singularität.
Man kann sich also vorstellen, dass jetzt eine Masse die mindestens mehr als das doppelte unsere Sonne entspricht auf die Größe eines Stecknadelkopfes zusammengepresst ist. Dies hat weitreichende Physikalische folgen, auf die ich jetzt nicht alle zu sprächen kommen möchte, was aber wichtig ist, ist dass die Gravitation an diesem Punkt so hoch ist, dass ihr NICHTS mehr entkommen kann, nicht mal mehr das Licht. Kommt man der Singularität zu nahe wird man grob gesagt schlicht zermalmt, auf einen Nullpunkt zusammengepresst und der Masse des schwarzen Loches hinzugefügt, Punkt.
Die Gravitation nimmt jedoch mit größerer Entfernung, Gott sei Dank, ab, das bedeutet, dass ab einem gewissen Abstand das Licht wieder entkommen kann. Das ist der Grund weshalb die Singularität als schwarze KUGEL erscheint, diese schwarze Kugel ist nicht die eigentliche Singularität, sie bezeichnet nur die Grenze an der der Gravitation nicht einmal mehr das Licht entkommen kann, diese Grenze wird auch als Schwarzschild bezeichnet.
Genau genommen würde man ein schwarzes Loch ab einer gewissen Entfernung überhaupt nicht mehr sehen, außer durch den verschwommen Hintergrund, da es wie eine riesige Linse wirkt, aber das geht jetzt alles zu weit.
Denn alles was wir wissen müssen, ist, dass wir für ein schwarzes Loch eine RIESIGE Masse benötigen, die schlicht weg nicht vorhanden ist und erst recht nicht erzeugt werden kann. Man kann als kleine Spielerei mal die berühmte Einsteinformel E=mc² benutzen: Für ein schwarzes Loch benötigen wir min. 2,5 Sonnenmassen, das entspricht 2,5 x 1,989 x 10 hoch 30 kg das ganze multipliziert mit der Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat ergibt die benötigte Energie zum erzeugen der REINEN MASSE eines kleinst möglichen schwarzen Loches: ca. 2,8 x 10 hoch 66 Elektronenvolt. Im LHC werden in zwei Jahren als Maximum 14 x 10 hoch 12 Elektronenvolt freigesetzt. Man benötigt also mindestens 10 hoch 54 mal mehr Energie zum erzeugen eines schwarzen Loches als der LHC im besten Fall freisetzten kann, das ist eine Eins mit vierundfünfzig Nullen!” :smt018

Phuuu, dann ist das also alles Quatsch?” :smt023

“Nunja, nicht ganz…” :oops:

WAAAAaaas?!” :smt021

“Wir haben jetzt nur ausgeschlossen, dass ein stellares Schwarzes Loch entsteht, das, so wie es sich die Medien vorstellen, die erde Sofort verschlingt. Jedoch steckt in jeder Meldung, wie auch in dieser, ein Fünkchen Wahrheit. Die wissenschaftliche Grundlage dieses Theaters stammt von Dr. Otto Rössler, einem Chaostheoretiker (sein Fachbereich ist also nicht mal Physik), der angemerkt hat, dass bei diesem Experiment sogenannte Schwarze Mikro-Löcher entstehen könnten. Diese Mikro-Löcher sind laut der Stringtheorie (eine vielversprächende, unfassbar komplizierte, vereinheitlichende Theorie auf der viel Hoffnung ruht) in der Tat möglich, deren Entstehung zu erklären geht jetzt jedoch viel zu weit. Was wir über diese Löcher wissen müssen, ist, dass sie unglaublich klein sind, in etwa von der Größe und Masse von Elementarteilchen, was bedeutet, dass sie dank der Hawking-Strahlung (Ja der Typ im Rollstuhl) sofort in zehn hoch minus 26 Sekunden zerstrahlen, sprich völlig harmlos sind. Ich erspare euch jetzt die Erklärung der Hawking-Strahlung, sie gilt jedoch als Fakt und soll im übrigen auch im LHC bewiesen werden, in dem man die Produkte dieser zerstrahlten schwarzen Mikro-Löcher nachweist.
Aber eben jene Hawking-Strahlung bestreitet Rössler einfach und beruft sich dabei auf eine etwas abweichende Interpretation der Relativitätstheorie von Einstein, mit der er recht alleine da steht (Rösslers Argumentation ist hier im übrigen nachzulesen: http://www.wissensnavigator.com/documents/enrico.pdf). Kurz gesagt beißt sich so einiges an der Interpretation von Rössler, der ja wie schon erwähnt noch nicht mal aus der Elementarteilchenphysik stammt, weshalb ihn auch kein renommierter Physiker bei diesem Thema ernst nimmt.
Nehmen wir jedoch einfach mal trotzdem an, ein solches Mikro-Loch würde nicht zerstrahlen: Da es sehr klein ist, ja sogar so klein, dass es quer durch die Erde fliegen könnte ohne je ein Atom zu berühren, müsste es sich langsam, Häbchenweise von sehr kleinen Objekten, wie etwas Quarks ernähren die sehr zufällig sein Weg kreuzen würden. Das würde bedeuten, dass es ewig dauern würde bis es groß genug wäre um die Erde zu verschlingen, bei einem zu erwartenden linearen Zuwachs etwa 30 Mio. Jahre, das ist zwar auch nicht schön für unsere Erde, aber wer glaub schon, dass wir in 30 Mio. Jahren noch hier sind?
Aber natürlich geht Rössler nicht von einem linearen, sondern exponentiellen Zuwachs aus, warum weiß niemand, ich vermute weil es heutzutage einfach cool ist bei schlechten Dingen von exponentiellen Wachstum auszugehen. Demnach würde es nur 50 Monate dauern bis es zum großen Gruppenkuscheln im Nullpunkt kommt.
Das alles ist ziemlich ausgemachter Blödsinn und man wird das Gefühl nicht los, dass Rössler einfach nur mal in der Zeitung stehen wollte.” :smt018

Nach dem wir das nun hinter uns haben und die Hälfte sowieso aufgehört hat zu lesen endlich zur Berichterstattung:

Ich finde es echt traurig wie über dieses Experiment berichtet wird, anstatt die Menschen darüber zu informieren was und wie dort versucht wird zu erreichen und ihnen die Wichtigkeit des Experiments klar zu machen wird die Meinung eines Einzelnen, ich vermeide hier das Wort “Spinners”, weil Rössler auf SEINEM Fachgebiet wirklich eine Ikone ist, vermutlich absichtlich falsch wiedergegeben und mal wieder zur Panikmache benutzt. In Online Berichten die ich mir angesehen habe wurde oft nicht einmal der wahre Sinn des Experiments erklärt, statt dessen der bevorstehende Weltuntergang prognostiziert und von einer beschämend schlechten Animation wie die Erde in ein schwarzes Loch gezogen wird untermalt.
Das Resultat ist ein weiterer massiver Imageschaden für die “verantwortungslosen Wissenschaftler” die “Unsummen an Geld verbrennen und auch noch die Vernichtung der Erde riskieren”; was ich an Kommentaren in Newsportalen von ahnungslosen und von den Medien verblendeten Leuten lesen musste verursacht bei mir schon fast Körperlichen Schmerz.
Das diese Grundlagenvorschung dazu beitragen kann beispielsweise die Energieprobleme der gesamten Menschheit zu lösen interessiert keine Sau.
Ich könnte mich jetzt noch ewig über die Ignoranz der Menschen gegen über der Leistung dieser Wissenschaftler in CERN aufregen, aber ich bin es Leid solche Diskussionen zu führen und außerdem soll es hier ja um die Medien gehen. Ich hätte mir wenigstens mal einen Beitrag im Fernsehen gewünscht, der sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzt und die Menschen mal objektiv informiert. Aber in Zeiten des Infotainments wird halt einfach das gesendet was sich am besten verkauft und da sich Panikmache ja anscheinend am besten verkauft und Schweinegrippe schon wieder out ist muss halt was anderes gefunden werden.
Ich bin mir sicher: Spätestens in zwei Tagen werden alle die LHC Geschichte wieder vergessen haben, aber ebenso sicher bin ich mir, dass jedes mal, wenn ich jetzt jemanden gegenüber CERN in irgend einen Zusammenhang erwähne bekomme ich irgendwas in Richtung “Hey, das waren doch die Spinner, die fast die Welt vernichtet hätten” zu hören.

