Leipziger Pogromnacht und die Medien

Es ist einfach unfassbar! Ich stehe immer noch unter Schock, versuche gerade meine Gedanken zu ordnen. Daher bitte ich Euch mir nachzusehen, wenn der folgende Eintrag etwas emotionaler wird.

[B]Was war geschehen?[/B]

Gestern Abend überfielen 200-300 Neonazis das Leipziger Viertel Connewitz. Eine Wohngegend, die seit jeher immer ein wenig alternativer und bunter war. Wo viele Künstler, Musiker, Kreative wohnen. Menschen, die Leipzig wieder als Musik- und Kulturstadt bekannt gemacht haben. Menschen, die dafür sorgen, dass Leipzig als das “sächsische Berlin” und sächsische Kulturhauptstadt deutschlandweit wahrgenommen wird.

[U]Hier dazu einige Berichter aus der Lokalpresse:[/U]




http://www.l-iz.de/tag/connewitz

Es war der schwerste Angriff von Neonazis in Leipzig seit November 1938. 200-300 bewaffnete Neonazis zerstörten Kneipen, Geschäfte, Büroräume, selbst Wohnungen gingen im Brand auf! Passanten wurden ebenfalls versprügelt, zum Teil schwer. Die Nazis konnten Barrikaden errichten und Stundenlang wüten, bis die Polizei spätabends endlich eingriff. Genutzt hat es aber nicht viel, denn die Polizei hat die Nazis über die Nacht wieder auf freien Fuß gesetzt!!! Nicht nur ein Hohn in Richtung der Verletzten und den vielen Menschen, die heute vor den Scherben ihrer Existenz stehen! Es ist ein Skandal, dass die Justiz hier nicht ihrer Pflicht nachgekommen ist. Man kann wohl, wie so hier in Sachsen, davon ausgehen, dass die Wenigsten ein Gefängnisstrafe bekommen, wenn überhaupt irgendjemand.

[B]Wie habe ich mich gefühlt?[/B]

Kommen wir zum ersten Teil meines Anliegens und da spielen auch schon die Medien mit rein. Als ich gestern abend shcon die ersten Nachrichten in den sozialen Netzwerken bekommen habe, war ich geschockt! Ich meine, ich habe seit Jahren immer davor gewarnt, dass sowas mal passiert (auch hier im Forum, ältere Mitglieder werden sich sicherlich noch erinnern). Aber darum geht es nicht, es geht darum, dass ich auch viele Bekannte, Freunde, Künstler mit denen ich gelegentlich zusammenarbeite, etc. dort habe. Ein Bekannter von mir ist jemand, dessen Geschäft heute zerstört ist und er nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll. Gestern abend an Informationen ranzukommen, gestaltete sich als… schwierig! Telefonisch konnte ich kaum Menschen erreichen, vielen waren verängstigt in ihren Wohnungen, wie ich heute erfahren habe. Ich fühlte mich von außen macht- und vor allem hilflos. Warum unterbricht die ARD und das ZDF nicht das Programm? Warum berichten überhaupt keine Medien von den schlimmsten Nazigewalttaten seit Hitler in Leipzig? Wohin und an wem soll ich mich wenden? Gibt es Informationsnummern an denen man sich wenden kann, irgendwas? Ich habe mich von unseren Medien alleingelassen gefühlt.

[B]Will man diesen Terror kleinhalten?[/B]

Es fällt schon auf: Die Lokalmedien sind voll mit dem Thema, aber national gibt es höchstens hier und da mal einen kleinen Artikel auf den Homepages der Tageszeitungen. Wenn man auf Tagesschau.de oder Heute.de geht, findet man auf den ersten Blick NICHTS über diesen Terrorakt!

Warum ist dem so? Ironischerweise wird groß über Deutsche bei dem Anschlag in Istanbul berichtet. Hallo? Gestern gab es einen der schlimmsten Terrorakte in der Geschichte der Bundesrepublik und die Medien behandeln das nur am Rande? Wo bleibt da bitte die Aufklärungs- und Informationspflicht? Besonders von den öffentlich rechtlichen Sendern?

Wenn irgendwo in Paris Bomben hochgehen, ist hier in Deutschland Nationaltrauertag, Sendungen fallen aus, ganz Facebook färbt sich in den Farben Frankreichs, etc. Ich will das nicht gegeneinander aufwiegen, aber wie kann es eigentlich sein, dass darüber tagelang in epischster Breite berichtet, geredet und diskutiert wird, sich die TV-Programme ändern, etc. - und wenn etwas viel schlimmeres genau vor unserer Haustür passiert, in einer der größten Städte Deutschlands, dann ist das alles nur eine Randnotiz wert?

