kik-Story

Das Textilunternehmen Kik hat gegen den NDR vor Gericht den Kürzeren gezogen. Konkret ging es um eine Einstweilige Verfügung, welche vom Hamburger Landgericht nun wieder aufgehoben wurde. Kik hatte einen TV-Beitrag des Magazins “Panorama” als “rufschädigend” empfunden.

Das Magazin hatte die Produktionsverfahren, sowie den Verkauf von Billigkleidung unter die Lupe genommen. Dabei wurden unter anderem auch vier Textilarbeiterinnen aus Bangladesch als Kik-Näherinnen beschrieben. Dagegen war das Unternehmen mit der Einstweiligen Verfügung vorgegangen.

Kik steht darüber hinaus auch im Fokus der Dortmunder Staatsanwaltschaft, welche derzeit wegen Mitarbeiter-Entlassungen nach negativen Creditreform-Auskünften ermittelt.

Ich kenne den besagten Beitrag von NDR nicht, aber für mich hört sich das auch eher so an, als hätte sich die Firma KiK damit slesbt ins Bein geschossen, wenn sie diese Bezeichnung als Beleidigung aufgefasst haben. Immerhin handelt es sich um eine stark verinfachte Bezeichnung der Arbeitskräfte ihrer Bezugsquelle :wink:

Kik hatte sich während der Produktion der Sendung schon ordentlich selbst ins Bein geschossen. Die Macher haben nämlich mehrmals versucht Statements von KiK zu bekommen und sind sogar persönlich an der Firmenzentrale vorstellig geworden. Sie wurden stets abgeblockt und haben dies auch entsprechend dokumentiert.

Ich seh den Bericht gerade auf NDR. Wäre ich Kik, wöllte ich den auch verbieten.
Nicht nur, dass sie den Näherinnen in Bangladesch dumping (30€ im Monat) oder gar keinen Lohn zahlen, in einem deutschen Sozialviertel wollen die ein Jugendhaus aufmachen für sozial schwache Kinder, die eig u.a. soz. schwach sind, weil Kik ihren Müttern Niedrigstlohn zahlt… außderm verscherbeln sie 5000 VeronaPappfiguren für 19,90, dazu gabs ne Anzeige in der Bild (200.000€). Der Gewinn daraus sollte an eine soziale Stiftung gehen… wieviel ist noch mal 19,90*5000? Wie hoch ist da der Gewinn? :roll:

Hallo!

Ich finde, die ARD-Reportage zur kik-Story gestern abend in der ARD hat mal wieder gezeigt, wofür wir Gebühren zahlen - im positiven Sinn. Das wäre meiner Meinung nach mal eine Erwähnung im nächsten „kurz kommentiert“ wert. das war eine wirklich sehenswerte Reportage. Ab und zu darf ja in FK-TV auch mal Gutes gelobt werden… :wink:

Hier auch ein lobender SPIEGEL-Beitrag dazu: http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,709922,00.html

Ein guter Artikel … leider habe ich die Berichterstattung nicht gesehen.

Aber es ist mal wieder bezeichnend. Für mich sind die Ursachen solcher Preisdrücker im inländischen System zu suchen. Je weniger dem Bundesbürger im Beutelchen bleibt, umso eher wird er zu solchen “Discountern” gehen … und das ist deren Profitgrundlage.

Also ich muss sagen, dass ich etwas enttäuscht von der kik-story war. Sicher, das Thema muss gezeigt werden und es ist erschreckend wie kik mit seinen heimischen und ausländischen “Mitarbeitern” umgeht, die Ausbeutung ist erschreckend. Die Recherchen waren sicher sehr aufwendig und zeitintensiv. Was mich aber konkret gestört hat war die filmische Umsetzung… denn der Aufhänger des todkranken Jungen zog sich durch die ganze story. Und ich finde eben, dass dieses Schicksal nur bedingt mit kik und seiner Arbeitsausbeutung zu tun hat. Der Junge selbst hat nicht für kik gearbeitet, ist nicht krank geworden, weil er von kik ausgebeutet wurde etc… Auch wenn seine Schwester nicht für kik gearbeitet hätte, wäre er wohl krank geworden. Versteht mich nicht falsch, er ist natürlich ein Opfer des Systems der Ausbeutung in dem Sinne, dass seine Angehörigen nicht genug Geld haben, um einen Arzt zu bezahlen und daran trägt auch kik mit seiner Arbeitspolitik schuld. Allerdings nicht an der krankheit selbst und ich fand, dass das nicht deutlich genug gemacht wurde bzw. das Kind eine zu große Rolle in dem Beitrag spielte. Dadurch werden natürlich besonders die Emotionen des Zuschauers angesprochen der sich sagt “Oh mein Gott, wie schrecklich”. Aber irgendwie ist es auch ohne dieses Schicksal schlimm genug was dort passiert…
Ich hoffe ihr versteht was ich meine, die Recherche, das Thema etc., alles gut und wichtig, aber die Umsetzung des Beitrags fand ich leider etwas zu sehr am Schicksal der Einzelperson des kranken Jungen aufgehängt…

Was mich an diesen Berichten stört ist diese unterschwellige Bigotterie.

Gut. Fakt ist, das KIK in diesen Nähereien seine Waren - über Zwischenhändler - ankauft und das diese Produzenten Kinder beschäftigen, teilweise unter unwürdigen Bedingungen. Hat Kik diese Nähereien geschaffen?

Mittelbar sicher. Der Markt ist da, die Produzenten in den Drittwelt-Ländern produzieren für diesen Markt und sie produzieren mit diesen Bedingungen. Würde Kik diese Waren nicht zu diesen Preisen ankaufen, wären sicherlich auch diese Fabriken nicht. Aber warum kauft kik diese Waren so günstig ein?

Weil die Vebraucher im Inland sie zu solchen Preisen haben wollen. Weil Kik hier einen Markt hat. Wenn ich bei Kik eine Kinderhose für 3,00€ bekommen, die Junior beim Spielen zerfetzen kann, dann sind das 3,00€. Kaufe ich deswegen eine Kinderhose für 20,00€? Sicherlich nicht.

Diejenigen, die sich jetzt bei diesem Thema schockiert an den Kopf fassen, sollten doch eher überlegen, ob sie nicht die Urheber dieses Dumpfings auf Kinderkosten sind. Dann sollen die doch hingehen und sich die Klamotten bei anderen Anbietern für das Vierfache kaufen? Geht nicht?

Geld zu knapp? Was denn nun?

Um Waren billig zu produzieren, muss ich an den Kosten sparen. Das ist in Deutschland - Gott sei Dank - nur bedingt möglich. Also wandern die Anbieter in den Import aus. Der Verbraucher hat mit seiner kümmerlichen Penunze nun mal nicht die Möglichkeiten, sich hinzustellen und teurere Sachen zu kaufen.

Und dieser Markt ist hart umkämpft. Wenn die Kunden jetzt KIK schneiden, werden andere davon profitieren … die genauso im Ausland produzieren … vielleicht sogar in genau derselben Firma.

Ich will und werde KIK nicht verteidigen … ich hasse diese Kinderarbeits-Unterstützer genauso. Aber ich hasse auch die Verbraucher, die naserümpfend “oh Gottchen, neee …” ausrufend, sich ein Tränchen aus den Augen drücken und dann doch dort einkaufen. Weil es ja nicht anders geht.

Und noch ein anderer Aspekt sollte nicht unberücksichtigt bleiben.

Es kaufen dort nicht nur Menschen, die gezwungen sind, jeden cent dreimal umzudrehen … es kaufen auch die Leute dort, die lieber dort ihre Kleidung kaufen, als auf Luxusartikel zu verzichten. Diese Kunden dieser Discounter (egal ob Bekleidung oder Lebensmittel, Möbel oder sonstwas) sind diejenigen, die dann das Geld in den Apple-Store tragen, sich den Zweitwagen finanzieren und die neueste Spielekonsole, bzw. den zweiten Auslandsurlaub.

Und das ist das zweite Standbein solcher Discounter.

Wenn man das Problem lösen will, dann sollte man die Ursachen bekämpfen, nicht die Symptome verpflastert.

Zum Thema:
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/ … Id=5063630

Meiner Meinung nach zu sehr auf Emotionen ausgerichtet. Etwas mehr Sachlichkeit hätte der Doku nicht geschadet. Trotzdem sehenswert und thematisch gut. Wobei: Wer glaubt eigentlich wirklich dass die gängige Billig-Preisgestaltung in Deutschland mit durchweg vertretbaren Bedingungen überhaupt möglich wäre?

