Historie vs. Moderne?

Hallo ihr Wissenden und Unwissenden!

Ich muss mal ein Thema zur Sprache bringen, was mich immer mal wieder beschäftigt hat.
Warum werden eigentlich immer wieder alte, teils längst zerstörte Gebäude neu aufgebaut?

In manchen Städten sollen alte Kirchen wieder errichtet werden, auch mit Steuergeldern,
die es seit Jahrzehnten nur auf Postkarten zu sehen gibt. Dafür werden mancherorts sogar
ganze bebaute Plätze geopfert, Brunnen abgerissen und wer weiß was noch. :ugly

Ist die Lobby derer denn so stark dass man sowas “unsinniges” unbedingt erzwingen muss?

Neulich lief eine Doku, in der es um die Geschichte des “Palast der Republik” ging.
Der wurde ja auf Grund von Asbest teilweise rückgebaut und dann bis 2008 abgerissen.
Dafür soll am selben Ort nun ja das Berliner (Stadt-)Schloss neu gebaut werden.

Ich weiß nicht wie ihr es seht, aber warum werden immer wieder solche "historischen"
Gebäude zum Wiederaufbau freigegeben? Ich versteh es einfach nicht. Ist die Christliche
Lobby wirklich so groß? Wozu immer wieder neue Kirchen? :smt013

Nun gut, kulturell gesehen ist Deutschland christlich geprägt. Statussymbolwahn?
Lass da mal einen aus der Linken sagen, er will den Palast der DDR neu bauen lassen,
der wird doch öffentlich gleich in die Stalinistisch-Kommunistische Ecke gestellt.
Von wegen Verherrlichung einer kriminellen Diktatur. :smt015

Christliche Kirchen? Reichstagsgebäude? Natürlich vollkommen frei von Verherrlichung!

Sagt mir dass ich nicht der Einzige bin der das irgendwie “abstrus” findet, um es mal mit
den Worten vom Fernsehkritiker zu sagen. :smt017

Danke für eure Zeit!

Ich finde das ganz und garnicht „abstrus“.
Es geht darum Dinge wiederaufzubauen, die zu verlieren ist schade wäre.
Wenn man das nicht tun würde, würde es später eine Zeit geben inder man z.b. eine schöne Gotische Kriche nur noch von Fotos kennt und sie nicht mehr betrachten kann, weil sie z.b. von einem Erdbeben zerstört wurde.

Ist die Christliche
Lobby wirklich so groß? Wozu immer wieder neue Kirchen? :smt013

Es werden meistens die Kirchen wieder neu Aufgebaut weil sie eben meistens auch die ältesten Gebäude sind.
Sie sind Symbole der damaligen Baukunst.
Wer weiß vieleicht wird man sich in 300 Jahren darüber streiten ob man eine der ersten deutschen Moschen wiederaufbauen soll, nachdem sie von christlichen Fundamentalisten gesprengt wurde^^?

Christliche Kirchen? Reichstagsgebäude? Natürlich vollkommen frei von Verherrlichung!

Und erklär mir bitte mal wo du am Reichstagsgebäude eine Verherlichung siehst?

Christliche Kirchen? Reichstagsgebäude? Natürlich vollkommen frei von Verherrlichung!

Den Reichstag gab es schon vor den Nazis…

Der Wiederaufbau des Stadtschlosses ist ja eindeutig ein Prestigeprojekt, das die Berliner dank Länderfinanzausgleich und Bundesmitteln wahrscheinlich nicht einmal selber tragen werden.
Mir persönlich wäre es auch wesentlich lieber gewesen, wenn man den Palast der Republik saniert und als DDR-Museum eingerichtet hätte, damit dieser sehr wichtige Teil deutscher Geschichte im Zentrum der Hauptstadt seinen Platz findet. Ist wohl leider mit der Linken/PDS/SED in der Landesregierung nicht zu machen.