Die Menschen hier haben mehr Informationsbedürfnis als vor ein paar Wochen bei den Pariser Anschlägen, einfach weil das vor der eigenen Haustür ist! Nur jetzt gibt es eben keine Sondersendungen, keine Informationen im Fernsehen, sondern muss Glück haben jemand vor Ort zu erreichen.

Und nun stell ich mir vor, dieser Terror wäre nicht von Neonazis gekommen, sondern von Ausländern. Um wieviel wollen wir wetten, dass es heute und in den nächsten Wochen kein anderes Thema geben würde? Aber sind ja “nur” Nazis, die hier Menschen krankenhausreif prügeln, Wohnungen in Brand setzen und ganze Existenzen zerstören…

Mich kotzt diese Heuchelei der Medien einfach nur noch an!

Ich habe das Gefühl, dass die großen Medien nicht darüber berichten, um den Mob nicht noch weiter anzuheizen.

Sehe das auch zweiseitig. Einerseits sollte die Bevölkerung über solche massiven Gewalttaten aufgeklärt werden, quasi als Abschreckungsmaßnahme.

Andererseits kann das auch dazu führen, dass noch mehr Pegidioten sich dazu genötigt sehen, bei diesen Aktionen mitzuwirken. :confused: Das ist ein schwieriges Thema, was man nicht einfach mit „Ja, senden“ oder „Nein, zurückhalten“ beantworten kann.

Hier noch ein guter Blogeintrag zum Thema. Der Terror wurde wohl über Wochen geplant und im Internet großspurig angekündigt! Umso skandalöser, dass die Nazis gestern leichtes Spiel hatten! http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2016/01/12/angriff-mit-ankundigung_21029

      • Aktualisiert - - -

[…]

Es wurde doch in den Medien berichtet, ging doch Heute rauf runter, wenn nicht grad über die 9 toten deutschen in der Türkei berichtet wurde :wink:

Ansonsten haut der Threadstarter ganz schön auf den Putz, vor allem nach dem 4 Wochen vorher sich die Linken in Connewitz ausgetobt hatten.

Die sind ja immer noch damit beschäftigt die Kölner Silvesternacht bis zum Erbrechen breitzulatschen. Und nun der Terroranschlag in Istanbul, dann dürfte das wohl nur noch “nebenbei” Platz finden. Das in Köln mehrere Ausländer an den Angriffen beteiligt waren, spielt den braunen Einzellern doch geradezu in die Hände und heizt die rechte Stimmung noch an.

[QUOTE=Naked Snake;436566]
Ansonsten haut der Threadstarter ganz schön auf den Putz, vor allem nach dem 4 Wochen vorher sich die Linken in Connewitz ausgetobt hatten.[/QUOTE]

Das war nicht mal im entferntesten mit den Terror gestern zu vergleichen!

  1. Haben auch vor 4 Wochen die Nazis provoziert
  2. Haben die Linken keine Wohnungen in Brand gesteckt und Läden demoliert!

Es ist doch immer wieder dasselbe! Immer wieder wird Naziterror mit anderen Straftaten relativiert! Das konnte damals übrigens auch die Weimarer Republik sehr gut. Wo das hingeführt hat, hat man dann ja gesehen!

Gestern haben sich auch in Köln, Rocker, Hooligans und rechte Glatzköpfe, äh pardon… Hohlköpfe per Internet verabredet um in der Innenstadt Ausländer zu verdreschen, den Medien mit ihren reisserischen Berichterstattungen geb ich daran jedenfalls eine Mitschuld!

Es ist doch immer wieder dasselbe! Immer wieder wird Naziterror mit anderen Straftaten relativiert! Das konnte damals übrigens auch die Weimarer Republik sehr gut. Wo das hingeführt hat, hat man dann ja gesehen!

Es wird nicht relativiert, nur angemerkt, dass in Connewitz die ach so kultivierten Linken doch regelmäßig Aussetzer haben. Connewitz ist die Hochburg des Autonomen-Blocks.

Sicher, ist schon heftig was da gestern abging, trotzdem übertreibst du maßlos. Die Medien wollen das klein halten, klar, ist seit dem ja auch nichts anderes weltbewegendes passiert und dann vergleichst du hunderte Tote in Paris mit ein paar zerbrochenen Fensterscheiben in Leipzig? Also wirklich, da fehlen mir die Worte :roll:
Wenn die Glatzen wieder mal jemanden nach einer Hetzjagd totgeprügelt hätten, so wie vor paar Jahren in Hohenstein, dann könnte ich deine Vergleiche ja noch ansatzweise verstehen, aber so nicht.