Als Physiker ist es meine Motivation die Menschheit durch Forschung weiter zu bringen, aber wer will sich schon den Arsch auf reißen und täglich den Kopf über unfassbar komplizierte Probleme zerbrechen, immer im Hinterkopf, dass man wahrscheinlich nie weiterkommen und in der Bedeutungslosigkeit verschwinden wird, wenn man nicht mal die Rückendeckung eben jener Menschen hat, geschweige denn ein wenig Respekt entgegengebracht bekommt?

Sehr schöner Text :smt023

Ansonsten… ja, es ist traurig. Alle zerreißen sich den Mund, ganz Deutschland scheint ein Stammtisch geworden zu sein, an dem alle sitzen und ihre nicht vorhandene Meinung, die jeglicher Grundlage entbehrt, abgeben.
Dass du als Physiker nicht soviel Respekt entgegengebracht bekommst, liegt wohl einfach daran, dass es den Horizont vieler Menschen übesteigt bzw. sie Physik als irgendein Werkzeug des Teufels ansehen und sich demzufolge gar nicht damit beschäftigen wollen. Und dabei beziehe ich mich nichtmal auf Quanten-/Relativitätstheorie (die man ja als Laie noch leicht verstehen kann bzw. man in der Schule hat) oder die vereinigten Stringtheorien - was ja schon so einen merkwürdigen Beigeschmack hat-, sondern schon auf sowas wie Wurf- und Stoßgesetze, die z.B. meinen Nachbarn unverständlich sind. Was man nicht versteht, das fürchtet man - und ist wohl auch froh, wenn einem auch noch jemand sagt, vor was man sich denn fürchten muss.

Wo ich dich grade als Physiker da habe: Wäre das Entstehen eines schwarzen Loches durch den LHC nicht gleichzeitig ein Beweis für die Stringtheorie? Ich glaube, dass durch Theorien, die von mehr als 3 Raumdimensionen ausgehen, erklärt wird, wie es zu schwarzen Löchern durch unsere heutigen Teilchenbeschleuniger kommen kann und dass die bisherige (Teilchen-)Theorie das nicht leisten kann (wie du schon sagst, fehlt die Energie dafür) - durch extra-Dimensionen steigt der Schwarzschildradius der kleinsten erzeugbaren schwarzen Löcher von 10^-35 auf 10^-19 (größerer Radius durch größere Gravitation, weil die anderen Raumdimensionen aufgerollt dazwischenliegen?), was bei der Plankmasse dann Energien benötigt, die vom LHC geleistet werden können? Also, dass die Energie, die die Plankmasse ausweist (aufweisen muss nach E=mc²) jetzt durch den größere Schwarzschildradius im „schaffbaren“ Bereich für den LHC liegt, und nur dadurch ein derart kleines schwarzes Loch entstehen kann? Oder bin ich da falsch? Ich meine, du hast gesagt dass es laut dem Chaostheoretiker möglich ist - aber was wären die Konsequenzen aus dem Beweis der Stringtheorie, insofern das hier natürlich einen direkten Beweis darstellt?!

/edit 12465324: Willkommen im Forum :wink:

Welcome in the Forum …

Find ich faszinierend, wie Du das Deinem kleinen Bruder erklärst. Wenn das Gespräch jetzt authentisch wiedergegeben war, dann würde ich eher vermuten, das klein Brüderlein nach spätestens 10min. das Hirn eingeklappt hat. :mrgreen:

Aber 2 Topic: …

Was bitte erwartest Du? Woher soll Otto Normalgucker denn bitte wissen, was genau ein Black Hole ist? Wird er mit dem Begriff in freier Wildbahn konfrontiert, dann meistens in Filmen wie “Sakrileg”[1] wo im LHC Antimaterie mit den gleichen “Eigenschaften” erzeugt wurde oder in spacigen Dokus, wo man die Dinge als alles verschlingende Monster darstellt (was auch nicht ganz falsch ist).

Andererseits ist es auch nicht von der Hand zu weisen, das es immer wieder Forscher - egal ob Physiker oder sonstwas gab - die eben nur um des wissenschaftlichen Ruhmes Willen Dinge taten, von denen Sie wussten, das die Ergebnisse ihrer Forschung verhehrende Folgen haben konnten, bzw. sich mit dem Deckmäntelchen der friedlichen Forschung und der segensreichen Nutzbarkeit ihrer Ergebnisse umgaben, obwohl Ihnen klar war, das man das Ganze auch anders verwenden kann. Bestes Beispiel ist Oppenheimer.

Die Forschungen im LHC mögen ja wegweisend sein und mich interessiert sicherlich auch, wie weit man ein Teilchen noch weiter dividieren kann, weit über das Level von Neutronen, Quarks und Miniquarks hinaus … und ob auf der letzten Baustufe schlussendlich “Made by God” eingraviert steht.

Aber seien wir ehrlich …

… wem bringts was? Es stillt primär die Hydra Wissensdurst, und lässt ihn gleichzeitig weiter hungern, denn jede Antwort gebiert neue Fragen.

Und auf den Eingangstenor zurückgekommen: … Niemand interessiert sich für eine Meldung, wo es heisst, das ein paar Eierköppe Teilchen zertrümmern und für ein paar Nanosekunden Effekte beobachtbar werden, die das das physikalische Weltbild umkrempeln, … weil das für die breite Masse zu unspektakulär ist.

Das Volk will Spiele … also gebt ihm Spiele.

Edit:
[1] Merit-Seto hat Recht (ein Post tiefer) … es war “Illuminati” *shame on me

@Ise: das war Illuminati mit dem LHC. Der war noch viel schlechter als Sakrileg… aber das nur btw.

Ich durfte auch schon genug Plattköppen erklären, dass ihnen NICHTS passieren wird.
Allerdings, egal wie sehr ich es versuchte, begriffen sie es nicht.
Noch trauriger ist, dass sie den Medien blind glauben, aber an mir, die sie die meisten schon ne Weile kennen, zweifeln.
Ich bin es mittlerweile leid und lass sie in dem Glauben, dass die Welt vielleicht untergehen wird. Anscheinend wollen das die meisten ja glauben.

Das Resultat ist ein weiterer massiver Imageschaden für die „verantwortungslosen Wissenschaftler“ die „Unsummen an Geld verbrennen und auch noch die Vernichtung der Erde riskieren“; was ich an Kommentaren in Newsportalen von ahnungslosen und von den Medien verblendeten Leuten lesen musste verursacht bei mir schon fast Körperlichen Schmerz.
Das diese Grundlagenvorschung dazu beitragen kann beispielsweise die Energieprobleme der gesamten Menschheit zu lösen interessiert keine Sau.

Ich bin zwar kein Naturwissenschaftler, sondern Soziologe, aber ich verstehe genau was du meinst. Es läuft zwar bei mir eher auf den Tenor „Also das hätte ich auch ohne sog. Wissenschaftler, die Kohle verbraten gewusst“ hinaus, aber da Prinzip ist das gleiche: Von nix eine Ahnung, aber erstmal Klappe auf. Dass die Berichterstattung ihr übriges zu tut ist natürlich klar. Schimpft sich in Fachtermini: Kommunikationsbeschleunigung. Hätte man nur ein einfaches: „Heute findet ein Experiment statt dem Fachleute aus aller Welt schon lange entgegenfiebern“ genommen hört das ja keiner im ständig wachsenden Strom der Kommunikationsangebote. Es muss schon: "AAAAAAAAHRRRAAAGH!! HEUTE GEHT DIE WELT (mal wieder) UNTER!!!111elf! :x :shock: :x :shock: :smt013 :smt013 SCHULD: ABGEHOBENE WISSENSCHAFTLER!!! :smt013 :smt013 :smt019 :smt019 " sein.
Das ist eine nicht sehr schöne Entwicklung, gerade auf den Feld Wissenschaftsberichterstattung. Die Aussage von Isegrimm über bestimmte Wissenschaftler, die eben nur Ruhm und Anerkennung wollen ist leider war, es muss nicht mal Oppenheimer sein, das findet man an jeder kleinen Fakultät an jeder Uni.
(Sorry, leicht OT, Seminar Wissenschaftstheorie bricht durch :wink: ) :Allerdings halte ich von „Wem bringts?“ nicht viel. Denn nach was sollten wissenschaftliche Erkenntnisse bewertet werden: Nach Wahrheit oder nach Nützlichkeit? (Was ist Wahrheit? Nützlich für wen???) Und dass Erkenntnisse nun mal neue Fragen gebären ist das Kernelement von Wissenschaftlichkeit: Der Weg ist das Ziel. Gerade bei solcher Grundlagenforschung wie beim LHC. :wink:

Bevor es zu Missverständnissen kommt: Ich bin weder für Forschung um jeden Preis, noch für Morallosigkeit in der Wissenschaft, es soll nur heißen, das was eine Forschung „bringt“ kann man immer nur in einem bestimmten Kontext sehen.

Hi, vielen Dank für die „kleine“ Auffrischung zum Thema.

Aber seien wir ehrlich …

… wem bringts was?

:smiley: Das hört ein Ingenieur doch gerne!
Ne, jetzt mal Spaß beiseite. Das ist doch der Grund, warum die Medien so was auf bauschen. Das ist doch sonst viel zu kompliziert und interessiert 99,9999999… % der Menschheit eh nicht. Wäre also keine Meldung wert. Wenn man damit keinen 50 m Plasma-LED-LCD-4D Fernseher machen kann, ist es für die meisten sowieso ziemlich nutzlos.

Allein, wenn man sieht, wie viel Geld in solche Forschung gesteckt wird, scheinen ja doch einige zu finden, dass das was bringt (für die Menschheit, neue Fernseher …). Soviel Geld bekommen andere Wissenschaftszweige nämlich meistens nicht.

Ja da kann ich nur zustimmen.
Nur wenn ich etwas begreife kann ich auch mögliche nutzbare Anwendungen für Ottonormalverbraucher ableiden.
Keiner würde zB heute mit Lasertechnik arbeiten, wenn man die kleinsten Bausteine nicht untersucht hätte.
Kein Petscanner ohne der Feststellung, dass die Annihilation von Elektron und Positron Gammaquanten emittiert, die im Winkel von 180° abstrahlen. Ohne Dirac der Antiteilchen vorausgesagt hat, hätte man wohl auch nicht danach gesucht. Keine Rastertunnelmikroskopie und keine Flashspeicher (USB-Stick) ohne qauntenmechansich erklärten Tunneleffekt. Die Liste liese sich belibeig fortsetzen.
Solche Aussagen

Aber seien wir ehrlich …

… wem bringts was?

sind also ehrlicherweise äußerst kurzsichtig nicht gerade lange nachgedacht :wink:. Ich hoffe doch stark das war ein Scherz von dir.

