Hähnchenreste auf Reisen – Das Geschäft mit unserem Abfall

Link: http://www.fernsehserien.de/zdfzoom/folgen/haehnchenreste-auf-reisen-das-geschaeft-mit-unserem-abfall-587964

Die Doku wurde zwar 2014 ausgestrahlt - ich bin mir aber unsicher ob hier drüber schon berichtet wurde.
Wir haben die Dokumentation gerade gesehen und waren um ehrlich zu sein stark erschüttert von der Naivität der Filmemacherin.

In der Dokumentation wird dargestellt, wie deutsche Hähnchenproduzenten vermeintlich Schlachtabfälle nach Afrika verschiffen.
Für uns sind Hähnchenfüße (darum ging es unter anderem) durchaus Schlachtabfälle - in anderen Kulturen sieht das aber wieder ganz anders aus.
In vielen Regionen der Welt sind Hühnerfüße eine Delikatesse.
Auch wird in vielen Regionen beispielsweise Hühnerbrühe gekocht - hierfür verwendet man dann u.a. Hühnerrücken.
In den “Industriestaaten” verwenden wir hierfür meistens sogenannte Instant-Produkte. Ob die besser sind sei jetzt mal dahingestellt.

Die Reporterin spricht auch mit mehreren Einheimischen die ihr natürlich versuchen verständlich zu machen, dass die Produkte aus Deutschland günstiger sind als wenn man in Afrika selber produzieren würde - dass sich die Bevölkerung in Afrika mit unseren Exporten aber zumindest ernähren kann, darauf wird nicht eingegangen.

Auch wird von einem Projekt berichtet, das Wiesenhof im Westen Afrikas am Laufen hat - hier werden in einem “Waisenhaus” Hühner gezüchtet, die auf dem “Markt” natürlich nicht verkauft werden können - hier würden die Hühner im Ganzen natürlich nicht gegen die Preise der “Schlachtabfälle” bestehen.
Der Begriff “Markt” wird hier aber nicht weiter erklärt. Hierbei handelt es sich um ein Homonym - der Zuschauer wird höchstwahrscheinlich denken, dass es sich um den Markt handelt, von dem in den deutschen Medien immer wieder gesprochen wird (in diesem Zusammenhang geht es dann eher um gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge).

Die Situation in den Städten ist eine gänzlich andere als auf dem Land. Auf dem Land wird man eher ein ganzen Huhn haben wollen weil man hier beispielsweise die Hühnereier verwenden kann bzw. beim Transport ohne Kühlung auskommt.
Das wiederum ist in der Stadt einfacher, die Wege sind viel kürzer - das Fleisch müsste aus der Stadt erst ins Land transportiert werden und wäre dann, das liegt in der Natur der Sache, teurer und damit mit den Hühnern im Ganzen preislich schon eher vergleichbar.
In der Dokumentation sieht man auch, dass ein Einheimischer Fleisch einkauft und 3 Tage transportiert um es in einem anderen Ort weiter zu verkaufen. Auch wenn die Löhne in Afrika im Vergleich äußerst niedrig und Transporte damit insgesamt günstiger sind als in Deutschland: 3 Tage kosten auch hier das entsprechende Plus im Endpreis.

Die Journalistin hat Fleisch auf dem Markt gekauft, dieses Fleisch nach Deutschland importiert und wundert sich dann, dass so viele Keime entstanden sind (zumindest bekommt man als Zuschauer den Eindruck).

Zum Abschluss der Doku geht die Journalistin auf den Wochenmarkt und verlangt ein “ganzes Huhn” - hier bekommt sie, den Kameraaufnahmen zufolge, ein entfedertes, geköpftes, ausgeweidetes, fußloses Huhn . Wie man es auch im ganz normalen Supermarkt bekommen könnte.
Dass auch hier schon die “Schlachtabfälle” entfernt wurden und wahrscheinlich ebenfalls auf dem Weg nach Afrika, China oder wohin auch immer sind, verkennt die Journalistin hier leider völlig.

Bleibt abschließend eigentlich nur das Fazit: “Hohle Nuss!”

Grüße von einem Paar, das Afrika liebt, die afrikanische Kultur (wenn auch nur in den Ansätzen und wie es eben für Europäer möglich ist) versteht, Freunde in und aus Afrika hat und sich maßlos über solche Ignoranz ärgert.
Uns war es wichtig, das einmal anzubringen. Und Fernsehkritik ist dafür einfach die beste Plattform.

Tolle Sendung - Weiter so! (wir sind Zuschauer, fast seit der ersten Stunde)

Ich weiss nicht ob es dieselbe Doku ist die ich gesehen habe, in jener wurde aber auch angesprochen, dass die subventionierten Exporte die afrikanischen ‘Märkte’ kaputt machen (sprich: Afrikanern die Erwerbs-Grundlagen zerstören), die TK-Produkte wg. den löchrigen Kühlketten hygienisch problematisch sind und letzteres gerade bei den extrem schlecht-verpackten Produkten aus Deutschland der Fall ist.

Ich hab die Doku auch gesehen und etwas zwiegespalten.

Wenn bei uns der Kunde nur das Brust-Filet will wie ich (das is nämlich mein Recht, weil ich dafür bezahle), was soll dann mit dem Rest geschehen? Wenn es in einigen afrikanischen Ländern dafür Abnehmer gibt, dann bietet sich das doch an. Auch gebrauchte Autos,PCs und mehr dort oft weiterverwertet. Das wollen doch sozial/Öko-Leute immer.

Auf der anderen Seite wird angeblich dem dortigen Hünerzüchter das Geschäft zerstört. Das ist natürlich ein Unterschied zu Elektronik und Autos,die man nicht einfach so herstellen kann. Das sehe ich insofern schon worauf man hinaus will.
Nur muss die Tatsache,dass es sich für Bauer X dort nichtmehr lohnt ja auch einen Grund haben: Seine Kunden kaufen Euro-Hühner. Hätten die diese nicht,wäre diese Nahrung teurer. Das kann auch nicht im Sinne von sozialbewussten Leuten sein oder?

Wenn die Qualität minderwertig wäre und die Leute davon krank würden,würden sie es einmal kaufen und dann nicht mehr.
Wir hingegen würden die Waren kaufen,die Firma verklagen und die Ware wieder kaufen. Da sind die Afrikaner aber intelligenter als wir.

Wenn die Länder frei entscheiden könnten, würden sie einfach die Grenzen für Produkte dichtmachen, die das lokale Geschäft kaputtmachen. Leider können die Marktschreier der Globalisierung (unter anderem wie üblich die EU) sie dazu zwingen, weiterhin alles auf den Markt zu lassen. Das Druckmittel sind, wie immer, die Schulden.

Würde man die Afrikaner in Ruhe eine eigene Wirtschaft aufbauen lassen, statt sie mit billig-Importen zu lähmen, würde es dort vermutlich weit weniger Hunger und Probleme geben. Afrikanische Länder haben nun mal kein Geld dafür, ihre Landwirtschaft konkurenzfähig zu subventionieren.

[QUOTE=egon shelby;416257]Wenn bei uns der Kunde nur das Brust-Filet will wie ich (das is nämlich mein Recht, weil ich dafür bezahle), was soll dann mit dem Rest geschehen? Wenn es in einigen afrikanischen Ländern dafür Abnehmer gibt, dann bietet sich das doch an. Auch gebrauchte Autos,PCs und mehr dort oft weiterverwertet. Das wollen doch sozial/Öko-Leute immer.
[/QUOTE]
Wat? Ich hoffe, das ist jetzt Ironie, den Handel mit Abfall, den wir nicht essen, nun auch noch als sozio-ökonomische Wohltat zu verkaufen. Der “Rest” ist unsere Überproduktion. Wir picken uns die Rosinen raus und sparen uns die Entsorgungskosten, indem wir den Mist billiger anbieten als es der afrikanische Markt produzieren kann. Uns ist das Zeug nichts wert, respektive die Entsorgung würde wohl kosten. Wir schlagen damit jeden Preis. Und was ist daran ökologisch, Müll mit LKW und Frachtern zu exportieren?

[QUOTE=egon shelby;416257]
Wenn die Qualität minderwertig wäre und die Leute davon krank würden,würden sie es einmal kaufen und dann nicht mehr.
Wir hingegen würden die Waren kaufen,die Firma verklagen und die Ware wieder kaufen. Da sind die Afrikaner aber intelligenter als wir.[/QUOTE]
Richtig, wenn die Leute eine Wahl hätten. Haben sie aber nicht, denn wir diktieren den Markt, nennen es Entwicklungshilfe und fühlen uns als großartige Menschenfreunde.

[QUOTE=AlexB;416259]Und was ist daran ökologisch, Müll mit LKW und Frachtern zu exportieren?

Richtig, wenn die Leute eine Wahl hätten. Haben sie aber nicht, denn wir diktieren den Markt, nennen es Entwicklungshilfe und fühlen uns als großartige Menschenfreunde.[/QUOTE]

Es ist kein Müll. MCdonalds ist Müll. Ökologisch ist, diese Reste zu verwerten anstatt ein ganzes Tier zu produzieren und nur einen kleinen Teil zu verwenden.

Wieso haben die Leute keine Wahl? Die Hühnerzüchter vor Ort beschweren sich über unsere Dumpingpreise. Also müssen die Leute vor Ort doch deren Produkte gekauft haben, bevor die Industrie die Reste dorthin verfrachtet hat.

Ich finde es auch schlimm,dass die Leute dort in solchen Verhältnissen leben müssen,aber auf mich wirkte es so,als ob nun für mehr Leute die Verfügbarkeit von günstiger Nahrung gewährleistet wäre.

Übrigens sind für unsere Bauern,die ja angeblich alle so stark subventioniert werden,die Dumpingpreise aus Osteuropa auch ein Problem. Auch ein Großteil der Bio-Lebensmittel stammt nicht aus Deutschland. Die Sachen wären sonst viel teurer.
Die Subventionen von deutschen Landwirten mit Ackerbau sind dreierweise vorhanden:

  1. Diesel auf dem keine ganz so hohe Mineralölsteuer erhoben wird. Sprich der Sprit kostet nur etwas mehr als im Ausland und nicht viel mehr wie beim Auto.

  2. Es muss Greening durchgeführt werden. Also zwischen der Ernte jetzt und der nächsten Saat vom Frühjahr muss irgendeine Übergangspflanze gesäht werden, damit sich selte Tiere und Pflanzen in dieser Biooase entfalten können. 5,6 Monate lang,bevor es wieder untergepflügt wird. Und für diesen Aufwand wird etwas Kohle bezahlt. Das kostet Diesel,Arbeitszeit,Saatgut und Maschienenstunden. Glaube es sind 150-200/ha. Ein Witz, wenn du dafür ein paar Stunden rumfahren musst,die Kosten hast und die Scheisse dem Grünflächenamt nachweisen und bei denen im Büro erklären musst.

3.Es müssen Ausgleichsflächen,also brachliegende Flächen geschaffen werden,damit sich die Natur entfalten kann.
Da du nix anbauen kannst und 0 Ertrag hast gibt es da ebenfalls so 200€/ ha. Sind momentan 5% Pflicht soll aber auf 7% Steigen.Und das aber von der Fläche die nicht durch die Fruchtfolge sowieso nicht genutzt werden kann. Also ist es so Faktor 3.

Über die Tierindustrie kann ich nicht viel sagen,aber der Tenor bei den Landwirten die ich kenne ist generell,dass man nur bekommt,was einem sowieso schon vom Staat aus Bio-Spinnergründen abgezockt worden ist und dafür mehr Ärger und Verwaltungsaufwand dazu.