[QUOTE=Naked Snake;436571]Es wird nicht relativiert, nur angemerkt, dass in Connewitz die ach so kultivierten Linken doch regelmäßig Aussetzer haben. Connewitz ist die Hochburg des Autonomen-Blocks.[/QUOTE]
Und in wieweit ist das irgendwie relevant in diesem Zusammenhang?

Klar, die Leute, welche in alternativen Künstlervierteln wohnen sind grundsätzlich dieselben, die auch Steine auf Polizisten werfen. All das abnormale Pack in einen Sack stecken und Knüppel druff, triffste immer den richtigen.
Ist doch nicht weiter schlimm, wenn die mal vom braunen Mob aufgemischt werden - das sind schließlich keine normalen Bürger wie ich, das tangiert mich also nicht, das neue Gewaltpotenzial - ist ja nicht gegen mich gerichtet.

Tja, bedankt euch bei Pegida & Co. Neonazi-Geschichten aus Sachsen locken halt Niemanden mehr hinter’m Ofen hervor. Sind ja auch ähnlich spannend wie ein ZDF-Spezial zu schlechtem Wetter in London.

[QUOTE=Dario Cueto;436557]Natürlich ist das Wort Progromnacht angemessen, denn es war faktisch eine! Nazis haben Geschäfte, Wohnungen und Kneipen verwüstet, sowie Passanten krankenhausreif geschlagen!
[/QUOTE]

Klingt wie jede Erster-Mai-Demo, aber da ist es ja was anderes, da geht es ja gegen das Kapital, den Staat und das schlechte Wetter -und Polizisten sind bekanntlich keine Menschen.
Nein, wenn es von “Nazis” ausgeht muss man ja gleich die ganz großen Kaliber rausholen und von “Progromnächten” sprechen. Der Threadtitel ist absolut unangemessen und ziemlich pietätlos, weil es Opfer echten systematischen, rechtsradikalen und antisemitisch motivierten Angriffe damals verunglimpft. Es waren ein Haufen besoffener, rechten Ideologien zuträglicher Vollspasten (sprich Hooligans), die meinten, man muss sich bei der Antifa mal rächen. Da muss man noch lange kein Weltuntergangsszenario heranzüchten, indem man Kristallnächte heraufbeschwört.

[QUOTE=IHaveNoOtherUsername;436586] Es waren ein Haufen besoffener, rechten Ideologien zuträglicher Vollspasten (sprich Hooligans), die meinten, man muss sich bei der Antifa mal rächen. Da muss man noch lange kein Weltuntergangsszenario heranzüchten, indem man Kristallnächte heraufbeschwört.[/QUOTE]

Da kann ich mich IHNOU nur anschliessen, deshalb erlaube ich mir den Titel in meinen Antworten entsprechend anzupassen!

Weltuntergangsszenario ist im übrigen ein gutes Stichwort, genauso kommen mir die Berichterstattungen zur Silvesternacht in Köln vor!

Genau so wenig wie Antifanten.

Nein, wenn es von “Nazis” ausgeht muss man ja gleich die ganz großen Kaliber rausholen und von “Progromnächten” sprechen.

Wirklich weit hergeholt. Was haben “Nazis” mit “Progromnächten” zu tun?

Der Threadtitel ist absolut unangemessen und ziemlich pietätlos, weil es Opfer echten systematischen, rechtsradikalen und antisemitisch motivierten Angriffe damals verunglimpft.

Jetzt bist du es, der übertreibt. Verunglimpft wird überhaupt niemand, die Verhältnismäßigkeiten sind… strittig.
Also wenn das nicht systematisch rechtsradikal war, was bitte dann?

Es waren ein Haufen besoffener, rechten Ideologien zuträglicher Vollspasten (sprich Hooligans), die meinten, man muss sich bei der Antifa mal rächen. Da muss man noch lange kein Weltuntergangsszenario heranzüchten, indem man Kristallnächte heraufbeschwört.

Ah, der berühmte ExtraKlaus’sche Schwarzschaf-Einzelfall.
Nun, noch ist es einer. Mehr oder weniger. Hoffen wir, daß es so bleibt.

[QUOTE=Scumdog;436592]
Ah, der berühmte ExtraKlaus’sche Schwarzschaf-Einzelfall.
Nun, noch ist es einer. Mehr oder weniger. Hoffen wir, daß es so bleibt.[/QUOTE]

Ich habe nie behauptet, dass es nur ein Einzelfall ist. Was ich tatsächlich in Frage stelle, und weshalb ich den Threadtitel pietätlos finde, ist die Systematik. In meinen Augen gibt es schon noch einen Unterschied, ob man gezielt eine bestimmte religlöse Gruppe ins Ziel fasst oder ob man “nur” am randalieren ist. Ja, auch wenn es vielleicht geplant war, muss man sich doch fragen, was denn die Intention war. Die Intention war sicher irgendwas in der Richtung von “So, jetzt zahlen wirs der Antifa heim und gehen da hin, wo es sie besonders provoziert”.

Verbindungen von ostdeutschen Fußballclubs bzw. deren Ultras/Hooligans zur rechtsradikalen Szene sind meines Wissens nach absolut unstrittig. Das ist schon ein ziemlicher Sumpf, ich würde nie behaupten, dass dies Einzelfälle sind - sprich das es keine Verbindung zum Milieu geben würde.

[QUOTE=teefax;436595]Mit Verlaub, wieso darf so ein Beitrag (beinahe) unwidersprochen und ungeahndet vier Stunden hier stehen? Linke sind “keine normalen Bürger” und wer in Connewitz ist, der ist bestimmt Linker und weil Linke auf Demonstrationen Straftaten begehen, ist das nicht der Rede wert, wenn die von einem braunen Mob verprügelt werden.
[/QUOTE]

Ich finde das dieser Beitrag von elgon shelby keine passende Abgrenzung zwischen “Linker” (Was ist das denn in diesem Zusammenhang?) und Linksautonom zieht. “Linke” terrorisieren auch eher selten ihre Umwelt, Linksautonome schon eher. Allein auf der Basis der politischen Meinung und Richtung sollte niemand bedrängt, bedroht oder geschlagen werden.

In meinen Augen gibt es schon noch einen Unterschied, ob man gezielt eine bestimmte religlöse Gruppe ins Ziel fasst oder ob man “nur” am randalieren ist.

Hier ist es eben keine religiöse, sondern eine politische Gruppe, ich sehe den Unterschied nicht.
Und es handelte sich hier auch nicht um ziellose Herumrandaliererei, denn:

[QUOTE=IHaveNoOtherUsername;436598] Ja, auch wenn es vielleicht geplant war, muss man sich doch fragen, was denn die Intention war. Die Intention war sicher irgendwas in der Richtung von “So, jetzt zahlen wirs der Antifa heim und gehen da hin, wo es sie besonders provoziert”.[/QUOTE]
Anderswo würde man das “geplanten Terror” nennen.
Aber wir wollen ja keine Kristallnächte heraufbeschwören.

Also wenn ein paar besoffene Hooligans und Neonazis auf den Trichter kommen “Höö wir gehen bei den Linken randalieren” ist das heute schon geplanter Terror?

Und ist es dann auch geplanter Terror wenn jedes Jahr am 1. Mai Linksautonome gezielt randalieren gehen? Oder ist das legitimer Ungehorsam gegen den Staat?

Du setzt hier zwei verschiedene Maßstäbe daran an, was Extremismus und Terrorismus ist. Mach es doch nicht größer als es ist, es ist im Grunde das selbe was seit Monaten passiert, Linksautonome und rechte Idioten hauen sich gegenseitig aufs Maul und die Polizei steht dazwischen und bekommt von beiden Seiten zu hören sie unterstützt die jeweils andere. Und die Leittragenden sind immer die friedlichen Bürger dazwischen. Und die Schaufenster. Und die Autos.

Stoppt die Pressen! Was ein Skandal.

[QUOTE=IHaveNoOtherUsername;436605]Und ist es dann auch geplanter Terror wenn jedes Jahr am 1. Mai Linksautonome gezielt randalieren gehen? Oder ist das legitimer Ungehorsam gegen den Staat?[/QUOTE]
Das ist Brauchtum, regelmäßig und vorhersehbar wie Weihnachten und Sommersonnenwende. :voegsm:

Nach deiner Definition ist das geplanter Terror.

Mr ist eben auch aufgefallen, dass die Tagesthemen nur einer kurze Meldung über Connewitz gebracht haben. Direkt danach wurde wieder ein ausführlicher Bericht über Köln gesendet. Das finde ich schon auffällig. Gut, in Connewitz wurden 250 Leute in Gewahrsam genommen, in Köln tut man sich bei der Tätersuche noch etwas schwer. Dennoch, beides sollte sich nicht wiederholen.
Wenn Scheiben von Dönerläden eingeschmissen werden, ist das also rechts gegen links und hat nichts mit Terror zu tun?

Jein. Das fällt mehr in die o.g. Kategorie “nicht zielgerichtetes Herumrandalieren, regelmäßig”:
Im Falle Connewitz sind Täter und angepeilte Opfer einer bestimmten politischen Ausrichtung zuzuordnen,
während sich auf den Maidemos (auch wenn traditionell eher linke Veranstaltungen)
Testosteronüberschäumende Vollidioten so ziemlich aller politischen und nicht-politischen Coleur einfinden,
die sich ihre Portion Katharsis abholen und ziellos kaputt machen wollen. :lol: