Isegrimms Meinung ...

… zum neuen Personalausweis.

Bald isses mal wieder soweit: Die freundlichen Damen und Herren aus dem Bundesministerium für Innereien haben ein neues Spielzeug: “Den neuen elektronisch lesbaren Personalausweis im Scheckkartenformat!”

Man muss ja mit der Zeit gehen. Und digital is nu mal der Trend … normal lesen kann/will keiner mehr und 'nen Namen und ein Geburtsdatum einzutippen scheint die meisten zu überfordern, also muss man was elektronisch lesbares haben.

Aber dazu später.

Vater Staat ist also der festen Überzeugung, seine Wähler mit einer neuen Kennkarte auszustatten. Bis auf die Tatsache das der neue PA sich wahrscheinlich genauso gut zum Eiskratzen eignen wird, wie meine alte EC-Karte kann das Ding noch mehr:

Der Freudenspender …

[ol][li]… ist kleiner …[/li]Jeder von Euch kennt das Problem: der riesige Personalausweis ist im Portemonnaie kaum noch unterzubringen, in der Verkehrskontrolle kriegt man arge Probleme, den Lappen dem geduldig wartenden Vertreter der Stadtwachen durch die hastig runtergekurbelte Scheibe zu reichen … es ist ein Desaster. Aber das ist nun vorbei: handlich und im Scheckkartenformat passt das Schnuckelchen in jede Handtasche, und kann problemlos im Geldscheinfach - am besten gleich neben einem handlichen Zwanziger - untergebracht werden. So ist dann auch das versehentliche Mitziehen der gothisch nettgestalteten Ummantelung mit einer freundlichen Bemerkung - falls erforderlich - erklärt.

[/*]
[li] … er kann im Internet genutzt werden …[/li]Wie lange haben wir auf diese Legitimationsmöglichkeit gewartet. Tausende von Internetnutzern, die im “Wenn”-Falle noch ihre PA-Nummer eingehackt haben oder bei der Frage nach entsprechenden Altersnachweisen umständliche Formulare, gestaltet wie unser altes ID-Kärtchen mit klammen zittrigen Fingern ausgefüllt haben, werden jetzt frohlockend ihren neuen Personalausweis in ihren Leser stecken … äääh, moooment.

Eine spontan durchgeführte Überprüfung meines Rechners ergab, das ich nichts habe, was einen Personalausweis oder ähnliches lesen lässt. Mein 3,5"-Laufwerk macht zwar lustige Geräusche, aber die testweise eingeführte Scheckkarte lässt sich weder auslesen (noch beschädigungsfrei wieder entfernen) … und die Slots meines Cardreaders wurden offensichtlich nicht in Übereinstimmung mit des Surfers neuestem Spielzeug entwickelt.

Verdammt. Was nun? Abscannen? Vor die Webcam halten? Panik keimt in mir auf …

[/*]
[li] … er hat eine elektonische Signatur …[/li]Nein … hat er eigentlich nicht. Das BMI sagt dazu: “Die Ausweisinhaber können ein Zertifikat für die qualifizierte elektronische Signatur auf ihren Personalausweis laden.” Und wie? Wenn schon das Lesen der Daten eben von manigfaltigen Misserfolgen gekrönt war, wie lade ich dann eine Signatur auf meinen Ausweis? Und … von wo?

Und … wer zum Henker hat meine Signatur?

[/*]
[li] … er ist ein sicheres Reisedokument …[/li]… meint jedenfalls das BMI. War der alte PA noch ein Paradies für ■■■■■■■■ und Identitätsfälscher, so sind diese Zeiten mit der Einführung des neuen PA absolut beendet. Das BMI gibt mir die Möglichkeit (neben den üblich auf einem solchen Dokument aufzufindenden Patschen, wahlweise in Öl, Ketchup oder Spare-Rip-Sauce) zwei Fingerabdrücke zu speichern. Ich bin begeistert. Endlich kann ich ein Stück von mir selbst digitalisieren … ich kann mein Selbst, ein unverkennbares Merkmal meiner selbst in einen - allerdings nicht von mir - lesbaren Chip einspeichern lassen. Welch Wonne!

Allerdings … wozu brauch ich die? Ich habe - im Bedarfsfalle - zehn unterschiedliche Abdrücke zur Auswahl. Und … wenn die freundliche Dame im Meldeamt (falls diese mit der Technik klarkommt) diese abnimmt, wo bitte landen die noch? Aber was wichtiger ist … wer bitte braucht die? Aber das BMI hat auch hierzu eine Antwort: " … bei denen verlorene oder gestohlene Dokumente gezielt durch fremde Personen verwendet werden."

