Krawall bringt Quote

Mir fällt die Entwicklung der öffentlich-rechtlichen TV-Talkshows in der letzten Zeit extrem negativ auf: Immer öfter werden Reizthemen behandelt, die dazu führen, dass die Talkshow-Teilnehmer aufeinander losgehen.

Die “Moderatoren” werden ihrer Rolle nicht gerecht, sondern wirken eher wie Dompteure, die ihre Tiger nicht im Griff haben. Das betrifft fast alle Moderatoren (Plasberg, Will, Illner). Gestern schön zu beobachten in der Anne-Will-Sendung: Frau Will würgte Beiträge von Talkshow-Teilnehmern, die gegenläufig zum geplanten Konzept waren, ab, in dem Sie die Leute unterbrach, und hatte die Diskussion ab der zweiten Hälfte nicht mehr im Griff.

Die mögliche Themenwahl sind typische Aufreger-Themen angefangen vom Missbrauchs-/Misshandlungsskandal über Politikthemen bis hin zu Hartz IV. Man hat das Gefühl, dass die Redakteure schon bei der Konzeption der Sendung sicher sein wollen, dass es möglichst krawallig wird und somit Quote bringt und in anderen Medien am nächsten Morgen behandelt wird (Cross-Promotion).

Ich halte dieses Verhalten in den Talkshows für extrem gefährlich, weil so u. U. uninteressante Themen so polemisiert werden, dass die Zuschauer sich eine ggf. falsche Meinung bilden.

Ist glaub ich nichts neues, in Talkshows wurde schon immer gestritten und wenigstens hört man dort auch eine andere Seite. Bei den Privaten bekommt der Zuschauer seine Meinung mundgerecht und klar serviert.

Was sich vielleicht geändert hat, dass die üblichen Gäste darauf trainiert werden, den anderen nicht zu Wort zu kommen zu lassen. Na gut, jetzt könnte man den Moderatoren vorwerfen sie hätten das nicht im Griff, aber die meisten wissen schon damit umzugehen.

Dass Hauptproblem sind die beteiligten Personen, weniger die Themen. Wenn man stets auf Krawall gebürstete Typen (Westerwelle, Niebel, Henkel usw.) einlädt, die nur ihre Meinung (und sei sie noch so falsch) verbreiten wollen, dann bleiben solche Ärgernisse nicht aus.
Man sollte sich allgemein mal ein Beispiel nehmen am “Nachtstudio” im ZDF. Dort sitzen meist Experten die zwar kaum jemand kennt, die aber anstatt mit Meinung mit Wissen aufwarten können. Hier fallen die Leute selten übereinander her, sondern diskutieren so sachlich dass man öfter mal etwas zur eigenen Meinungsbildung übernehmen kann.

es war ein Fehler diese Tucke von Praunheim zu einer Diskussion über die Kirche einzuladen. Endete wie zu erwarten war: Krawall.

Der Zustand, den Du beschreibst, ist das Grundkonzept jeder erfolgreichen Talksendung - ein Genre, das sich aus guten Grund SHOW nennt. Seit Erfindung der Talkshows sind die Sendungen in Erinnerung geblieben, die Spektakel und Krawall boten: Egal, ob beim NDR der Tisch mit der Axt zerdeppert wurde, Günther Nenning sich lebhaft für thailändische Mietfrauen interessierte oder Nina Hagen uns vorführte, wie sie es sich am liebsten selbst besorgt…

Nie waren es die behäbigen Expertenrunden, die sachlich-dröge am Erkenntnisgewinn des Zuschauers frickeln, die ein Publikum länger als zehn Minuten zu fesseln vermochten. Da mussten entweder schwerere Geschütze aufgefahren werden. Oder die Chose versank in belangloser Beliebigkeit (Boulevard Bio, Riverboat, Willemsen).

Und was den Vergleich zum Krawallofaktor des guten, alten “heißen Stuhl” betrifft, sind die inszenierten Staatstheater der drei großen politischen Talkshows Will, Illner, Plasberg, wo die ewig gleichen Politikerdarsteller die ewig gleichen Phrasen austauschen, Pillepalle. Meistens weiß man schon vorher, wer was sagen wird. Interesse lösen bei mir nur noch die großen Momente der Peinlichkeit aus, wenn z.B. Dumpfdrossel Vera Lengsfeld ins Schwadronieren gerät oder Ralf Möller als inoffizieller Verteidigungsminister Landserrromantik verbreiten darf.

ad Rosa von Praunheim: Ihm verdanken wir die letzte Talkshow aus der der Zuschauer schlauer hinauskam, als er hineinging. Und das ist immerhin bereits zwanzig Jahre her. :roll:

selbst bei früher eher seriösen sendern hat man gemerkt, mit normalen gesprächen in normaler lautstärke zieht man keinen hering nehr vom teller. eine merkwürdige tendenz wird sichtbar, daß die öffentlich rechtlichen so gaaanz langsam einige unappetitlichkeiten der privaten kopieren,( tierexkremente riechen bei wetten dass…z,b,), denn dem immer mehr sinkenden anspruch des tv-volkes muß man sich mal anpassen. und bei den nasen von ard und zdf hat sich die erkenntniss durchgesetzt : wozu leise reden, wenn du auch schreien kannst. ich fürchte fast, bei den öffentlichen gibts bald die ersten beknackten doku-schlag den hartz iv-empfänger-soap bockmist.

Wieso sollte man eine Talkshow machen mit einem Thema, über das sich alle einig sind und mit Gästen, die friedlich sind, jedem seine Meinung lassen und auf die Vermeidung von Konfrontation aus sind? Ich meine, dann muss man ja wohl nicht diskutiern oder? Wäre stinklangweilig.

Viele leute setzen sich doch vor die Glotze, nur damit sie sehen können, wie sich Fussball-Fans, Jugendliche, Familien und irgentwelche Gestallten gegenseitig prügeln, man ist nur froh, dass man gemütlich auf dem Sofa sitzt und froh ist, dass man nicht das Opfer ist.
Ohne Krawall wüssten viele Sender garnicht, wie sie ihr Programm füllen sollen. Krawall wird ja nicht nur in Dokus und Serien gezeigt, sondern findet direkt in einer Talkshow statt, bestes Beispiel dafür: “Britt – Der Talk um eins”, eine Talkshow, in der durch Lügen, Seitensprünge, Verleumdungen und Affären die Lage bewusst zur Eskalation gebracht wird, psychisch und manchmal auch pysisch, deshalb ist diese Talkshow auch so erfolgreich, die Zuschauer dieser Sendung warten darauf. Genau so wie wie diese Richtersendungen auf Sat 1, genau so eine Krawallshow. Gewalt, die auf reißerische Art und Weise dem Puplikum gezeigt wird, wird anscheinend nie uninteressant werden.
Schlimm ist aber auch, dass die Drahzieher, ich sag´s mal so, von Krawall verschont bleiben, sie leiden nie darunter, aber dafür die Kanonenfutterleute, die sich für etwas Geld zur Verfügung halten und merken nicht mal, für wie blöd man sich verkauft. :smt009