Ich sah bereits die erste Fassung und bin froh das es noch solchen Journalismus gibt der sich auch mit solchen Problemen befasst. Insgesamt einfach ein klasse Bericht an dem ich nichts zu kritisieren sehe.
@Hasta la victoria siempre
Natürlich werden die Zuschauer auch über Emotionen angesprochen. In diesem Fall sehe ich das aber nicht als schlimm an, da es vorwiegend dazu dient, auf das Problem aufmerksam zu machen. Auch nimmt es keinen übertrieben großen Teil ein. So ein konkreter Fall sagt immer noch mehr aus als ein Satz “viele können sich keinen Arzt leisten”. Natürlich poliert es auch ein wenig am Image des NDR mit den guten Reportern die nur helfen wollen aber grundsätzlich sehe ich es nicht als “falsch” an so zu berichten, solange dies nicht Überhand nimmt. Wenn sich mal ein RTL-Zuschauer ins Erste “verirrt” (ja, etwas überspitzt formuliert) möchte der schließlich auch was verstehen. Daher halte ich den Journalismus der nicht nur das Bildungsbürgertum anspricht oder Experten beliefert für völlig in Ordnung.

Dann sollen die doch hingehen und sich die Klamotten bei anderen Anbietern für das Vierfache kaufen? Geht nicht?

Geld zu knapp? Was denn nun?

Geht auch anders - nennt sich 2nd Hand (shop, ebay, flohmarkt, whatever), aber stimmt… das ist ja 10x peinlicher als bei KiK einzukaufen :wink:

Es kaufen dort nicht nur Menschen, die gezwungen sind, jeden cent dreimal umzudrehen … es kaufen auch die Leute dort, die lieber dort ihre Kleidung kaufen, als auf Luxusartikel zu verzichten. Diese Kunden dieser Discounter (egal ob Bekleidung oder Lebensmittel, Möbel oder sonstwas) sind diejenigen, die dann das Geld in den Apple-Store tragen, sich den Zweitwagen finanzieren und die neueste Spielekonsole, bzw. den zweiten Auslandsurlaub.

Du sprichst mir aus der Seele :smiley:

Hallo zusammen,

Als regelmässiger Zuschauer von Fernsehkritik fand ich nun auch mal n Grund mich hier zu registrieren :wink:

Und zwar will ich mal ne positive Seite ansprechen.
Hat jemand diese Woche die KIK-Story (ARD-exclusiv) gesehen?

Fande es richtig vorbildlich, wie schonungslos hier die ARD (bzw der NDR) über die Arbeits- und Produktionsbedingungen dieser Firma berichtet hatte.

Hier kam man seinem Auftrag zur Aufklärung und Bildung in vorbildlicher Art und Weise nach. Denn nur solche grossen Medien haben wirklich die Möglichkeit etwas ändern und verbessen.

Wer es nicht sah, dem empfehle ich es in den ARD Podcasts anzuschauen. Öffentlichrechtliches Fernsehen wie es sein sollte.

Grüsse
Marco

PS: jedem, der sich für diese Thematik interessiert, empfehle ich zusätzlich das „Schwarzbuch der Markenfirmen“

edit: hm sorry sah nicht, dass es schon n Thema gab.

Logisch hat KIK diese nicht geschaffen. Aber alle grossen Firmen haben sogenannte Code of Conducts, in denen sie vorheucheln, sie würden faire Arbeitsbedingungen schaffen. Keiner unternimmt aber wirklich was. Diese codes sind alles nur Teile der Marketingstrategie. Und letztlich ist es egal wo man draufhaut. Ob Adidas, Nike, Levis oder KIK. Treffen tut man garantiert nicht den falschen, aber wichtig ist das mal jemand damit anfängt. Bei KIK ist halts das extreme obendrein, dass die selbst in Deutschland mit den Leuten extrem menschenunwürdig umgehen und indirekt auch gegen geltendes Recht verstossen (Gewerkschaftsfreiheit, nur das man halt andere Vorwände findet um unangenehme Mitarbeiter rauszuwerfen).

Aber es ist mal wieder bezeichnend. Für mich sind die Ursachen solcher Preisdrücker im inländischen System zu suchen. Je weniger dem Bundesbürger im Beutelchen bleibt, umso eher wird er zu solchen „Discountern“ gehen … und das ist deren Profitgrundlage.
[…]
Weil die Vebraucher im Inland sie zu solchen Preisen haben wollen. Weil Kik hier einen Markt hat. Wenn ich bei Kik eine Kinderhose für 3,00€ bekommen, die Junior beim Spielen zerfetzen kann, dann sind das 3,00€. Kaufe ich deswegen eine Kinderhose für 20,00€? Sicherlich nicht.

Diejenigen, die sich jetzt bei diesem Thema schockiert an den Kopf fassen, sollten doch eher überlegen, ob sie nicht die Urheber dieses Dumpfings auf Kinderkosten sind. Dann sollen die doch hingehen und sich die Klamotten bei anderen Anbietern für das Vierfache kaufen? (…) Um Waren billig zu produzieren, muss ich an den Kosten sparen. (…) Der Verbraucher hat mit seiner kümmerlichen Penunze nun mal nicht die Möglichkeiten, sich hinzustellen und teurere Sachen zu kaufen.

Ich will und werde KIK nicht verteidigen … ich hasse diese Kinderarbeits-Unterstützer genauso. Aber ich hasse auch die Verbraucher, die naserümpfend „oh Gottchen, neee …“ ausrufend, sich ein Tränchen aus den Augen drücken und dann doch dort einkaufen. Weil es ja nicht anders geht.

Du hast zum Großteil vollkommen Recht. Aber einige Punkte möchte ich mal anmerken:

  1. Die Qualität der kik-Waren ist nicht viel schlechter als die von anderen Kleidungsketten wie h&m und C&A.
  2. Der Preisunterschied zwischen diesen Läden ist aber enorm - zwar sind die letztgenannten auch nicht gerade teuer, aber zumindest meistens doppelt so teuer.

Sicherlich muss man für eine Kinderhose keine 20,- Euro ausgeben - erst recht wenn sie dann nicht besser ist als die von kik. Aber 5 oder 6 Euro kann man dafür doch bezahlen, oder?

Und hier verstehe ich kik nicht: Warum machen sie nicht pauschal fast alle Waren 2-3 € teurer? Denn Isegrimm sagt zu Recht, die Leute kaufen zu den billigen Preisen. Die Sachen sind aber so billig, dass eigentlich jeder auch noch zumindest ein paar Euro mehr ausgeben könnte.

Ich kaufe normalerweise nicht bei kik. Wir haben da aber eingekauft, als sich meine Frau im letzten Winter den Arm gebrochen hatte und wir schnell einige Kleidungsstücke brauchten, die man über den Gipsarm bekam bzw. bei denen es nicht schlimm war, sie aufzuschneiden. Wir waren regelrecht entsetzt, wie billig manches war. Da bekommt man doch ernsthaft beim Einkaufen ein schlechtes Gewissen. Und nicht dass ihr glaubt, ich kaufte sonst im Designerladen oder so - ich schlage auch bei C&A gerne zu, wenn die Restposten verramschen und da Hemden für 5 € dabei sind. Aber bei kik ist das irgendwie unheimlich. Wir hätten sicherlich auch pro Teil die genannten 2-3 € mehr bezahlt.

Genauso in der Lebensmittelbranche: In Deutschland sind die billiger als fast auf dem ganzen Rest der Welt, und gleichzeitig sehr hochwertig. Aber warum kann die Milch nicht 5-10ct mehr kosten pro Liter?

Meiner Meinung nach sind nicht nur die Verbraucher schuld, sondern die Unternehmen. Denn letztlich habe ich keine Wahl: Ich muss ja den Preis bezahlen, den der Supermarkt oder Discounter fordert. In Deutschland würde kaum einer in die Armut abrutschen, wenn Lebensmittel etwas teurer wären, wenn sie so teuer wären, dass die Bäcker und Bauern usw. davon angemessen leben könnten.

Warum wird es trotzdem nicht gemacht? Weil die Unternehmen da kein Interesse dran haben. Im Fall kik: Wenn die sich engagieren würden, dass in den Fabriken in Bangladesh bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne gezahlt würden und sie die Mehrkosten an die deutschen Abnehmer weiter geben würden, hätten sie selbst nichts davon, zumindest auf dem Papier nicht. Genauso im Lebensmittelhandel: Dort ist der Markt so dicht, dass eine Preiserhöhung oder Preissenkung fast immer an die Verbraucher weiter gegeben wird, so dass die Gewinnmargen eher über die Verkaufsmenge als über den Preis geschieht - da wird mittlerweile nur noch um Marktanteile gekämpft, preislich ist die Verkaufskette da optimal durchorganisiert.

Aber vielleicht setzt ja bei den Billigheimern mal ein Umdenken ein: Dass die Verbraucher lieber mit einem besseren Gewissen einkaufen und sich das auch mal ein paar Euro zusätzlich kosten lassen.

Ich fand die Reportage sehr interessant, wenn auch, wie andere schon angesprochen haben, etwas zu sehr auf Emotionen gesetzt wurde. Die Sendung hätte auch ruhig etwas länger ausfallen können.

Was Niedrig-Preise und Ausbeutung von Arbeitern im Allgemeinen betrifft, so denke ich, daß sie nur Teil eines größeren Problems sind. Viele arme Schweine in diesem Land kommen nur deshalb gerade so über die Runden, weil noch ärmere Schweine noch mehr ausgebeutet werden (man verzeihe mir die etwas drastische Wortwahl). Wer genug Geld hat, kann immer noch entscheiden ob “Geiz geil ist”. Wer hingegen von Niedriglohn oder ALG II leben muß, dem bleibt unter Umständen gar nichts weiter übrig als zu kik & Co. zu gehen. Und von solchen Menschen gibt es in Deutschland inzwischen verdammt viele.

Andererseits weiß ich inzwischen gar nicht mehr wo man überhaupt noch Klamotten bekommt, die zu fairen Bedingungen hergestellt wurden. Ich habe mir kürzlich im Laden eine Jacke gekauft, die nicht gerade billig war und stellte später fest, daß sie “made in China” ist. Ich vermute, daß die chinesischen Näherinnen auch nicht gerade fürstlich entlohnt werden.

Ich bin selbst HARTZ IV Empfänger, kaufe aber nicht bei KIK. Viele meiner Klamotten bekomme ich sehr preisgünstig bei Ebay, auf Flohmärkten oder in 2nd-Hand Shops. Das schöne: man sieht es nicht einmal. So hatte ich mal das Glück eine richtig schöne Samthose für 3€ bei Ebay zu ersteigern, neu kosten die so 50-70€ in einschlägigen Gothic-Läden. Was Basics betrifft (Unterwäsche, Socken usw) kann man auch in Läden wie H&M durchaus schonmal ein Schnäppchen machen.

KIK fährt halt ein ziemlich aggressives Marketing, dadurch gehen die Leute ja erst dort hin. Zur Doku selbst muss man sagen, dass das Beispiel um den kranken Jungen in der ersten Fassung gar nicht so plattgetreten wurde. Die Klage von KIK gegen das NDR beruhte aber zum großen Teil darauf, dass man garnicht beweisen könne, dass KIK irgendetwas mit ihm und seiner Familie zu tun hatte. Man musste also schon weiter in diese Richtung recherchieren um die Auseinandersetzung zu gewinnen. Was auch richtig so ist.
Übrigens: allgemein finde ich “Panorama” das beste Magazin von allen, da es sich die Redaktion wirklich nicht nehmen lässt regelmäßig heiße Eisen anzufassen.

Das Kleidung so billig produziert wird wie es geht ist doch Gang und Gebe. Genauso gut hätte man den Bericht über Nike, Puma, Adidas, etc… machen können. Da hätte man bestimmt ähnliche Zustände gefunden. Der Arbeitsplatz war doch für die Verhältnisse noch annehmbar. Aber man berichtet eben lieber mal negativ über eine GmbH als über eine AG.

Meiner Meinung nach sind nicht nur die Verbraucher schuld, sondern die Unternehmen. Denn letztlich habe ich keine Wahl: Ich muss ja den Preis bezahlen, den der Supermarkt oder Discounter fordert. In Deutschland würde kaum einer in die Armut abrutschen, wenn Lebensmittel etwas teurer wären, wenn sie so teuer wären, dass die Bäcker und Bauern usw. davon angemessen leben könnten.