Gegenfrage: Soll man die teilweise zerfallenen Gebäude weiter vor sich hin bröseln lassen?

Geht man weiter, so frage ich dich, was denn stattdessen da gebaut werden soll. Oder sollen auf allen Ruinenflächen nun Wälder wachsen?

Ich verstehe dein Anliegen nicht. Kulturelles Erbe bewahren? Andenken für die Nachwelt und so? Schon mal davon gehört?
Und, um gleich mit der Keule zu schwingen, sollte man dann auch verfallene KZs einstampfen, um Platz für neues zu machen? :wink:

Das ist eine Erscheinung der Moderne, bis vor ein paar hundert Jahren hat man einfach alles abgerissen und was neues hingebaut. Dann kam die Romantik, das Wissen der Welt passte nicht mehr in ein paar Bücher sondern wuchs immer schneller, die letzten Universalgelehrten wanderten über die Welt und die Erkenntnis, fürher war alles besser setzte sich durch. Deswegen klammert man sich an die einfacheren Tage und die Erinnerungen daran und baut mal lieber etwas uraltes auf anstatt neues zu schaffen und damit auch die eigentliche Erkenntnis zu zementieren, dass wir täglich mehr wissen und jeder einzelne im Vergleich zum wachsenden großen Ganzen immer unbedeutender und dümmer wird. Neues zuzulassen ist ein Eingeständnis, dass früher eben nicht alles besser war. Ein Eingeständnis, dass man als einzelne Person nur ein kleines Licht ist. Ein Anker in der Vergangenheit ist etwas schöneres als ein Richtungsweiser in die Zukunft. Gebäude sind wie andere Objekte externe Zeugnisse unserer Erinnerung an die Vergangenheit und der Beweis, dass diese mal existert hat, auch außerhalb unseres Kopfes. Denn in unseren Kopf kann die Phantasie schnell viel neues “Altes” schaffen, von dem man auf garkeinen Fall sicher sein darf, dass es tatsächlich mal so war. Objekte sind die Bestätigung, dass man nicht geisteskrank ist.

Na und? Ich will auch das alte Gebäude wieder aufgebaut werden, besonders übrigens das Berliner Stadtschloss. Nicht weil ich ein ehemaliger SEDler wäre (die haben schließlich das hübsche Ding weggesprengt) oder Linker, sondern weil ich dieses wahnsinnig hässliche Gebäude einfach nicht sehen will. Weder passt es da hin, noch hat es seine Berechtigung, also weg damit und das Schloß wieder her. Da kann man dann schließlich auch was schönes unterbringen, eine Bibliothek zum Beispiel (und wenn ich mich nicht irre soll das auch passieren). Ich weiß das nicht jeder meiner Meinung ist aber ich hab gern ab und zu ein paar Protzbauten und wenn sie dann noch nützlich sind, gern! Besser als diese hässlichen Mahnmäler und Denkmäler die man heutzutage errichtet.

Klar soll man auch neues bauen, passiert doch auch ständig oder? Aber warum soll man altes nicht neu aufbauen? Hat doch nicht jeder denselben Geschmack und auch wenn ich an Freya glaube und nicht so eine Lusche mit Dornenkrone habe ich sehr gern restaurierte Kirchen, einerseits damit die Gläubigen halt weiter an ihrem angestammten Platz ihrem… was auch immer sie dort tun nachgehen können und andererseits damit ich und andere Bewunderer sich an der Architektur erfreuen. Nicht zu vergessen die Arbeitsplätze und das man ja auch ab und zu noch was lernen könnte bzw. der Einzelne.

Ps. Das Stadtschloss ist auch irgendwie nicht sonderlich christlich und das es keine Kirche ist, sagt ja schon der Name.

