Katastrophen und Opfer - Nachrichten

Grüß euch.
Ich weiß nicht, ob ihr die gleichen Ansichten wie ich teilt, aber ich finde es schrecklich, wenn man in den Nachrichten hört:
“Als in XXX ein Tornado über die Stadt hinwegfegte und über 10000 Menschen mit in den Tod riss, … . Unter den Toden gibt es angeblich auch 3 Deutsche… .”

Ich frage mich immer, warum die Typen extra erwähnen muss? Natürlich ist es schrecklich was passiert ist, aber warum müssen 3 Leute so hervorgehoben werden? Als wären Deutsche wichtiger als die restlichen umgekommenen? Klingt vll. etwas schorf, aber ich verstehe es nicht.
Kann mir dass jemand erklären? <.<

Finde ich, ehrlich gesagt, verständlich.

Für die Angehörigen der (deutschen) Opfer ist es sicher nicht unwichtig.

Ich nehme diese Art Meldungen nicht wertend wahr, sondern einfach als Info für all diejenigen, die gerade Freunde/Verwandte in der betroffenen Gegend haben.

Schlimmer finde ich es, dass z.B Blauhelmtruppen 6 Touristen vor den mordenden Hutu Meute retteten, die Anwesenden Tutsie aber vollkommen ohne Schutz zurückliesen.
Das ist doch mal eine klare Wertung menschlichen Lebens.

  1. Also ist es besser, gleich zu sagen, dass die Deutschen tod sind & somit etliche Familien Panik bekommen?
    2)Ernsthaft? oO >.<

Ja sorry aber wenn mein Bruder dort grad Urlaub macht, dann möcht ich schon wissen, ob jemand zumindest aus meinem Land verwundet oder getötet wurde, auch wenn man in der Schnelle noch keine Identifizierung vornehmen kann.

Und diese Information bringt dir was?
Das du mit leichtem Gewissen entspannen kannst und weißt, dass nur 1 Österreicher gestorben ist, wobei 3 dort hätten sein können?
Es reicht doch komplett, wenn man sie als Touristen bezeichnet. Schließlich ändert es nichts am Fakt, dass dein Bruder dann evtl. tot wäre & du noch immer daran rätseln würdest - Es ändert sich nichts.
Oder bist du zufrieden zu wissen, dass jemand aus deinem Land gestorben ist und sich damit der Verdacht verstärkt, dass es dein Bruder gewesen sein könnte?

Nun ja, wenn ichs erfahre, dass dort und dort ne Katastrophe war und mir jemand sagt, dass kein Österreicher verletzt wurde, gerate ich wenigstens nicht so in Panik über den Fakt, dass mein Bruder nicht anruft. Sollte einer verletzt worden sein kann ich mich wenigstens bei den zuständigen Behörden melden, weil weder er noch die, die ihn dort rausgegraben haben wahrscheinlich im ersten Moment mich anrufen werden können.

Sie können ja nicht wissen, ob Österreicher verletzt wurden, wenn sie nicht alle ausgegraben haben bzw. alles durchsucht haben - Kann ja sein, dass irgendwo was stärkeres war und noch was verschüttet ist. Und deshalb hört man Großteils “Bisher wurden keine Österreicher gefunden” o.Ä.
Bringt die Hoffnung auch nur nach oben - Ob es sich bewahrheitet ist etwas anderes =)

Stimme der Threaderstellerin rundum zu.

Sollte jemand Verwandte in der Gegend haben, benötigt er keine Eilmeldungen und Headlines in den Medien, um sich Sorgen zu machen und aktiv zu versuchen, Kontakt zu ihnen herzustellen. Ob es sich um bei den Verunglückten hinterher wirklich um die eigenen Angehörigen handelt, wird er ohnehin erst zweifelsfrei von den zuständigen Behörden erfahren. Und diese Entwicklung braucht Zeit und wird durch mediale Panikmache keineswegs beschleunigt, sondern eher behindert.

Deutsche bzw. westliche Opfer stehen den Meisten uns nun einmal näher als die einer fremden Kultur. Die Medien wissen das und gestalten die Nachrichten um der Quote willen entsprechend. Beispiel? Wenn’s eine Boeing auf einem innerafrikanischen Flug runterhagelt, ist das auch Tagesschau & Co. nur eine Randnotiz wert. Lasse dieselbe Maschine auf dem Pariser Flughafen abstürzen und schon hast du deinen ARD-Brennpunkt.

Zwei Deutsche sollen bisher sicher in Haiti gestorben sein, wenn ich recht gehört habe. Ihnen gegenüber stehen 200 000 Haitianer. Und die Sendezeit ist dennoch meist annähernd gleich auf beide Gruppen verteilt.

Ähnlich ungerecht war das fast schon widerlich anmutende Trommelfeuer von Schweigeminuten nach dem 11. September. Damals fiel zudem so manche Unterhaltungssendung aus. Nun haben wir ein Vielfaches an Opfern, aber da uns diese fremd und außerdem wirtschaftlich nicht interessant genug sind, machen wir einfach weiter wie gehabt. In ein paar Monaten kommt die nächste Katastrophe. Garantiert.

Nun ja, es gibt einen Unterschied, ob ein Erdbeben so und so viele Leute getötet hat, oder ob es von 3 einzelnen Menschen vollbracht worden ist (was eine sehr viel größere Aussage über unsere Existenz und unser Zusammenleben ausmacht).

Nun ja, es gibt einen Unterschied, ob ein Erdbeben so und so viele Leute getötet hat, oder ob es von 3 einzelnen Menschen vollbracht worden ist (was eine sehr viel größere Aussage über unsere Existenz und unser Zusammenleben ausmacht).

Tut mir leid, aber ich versteh beim besten Willen nicht, worauf du hinaus willst. :?

Ich schätze sie will sagen, dass es ein Unterschied ist ob 200.000 menschen durch ein unvermeidbares Unglück gestorben sind oder ob X Menschen bei einem Anschlag ums Leben kommen, welcher zumindest in der Theorie vermeidbar wäre.

@ Silvere

  1. Ernsthaft Oo >.<

Ja, ernsthaft. :smt010
Kannst dich ja mal im Internet umschauen unter “Völkermord Ruanda” oder, wenn du lieber abendffüllende Unterhaltung möchtest dann schau dir “Shooting Dogs” (in dem Film geht es eigtl. genau um das Beispiel “Touristen retten ja, Einwohner beschützen nein”) an… oder, wenn du´ die etwas sanftere Variante preferierst, “Hotel Ruanda”.

Ich halte es für relativ logisch dass deutsche Medien über deutsche Opferzahlen berichten. Genauso wie die Spanier über spanische Opfer blablabla.

Lasse dieselbe Maschine auf dem Pariser Flughafen abstürzen und schon hast du deinen ARD-Brennpunkt.

Das liegt wahrscheinlich daran dass Paris in unmittelbarer nähe ist und deswegen ein vielleicht etwas größeres Intresse besteht. Und wenn sich viele Menschen dafür interessieren dann gibts auch einen extra Brennpunkt. Auch eine Sache die für mich logisch erscheint. Ich weiß gar nicht was ihr alle grad habt…

Ich halte es für relativ logisch dass deutsche Medien über deutsche Opferzahlen berichten.

Es geht hier um die unverhältnismäßige Art der Berichterstattung, nicht ihrer Berechtigung an sich.

Das liegt wahrscheinlich daran dass Paris in unmittelbarer nähe ist und deswegen ein vielleicht etwas größeres Intresse besteht.

Paris war vielleicht nicht das beste Beispiel. Dann nehmen wir eben London, Rom, Vancouver, New York oder jede andere beliebige Metropole der westlichen Industriestaaten.

Erinnert ihr euch noch an die Notlandung auf dem Hudson River und den Medienzirkus danach? Oder den Air France-Flieger, der letztes Jahr lange Zeit einfach unauffindbar war? Alles Unglücksfälle, aber beide nicht schwerwiegender als das, was z.B. gestern vor der libanesischen Küste passierte und - wie von mir schon vor einigen Tagen beschrieben - vorhin nur als abschließende Randnotiz in der Tagesschau erwähnt wurde. Die vorgenannten Beispiele waren dagegen viel, viel präsenter in der Berichterstattung. Das nenne ich Heuchelei.

Erinnert ihr euch noch an die Notlandung auf dem Hudson River und den Medienzirkus danach? Oder den Air France-Flieger, der letztes Jahr lange Zeit einfach unauffindbar war? Alles Unglücksfälle, aber beide nicht schwerwiegender als das, was z.B. gestern vor der libanesischen Küste passierte und - wie von mir schon vor einigen Tagen beschrieben - vorhin nur als abschließende Randnotiz in der Tagesschau erwähnt wurde. Die vorgenannten Beispiele waren dagegen viel, viel präsenter in der Berichterstattung. Das nenne ich Heuchelei.

Du findest also dass Nachrichten nur nach Regeln der political Correctness und Ethik und so weiter aufgebaut werden sollten, und nicht nach dem Interesse der Zuschauer. Wenn also in China irgendwo ein Haus abbrennt und 15 Menschen sterben, und in Deutschland wird jemand vom Zug überrollt, dann muss zwangsläufig über China 15x länger berichtet werden. Der Brennpunkt wird dann mit der Tagesschau zusammengelegt und täglich von 20:00 bis 22:00 als “Große Katastrophen und Unglücks-Show” gesendet. Denn es wäre ja nicht fair auch nur ein Unglück unerwähnt zu lassen. Wäre das Fernsehen nach deinem Geschmack?

Du findest also dass Nachrichten nur nach Regeln der political Correctness und Ethik und so weiter aufgebaut werden sollten, und nicht nach dem Interesse der Zuschauer.

Ich halte nichts von PC, von Ethik dafür umso mehr. Und ja, unter anderem danach sollten Nachrichtensendungen gestaltet werden. Was dagegen geschieht, wenn man der Hand in Hand fortschreitenden Verblödung / Verwahrlosung von Fernsehen und weiten Teilen des Publikums nachgibt, lässt sich Wochenende für Wochenende anhand der Tagesschau beobachten: Der Sport - genauer: der Fußball, also Brot und Spiele - nimmt dann halt mal fast 50% der Sendezeit in Anspruch.

Was meine Kritikpunkte mit politischer Korrektheit zu tun haben sollen, ist mir sowieso schleierhaft. Mir geht es allein darum, die geheuchelte selektive Betroffenheitsmaschinerie in den Massenmedien anzuprangern.

Wenn also in China irgendwo ein Haus abbrennt und 15 Menschen sterben, und in Deutschland wird jemand vom Zug überrollt, dann muss zwangsläufig über China 15x länger berichtet werden.

Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Ich spreche von vergleichbaren bzw. ähnlichen Katastrophen höherer Größenordnung, wie die angesprochenen Flugzeugabstürze und ihre äußerst unterschiedliche mediale Rezeption. Auch ein Hausbrand in Deutschland wird von den unsäglichen Ekel-Magazinen routinemäßig in einer einzigen Sendung abgearbeitet. Verhältnismäßigkeit bedeutet darüber hinaus nicht, dass man die mediale Aufmerksamkeit auf die Sekunde nach einer genau bestimmten Formel durchrechnet, sondern eben ungefähr das rechte Maß hält.

Ein Hausbrand in China ist für unser Alltagsleben irrelevant - ein Hausbrand am anderen Ende unserer Republik, ach, sogar im Nachbarort aber ebenso. In aller Regel kann man auf jede Art von Unglücksberichterstattung verzichten, da damit niemandem geholfen wird. Die Leute werden allenfalls in Panik versetzt und ihre Sensationsgeilheit weiter angestachelt. Ausnahmen gibt es natürlich auch hier: Katastrophen vom Ausmaße des Erdbebens in Haiti müssen thematisiert werden, da diese auch teils erhebliche politische Konsequenzen nach sich ziehen können und der westliche Bürger die Not durch Spenden lindern kann (wobei das ebenfalls ein Punkt ist, den man ggf. sehr kritisch sehen kann).

Über Personenschäden im Zugverkehr sollte man des Werther-Effekts wegen ohnehin nicht berichten, aber das nur nebenbei.

Vielleicht sollte man die Wirkungssphäre höherer Gewalt verlassen und ein anschaulicheres Beispiel wählen: Völkermord in Ruanda: 500 000 Tote. Die Massaker im Sudan: Eine ähnlich hohe Zahl an Opfern. Beides menschengemachte, vermeidbare Massenverbrechen, die aber trotz der erheblich höheren Opferzahl in keiner Weise mit einer vergleichbaren Aufmerksamkeit und emotionalen Ausschlachtung wie die Anschläge am 11. September mit ihren 2000 Toten bedacht wurden. Sondersendungen? Schweigeminuten des Bundestages? Blumenmeere vor den Botschaften der betroffenen Länder? Fehlanzeige. Das nenne ich Heuchelei. Wenn, dann bitte richtig. Aber das Fernsehen ist wohl einfach unfähig, aus der Bedienung der niedrigen Instinkte der großen Masse (“Was mir fremdartig anmutet, kann mir gleichgültig sein.”) auszubrechen.