Großstadtrevier: Annas Einsatz

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/ … Id=3739884
Diese Folge von Großstadtrevier handelt davon, dass mit Computerspielen für Erwachsene auf dem Schulhof gedealt wird.
“Ja und ?”, mag sich da mancher, verantwortungsbewusste Erziehungsberechtigte denken. Da kommen die Gören wenigstens nicht auf den Gedanken, sich heimlich Papas Pornosammlung reinzuziehen oder von Muttis leckeren Haschischkeksen zu naschen.
Erstmals im deutschen Fernsehen wird aber von den mutigen Autoren, in einem unvergleichlichem Paradestück investigativer Drehbuchschreibekunst, das in der übrigen Medienlandschaft völlig vernachlässigte Problem sogenannter Killerspiele aufgegriffen.

Hier ein kleiner Dialogauszug:
Person A: "Das ist ein Computerspiel. Nicht die Wirklichkeit."
Person B: “In Afghanistan hab ich Kinder schießen sehen, die waren keine zehn Jahre alt.”

Danke, jetzt weiss ich Bescheid! Computerspiele mit einer USK Freigabe ab 18 (Zitat:“Killerspiele, das ist das Allerletzte!”) werden von Zwischenhändlern der Türkenmafia in schummrigen Dönerbuden an die Söhne von anständigen, anatolischen Imbissbudenbetreibern (ein bißchen political correctness muss ja sein!) vertickt, die mit den Spielen (“das Allerletzte!”) auf Pausenhöfen dealen.

Da wird wohl irgendein Drehbuchschreiber wieder über das Wort “Bildungsauftrag” gestolpert sein und das mal eben zusammengebastelt haben.
“Wo haben wir denn Liste mit den bösen Wörtern… blätter Ach ja hier: :smt018 Killerspiele, Alkohol, Drogen, Schokolade :smt018”

Dazu fällt mir spontan das Krümelmonster ein, dem der Verzehr von Obst und Gemüse nahegelegt wird.

Zur „Killerspiel“-Folge von Großstadtrevier gab es auf „stigma-videospiele“ folgenden Kommentar:

In Folge 290 des Großstadtreviers werden unter dem Titel “Annas Einsatz” die Verbreitungswege von “Killerspielen” unter Jugendlichen dargestellt. Oder zumindest das, was man sich Stephanie Bogon und Bernhard Gleim darunter vorstellen beziehungsweise den Zuschauern an Komplexität zumuten wollen. So vermutet Arndt Rüger, dass “damit es der Fernsehzuschauer weit über die 60 auch noch versteht” beispielsweise das Internet ausgeblendet wurde. Hier wird sich der geneigte Leser fragen, was man denn dann noch zum Darstellen übrig bleibt. Diese eklatante Wissenslücke wird bereits innerhalb der ersten 4 Minuten geschlossen:

A: “Was guckt ihr denn da für eine Scheiße?”
B: “„Killman 4“, ein Computerspiel, steht auf dem Index.”
A: “Das ist ja grauenvoll. Wo ist denn das her?”
C: “Sind Raubkopien. Die haben wir beschlagnahmt. Auf dem Schulhof der Kaiser-Friedrich-Schule.”
B: “Diese Dinger werden in ganz Hamburg vertickert, an Kinder! Das musst du dir mal reinziehen!”
C: “Und wir haben keine Ahnung, wer dahinter steckt.”
B: “Haben wird doch! Hier! Ein Foto. […] Das ist einer der LKWs, mit denen diese Drecksspiele nach Deutschland geschmuggelt werden.”

Ja. Genau. Gebrannte Silberlinge mit ausgedrucktem Cover werden von dem Inhaber einer Spedition in versteckten Transportbehältern der LKWs über die Grenze nach Deutschland geschmuggelt. Über Mittelmänner werden sie an Dealer verkauft – natürlich stilecht mit Taschen- und Geldübergabe im verlassenen Parkhaus – die das bereits sehnsüchtig erwartete Material an Schulen verticken (Im zur Serie gehörenden Forum wird gemunkelt, dass es etwas konstruiert wirke.):

A: “Wann kommt die neue Ware?”
B: “Kriege ich auch heute, ich melde mich dann, wenn ich das hab.”

Ich muss zugeben, dass ich schon lange nicht mehr so herzhaft gelacht habe. Je nach Gemüt sollte man aber doch lieber davon absehen sich die Folge anzutun. Wenn Ismael, nachdem er entdeckt hat, dass sein Sohn “Killerspiele” dealt, spontan der Ausruf: “Killerspiele!? Das ist das Allerletzte!” entfährt und die hilfsbereite Ex-Polizistin ihn bei seinem Vorhaben zu mehr Vorsicht mahnt, da der Killerspielhändler ja eine Waffe hätte tragen können, sind Schmerzen keine fernliegende Folge.

Allgemein stellt man sich auch die Frage, wozu der ganze Aufwand eigentlich gut sein soll. Indizierte Spiele dürfen in Deutschland ja legal an Erwachsene verkauft werden, wenn auch eher selten und nicht immer zu zivilen Preisen. Das Einschmuggeln ist somit komplett überflüssig – macht sich aber wohl in der Story besser. Und wozu die Beschlagnahme - sollten hier etwa die Urheberrechtsverletzungen das Problem sein? Ein Blick auf das Cover des wohl fiktiven Spieles “Killman IV” ist auch harter Tobak. Ein anscheinend afrikanisches Kind als Kindersoldat mit “Ak 47/74? im Anschlag. Man möge mir die Unkennntis verzeihen, aber ich kenne keinen Ego-Shooter, dessen Handlung vor solch einem Hintergrund angelegt ist. “FarCry 2? spielt zwar in einem afrikanischen Bürgerkrieg, aber soweit ich weiß sind auch hier, wie wohl in den meisten Shootern, kindliche Figuren nicht vorhanden. Die hier nahegelegten Inhalte finden sich somit wohl kaum in Videospielen wieder.

Wer sich die Sendung ansehen möchte kann dies noch bis Sonntag in der Mediathek der ARD tun. Besonders angetan hat es mir auch die Szene, in der eine Beamtin über die Knüppel klagt, die einem bei der Ermittlung zwischen die Beine geworfen werden:

“An die Fingerdrücke von seinen Mitarbeitern komme ich auch nicht ran… Datenschutz…”

http://stigma-videospiele.de/wordpress/?p=3426

Zum Glück nicht gesehen die Folge,hab mir das ganze mal auf stigma-videospiele durchgelesen. Wäre wirklich ein “Kurz kommentiert” wert,bitte!! Wir hatten ja schon mal WoW, da würde das sehr gut passen.

Ich bitte darum, der Unfug schreit nach Erwähnung.

Über die Machart kann man sicherlich streiten, darüber das Illegales Vertreiben von Indizierten Medien an Minderjährige ein Problem ist sicherlich nicht.
Daran das hier diskutiert wird erkennt man erstmal eins: das Drehbuch hat seinen Sinn erreicht, das Problem ist ins Bewusstsein gerückt, nun ist es natürlich an den werten Diskutierenden Minderjährige in ihrem Bereich zu schützen.

Resumee: Die öffentlich-rechtlichen Medien haben wieder mal ihrem Auftrag gehorchend gewirkt, GEZ-Gebühren auch diesen Monat wieder gut angelegt, danke.

So ein Schwachsinn. Ich kann ja auch nicht behaupten, dass man Heroin beim Aldi kaufen kann, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Das Geschäft dieser “Killerspiel-Dealer” würde aber über kurz oder lang in die Hose gehen. Denn es reicht, wenn nur ein Kind dieses Spiel bekommt. Die restlichen Kinder können sich das Spiel dann kopieren.

Du musst die Leute vom Großstadtrevier ja nicht gleich mit der Tasache schockieren, dass wir bereits im Jahr 2000 leben und CD-Brenner für 50 Mark zu haben sind :wink: