Kann ich wollen was ich will?

Im “Sinn des Lebens”-Threads haben sich ja schon ein paar Hobby-Philosophen versammelt und philosophiert. Nun will ich mal hier einen weiteren Philosophie-Thread erstellen, mit einer Frage die mich persönlich schon ziemlich lange beschäftigt, nämlich:

Kann ich wollen was ich will? Oder: Gibt es einen freien Willen?
Meine Meinung sag ich erstmal nicht :smt002
Ich hoffe auf eine spannende Disskussion mit vielen neuen Argumenten die ich noch nicht kenne :lol:

P.S.: “Kann ich wollen was ich will” ist eine Leitfrage in den Werken von Arthur Schopenhauer. Für die die mal eine bisschen googlen möchten

Kann ich wollen was ich will? Oder: Gibt es einen freien Willen?

Ich persönlich denke nicht, das wir einen freien Willen haben.
Der “freie Willen” umschreibt für mich vielmehr die Bedürfnisse eines jeden Mensch. Existenzielle Bedürfnisse, kulturelle und Luxusbedürfnisse.
Die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen (Nahrung, Schlaf, Kleidung, Obdacht) sind nahezu gleich, während sich die anderen Bedürfnisse je nach Individuum und sozialem Stand unterscheiden.
Fakt ist aber, das sich unsere Bedürfnisse nach unserer Umwelt formen und beeinflussen lassen. Somit ist nichts wirklich “frei” in unserem “Willen”, es ist entweder von unserer Umwelt oder von der Natur vorgegeben.

Also, da Du schon Schopenhauer zitierst, gehe ich mal davon aus, dass Du einen freien Willen verneinst.
Wen ich nicht irre, ging Schopenhauer davon aus, dass äussere Einflüsse jedwede Entscheidung beeinflussen, gleichsam steuern.

Es gibt ja eine recht neue Studie von Hirnforschern dazu, die nachgewiesen haben, dass es schon lange (bis zu 10 Sekunden!) vor der bewussten Entscheidung messbare neuronale Prozesse gibt - ein starkes Indiz dafür, dass der freie Wille tatsächlich weitgehend eine Illusion ist.

Das bedeutet auch, dass man Körper und Geist, also Hirn und Psyche, nicht voneinander trennen kann, sondern diese vielmehr eine Einheit bilden, ein “Nacheinander von Ursache und Wirkung”.

Das bedeutet jedoch nicht zwingend, dass wir nur “biologische Maschinen” bzw. “Automaten” sind, sondern nur dass unser Unterbewusstsein, unsere gespeicherten Erfahrungen, ja sogar unser evolutionäres Erbe eine weit grössere Rolle spielen als bisher angenommen.
Oder wie Haynes in einem Fernsehinterview sagte, dass ich im Zusammenhang mit der Vorstellung der genannten Studie gesehen habe: “man kann nicht unbedingt behaupten, dass es gar keinen freien Willen gäbe - aber der Spielraum für wirklich freie Entscheidungen ist sehr klein, viel geringer als wir bisher dachten”.