Leider stimmt das nicht. Nicht die Unternehmen bestimmen was gekauft wird, und die Verbraucher suchen sich dann aus dem Sortiment das aus, was sie brauchen. Das war mal vor etlichen Jahren so und nannte sich Push-Markt.
Heute unternehmen Unternehmen (welch ein Wortspiel) eine große Menge an Anstrengungen, um herauszufinden, was der Verbraucher will, um ihm dann die passenden Produkte zu liefern. Das nennt man dann Pull-Markt.
Da der Verbraucher heute vor allem eines will – alles so billig wie es eben geht - schrauben viele Unternehmen an den Preisen um ihre Kundschaft zu erhalten.
Gerade in Deutschland wird sehr wenig Geld für Lebensmittel ausgegeben, nicht weil wir weniger essen, sondern weil wir das billige Zeug kaufen.

Achja, wer meint für C&A oder H&M würde jemand unter guten Bedingungen Nähen, hat noch nie etwas in Mitteleuropa nähen lassen, dann fällt derjenige vom Glauben ab, was Klamotten kosten können.

Um die Mentalität eines großen Teils unserer Gesellschaft darzustellen, nur noch mal ein Werbezitat eines großen Elektronikhändlers: „Lasst euch nicht verarschen, vor allem nicht beim Preis.“
Sagt eigentlich alles über unser Kaufverhalten aus.

Andererseits weiß ich inzwischen gar nicht mehr wo man überhaupt noch Klamotten bekommt, die zu fairen Bedingungen hergestellt wurden. Ich habe mir kürzlich im Laden eine Jacke gekauft, die nicht gerade billig war und stellte später fest, daß sie „made in China“ ist. Ich vermute, daß die chinesischen Näherinnen auch nicht gerade fürstlich entlohnt werden.

Man kann davon ausgehen, dass die Arbeitsbedingungen in China mittlerweile bei weitem besser sind als zB in Bangladesch oder Indien, wenn sie auch nicht mit unseren zu vergleichen sind.

Ich bin aber eh lange der Meinung, dass für importierte Ware die selben Regelungen (Umweltschutz, Arbeitsschutz) gelten müssen, wie wenn sie in Europa produziert werden würden. Ich bin mir auch im klaren, dass sich das so nicht durchsetzen lässt, aber vielleicht kann man wenigsten regulieren, dass Ausbeute verhindert wird.

Ist eigentlich schon bekannt, ob das ganze für Kik rechtliche Konsequenzen hat?

Ich stell mal die provokante These in den Raum, dass wir ohne den Abbau der “Internationalen Handelshemmnisse” (siehe Wikipedia: GATT) heute nicht über derartige Situationen diskutieren müssten.

Also, erstmal muss man die Recherchen von Panorama/NDR wirklich loben. Wenn wir mehr solche Journalisten im öffentlich-rechtlichen Sektor hätten, könnte man dort noch wesentlich genereller an das Thema herangehen. Allerdings haben diese Leute auch den Rückhalt und die finanziellen Mittel, solche Dinge über Monate ganz intensiv zu machen.

Ich finde auch sehr respektabel, dass die ARD hier gegen einen großen Werbekunden, sogar gegen die Spots an sich schießt. Klar sollte so etwas selbstverständlich sein, aber es zeigt, dass die hier investierten Gebührengelder einmal nicht in Weichspüler investiert wurden, um im Textilsprech zu bleiben. :slight_smile: Und endlich wird hier mal konsequent vor Gericht die Stellung gehalten; das kann man sonst auch nicht unbedingt von den Öffentlich-Rechtlichen behaupten.

Vor allem sind hier unterhaltende und informierende Elemente sehr gut kombiniert. Die naive Frau Pooth lockert das Ganze auf, das elende Kind steht repräsentativ für die fürchterlichen Zustände in den Produktionsländern und wirft quälende Fragen auf. Der Reporter ist naiv-kritisch und stellenweise richtig lustig: „Sagen Sie mal, ich dachte Sie sind Pressesprecher. Oder sind sie Presseschweiger?!“ :D:D:D