Wo ich dich grade als Physiker da habe: Wäre das Entstehen eines schwarzen Loches durch den LHC nicht gleichzeitig ein Beweis für die Stringtheorie? Ich glaube, dass durch Theorien, die von mehr als 3 Raumdimensionen ausgehen, erklärt wird, wie es zu schwarzen Löchern durch unsere heutigen Teilchenbeschleuniger kommen kann und dass die bisherige (Teilchen-)Theorie das nicht leisten kann (wie du schon sagst, fehlt die Energie dafür) - durch extra-Dimensionen steigt der Schwarzschildradius der kleinsten erzeugbaren schwarzen Löcher von 10^-35 auf 10^-19 (größerer Radius durch größere Gravitation, weil die anderen Raumdimensionen aufgerollt dazwischenliegen?), was bei der Plankmasse dann Energien benötigt, die vom LHC geleistet werden können? Also, dass die Energie, die die Plankmasse ausweist (aufweisen muss nach E=mc²) jetzt durch den größere Schwarzschildradius im „schaffbaren“ Bereich für den LHC liegt, und nur dadurch ein derart kleines schwarzes Loch entstehen kann? Oder bin ich da falsch? Ich meine, du hast gesagt dass es laut dem Chaostheoretiker möglich ist - aber was wären die Konsequenzen aus dem Beweis der Stringtheorie, insofern das hier natürlich einen direkten Beweis darstellt?!

Grob gesagt ist das, richtig, auch wenn wir mal die Planckmasse aus dem Spiel lassen sollten.
Die Stringtheorie geht sogar fest davon aus das bei dem LHC Experiment diese schwarzen Mikro-Löcher im Sekundentakt entstehen.
Wie du schon richtig gesagt hast liegt das unter anderem an den zusätzlichen Raumdimensionen, von der die Stringtheorie ausgeht. Laut dieser Theorie besitzt das Universum insgesamt 9-10 (da streitet man sich noch) Raumdimensionen, von denen unsere drei „sichtbaren“ beim Uhrknall „ausgerollt“ wurden und die restlichen 6-7 Raumdimensionen „aufgewickelt“ blieben.
Diese aufgewickelten Raumdimensionen werden erst in extrem kleinen Größenordnungen bemerkbar, also in dem Ramen in dem die Strings schwingen. Die Art der Aufwicklung kann man durch sogenannte Cabili-Yau-Räume darstellen von denen es ca 10 hoch 50 verschiedene Versionen gibt, es ist ein Bestreben der Physiker den richtigen Cabili-Yau-Raum zu finden, da von dessen Beschaffenheit, nach er Theorie, die physikalischen Eigenschaften unseres Universums abhängen. Aber ich schweife ab.
Was wir wissen müssen ist, dass es in diesem kleinen Ramen auf einmal zusätzliche Raumdimensionen gibt.
Das Gravitationsgesetz hängt nun von dem Faktor „r hoch 1 - n“ ab, wobei r der Abstand zwischen den beiden Massepunkten ist und n die Anzahl der vorhandenen Raumdimensionen. In dem Fall unserer dreidemensionalen Welt ist der Faktor also „r hoch -2“.
Im Fall von mehr Raumdimensionen, beispielsweise 6, ist der Faktor jedoch „r hoch -5“, was bedeutet, dass die Gravitation sehr viel langsamer abnimmt, je weiter man sich von einer Masse entfernt.
Folglich weist nun ein schwarzes Loch in diesem winzigen Bereich mit der selben Masse wie ein schwarzes Loch im astronomischen Bereich eine EXTREM höhere Schwerkraft auf.
Stellt man diesen Satz um braucht man also um ein schwarzes Loch der selben Gravitation, wie eines im astronomischen Bereich, im kleinen Bereich „herzustellen“ sehr viel weniger Masse und so mit auch Energie.

Ein Nachweis auf solche kleinen schwarzen Mikro-Löcher wäre in der tat eine wissenschaftliche Sensation, jedoch würde das noch nichts Beweisen sondern nur einen Hinweis bedeuten, dass man sich in die richtige Richtung bewegt. Und die Existenz von mehreren Raumdimensionen Beweist noch lange nicht die Stringtheorie.
Denn seinen wir realistisch, das CERN Experiment liefert eine derartige Flut aus Daten, das es Jahre, wenn nicht JAHRZEHNTE dauern wird, bis man alles Ausgewertet hat. Und aus dieser immensen Flut aus Daten die Spur der Hawking-Strahlung heraus zu fischen und diese zweifelsfrei auf schwarze Mikro-Löcher zurück zu verfolgen ist eine absolute Mammutaufgabe.
Es wird mit diesem Experiment wie immer Ablaufen: Man findet schlussendlich die Antwort auf ein paar Fragen und kauft sich dafür das zehnfache an neuen Fragen ein.

Ich habe übrigens eingangs den offensichtlichsten Grund für die Ungefährlichkeit dieses Experiments vergessen:
Ja, die Stingtheorie geht bei diesem Experiment von im Sekundentakt entstehenden schwarzen Micro-Löchern aus. Das diese jedoch absolut ungefährlich sind und sofort zerstrahlen MÜSSEN hat uns schon ein Experiment bewiesen das seit 14 Milliarden Jahren läuft, der größte Teilchenbeschleuniger der Welt: Unser Universum.
Im Universum finden jede myriadste Sekunde WEIT, WEIT, WEIT höherenergetische Kollisionen statt und würden die dabei entstehenden schwarzen Mikro-Löcher nicht sofort zerstrahlen wäre das Universum schon längst ein verdammt ungemütlicher Ort.
Allein unsere Sonne sorgt durch Sonneneruptionen für weitaus energiereichere Kollisionen in unserer oberen Erdatmosphäre, so dass wir mehr schwarzen Löcher in unserer Umlaufbahn als Bäume auf der Erde haben müssten.

Hi,

Bildblog.de und Physikblog.eu haben zusammen auch noch einen Artikel zur LHC-Berichterstattung geschrieben.

http://www.bildblog.de/massives-spontanes-existenzversagen-verschoben/

Viele Grüße

Da melde ich mich doch auch einmal zu Wort, immerhin habe ich dort ein halbes Jahr gearbeitet.

Zuerst muss ich zustimmen das 15% wirklich absurd sind.
Dennoch werden die Kritiker des LHC am CERN ernst genommen. Es gibt dort Leute die sich hauptsächlich mit den Risisken des LHC beschäftigen. Als Ergebnis könnte man sage, es zwar zu einem unendlich kleinen Teil möglich wenn auch durchaus unwahrscheinlich das ein scchwarzes Loch entstehen könnte, aber selbst wenn diese geschehen würde, würde das SL in bruchteilen von Sekunden wieder zerfallen da es nicht stabil sein würde.

Was ich ulkig finde, irgenein Typ auf Hawaii hat ja an einem US-Gericht klage eingereicht, ist aber schon ne Weile her. Was dieser Mensch jedoch nicht bedacht hat, CERN ist eine Institut der europäischen Gemeinschaft da hat die USA garnichts zu melden. Außerdem ist das CERN an sich fast schon ein kleiner Staat. Ich hatte immerhin einen Diplomatenstatus :D.

Apropos USA. Bekanntlich neigen die ja dazu ihren Errungenschaften Frauennamen zu geben. Genau wie die Atombomen die auf Japan geworfen wurden, tragen auch die von der USA produzierten Supraleiter Frauennamen. :wink:

Apropos USA. Bekanntlich neigen die ja dazu ihren Errungenschaften Frauennamen zu geben. Genau wie die Atombomen die auf Japan geworfen wurden, tragen auch die von der USA produzierten Supraleiter Frauennamen. :wink:

„Little Boy“ und „Fat Man“ sind Frauennamen? Du meinst wohl den/die dazugehörigen Bomber (z.B. Enola Gay) :wink:

Klugscheißer :mrgreen:

[off-topic]

Kappandra: 1
Phelan: 0
:mrgreen:
[/off-topic]