[QUOTE=egon shelby;416262]Es ist kein Müll. MCdonalds ist Müll. Ökologisch ist, diese Reste zu verwerten anstatt ein ganzes Tier zu produzieren und nur einen kleinen Teil zu verwenden.[/QUOTE]
Im übertragenen Sinne ist McDonald’s vielleicht als Müll zu bezeichnen, aber es ist doch zum Verzehr geeignet und es gibt einen Markt. Der Markt für Hühnerfüße, Hahnenkämme und Karkassen ist aber sehr überschaubar im Vergleich zu dem für Filets. Von daher ist das Ausschuss, Produktionsabfall oder eben Müll - im Sinne des Wortes. Ökologisch wäre es, diesen Überschuss nicht erst zu produzieren. Da es bislang keinen genießbaren Vogel ohne Beine gibt, ist das wohl keine Option. Dann wäre es ökologisch, es lokal zu verwerten - was nicht geschieht.

[QUOTE=egon shelby;416262]Wieso haben die Leute keine Wahl? Die Hühnerzüchter vor Ort beschweren sich über unsere Dumpingpreise. Also müssen die Leute vor Ort doch deren Produkte gekauft haben, bevor die Industrie die Reste dorthin verfrachtet hat. Ich finde es auch schlimm,dass die Leute dort in solchen Verhältnissen leben müssen,aber auf mich wirkte es so,als ob nun für mehr Leute die Verfügbarkeit von günstiger Nahrung gewährleistet wäre.[/QUOTE]
Jetzt können sich mehr Menschen unsere Reste leisten, die wir schon abgeschrieben hatten. Und weniger Leute dort verdienen nun eigenes Geld mit ihren eigenen Betrieben. Das sind zwar nur wenige Erzeuger, doch die breite Masse ist jetzt abhängig vom Ausland. Dann haben sie keine Wahl. Wir können jeden derer Preise unterbieten, denn was die teuer herstellen müssen, ist bei uns übergelieben. Damit fließt Geld von Afrika zu uns. Deren Markt nehmen wir von hier aus einfach mal so im Vorbeigehen mit.
Der deutsche Einzelhandel mag so was z.B. nicht, wenn Amazon aus Luxemburg dies durch Steuer"vermeidung" bei uns machen kann und frecherweise dann auch noch tut. Oder Billigarbeiter aus Rumänien, die die deutschen Löhne ohne zu leiden unterbieten konnten. Dann wird der Deutsche schnell kiebig.

[QUOTE=egon shelby;416262]Übrigens sind für unsere Bauern,die ja angeblich alle so stark subventioniert werden,die Dumpingpreise aus Osteuropa auch ein Problem.[…][/QUOTE]
Richtig. Die Landwirtschaft ist nun mal die größte Umverteilungsmaschinerie der EU, mit einem Volumen von mehreren hundert Millarden Euro zum Ausgleich untereinander. Die Entwicklungshilfen der EU an Afrika sind nichtmal ein Taschengeld dagegen, von daher ist der Vergleich etwas schief.

Tom hat’s ja schon erklärt wie es läuft: Wenn die Chinesen Solarpanels billiger herstellen als unsere ehemaligen Unternehmen, werden von uns schnell Schutzzölle verhängt. Wenn ein kleines afrikanisches Land dasselbe versucht, werden die Hilfsgelder von uns gestoppt. Wir haben die Freiheit und die Wahl - und unsere Handelspartner haben auch unsere Wahl. Die USA machen dasselbe dann mit uns: Wir haben das Recht, nicht abgehört zu werden, doch die USA haben die Pflicht, die Geilsten zu sein. Der Trumpf sticht auch bei TTIP.

Die Frage ist, ob wir alles machen müssen, was geht. Besonders aus erhöhter Position ist es einfach, in fremden Ländern einzugreifen und den eigenen Willen durchzusetzen. Da profitieren immer eine Handvoll Leute hier, und einem weit entfernten, anonymen Land hinter dem Horizont geht es vielleicht etwas schlechter.