Dem schliesse ich mich an: der freie Wille wird sehr überschätzt :smt025

Das eine muss das andere ja nicht ausschließen. Die Frage ist, wer wir wirklich sind. Ich jedenfalls denke, dass dieser Fasching (die künstliche Umwelt) so eine Art Matrix ist - jedoch nicht so wie im Film, obwohl der schon die Wahrheit in einer Geschichte verpackt wiedergibt. Auch, dass manche zu bequem sind, um wirklich frei sein zu wollen (“Die blaue Pille”). Das erklärt für mich jedenfalls diesen Irrsinn, dass hierzulande die Menschen den immer gleichen Müll wählen, sich aber beklagen über die “doofen Politiker”. Die haben leider noch nicht gecheckt, dass sie selbst Entscheidungen treffen müssen bzw. selbst denken (“Glotze aus!!!”) Die moderne Quantenphysik hat uns auch viele Erkenntnisse gebracht, z.B. dass sich Materie aus winzigen Energiefeldern zusammensetzt und wir diese mit unserem Denken, unbewussten Ängsten u.s.w. beeinflussen, d.h. auch das, was wir als persönliche Realität erleben ist in der Tat wie ein Spiegel (Synchronizität, nachCarl Gustav Jung). Der freie Wille ist nach meiner persönlichen Schlussfolgerung proportional so frei wie das Bewusstsein groß ist. Ein Yogi zeigt uns auch, was möglich ist, doch ist dies ein harter Weg, sich frei zu machen. Ich glaube, dass es möglich ist, einen freien Willen zu entwickeln. Der erste Schritt wäre sicherlich, sich frei zu machen vom Konsumsklaventum und wieder ein Gefühl für sich selbst und natürliche Bedürfnisse zu entwickeln. Mit dem Verstand kann ich zwar eine Sache verstehen, begreifen hat jedoch etwas mit fühlen zu tun. Meine Quelle zum Thema Quantenphysik ist hauptsächlich das Buch “Nur in deinem Kopf”(genau, Smudo von den Fanta4 hat das Vorwort geschrieben), welches ich jedem, der alte Denkmuster durchbrechen will, empfehlen kann. :smt023

Ich empfehle Wer bin ich - und wenn ja wie viele? von Richard David Precht, Philosophie auch für Einsteiger

Die moderne Physik und die Psychologie passen hier doch gut zusammen. Realität ist das was man selbst wahrnimmt, nicht unbedingt das was /wie es wirklich ist. Einfacher Versuchsaufbau hierzu: eine Flasche Wodka, schon sieht die Welt ganz anders aus :wink:
Mit dem freien Willen ist es wie mit der Wahrnehmung: Wenn man glaubt eine Entscheidung bewusst getroffen zu haben dann hat man dies, je nach Situation, entweder durch rationales Nachdenken auch getan oder man folgt dem Unterbewusstsein (oder gar den „Gefühlen“). Einfacher Versuch hierzu: Entscheidungen vergleichen die bei guter / schlechter Laune getroffen wurden, darüber nachdenken wie das Hirn in Kurzarbeit geht wenn man verliebt ist o.ä.

Wenn der freie Wille eine Flamme im Feuer der Erkenntnis ist so sollte man aufpassen. Feuer erleuchtet nicht nur - es verbrennt auch.

Ich bin zunächst einmal für das fehlende Komma in der Überschrift. :wink:

Zur Frage selbst: Nein. Ich glaube das nicht. Wir werden von unserer Umwelt beeinflusst und tun letztlich das, was wir nach eigenem Dafürhalten für das Beste halten. Doch wer bestimmt das eigene Dafürhalten? Unsere Umwelt. Das ist meine Ansicht in dieser Frage.

Wenn du das Buch schon empfiehlst dann könntest du ja auch die wesentlichste Schlussfolgerung das Kapitels (Das übrigens genauso heißt wie der Thread hier wodurch ich mal davon ausgehe, dass der Ersteller selber das Buch gelesen hat) nennen:

Ein freier Wille existiert nicht, da Entscheidungen vom Gehirn getroffen werden noch bevor wir selber wissen das wir sie getroffen haben aber diese Entscheidungen revidieren können. Es gibt daher zwar keinen freien Willen aber einen “freien Unwillen” wie es im Buch ausgedrückt wird.

Kann das Buch nur uneingeschränkt empfehlen auch wenn ich mit dem Autor nicht immer ein Meinung bin.

Das heißt “möchten”, nicht “wollen”… :smt023

Kann ich möchten was ich mag?

Es ist “immer” eine Frage der Situation :smt023

… oder… :smt017

Man mus bedenken wenn man gegen einen freien Willen argumentiert: Man löst sich damit von jeglicher Verantwortung für das eigene Handeln, da man ja praktisch dazu gezwungen wird.
Ich werde hier mal etwas den Advocatus Diaboli spielen, also nicht böse nehmen :smt002

@RonnieB666: Danke für die Links, den Versuch von Haynes kannte ich noch nicht. Allerdings kenne ich das für und wider des Libet-Versuchs, der eine wichtige Rolle bei der Frage dess freien Willens spielt. Haynes Versuch spezifiziert zwar das von Libet gemessene Bereitschaftspotenzial, aber die Haupptargumente gegen Libet bleiben weiterhin: Wie sieht es mit Entscheidungen aus, die ich über ein paar Tage treffe, indem ich das Für und Wider immer wieder abwäge? Und kann ich mich nich auch noch meine Entscheidung ändern?
Schopenhauer sagte, dass das was ich will nichts weiter ist als das Produkt der Kausalität der Welt. Daraus schlussfolgert er jedoch weder, dass die Welt um uns existiert, noch dass sich, wie in Matrix, nicht existiert.

@stimpson j. cat :

Das eine muss das andere ja nicht ausschließen

Also so wie ich das verstehe, meinst du, dass die Unfreiheit des Willens die Willensfreiheit nicht ausschließt. Eigentlich irgendwie aber schon. Entweder ich kontrolliere meine Entscheidungen durch mein Bewusstsein oder nicht. Wenn du es anders meinst dann kläre uns bitte auf^^

Was du noch ansprichst ist der Herdentrieb: Eine Theorie dazu ist, dass in einer Gemeinschaft mit einem dominanten Individuum als Alpha-„Männchen“(kann auch weiblich sein, aber der Terminus ist so) untergeordnete Individuen die Meinung/Interessen des Alpha-Männchens imitieren, um selbst nicht nachdenken zu müssen. Denn gesteigerte Gehirnleisstung, z.B. durch exessives Nachdenken, verbraucht deutlich mehr Energie als unreflektiertes Nachahmen. Das Gehirn verbraucht ja so im durchschnitt 20% der Energie des Körpers. Diesen Energieverbrauch so klein wie möglich zu halten wäre also durhaus vorteilhaft so als ums Überleben kämpfender Jäger&Sammler.
Mit Quantenphysik hat man ein gewisses Problem: Quantenphysik ist mathematisch gesehen logisch, funktioniert aber dafür auch nur auf Quantenebene. Durch den Mikrokosmos den Makrokosmos zu erklären ist noch niemandem gelungen und auch der Mesokosmos wird durch die Quantenphysik nur selten erklärt. Das aufeinander zu beziehen ist also selbst für Quantenphysiker und Mathematiker nicht einfach, beinahe unmöglich. Ich habe mir jedenfalls von einem Philosophen bestätigen lassen, dass jeglicher Versuch Quantenphysik in dem Bereich der Neurowissenschaften anzuwenden fehlgeschlagen ist. Oftmals nicht durch Rhetorik oder dialektische Kniffe, sondern durch Physiker.

Der freie Wille ist nach meiner persönlichen Schlussfolgerung proportional so frei wie das Bewusstsein groß ist

Wie groß ist denn so ein Bewusstsein im Durchschnitt? :wink:

Hier stellt sich aber auch die Frage: Hätte ich mich in dem Moment anders entscheiden können? Woher weiß ich, dass das Unterbewustsein mich steuert, wenn ich es nicht bewusst wahrnehmen kann?

Wenn du das Buch schon empfiehlst dann könntest du ja auch die wesentlichste Schlussfolgerung das Kapitels (Das übrigens genauso heißt wie der Thread hier wodurch ich mal davon ausgehen, dass der Ersteller selber das Buch gelesen hat) nennen

Ertappt :smiley:

SEHR interessant - das genannte Buch kannte ich nun wiederum noch nicht. Das wird sich ändern :wink:

@bulletinmyback:

[quote]Das eine muss das andere ja nicht ausschließen

Also so wie ich das verstehe, meinst du, dass die Unfreiheit des Willens die Willensfreiheit nicht ausschließt. Eigentlich irgendwie aber schon. Entweder ich kontrolliere meine Entscheidungen durch mein Bewusstsein oder nicht.[/quote]
Damit meinte ich, dass dies keine Ja - oder - nein - Frage ist, sondern davon abhängt, wie bewusst ich bin. Je mehr ich mir meiner bewusst bin, um so klarere Entscheidungen kann ich treffen. Zum Beispiel kann ich mich bewusst ernähren oder aber durch Werbung künstlich geschaffenen Bedürfnissen nachgehen und Fraß essen, den ich eigentlich gar nicht essen will. Die Grenzen sind m.M.n. fließend und für mich ist dies daher keine eindeutig zu beantwortende Frage. Ich betrachte meine Umwelt bzw. das Universum als ein Ganzes, und daher spielen natürlich auch andere Faktoren mit hinein. Jedoch sind dies Zusammenhänge, die zu groß für den Verstand sind. Dies zu erfühlen bzw. es zu begreifen sollte, wenn man es denn will, ein jeder selbst erfahren.

Durch den Mikrokosmos den Makrokosmos zu erklären ist noch niemandem gelungen und auch der Mesokosmos wird durch die Quantenphysik nur selten erklärt.

Was aber nicht heißen muss, dass es keine Zusammenhänge gibt. Das Universum ist was es ist: in sich eins. Nur in den Köpfen (Verstand) ist dies leider als Denkmodel getrennt. Jedenfalls haben die Physiker in unzähligen Experimenten festgestellt, dass die Teilchen sich so verhielten wie deren Erwartungshaltung war. Dies hat ja auch Jungs Theorie der Morphogenetischen Felder (das kollektive Unbewusste) bestätigt. Jedenfalls ist es in der heutigen Quantenphysik so, dass die Theoretiker angefangen haben, Antworten in der Bibel, dem Zen-Buddhismus u.d.gl. suchen. Mir ist noch sehr gut eine WDR-Doku über das Thema in Erinnerung, wo ein Quantentheoretiker mit leuchtenden Augen berichtete, dass es ein bis zwei mal in seinem Leben vorkam, dass das mathematische (und superkomplizierte) Theoriegebilde sich im Experiment bestätigt hat. Er beschrieb das Gefühl mit den Worten „(…) wenn dies passiert, ist es, als wäre man Gott ein kleines bischen auf die Schliche gekommen“. Aber um nicht vom Thema abzukommen, dies soll meine These untermauern, dass diese Frage nicht allein mit dem Verstand - und mit getrennt voneinander existierenden Denkmodellen - zu bewältigen ist. Eine eindeutige Antwort würde ja den Prozess des Findens (das Leben) beenden.

[quote]Der freie Wille ist nach meiner persönlichen Schlussfolgerung proportional so frei wie das Bewusstsein groß ist

Wie groß ist denn so ein Bewusstsein im Durchschnitt? :wink: [/quote]

Na, so ca. 3,50m . :smiley:
Kleiner Scherz, ich hoffe dass ich dies Frage in meinen Ausführungen beantwortet habe.
Ich möchte aber noch hinzufügen, um besser verstanden zu werden, dass es für mich sehr wichtig geworden ist, die Dinge ganzheitlich zu betrachten, da das Fühlen die Welt erlebbar macht. Ausgewogen kombiniert mit dem Verstand und einer gewissen Neugier bereichert es mein Leben mehr, als es irgendwelche Theorien in Büchern allein je hätten können. Leider ist es auch so, dass viele neue und hilfreiche Erkenntnisse aus der Wissenschaft sehr lange brauchen, um in das allg. Bewusstsein zu sickern. Ist c die größtmögliche Geschwindigkeit?

http://www.heise.de/newsticker/meldung/ … 32271.html

Sorry für meine Off Topic - Ausschweifung, doch beim Philosophieren kann das schon mal passieren. Ich glaube jedenfalls, dass wir die Wahl haben, uns von alten Denkmustern zu befreien um weiterzugehen oder nicht. Ich für meinen Teil will nicht als Schaf der Herde folgen, ich sehe dann nur den Hintern vom Schaf vor mir :?

Diesen Energieverbrauch so klein wie möglich zu halten wäre also durhaus vorteilhaft so als ums Überleben kämpfender Jäger&Sammler.

Das klingt erstmal plausibel, doch in meinem Bild vom Menschen sind wir mehr als das. So schrecklich roh wir uns auch verhalten können, so schöne Dinge können wir kreieren. Ich reduziere den Menschen nicht allein darauf, dass er überleben will. Wir sind mehr als die Summe unserer chemischen Komponenten. Als spiritueller ,jedoch nichtreligiöser Mensch glaube ich, dass wir eine Seele haben und der Gegenbeweis ist mir bis heute nicht untergekommen. :wink:

Erstmal ein Satz vorweg: Alles in allem sehr interessante Ansätze die bisher genannt worden sind und ich will diese niemandem streitig machen, da es sich hier aber um eine Disskusion handeln soll werde ich mal ein wenig auf den Putz hauen ^^ (In dem Sinne nicht angegriffen fühlen, ich persönlich könnte sowohl mit der Idee eines völlig freien WIllen leben als auch mit der Idee, dass wir nur und ausschließlich gesellschaftlich gelenkt werden.)

Also erstmal zu meiner Meinung zu diesem Thema:
Wir haben eine bedingt freien Willen. Wie schon die meisten hier geschrieben haben, glaube auch ich daran, dass unsere Persönlichkeit zu 90% (9% vermute ich als bestimmte genetische/individuelle Vorraussetzungen, 1% Sicherheitsabstand um beim Gegenbeweis meine Kopf aus der Schlinge ziehen zu können) von unserer Umwelt beeinflusst wird. Ich vertrete also eine Art „abgeschwächten Freud“, die Theorie vom „Ich“ und „Über-Ich“, wobei ich dem „Ich“ eine stark untergeordnete Rolle und dem „Über-Ich“ keine persönliche Note zukommen lasse, außer in Form einer „ordnenden Instanz“. Simpel gesagt: Wenn meine Mama mir ständig erklärt, dass Gewalt böse ist glaube ich ihr das. (Oder auch nicht wenn ich meine Mama nicht mag, oder mir meine Freunde anfangen zu erklären das es doch nicht böse ist… oder oder oder)
DIese Prägung durch die Umwelt ist zu keinem Zeitpunkt des Lebens abgeschlossen. Da man aber während seines Lebens von verschiedensten Personen/Ereignissen/o.ä. geprägt wird, hat man irgendwann die Möglichkeit diese verschiedenen Einflüsse gegeneinander abzuwägen. Die Frage die sich natürlich stellt ist: Kann ich tatsächlich gegeneinander abwägen oder bin ich gar nicht in der Lage Argumente für mich persönlich logisch auszuwerten?

An dieser Stelle will ich schon aus einem persönlichem Egoismus die These vertreten: Ja ich kann für mich persönlich abwägen wer von den vielen Personen die mich beeinflussen recht hat. Ich bin aber nicht dazu in der Lage einen völlig eigenen Standpunkt zu entwickeln, da ich als Mensch immer nur das mir bekannte verarbeiten kann.

Der freie Wille ist also: Das Bewerten und neu verknüpfen von bekannten Positionen.

Damit genug von mir und los geht das auf den Putz hauen.