Den Reichstag gab es schon vor den Nazis…

Habe ich etwa behauptet, dass ich die Verherrlichung darauf beziehe?
Das Ding stammt doch aus der Kaiserzeit. Also lang lebe der Kaiser?
Zumal das Ding ja als Regierungssitz irgendwie unpassend ist…

Vielleicht drücke ich das mal so aus:

Klar sind die alten großen Gebäude auf Grund ihrer Bauart der ein
oder anderen Epoche zuzuordnen, aber es sind trotzdem Prunkbauten.

Warum wohl wurden in früheren Jahrhunderten die Kirchen und
Herrschaftsresidenzen so riesig gebaut? Um dem Volk zu zeigen
HIER ist man Gott näher! Riesige Wandgemälde, teils mit Gold
überzogen, Verzierungen hier und dort - sowas beeindruckt die
Leute bis heute. Ich nehme mich davon nicht aus. Auch die
Akustik bei Orgelspielen ist teils recht gut.

Aber wozu Geld investieren für den Neubau von Prunkbauten?
Über viele Jahre war ich im Bayern im Urlaub und dort konnten
nicht mal kleine Gebäude mit historischem Mühlrad neu errichtet
werden.

Das ist eine Erscheinung der Moderne, bis vor ein paar hundert Jahren hat man einfach alles abgerissen und was neues hingebaut. Dann kam die Romantik, […]

Einer der besten Kommentare hier. Liest sich wie ein Kurzroman. Du bist nicht etwa Schriftsteller, oder?

Sehe ich auch so, selbst wenn dann dort eine Bibliothek oder ein Museum rein soll. (Was ja im Gegensatz zu einer stink normalen Kirche wenigstens ein wenig Sinn machen würde. Immer noch zu riesig dafür, aber ein wenig Sinn.

Gegenfrage: Soll man die teilweise zerfallenen Gebäude weiter vor sich hin bröseln lassen?
Geht man weiter, so frage ich dich, was denn stattdessen da gebaut werden soll. Oder sollen auf allen Ruinenflächen nun Wälder wachsen? […]
Und, um gleich mit der Keule zu schwingen, sollte man dann auch verfallene KZs einstampfen, um Platz für neues zu machen? :wink:

Okay, nochmal: Es geht doch hier um den Wiederaufbau. KZs werden erhalten, wenn auch, wie z.B. in Weimar, nicht wirklich viele Mittel zur Verfügung stehen. Aber wenn jetzt jemand auf die Idee kommen würde, ein KZ neu aufzubauen, wo vielleicht seit Jahren Grünflächen stehen, würde ich das auch nicht verstehen.
Ruinen kann man als Ruinen erhalten, siehe Xanten.

Gegenfrage:
Die Menschheit gibt es seit einigen tausend Jahren. Sie hat auch seit tausenden Jahren ihre kulturelle Auslebung in Gebäuden gehabt. Soll man zu jeder Epoche alle wichtigen Gebäude neu aufbauen? Das erste Beispiel was mir einfällt: Lass mal in Ägypten neue Pyramiden bauen, da wo nur noch Ruinen von einigen stehen.

Jetzt würden wieder einige sagen: das ist doch nicht Deutschland, geht uns nichts an, wäre auch viel zu teuer und würde enorme Ressourcen verschwenden. Eben! Riesige Bauten brauchen viel Zeit und viel Ressourcen. Punkt.

panasaak47 stellt doch an sich eine gute Frage:
Wer entscheidet das, alte verfallene Ruinen wiederaufzubauen?

Es geht dabei nicht so sehr um die Kulturerhaltung, sondern dass stillschweigend durch alle politischen Parteien eine Übereinstimmung zu herrschen scheint, für viel Geld alte Gebäude wiederzuerrichten, für die sich nicht alle interessieren, und die auch nicht allen zu gute kommt, während anderswo dann angeblich wieder Geld fehlt.
Wo kann ich als Wähler so etwas entscheiden, wenn mir beispielsweise die Sanierung von Straßen oder Modernisierung von öffentlichen Einrichtungen wichtiger ist, als der Wiederaufbau alter Gebäude?

Scheinbar nirgends.

Jetzt fällt mir was ein: Wenn auf dem Bauland nun bedrohte Tierarten leben, wird dann gebaut? Für den Fall dass man die Tierchen nicht einfach umsiedeln kann natürlich.

Dem Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses stehe ich auch kritisch gegenüber. Der Palast der Republik war ein Symbol der alten untergegangenen DDR. Hier tagte die Volkskammer, hat Erich Mielke uns doch alle lieb gehabt und von hier wurde die bekannte Samstagabend-Show Ein Kessel Buntes ausgestrahlt. Er war Teil dieses, Geschichte gewordenen, Staates. Ein Erhalt wäre wünschenswert gewesen. Ein Neubau des Berliner Schlosses kann niemals die Residenz des Hauses Hohenzollern in Berlin werden. Er wird immer nur eine Kopie bleiben.

Es gibt aber auch andere Beispiele wo ein Neuaufbau absolut richtig war. Wer schon einmal in Dresden war, wird von der imposanten Kuppel der Frauenkirche beeindruckt sein. Sie prägt wie kein anderes Gebäude das heutige Stadtbild. Als man sich nach der politischen Wende dazu entschlossen hat sie wieder aufzubauen gab es dafür eigentlich keinen Bedarf. Es gab keine evangelische Gemeinde, die einer neuen Kirche bedurft hätte. In der DDR fehlten für den Neuerrichtung das Geld und der Wille, so blieb die Kirchenruine über Jahrzehnte als Mahnmal gegen den Krieg erhalten.

Der Wiederaufbau wurde schließlich überwiegend aus privaten Spenden aus aller Welt finanziert. Das Turmkreuz wurde z.B. von einem Englischen Goldschmied erschaffen, dessen Vater als Pilot die Stadt einst mit in Schutt und Asche gelegt hatte. Allein aus Großbritannien flossen über eine Million Euro an Spenden nach Dresden.
Sie ist heute mehr als es die alte Ruine je gekonnt hätte ein Symbol für Versöhnung der Völker in Europa. Das wird vor allem durch den Kontrast der neuen, hellen und dunklen Gesteine deutlich. So wie die Wunden der Menschen mit der Zeit immer weiter verheilen, werden die neuen hellen Steine der Frauenkirche mit der Zeit nachdunkeln und sich so vom Original kaum noch unterscheiden.

Neben dem Zwinger ist die Frauenkirche das touristische Highlight der Stadt. Schon aus diesem Grund dürften sich die Arbeiten gelohnt haben. Im Übrigen sind auch die anderen Sehenswürdigkeiten Dresdens allesamt Wiederaufbauten. Dem Angriff am 13.02.1945 fiel fast die gesamte historische Innenstadt zum Opfer. Hätte man diese Gebäude nicht nach und nach wieder errichtet, wäre die Stadt vielleicht moderner, aber mit Sicherheit nicht schöner.

Gibt sicherlich viele Aspekte zu beachten, aber scheinbar haben wir keine Zeit solche Entscheidungen (Pro & Kontra) ausgiebig zu besprechen.

Noch gefunden:

In Magdeburg sollte die Ulrichskirche neu gebaut werden, an einem belebten und bebauten Platz. Ein Volksentscheid am Tag der Landtagswahl war ziemlich deutlich: über 70% waren gegen den Neubau. Dummerweise gibt es ein Hintertürchen, denn ob die Entscheidung berücksichtigt wird steht noch aus. Auch soll der Entscheid nur für 1 Jahr gelten, danach könnte theoretisch der Neubau weiter geplant werden, wobei neben einigen Spenden auch zum Großteil Steuergelder verwendet werden müssen.

Ich glaube was bisher vergessen wurde ist der wirtschaftliche Aspekt: Natürlich verschlingt so ein Wiederaufbau Geld, aber es kurbelt auch den Tourismussektor an. Ich behaupt mal, dass z.B. Schloss Neuschwanstein mehr Geld durch Touristen eingebracht hat, als ein Neubau kosten würde.
Ein weiterer Grund, warum man heute Gebäude erhält und vielleicht sogar wiederaufbaut, ist wahrscheinlich die Beschäftigung mit der Vergangenheit allgemein, was wiederum etwas mit Bildung zu tun hat.

Ich stelle mal folgende Frage in den Raum: Wozu an Schulen Geschichte unterrichten? Warum immer mit der Vergangenheit beschäftigen, ist doch eigentlich völlig egal für die Zukunft und weckt nur reaktionäre Kräfte!

Zumal das Ding ja als Regierungssitz irgendwie unpassend ist…

Da hast du Recht, als Regierungssitz wäre das Parlamentsgebäude denkbar ungeeignet (siehe: Gewaltenteilung). Daher haben wir ja auch das Bundeskanzleramt und die Ministerien :wink:

Ich frag mich gerade auch warum der Reichstag unpassend sein sollte?

Hier ein kleiner Wikipedia auszug zum Reichstag als Parlament unter dem Kaiserreich.

“Das wichtigste Organ war der vom Volk gewählte Reichstag, welcher die Gesetzgebung (legislative Gewalt) ausübte und die Reichsregierung überprüfte. Die Möglichkeit eines Misstrauensvotums prägte den Parlamentarismus. Der Reichstag wurde auf vier Jahre gewählt. Es wurde das Prinzip der Verhältniswahl angewandt, das heißt: die Zusammensetzung des Parlaments entsprach genau dem Verhältnis der abgegebenen Stimmen.”

Kommt mir so vor als wär da kein riesiger unterschied zu dem was da heute abläuft.

Besonders sinnvoll finde ich es auch nicht, zerstörte Großbauten neu zu errichten, außer es handelt sich um ein Bauwerk von Weltrang, etwas Besonderes - Das Stadtschloss und die Frauenkirche sind z.B. nicht in dem enormen Maße bekannt in der Welt wie Neuschwanstein

Aber generell bin ich ein Verfechter von Prestigbauwerken, vor allem, wenn es etwas innovatives wird
z.B. Eifelturm - Funkturm - erstes Stahlgerüstbauwerk und Vorbild für Amerikas Wolkenkratzer
ODER Freiheitsstatue - Symbol

Bei solchen Sachen sollte man ruhig mal etwas tiefer in die Staatskasse greifen und nicht so geizig sein, wie
z.B. bei der geplanten Elbphilharmonie - vielleicht wirds ja mal zum Wahrzeichen von Hamburg

Absolut sinnlos erscheint mir dagegen das Abgucken und Nachbauen von architektonischen Meisterwerken
z.B. Der Kölner Dom als gotische Kirche ist nicht annähernd so populär wie sein Vorbild Notre Dame
Oder Schloss Sanssouci in Potsdam VS. Versailles

@panasaak47
Der Reichstag in seiner jetzigen Form ist doch genial - mit seiner gläsernen Kuppel ist es nicht nur Parlament, sondern ein tolles Symbol für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit

Aber gerade auf solche Prunkbauden, die keinen nennenswerten Nutzen für die Menschen darstellen, kann man leicht verzichten.

Der Kölner Dom wurde bereits im 12. Jh., also zeitecht in der Gotik begonnen. Er stellt somit keine Kopie dar. Die endgültige Fertigstellung des 19. Jh. würde man heute jedoch so nicht mehr machen. Sanssouci gehört dem Baustil nach zum Rokoko, während Versailles dem Barock zuzuordnen ist. Kopien hingegen sind Herrenchiemsee und Neuschwanstein. Na gut letzteres ist wohl eher das Produkt der Fantasie eines träumerischen Königs.

