Frontal 21

Frontal 21 ist ja vor allem für Computerspieler ein rotes Tuch. Es wurden zu diesem Thema so viele einseitige und manipulative Beiträge gemacht, das man schon von offener Feinschaft sprechen kann.

Das ganze hat dazu geführt das ich mir die Sendung nicht mehr anschaue, da ich befürchten muss das Reportagen zu anderen Themen ebenso schlampig recherchiert werden und ich dies ohne das Fachwissen zu dem Thema nicht bemerke.

Frontal 21 hat im letzten halben Jahr zwei Beiträge über das Thema ADS/ADHS gemacht. Da ich mich als Betroffener gut auskenne, sah ich mir die Beiträge an und stellte wieder fest das diese teilweise sehr schlecht recherchiert waren.

Der erste Beitrag lief am 09.12.2008. Es war eine Sondersendung mit dem Titel „Das Pharma-Kartell - Wie Patienten betrogen werden“.

Ich möchte mich auf den Teil der Sondersendung beschränken, die sich mit dem Medikament Strattera (*) befasst. Das war zwischen Minute 27:18 und 36:11. Die Sendung kann über die Mediathek abgerufen werden.

(*) Es gibt zwei Arten von Wirkstoffen die bei einer ADS/ADHS helfen.

  1. Methylphenidat, Markenname: Ritalin, Equasym, Medikinet, und Concerta
  2. Atomoxetin, Markenname: Strattera

Methylphenidat ist normalerweise die erste Wahl wenn es um die Behandlung einer ADS/ADHS geht.

Folgende Punkte kritisiere ich:

1. Das Interview mit Jörg Schaaber, Patientenbeauftragte des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und Krankenkassen.

Das wird ja eingesetzt bei im Prinzip im wesentlichen gesunden Kindern. Die sind nur zappelig unruhig, können sich schlecht konzentrieren. Das hat oft keinen Krankheitswert, das ist nervig für die Umwelt. Es ist sehr fragwürdig Kinder mit solch stark wirksamen Medikamenten zu behandeln, mit erheblichen Nebenwirkungen. Es ist ja nicht nur diese mögliche Selbstmordneigung, es gibt noch weiter schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkungen. Das steht in keinem Verhältnis zu dem äußerst zweifelhaften nutzen dieses Medikaments.

Die Behauptung ADS seie keine Krankheit, ist wirklich ein Hohn für alle Betroffen und Angehörigen. Diese bekommen dadurch viele Probleme. Es entsteht ein gefährlichen Halbwissen in der Bevölkerung. Betroffene Eltern die eigentlich schon genug leiden, dürfen sich dann anhören das sie ihre Kinder mit Drogen ruhig stellen oder das ADS ja nur von der Pharmaindustrie erfunden wurde. Eltern geben ihren Kindern mit Sicherheit nicht leichtfertig Medikamente. Es ist oft der letzte Ausweg schlimmeres zu verhindern. Eine unbehandelte ADS/ADHS kann für den Betroffenen viele negative Folgen haben

  • Schulabschluss und ausgeübter Beruf bleiben hinter dem möglichen.
  • Probleme im Beruf, häufige Wechsel der Arbeitsstelle und Arbeitslosigkeit.
  • Erhöhte Neigung zu Drogenkonsum (Zigaretten bis Kokain).
  • Erhöhte Gefahr psychisch zu erkranken (Depressionen, Angstörungen).
  • Probleme im Sozial- und Beziehungsleben.

Dazu verschreibt auch kein Arzt leichtfertig diese Medikamente. Es gibt folgende Leitlinien zur Diagnose:

Hierzu gehören als Routinediagnostik

* Eigen-, Familien-, Fremdanamnese,
* körperliche und neurologische Diagnostik,
* motoskopischer/motometrischer Entwicklungsstatus,
* Audiometrie, Visusüberprüfung,
* EEG und Laborstatus.

Des weiteren sind neuropsychologische Testverfahren durchzuführen wie

* Leistungstests, Konzentrationstest,
* Testung auf Teilleistungsschwächen.

Zur Differenzialdiagnostik gehört der Ausschluss von Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik und die Feststellung eventueller begleitender (assoziierter) Störungen (z. B. Teilleistungsstörungen, Tics, Asperger Syndrom, Zwangsstörungen, Depressionen). Bei Verdacht auf eine nahrungsmittelinduzierte ADHS-Symptomatik sollten weitere Untersuchungen in dieser Richtung folgen.

2. Anschließend wird behauptet, dass 4 Kinder bereits gestorben sind. Es wird eine Liste eingeblendet, in der zu sehen ist das diese Fälle in Deutschland aufgetreten sein sollten (Kennung „DE“).