Und woher weißt du was eine „bewusste Ernährung“ ist? Schaffst du dir da nicht auf Grundlage der Aussagen von irgendwelchen Ernährungsberatern, Freunden, o.ä. ein „künstliches Bedürfniss nach Fraß, den du eigentlich gar nicht essen willst“?
Unter anders ausgedrückt: Wer ist der böse? Mac Donalds, WeightWatchers, Der Veganerklub „Die glücklichen Eiweißmängler“, der Grillverein „Skorbutrevival“ oder am Ende die Großmutter mit ihrer fettigen Urdeutschen Küche?
Will sagen: auch die Entscheidung „abseits des Mainstreams“ und „alternative“ zu sein. Ist genauso von der Gesellschaft beeinflusst wie die Entscheidung im Mainstream zu leben und sich anzupassen. Der große Unterschied ist nur, dass sich die Alternativen selbst auf die Schulter klopfen während sie glauben „total individuel“ zu sein.
Die reine Tatsache sich anders entschieden zu haben als die meisten, reicht noch nicht aus um zu zeigen, dass man sich bewusst selbst entschieden hätte.

Man mus bedenken wenn man gegen einen freien Willen argumentiert: Man löst sich damit von jeglicher Verantwortung für das eigene Handeln, da man ja praktisch dazu gezwungen wird.

Theoretisch richtig. Aber wäre, dass den so schlimm? (In diesem Moment gehe ich gepflegt in Deckung und rede von da aus weiter ^^) Wenn ein freier Wille negiert wird, es aber trotzdem zu Taten kommt die gegen das gesellschaftliche Wohl gehen. Dann müssen wir davon ausgehen, dass die Gesellschaft diese Taten in ihrer Grundstruktur unterstützt. Soll heißen: Wenn ich weiß, dass es Mörder gibt, muss ich die gesellschaftlichen Bedingungen ändern, unter denen bestimmte Menschen zu Mördern werden. Natürlich müssen die Mörder bis zu dem Zeitpunkt, an dem dies erreicht ist aus Sicherheitsgründen von der Gesellschaft ferngehalten werden.

Ansonsten kann man es sich auch ganz leicht machen (so wie ich :smiley: ) und bei aller „Unfreiheit“ von der Möglichkeit eines „bedingten freine Willen“ sprechen.

Am Ende noch einmal mein eigener Standpunkt, um keine Verwirrung zu verursachen:

Unser Verhalten ist gesellschaftlich vordeterminiert, wobei aber gewisse Grundverhaltensmuster durchaus genetische, bzw. individuelle Ursachen haben können. Wir sind aber in der Lage gesellschaftliche Vorgaben zu bewerten und neu aufeinander zu beziehen und auf diese Art eine neuartige Verhaltensweise zu erschaffen.

@Skafdir
…hat geschrieben:

Und woher weißt du was eine “bewusste Ernährung” ist? Schaffst du dir da nicht auf Grundlage der Aussagen von irgendwelchen Ernährungsberatern, Freunden, o.ä. ein “künstliches Bedürfniss nach Fraß, den du eigentlich gar nicht essen willst”?

Sicherlich ist dein Einwandt berechtigt, jedoch kann ich hier nur für mich sprechen. Eine gesunde Ernährung, welche im Detail für jeden verschieden sein dürfte, hat für mich etwas mit bewusster Ernährung zu tun. Das heißt auch, dass ich als Mensch meine Gefühle und die Sprache meines Körpers erforschen kann, wenn ich willens bin, mich dafür zu öffnen. Es ist nun mal nicht von der Hand zu weisen, dass in sehr vielen industriell hergestellten Nahrungsmitteln süchtig machende Substanzen sind, wobei Industriezucker hier eine herausragende Rolle spielt und im Hirn das Belohnungszentrum ebenso stimuliert wie andere Drogen. Und dies betrifft auch Fast Food. Und Sucht bzw. Abhängigkeit schränken den freien Willen nunmal ein, ebenso Fast Food, was sogar Depressionen auslösen kann. Ich schaffe mir eine Grundlage aus dem, was meinem Körper gut tut. Ich habe einfach beobachtet, wie ich mich nach welchem Essen fühle und danach handle ich. Die ganze Beratungsindustrie macht uns meiner Meinung nach zu nicht selbstständig denkenden und fühlenden Wesen und verunsichert obendrein noch. Und na ja, wenn ich ein paar Tipps von Freunden ausprobiere, habe ich noch lange kein künstliches Bedürfnis auf Essen, was mir nicht wirklich schmeckt.Je mehr ich mich kennenlerne, umso besser verstehe ich mich und meine Bedürfnisse. Doch da sollte jeder selbst seine Strategie finden, es ist müßig darüber zu spekulieren was richtig und falsch in dieser Hinsicht ist. Genau so mit der Frage des freien Willens. Ich könnte x² Philosophen lesen und zitieren, es gibt da keine eindeutige Antwort. Jedenfalls sind wir ein Teil des Ganzen und haben einen freien Willen in einem gewissen Rahmen. Der eine mehr, der andere weniger. Das scheint dann u.a. davon abzuhängen, wie groß die persönlichen Leidenschaften sind.

Zur Frage selbst: Nein. Ich glaube das nicht. Wir werden von unserer Umwelt beeinflusst und tun letztlich das, was wir nach eigenem Dafürhalten für das Beste halten. Doch wer bestimmt das eigene Dafürhalten? Unsere Umwelt. Das ist meine Ansicht in dieser Frage.

Sorry für den mehr oder weniger Fullqote. Und ich bin absolut deiner Meinung. Ich habe früher anders gedacht, aber ich wurde eines besseren belehrt. Freier Wille bedeutet doch tun und lassen zu können was ich will, jedoch kann ich zum Beispiel nicht sagen ich esse jetzt Ein Jahr lang nichts weil ich keine lust drauf habe oder ich trinke heut mal nix etc. pp.

Wenn du das Buch schon empfiehlst dann könntest du ja auch die wesentlichste Schlussfolgerung das Kapitels (…) nennen

Hätte ich tun können, nur war das Bücherregal beim tippen fast zwei Meter von mir entfernt und so ganz hatte ich das Kapitel nicht mehr im Kopf :wink:

Freier Wille bedeutet doch tun und lassen zu können was ich will

Das ja wohl eher nicht. Oder auch doch.
Wenn ich z.B. keine Lust habe aufzustehen um zur Arbeit zu gehen, ist mein Wille dem Bett (und evtl. weiter darin anwesenden) weiter Gesellschaft zu leisten. Denk ich darüber nach, dass mir dadurch am Monatsende Geld fehlt, oder dadurch evtl. auch der ganze Job, werde ich doch aufstehen. Gegen meinen Willen. Oder ist, wenn ich es doch tue, das aufstehen dann auch mein Wille? Definitionsfrage, denn irgendwie will ich ja dann doch aufstehen, bzw. musste es ja gewollt haben, spätestens wenn ich aufgestanden bin. Eigentlich würde ich aber liegenbleiben wollen…

jedoch kann ich zum Beispiel nicht sagen ich esse jetzt Ein Jahr lang nichts weil ich keine lust drauf habe oder ich trinke heut mal nix etc. pp.

Hier wollte ich eigentlich dazu sagen, dass das angeboren, ein Instinkt, lebensnotwendig oder so ist. Aber auch das kann man wohl wollen und machen.

Äussere Einflüsse, Erfahrungen etc. spielen eine Rolle, bevor der Wille bewusst gefasst ist. Der Wille kann sich ändern, nachdem z.B. Folgen nochmal überdacht, abgewogen werden. Der Wille kann gleich bleiben, das Handeln aber davon abweichen. Hier aber eben meine Frage, ist dann der Wille das was man macht, obwohl man das eigentlich nicht tun will?

Andere Frage: Was hat man davon, wenn man „Kann ich wollen was ich will?“, sofern überhaupt beantwortbar, wüsste?

Das hier dabei angesprochene Unterbewusstsein, ist das nicht auch mein Wille?