Der Kölner Dom wurde bereits im 12. Jh., also zeitecht in der Gotik begonnen. Er stellt somit keine Kopie dar. Die endgültige Fertigstellung des 19. Jh. würde man heute jedoch so nicht mehr machen. Sanssouci gehört dem Baustil nach zum Rokoko, während Versailles dem Barock zuzuordnen ist. Kopien hingegen sind Herrenchiemsee und Neuschwanstein. Na gut letzteres ist wohl eher das Produkt der Fantasie eines träumerischen Königs.

Ich fürchte, dass ich mich falsch ausgedrückt habe. Du hast natürlich Recht mit dem Baubeginn des Doms. Das war mir auch klar. Aber mit „Abgucken und Nachbauen“ meinte ich nicht, dass man eine Nachbildung der Pariser Kathedrale gebaut hat, sondern, dass die damaligen Bauherren den gotischen Baustil übernommen haben, diese prägnante Architektur, die in Paris, Bourges und Chartres - da ist man sich laut wiki nicht sicher - entwickelt wurde. Die Architekten des Doms haben einen Bautrend perfektioniert, aber nicht erfunden, weshalb ihr Bauwerk EINE außergewöhnliche gotische Kathedrale ist, nicht das Original.

Was ich meinte, war, dass, wenn man sich schon in Unkosten stürzt, man einen neuen, bewunderungswürdigen architektonischen Einfall in die Tat umsetzen und keinen Trends folgen sollte.

Den Wiederaufbau des Stadtschlosses halte ich deshalb für keine gute Idee. Es wird wahrscheinlich schlicht, aber teuer werden. Eine Gefühlsduselei. Da fände ich es sogar besser, wenn sie „Erichs Lampenladen“ restauriert hätten. Oder jungen, mutigen Ingenieuren und Architekten eine Chance geben würden.

Aber gerade auf solche Prunkbauden, die keinen nennenswerten Nutzen für die Menschen darstellen, kann man leicht verzichten.

OK, wenn du den kulturellen Nutzen nicht nennenswert findest, ist das Ansichtssache.

Wenn man wirklich nach einem Original der Gotik sucht, könnte die Kathedrale von Saint-Denis dem wohl am ehesten entsprechen. Wenn ich hier falsch liege, möge man mich verbessern. Jede Zeit bringt eine bestimmte neue Art zu bauen mit sich, der dann viele Bauherren oder Architekten folgen. Solange das Bauwerk einen eigenen Charakter aufweist, würde ich jedoch nicht von einer Kopie sprechen. Das von mir angesprochene Schloss Herrenchiemsee, so schön es auch ausgeführt wurde, ist halt eine Jahrhundert später errichtete Kopie von Versailles. Der Dresdner Zwinger hingegen, der sich ebenfalls an Versailles orientiert, besitzt seinen eigenen Charakter und ist somit für sich genommen ein Original. Ich glaube nicht, dass Versailles das erste Bauwerk des Barockes ist. Das ist wohl eher in Italien zu suchen. Nur so am Rande, der Kölner Dom war bis zur Fertigstellung des Eifelturmes das größte Stahlbauwerk der Welt. Im Bereich der Dachkonstruktion hat man sich beim Fertigbau nicht an die Mittelalterlichen Aufzeichnungen gehalten. Damit war er also diesbezüglich eine Neuerung seiner Zeit.

Da bin ich voll Deiner Meinung. Die Chance einer Restaurierung des alten Palastes haben wir leider verpasst. Jetzt eine Disneyland artige Kopie des alten Stadtschlosses zu errichten halte ich für falsch. Etwas neues, Zeitgemäßes ist da sicher der bessere Weg.

Sicher gibt es bestimmte Bauwerke, die keinen direkten Nutzen aufweisen, die aber im Falle einer Zerstörung auf jeden Fall wieder aufgebaut werden, da sie als Symbol der Nation, der Stadt anzusehen sind. Dazu gehört die von Dir genannte Freiheitsstatue in New York oder der Arc de Triomphe in Paris. Das steht außer Frage.