Aha. bedeutet aber im Unkehrschluss, das jeder - zusätzlich zum vorgelegten PA - von mir meine Abdrücke zum Vergleich mit den digitalen nehmen kann (sollte), weil ja sonst diese “Kontrollfunktion” für die Füsse ist.

Und wann muss ich bei Reisen in’s Ausland noch meinen PA vorlegen? War nicht das Ziel der ganzen EU-Vereinfachung eben der beschleunigte Grenzverkehr ohne Kontrolle?

[/*]
[li] … er kostet Geld …[/li]Haben die Meldeämter im bisherigen Fall noch 8,00€ für den PA verlangt, wollen sie jetzt freundliche 28,80€. Ist ja 'n Schnäppchen. Da nehm ich doch gleich zwei …

Wofür bitte?

Wenn Papa Staat der festen Überzeugung ist, 'ne neue Clubkarte rauszubringen, dann bitte soll er. Wenn ich in 'nem Fitnessclub 'ne Karte will, dann ist es klar, das der Betreiber dafür Geld nimmt … ist ja mein Privatvergnügen. Aber Mitglied im “Club Deutschland” bin ich per Geburt … und das hab ich mir nicht ausgesucht. Ergo: Wenn Papa Staat will, das ich mich vor seinen Organen ausweise … dann soll er mir das auch zur Verfügung stellen … und zwar kostenlos.[/*][/ol]

Und welche Vorteile habe ich davon?

Keine. Alles was das BMI dazu hergibt sind Vorteile, die die Behörden davon haben. Biometrische Daten, Fingerabdrücke, das digitale Foto, die digitale Signatur … ist vielleicht hilfreich für Behörden und die Strafverfolgung … aber wann geht man mal zu einer Behörde? Und wozu braucht Otto Normalverbraucher ein “digitales Foto”? Ihm reicht das aufgedruckte völlig. Und wenn das behördliche Basedow den Abgleich zwischen Foto und dümmlich grinsendem Original nicht bewerkstelligen kann … ist das nicht mein Problem.

Und Fälschungssicherheit?

Ist mir auch relativ egal. Je mehr digitale Technik in Identitätspapieren verwendet wird, umso simpler ist die Fälschung. Mussten sich früher noch Fälscher mit Papiersorten, Tinten und Tiefdruckverfahren oder Hologrammsiegeln rumschlagen, so reicht heute das einfache Verändern von 1en und 0en. Den eines dürfte gewiss sein: PA in den Leser, Daten abgeglichen mit dem Typen vor einem … alles klar, schönen Tag noch. Für das Papier oder die Karte, evtl. Druckungereimtheiten oder was auch immer wird man sich dann nicht mehr so genau interessieren.

Und dafür darf ich dann auch noch latzen. Ich gebe Daten ab, die ich nicht im Ergebnis kontrollieren kann, … die Vorratsdatenjunkies kriegen Fingerabdrücke in Massen, was auf dem Chip ist kann man nur erahnen … oder den Verlautbarungen des BMI vertrauen, und ich finanziere das ganze auch noch.

Fazit:
Mal wieder ein heiss diskutierter Hirnfurz aus dem BMI … dem viele wie die Lemminge nachlaufen werden. Kaum das das Ding ausgegeben wird werden sich die Bundeswähler wie die Irren auf das neue Ding stürzen, in der Hoffnung ihr Konterfei auf der Titelseite von Boulevardblättern mit der Bildunterschrift in U-Boot-Lettern zu sehen: “Ich hab den ersten!”

Ich allerdings werde auf die Schlagzeile warten, … in der die Nachricht verkündet wird, in der der so fälschungssichere Ausweis gefälscht wurde … meinen alten Ausweis zwischen den Fingerspitzen drehen und versonnen murmeln …

" … ich will auch nicht den letzten …" :mrgreen:

Quellen:
BMI: Neuer Personalausweis
BMI: Personalausweisportal - Der neue Personalausweis

Glaube bis Ende diesen Jahres kann man noch den alten bekommen, falls er bald ablaufen oder bereits abegelaufen ist.

War doch vorneherei klar, dass die Vorteile nur auf Seiten der Staatsgewalt liegen. Z.B. das Ermitteln bei Straftaten. Bislang sind nur Fingerabdrücke von Menschen mit Vorstrafenregister verfügbar.