Viele Theorien hier, durchaus interessant vieles, aber auch nicht mehr als Theorie :wink:

Solche Fragen finde ich toll.
Ich habe auch so eine. Wenn ein Mensch von Geburt an, durch Eltern, Umfeld und sämtliches Weltgeschehen, geprägt, gelehrt, inspiriert wird und dadurch gebildet, ehrgeizig, tolerant, gewalttätig, faul etc. ist…
ist es z.B. dann allein seine schuld wenn er mordet? Hat dann nicht jeder auf der Welt ein bisschen mitschuld?
Hat ein Mensch in Kanada, durch endlos lange Ketten und Vernetzungen über Jahrhunderte,einen Menschen in China nicht ein wenig dazu verholfen das er Künstler geworden ist?
Müsste man eine Strafe oder eine Belobigung dann nicht auf jeden einzelnen Menschen aufteilen?

Solche Fragen finde ich toll.

Ja, noch interessanter wäre aber die Frage warum? Wer könnte Dich geprägt haben diese Fragen toll zu finden?
Vielleicht war es gar nicht Deine Entscheidung diese Frage zu stellen sondern meine Handlungen über Jahre hinweg um mich jetzt mit dieser Antwort… ähm - Themawechsel.

Ich habe auch so eine. Wenn ein Mensch von Geburt an, durch Eltern, Umfeld und sämtliches Weltgeschehen, geprägt, gelehrt, inspiriert wird und dadurch gebildet, ehrgeizig, tolerant, gewalttätig, faul etc. ist…
ist es z.B. dann allein seine schuld wenn er mordet? Hat dann nicht jeder auf der Welt ein bisschen mitschuld?
Hat ein Mensch in Kanada, durch endlos lange Ketten und Vernetzungen über Jahrhunderte,einen Menschen in China nicht ein wenig dazu verholfen das er Künstler geworden ist?

Diese Frage, in abgewandelter Form, ist nicht neu: „Kann ein Schmetterling einen Orkan auslösen?“

Müsste man eine Strafe oder eine Belobigung dann nicht auf jeden einzelnen Menschen aufteilen?

Wenn wir die Determination des Einzelnen annehmen, wohl ja. Wie würde man das aber aufteilen? Wer hat mehr zu einer gewissen Sache beigetragen, wer weniger? Wie würde man die Todesstrafe aufteilen?

Fragen über Fragen, aber keine Antworten :wink:

Ja gut. Die Todesstrafe wurde in gewisser Weise ja schon aufgeteilt in dem sie abgeschafft wurde und dem Täter, wenn auch mit massiver Freiheitseinschränkung,auf kosten der Allgemeinheit immer noch ein menschenwürdiges Leben führen kann. Zumindest bei uns hoffe ich.^^ Und halt die Verhältnisse die dazu führten, gesucht und ausgebessert werden.

Ich finde XenicZ Frage gar nicht mal so schlecht. Redet man über einen (nicht-)freien Willen, kommt man unweigerlich zu der Frage. Gibt es eine Gerichtsbarkeit ohne freien Willen oder setzen menschliche Gesetze/Regeln eine freien Willen voraus? Denn die Alltagsfragen berühren ja die Gesellschaft kaum, ob jemand zum Beispiel aus freien Stücken zur Arbeit geht oder nicht, ist ja erstmal grundsätzlich egal. Es sind eher die Extreme, bei denen die Frage des freien Willens wichtig ist.
Im Falle der Regeln. Die Argumentation ist einfach wenn sich jemand an Regeln hält. Dann tut er dies weil sie da sind und es erwartet wird, somit ist das eigentlich kein freier Wille. Wenn sich aber jemand dieser Regeln verweigert, hat er dann einen freien Willen? Und wenn nein, kann er denn dann dafür überhaupt haftbar gemacht werden, schließlich entfällt dann die Entscheidungsfreiheit?