Wie lange haben wir auf diese Legitimationsmöglichkeit gewartet. Tausende von Internetnutzern, die im „Wenn“-Falle noch ihre PA-Nummer eingehackt haben oder bei der Frage nach entsprechenden Altersnachweisen umständliche Formulare, gestaltet wie unser altes ID-Kärtchen mit klammen zittrigen Fingern ausgefüllt haben

So ein Unfug.
Ein 12 jähriger kann die Ausstellungsort, Geburtsdaten, Gültigkeit und Prüfsummen faken.
Einzig das Postidentverfahren war sicher(von diversen Gesetzeskonflikten der anderen Methoden nicht zu sprechen) und da brauchte man nie was einzugeben.

Und … wer zum Henker hat meine Signatur?

Schränkt die Fähigkeit der Urkundenfälschung ein, die Signatur wird in einer Db liegen und nur die Ermittlungsbehörden haben Zugriff darauf.

mir meine Abdrücke zum Vergleich mit den digitalen nehmen kann

Fingerabdrücke lassen sich nicht ohne großen Zeitaufwand fälschen bzw müsste eine Person Kontakt haben um sie auf die schnelle zu bekommen.
Thermoelemente etc schützen aber vor der schnellen Methode und zur Not kannste die Finger bei neuem Ausweis wechseln.

Wenn Papa Staat der festen Überzeugung ist, 'ne neue Clubkarte rauszubringen, dann bitte soll er. Wenn ich in 'nem Fitnessclub 'ne Karte will, dann ist es klar, das der Betreiber dafür Geld nimmt … ist ja mein Privatvergnügen. Aber Mitglied im „Club Deutschland“ bin ich per Geburt … und das hab ich mir nicht ausgesucht. Ergo: Wenn Papa Staat will, das ich mich vor seinen Organen ausweise … dann soll er mir das auch zur Verfügung stellen … und zwar kostenlos.

Solltest du 47 sein hat das ja noch Jahre Zeit bis du einen neuen beantragst und bis dahin haste 30 Euro zusammengespart. :lol:
Zur Not beantragste dir jetzt einen neuenm dann musste erst in 10 Jahren wieder hin.

Und wenn das behördliche Basedow den Abgleich zwischen Foto und dümmlich grinsendem Original nicht bewerkstelligen kann … ist das nicht mein Problem.

Doch isses…

so reicht heute das einfache Verändern von 1en und 0en

Unfug, es gibt immer noch Daten zum manuellen Abgleich. Es ist nicht so, dass du immer die digitale Lösung brauchst.

Und informiere dich mal was ein Hash bzw Assembler ist.
Du musst den Hash verändern(dauert bei fehlerfreiem Hash mehrere 1000 Jahre) bzw mit dem Assembler in einem Encryptionprogramm rumwerkeln(effektiver) um überhaupt neue Daten einzuspeißen.

Sollte ein digitaler Abgleich von Nöten sein, dann gibt es immer noch die Db und die optionalen Fingerabdrücke.
Die Fingerabdrücke lassen sich net auf die schnelle fälschen und die Db müsste gehackt bzw gecrasht werden.

Viel einfacher ist es eine Fälschung anzufertigen und einen neuen Perso zu beantragen.

was auf dem Chip ist kann man nur erahnen

RFID Chips werden bereits seit Jahren in anderen Bereichen eingesetzt es Bedarf nur ein Softwareupdate und schon kannste das an diversen Stellen auslesen.
Das kommt einer Beschwerde gleich, dass nicht jeder einen Kontoauszugsautomaten zu Hause besitzt.

Das Problem ist nicht, dass der Ausweis gefälscht werden, sondern dass eine Datenbank angelegt wird, die jederzeit gecrasht bzw geklaut werden kann.
Das Risiko, dass sich jemand mit falschen Daten einen echten Ausweis holt besteht immer noch.

Nun Ise ich gehe hier mit deiner Meinung komform.
Nicht nur das der Trend der Digitalisierung auch weiterhin ohne Sinn und Verstang fortgesetzt wird man beachtet auch in sträflicher Art und Weise die damit einhergehenden Gefahren nicht.
Digitale Daten können heute schnell beschafft und verändert werden. Wer das bezweifelt der brauch bloß abzuwarten bis unsere friedfertigen chinesischen Freunde die uns ja nie was böses könnten mal wieder zu einem Hakerangriff ansetzen.
Ferner ist aber offentsichtlich Sinn und Zweck den Bürger weiterhin zu erfassen und abzuspeichern und so schnell Zugriff auf unsere persönlichen Informationen zu haben.
Ob das unbedingt zu unserer Sicherheit geschiet wage ich zu bezweifeln.
Es wird aber wie immer ablaufen. Der Bürger wird meckern aber es am Ende dann doch akzeptieren und hinnehmen.
Und das allerschönste daran: Wir haben mal wieder eine Möglichkeit das viele überschüssige Geld das sowieso nur sinnlos bei uns rumliegt auszugeben.

@Isegrimm:

Toller Beitrag. :smt023 :smt023 :smt023

Schritt für Schritt ins Jahr 1984.

Hm ich verstehe die Angst vor der “Abspeicherung” und “Überwachung” nicht so ganz.
Auch zur aktuellen Stunde hat Vater Staat alle wirklich relevanten Daten und falls nicht, mittel diese zu Besorgen, wenn er einem ans Bein pissen will.
“Freiheit” und “Sicherheit vor denen da Oben” sind doch schon lange nichts anderes mehr als Illusionen.
Das ganze kann mit der passenden Motivation und Energie sowohl zum Bösen wie auch zum Guten Ge- bzw. Mißbraucht werden.

Verabschieden wir uns vom Schnöden Papier und gehen mit der gebührenden Sicherheit und Sorgfalt mit digitalen Daten um, so können wir einen sehr großen haufen Verwaltungsaufwand einsparen und viele Ämter schlanker machen. Abarbeitung und überprüfung von Anträgen kann schneller und Einfacher durchgeführt werden. “Aber wo bleibt da die Menschlichkeit, wenn mein Antrag von einer Herzlosen Manschiene abgefertigt wird und in den Eintragungsfeldern gar keine kästchen waren die meiner tatsächlichen persönlichen situation entsprochen haben. Die beantragte leistung steht mir aber doch wirklich zu”. Mein lieber Freund, natürlich sollen Menschen nicht vollständig aus Behörden verbannt werden, und es gibt natürlich immer noch den Härtefall, wo der Einzelfall genau überprüft wird. Aber es könnte ein großer haufen Aktenkramerei und Papierstapel- und Entsauberei eingespart werden. “Social Engineering” und “Antragsabfertigungstoleranzen” werden minimiert.

Der einzige wirkliche Ausweg aus dem System ist, war und wird auch weiterhin nur der Totenschein bleiben.
Wobei mit der Eingeführten Steuernummer auch dieser möglichst 20 Jahre zurückdatiert werden sollte.
D.h. das “schlimmste” haben wir schon hinter uns und es ist schon realität. Aus diesem System kommst du nichtmal raus, wenn du den Löffel abgibst.

für mich ist alles was jetzt noch kommt und kommen mag nur noch Feintuning der bereits aufgebauten Maschinerie.

Ich behalte meinen alten Perso bis Februar 2020. :smiley:

Meiner läuft schon im April 2011 ab…da sollte ich mir bald mal nen neuen zulegen.

Im Großen und Ganzen kann ich auch Isegrimm zustimmen. Gerade als Informatiker weis ich über die Risiken solcher Technologien bescheid und eines ist wohl klar: Bloß weil etwas heute (vermeintlich) sicher ist, heisst das noch lange nicht, dass es das morgen auch noch ist.

@strike: Dein Post besteht eigentlich nur aus gefährlichem Halbwissen. Guck doch erstmal selber was “Hash” und “Assembler” sind bevor du andere dazu aufforderst.

@ Logi

Was ist daran nicht zu verstehen?

Ich bin kein Datenmoralist, der sich gegen neue Techniken oder sinnvolle Datenspeicherung wehrt. Beileibe nicht.

Aber ich kann hier den Sinn und Nutzen des Ganzen nicht erkennen. Der Sinn eines Personalausweises ist die Legitimation der Person gegenüber autorisierten Stellen. Wie heißt es so schön: “Ist auf Verlangen autorisierten Personen vorzulegen …”

Soweit, so gut.

Um mich zu legitimieren reicht mir - als ehemals autorisierte Person - das gedruckte Bild und die entsprechend aufgeführten Daten (Name, Vorname, Geburtsdatum, etc.) Die kann ich ablesen. Wozu brauche ich auf einem Chip das Bild noch einmal in digitalisierter Form und Fingerabdrücke (die ja optional sind, jedenfalls gem. der Aussage des BMI)?

Um diese Daten für den anderen nutzbar zu machen, braucht dieser einen entsprechenden Leser. Hat Wachtmeister Krawuttke in der Mausefalle den dabei? Wahrscheinlich eher nicht. Und falls doch, wie gleicht er die Daten des Chips mit einer zentralen Datei ab? Via UMTS-Verbindung?

Und … Warum muss er das überhaupt, wenn - so die Aussage des BMI - nur die entsprechend natürlich lesbaren Daten auch in maschinenlesbarer Form vorliegen, also im Chip keine weiteren - anderen - Daten abgespeichert sind?

Daraus resultiert die erste Unregelmässigkeit: Warum müssen natürlich lesbare Daten auch in maschinenlesbarer Form vorliegen? Bleibt als Antwort nur die Erleichterung der behördlichen Arbeit. Und dafür werde ich nicht zahlen.

Wer bestimmt, welche Daten auf den Chip kommen und vor allem, wer kontrolliert das?
Gem §34 DatSchG hat der Bürger ein Einspruchs- und Verwendungsrecht über seine Daten. Soll heissen: Dir müssen ausnahmslos alle über Dich gespeicherten Daten nachvollziehbar sein (Ausnahme: Ermittlungs- und Fahndungsdaten).

Hier liegt wieder nur die Äusserung des BMi vor.

Einschub:
Als ehemaliger Westberliner war ich - logischerweise - gezwungen, wenn ich in’s restliche Bundesgebiet wollte, die Transitverbindungen zu nutzen … oder zu fliegen (was sich für Otto Normalbürger aus finanziellen Gründen verbot). Damals war der Perso noch ein graues (für Berliner grünes) Heftchen, in das man die Änderungen eintragen und absiegeln konnte. Jedesmal, wenn man an wieder zurück war, entdeckte man einen kleinen Kugelschreiberpunkt (mal blau, mal schwarz) an einer anderen Stelle rund um’s Bildchen. Man selber dachte sich nichts dabei, da die Grenzer der DDR die Dinger ja auch lesen und umblättern und - wer kennt das nicht - man hat den Kuli noch beim Umblättern zwischen den Fingern und bauz … hat man einen Punkt gemacht. Kann ja passieren.

Allerdings hatten wir - ich arbeitet damals in einer Meldebehörde - schon damals die Idee, das das ggf. Kennungen waren. Nach der Maueröffnung und der Wiedervereinigung hatten westdeutsche Behörden auch Zugriff auf die Datenbestände der ehemaligen DDR und damit auch auf die Unterlagen der Nachrichtendienste. Und da hatte sich die Idee schnell bewahrheitet: Jeder Punkt hatte - an bestimmten Stellen und in bestimmten Farben - eine Bewandnis. Es gab eine Kunststoffscheibe - ähnlich einem Koordinatensystem - wo an entsprechenden Stellen diese Markierungen angebracht und mit denen sie auch ausgelesen wurden. Es ging da vornehmlich um Behördenmitarbeiter in höheren Positionen, Alkoholiker oder nachgewiesene Mitglieder zu linksradiaklen Gruppierungen in Berlin, bzw. Personen, die verwandschaftliche Verhältnisse in der DDR hatten.

Worauf will ich mit dem Einschub hinaus?
Es gibt in Datengruppen immer wieder “Leerdaten”, also Bits, die keinerlei Funktion haben (Diese z.B. auszusondern und später wieder hinzuzuführen ist die Arbeitsweise von Archivierungsprogrammen). Diese Bytes sind also reiner Ballast. Wenn ich also genau weiss, das eine bestimmte Datengruppe vorgehalten, aber nicht genutzt wird, so kann ich dort ein Bit verändern. Das ändert den üblichen Datenbestand nicht, ähnlich des “Kugelschreiberpunktes”. Nur ich weiss, was dieser Punkt - das geänderte Bit - bedeutet und wenn ein entsprechendes Programm nach diesem Bit sucht und ausliest, kann ich - je nach Bedeutung dieses Bits - eine Bedeutung zuweisen. Früher gab es mal den “Säuferbalken” im grauen Führerschein bei ertappten Alkoholsündern. Er wurde abgeschafft. Wird er jetzt wieder eingeführt?

Paranoia? Sicherlich nicht. Nur das Aufzeigen von Möglichkeiten.

Nehmen wir mal die Biometrie.
Ich kann - wenn ich will - meine Fingerabdrücke speichern lassen. Als Nutzen wird mir aufgezeigt, das ich so eine bessere Legitimierung im Verlustfalle von Dokumenten habe. Warum muss ich das? Wenn es denn so wichtig ist, dann kann ich - z.B. beim Standesamt - meine Fingerabdrücke hinterlegen, diese, falls ich in die Notwendigkeit komme, sie als Nachweis bei einer Behörde nutzen zu müssen, dort abgeben, diese lässt sie mit denen beim Standesamt hinterlegten vergleichen und ich bin legitimiert. Sicherlich kostet das Zeit … aber das ist dann mein Ding.

Jetzt müssen die gespeicherten Fingerabdrücke via Netzwerk mit einer Zentraldatei abgeglichen werden und der Mitarbeiter bekommt das Ergebnis sofort angezeigt. Für mich ergibt sich einfach das Problem, das man damals einen Riesenaufwand gemacht hat, als es zum Thema “Vorratsdatenspeicherung” die Diskussionen gab und jetzt holt man sich die Daten auf Umwegen.

Das allem übergeordnete Problem ist der Umstand, das Du keinerlei Einfluss mehr hast, wer auf Deine Daten zugreift. Überall wird Dir der heilige Datenschutz versprochen und im Nachhinein bekommst Du Beweise von Datenpannen par excellence geliefert. Ich könnte jetzt einige Szenarien skizzieren … aber dann würde die Diskussion schnell aus dem Ruder laufen.

Und nun zur hochgelobten Fälschungssicherheit …
Es mag durchaus sein, das die Daten gegen Manipulation gesichert sind. Jedenfalls nach geltendem Stand der Technik. Und die entwickelt sich weiter. Was heute sicher ist, kann morgen schon frei zugänglich sein. Was geschieht, wenn bekannt wird, das die Daten im PA-Chip auslesbar sind? Und das nicht von “autorisierten Personen”?

Schnell mal ein Upgrade aufgespielt oder … einen neuen PA? Gibts dann alle 2 Monate Sicherheitspatches und Updates?

Und jetzt das wichtigste: Beschädigung.
Meinen alten Perso konnte ich getrost im Portemonnaie mit mir rumtragen … eher hat ein bißchen an der Form eingebüsst, aber er war lesbar. Bei der Kontokarte musste ich mir schon ne neue holen, weil der Magnetstreifen - trotz Schutzhülle - nicht mehr lesbar war. Was ist bei dem Ding also mit der “Alltagstauglichkeit”? Dieser Chip ist ziemlich filigran, eine leichte Biegung der Karte, ein spitzer Gegenstand oder … mal zu dicht an der Box und … dann?

@ezzendy:
Dann warte lieber bis Ende Oktober, sosnt zahlst du unnötig drauf (wenn der Perso noch länger wie ein halbes Jahr gültig ist).

[li] … er kostet Geld …[/li]> Haben die Meldeämter im bisherigen Fall noch 8,00€ für den PA verlangt, wollen sie jetzt freundliche 28,80€. Ist ja 'n Schnäppchen. Da nehm ich doch gleich zwei …

Kleine Ergänzung, weil gestern die Frage im Chat aufkam: für Leute unter 24 Jahren kostet der Ausweis nur unschlagbar günstige 22,80 (na dann nehm ich doch gleich drei :wink: ). Eine Gebührenbefreiung für Antragsteller zwischen 16 und 18 hatten die Bundesländer gefordert, das Innenministerium aber abgelehnt.

  • Antragstellende Person ab 24 Jahren: 28,80 Euro
  • Antragstellende Person unter 24 Jahren: 22,80 Euro
  • Ausstellung von Ausweisen für Bedürftige: Gebührenreduzierung oder -befreiung durch die Länder möglich
  • Vorläufiger Personalausweis: 10 Euro
  • Erstmaliges Aktivieren der Online-Ausweisfunktion bei der Ausgabe oder bei der Vollendung des 16. Lebensjahres: gebührenfrei
  • Nachträgliches Aktivieren der Online-Ausweisfunktion: 6 Euro
  • Deaktivieren der Online-Ausweisfunktion: gebührenfrei
  • Ändern der PIN im Bürgeramt (weil zum Beispiel die PIN vergessen wurde): 6 Euro
  • Ändern der Anschrift bei Umzügen: gebührenfrei
  • Sperren der Online-Ausweisfunktion bei Verlust: gebührenfrei
  • Entsperren der Online-Ausweisfunktion: 6 Euro
  • Kosten für das Aufbringen eines elektronischen Signaturzertifikates: Legt der jeweilige Anbieter fest

Quelle: Panorama: Nachrichten aus Deutschland

  • Erstmaliges Aktivieren der Online-Ausweisfunktion bei der Ausgabe oder bei der Vollendung des 16. Lebensjahres: gebührenfrei
  • Nachträgliches Aktivieren der Online-Ausweisfunktion: 6 Euro

Das verleitet doch schon dazu, die Funktion direkt zu aktivieren. Finde ich nicht richtig.

Das verleitet doch schon dazu, die Funktion direkt zu aktivieren. Finde ich nicht richtig.

Genau das wird auch passieren. Ich rechne mit dem typischen „Naja, was soll’s,… ich werd’s schon irgendwann brauchen und dann hab ich’s eben“-Mentalität … bzw. das „Geiz-ist-geil“-Verhalten.

Zur Zeit wüsste ich nicht, wozu ich das bräuchte und … bitte … welcher „Anbieter“ darf in meinem Perso rumgurken?

Eines sollte man evtl noch ergänzen zum Thema optional gespeicherte Fingerabdrücke:

Das BMI gibt mir die Möglichkeit […] zwei Fingerabdrücke zu speichern. […]

Allerdings … wozu brauch ich die? Ich habe - im Bedarfsfalle - zehn unterschiedliche Abdrücke zur Auswahl. Und … wenn die freundliche Dame im Meldeamt (falls diese mit der Technik klarkommt) diese abnimmt, wo bitte landen die noch?
[…]
die Vorratsdatenjunkies kriegen Fingerabdrücke in Massen, was auf dem Chip ist kann man nur erahnen … oder den Verlautbarungen des BMI vertrauen, und ich finanziere das ganze auch noch.

Das neue Personalausweisgestz, kurz PAG, das 2009 neu aufgesetzt wurde, befasst sich auch logischerweise auch mit den neu hinzugewonnen Faktoren: Datenschutz & Datenübertragung biometrischer Daten und digitaler Fingerabdrücke.
Das neue PAG sieht im §17 eine praktische Regelung vor: Eine prüfende Behörde kann den Fingerabdruck desjenigen der den Ausweis mit sich führt mit dem auf dem Ausweis gespeicherten Abdruck vergleichen, um sicherzustellen, dass Inhaber und im Ausweis benannte Person identisch sind. Die Fingerabdrücke werden bei der Personalausweisstelle gespeichert und sind unmittelbar nach Ausstellung des Ausweises zu löschen (§26 II).

§26 Sonstige Speicherung von personbezogenen Daten
[…]
(2) Die bei der Personalausweisbehörde gespeicherten Fingerabdrücke sind spätestens nach Aushändigung des Personalausweises an die antragstellende Person zu löschen.
[…]
(4) Eine bundesweite Datenbank der biometrischen Merkmale wird nicht errichtet.

Alle anderen personbezogenen Daten (Lichtbild incl.) bleiben laut §24 im Personalausweisregister gespeichert, und dürfen in bestimmten Fällen an andere Behörden übermittelt werden, auch in Form von Datenübertragung - angeblich nur unter sicheren Bedingungen:

http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downl … ?nn=294838

*und da liegt der Hase im Pfeffer begraben :?

Übrigens sieht das Personalausweisregister vor, die personbezogenen Daten auch nach Ablauf der Gültigkeit des PA bis zu 5 Jahre zu speichern. Erst dann MÜSSEN sie gelöscht werden. (PAG §23 (4))

Und eine andere mehr oder weniger intressante Neuerung im PAG; Der Perso darf nicht länger als Pfand eingefordert werden. Also falls z.B. ma ein Türsteher in der Disse, oder die Kinotante den PA als Pfand für die 3D Brille einfordern sollte, und keine alternativen Pfandgegenstände akzeptiert, dann kann man dies nun zur Anzeige bringen, was wiederum ein Bußgeld zur Folge hätte. Dacht das könnt vielleciht auch den einen oder anderen intressieren :wink:

Tja bei uns haben dieses Jahr viele ihren alten Ausweis irgendwie verloren und haben für 13 Euro nen neuen alten bekommen der bis 2020 gültig ist. Zufälle gibt´s…

Also ich teile zu 100% Isegrimms Meinung, aber ich dachte der “neue” Personalausweis wäre freiwillig? Ode muss man den sich in Zukunft anschaffen?

Nicht nur das der Trend der Digitalisierung auch weiterhin ohne Sinn und Verstang fortgesetzt wird man beachtet auch in sträflicher Art und Weise die damit einhergehenden Gefahren nicht.

Interessant in diesem Zusammenhang auch die Tatsache dass unsere netten Volksverterter ja bereits mehrfach ihre „profunden Kenntnisse moderner Kommunikationstechnik“ unter Beweis gestellt haben. War diese Unwissenheit - oder nennen wir es mal Halbwissen - nur gestellt oder erzählt man mal wieder von Sachen von denen man nicht so wirklich Ahnung hat? Oder haben will? Wobei - ALLZU VIEL wird (und wurde) ja nicht darüber geredet. Weder von offizieller Seite noch in den Medien. Zumindest im Vergleich zu anderen Themen. Ähnlich wie bei Elena sag ich mal so. Wenn man alle potenziell möglichen Datensätze (Ausweis, Steuernummer, Elena, PIN-Daten beim Zahlungsverkehr, Handystandort …) zusammen nimmt kommt da schon einiges zusammen.

Es wird aber wie immer ablaufen. Der Bürger wird meckern aber es am Ende dann doch akzeptieren und hinnehmen.

Was denn sonst? Erwartest du etwa Widerstand? :twisted:

Wer bestimmt, welche Daten auf den Chip kommen und vor allem, wer kontrolliert das?

Hast du etwa gar kein Vertrauen in unsere Verwaltung? Würden da jemals etwas geschehen was nicht unbedingt in Ordnung ist? Ausserdem: Gab es jemals irgedwelche Problem mit Daten bzw. Datenschutz? :wink:

Gibts dann alle 2 Monate Sicherheitspatches und Updates?

Klar, man muss ja auch mögliche neue Features und Funktionen (die mit Sicherheit im Laufe der Zeit kommen werden) unterbringen :twisted:

Online-Ausweisfunktion: Interessanteste Möglichkeit zum Abgreifen ganzer Datensätze. Von welcher Seite auch immer. Bei Problemen und Fragen wenden Sie sich bitte per E-Postbrief an Ihren zuständigen Sachbearbeiter. :expressionless:

Isegrimm hat wieder einmal meine Gedanken gestohlen. Besser hätte man den Sachverhalt nicht darlegen können. Der einzige Vorteil, den ich in diesem sinnlosen Elektronik-Spielzeug für Otto-Normallemming sehe, ist dass er dann seinen Ausweis endlich auch als Eiskratzer benutzen kann. :smt025
Moment, wo wir gerade darüber reden, fällt mir wieder ein, dass mein Ausweis schon seit Januar abgelaufen ist… :mrgreen:

Seit dem tumben Versuch mit „E.L.S.T.E.R.“ nich mehr … :mrgreen:

Hallo zusammen!

Also, einleitend sei gesagt, dass ich nach meinen eigenen Gedankengängen dieselben Rückschlüsse ziehe, wie Isegrimm. Ich bedanke mich, dass er diese Gedanken so adäquat niedergeschrieben hat und auch sehr interessante Denkanstöße geliefert hat.

Meine Frage ist aber nun, da mehrmals der Wunsch nach Widerstand angeklungen ist: Wie stellt ihr euch das vor? Der Widerstand im Kleinen bringt gar nichts, öffentlich diskutiert wird das ganze kontrovers, also unter Bezugnahme aller Standpunkte, ohne da wirklich kritisch zu sein oder Widerstand hervorzurufen. Sollen wir das selbst organisieren? Ein Web-Portal öffnen und die Leute aufrufen, eine Petition auf Bundestag.de zu unterschreiben? Sollen wir zu den zig Parteien, die es in Deutschland eh schon gibt, eine weitere gründen, die dann neben der Tierschutzpartei und Pro-DM versumpft? Sollen wir bei der nächsten Bundestagswahl die „richtige“ Partei wählen? Welche sollte das sein und was muss man dafür in Kauf nehmen, den ungeliebten neuen Perso wieder loszuwerden? Wir können auch brennende Fackelzüge nach Berlin organisieren und anfangen, unsere Guillotinen im Keller zu polieren.:wink:

Nein, das ist nicht böse gemeint. Worauf ich hinaus will ist, dass solche Änderungen deswegen funktionieren konnten und funktionieren werden, weil das System darauf ausgelegt ist, Kritik abzufangen und über verschiedene Kanäle zu entschärfen. Zum Beispiel wird jede einzele Debatte zu jeder einzelnen Veränderung für sich geführt. Es wird nie das ganze Bild betrachtet. Und das ist hochgefährlich!

Dazu kommt, dass solche Grenzüberschreitungen, und genau das ist es für mich, durch eben diese Maßnahmen bagatellisiert und unter den Teppich gekehrt werden. Dadurch setzt ein Gewöhnungseffekt ein, die Grenzüberschreitung wird nicht mehr als solche wahrgenommen, sondern als Status Quo. Das führt unweigerlich dazu, dass eine neuerliche Grenzüberschreitung von diesem Status Quo aus möglich wird. Das Spiel kann man immer weiter treiben. Der neue Perso, von dem wir hier reden, ist dabei ja nur ein kleines Puzzleteil.
Nein, das ist kein Verschwörungsgerede. Dahinter muss keine Absicht einer geheimen Loge oder sowas stehen. Manchmal reicht es, Dinge nicht konsequent zu Ende zu denken und sich seine Arbeit nicht schlechtmachen zu wollen.

Ich hab bspw. mal in einem anderen Forum heftig mit einigen Usern diskutiert, die sich dafür ausgesprochen haben, Organspende zu einem Standardverfahren zu machen und statt der Spenderausweise, Nicht-Spenderausweise einzuführen. Die Intention dieser User waren weder schlecht, noch boshaft. Sie haben mit Organspende einzig und allein etwas Gutes assoziiert und dabei keine Gegenargumente zugelassen.

Auf bald!

Theryn