Zwei dieser Fälle sind in den USA aufgetreten (Ein drei und ein fünfjähriges Kind). ADS/ADHS-Medikamente werden in Deutschland erst ab 6 Jahren verschrieben. In Deutschland gab es nur einen Todesfall bei einem 16jährigen. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass er wegen anderer Beschwerden in psychischer Behandlung war. Er setzte die Medikamente ab und verübte Suizid nachdem er das Krankenhaus verlassen hatte.

3. Man beschäftigt sich mit der Selbsthilfegruppe ADHS Deutschland. Diese hat Spenden von Pharmafirmen angenommen (6500€). Es wird ein Gespräch bei ADHS Deutschland mit versteckter Kamera gezeigt. In diesem Gespräch wird das Medikament Strattera angepriesen. Ein Vorstandsmitglied von ADHS Deutschland arbeitet nebenberuflich für Pharmaunternehmen.

ADHS Deutschland hat hier eine ausführliche Stellungsnahme veröffentlicht.

http://www.adhs-deutschland.de/content. … ite_ID=135

Am 12. 12. 2008 fand ein Telefongespräch mit Herrn Christian Esser der Frontal21-Redaktion und Autor des Beitrags »Das Pharma-Kartell« statt. Dieser erklärte auf Nachfrage, die Redaktion wolle ADHS Deutschland e. V. weder die heimlichen Aufnahmen in der »Beratungsstelle« noch den gesamten Mitschnitt des Interviews mit Herrn Dr. Skrodzki zur Verfügung stellen. ADHS Deutschland e. V. bleibt daher weiterhin die Möglichkeit vorenthalten, die fraglichen Aussagen im Kontext ihrer tatsächlichen Äußerung zu prüfen.

ADHS Deutschland e. V. ist inzwischen bekannt, wer die in der heimlichen Aufnahme laut Wortprotokoll zitierten Aussagen machte. Das Mitglied des Verbandes gibt an, dass sie durch mehrfaches gezieltes Nachfragen dazu animiert worden sei, sich positiv zur Medikation mit Atomoxetin zu äußern. Umfangreiche Ausführungen zu Nebenwirkungen der Behandlung mit Atomoxetin bei Patienten im privaten Umfeld seien von Frontal21 nicht wiedergegeben worden.

Auf Grundlage der Angaben unserer Mitglieder sowie der Weigerung von Frontal21, sowohl den in Frage stehenden heimlichen Mitschnitt als auch das vollständige Videomaterial des Interviews mit Herrn Dr. Skrodzki zur Verfügung zu stellen, ist davon auszugehen, dass die zitierten bzw. wiedergegebenen Aussagen von Frontal21 in fragwürdiger, ggf. auch sinnentstellender Weise verkürzt wurden.

Durch eine bestimmte Fragetechnik und geschickte Schnitte, kann man viel manipulieren. Dies ist auch immer wieder bei den Beiträgen zum Thema Computerspiele passiert und wurde als übliche Vorgehensweise auch zugegeben.

Zu dem anderen Beitrag schreibe ich morgen was.

Ich hole mal etwas nach, was du vergessen hast, nämlich mal die Nebenwirkungen hier hin zu posten, die die oben angegebenen Medikamente besitzen. Desweiteren hast du wohl vergessen zu erwähnen, dass eine medikamentöse Behandlung nicht bei allen ADS/ADHS-Betroffenen erforderlich ist, sondern genauso Psychotherapien und dergleichen (also nichtmedikamentöse Behandlungen) die Symptome lindern können. Denn eines können beide Medikamente nicht, nämlich heilen.

Methylphenidat : Psychostimulans
Nebenwirkung:
Sehr häufig bei Methylphenidat: Schlafslosigkeit, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Appetitlosigkeit. Häufig: Symptomverstärkung, Asthenie, Hypertonie, Übelkeit / Erbrechen, Dyspepsie, Gewichtsverlust, Muskelzucken (Tics), Benommenheit, emotionale Labilität, Schläfrigkeit, Ängstlichkeit, Depression, Nervosität, Feindseligkeit, Exanthem. Gelegentlich bei Methylphenidat: Brustschmerzen, Fieber, versehentliches Verletzen, Unwohlsein, Schmerzen, Suizidversuch, Migräne, Tachykardie, Diarrhoe, Stuhlinkontinenz, gesteigerter Appetit, Muskelkrämpfe in den Beinen, Apathie, anormes Denken, anormes Träumen, Halluzinationen, Verwirrtheit, Hyperkinesie, Schlafstörungen, Sprechstörungen, Schwindel, vermehrtes Husten, Nasenbluten, Haarausfall, Pruritus, Urtikaria, Diplopie, veränderte Miktionsfrequenz, Hämaturie, Harndrang. Selten bei Methylphenidat: Akkommodationsstörungen, verschwommenes Sehen, Mundtrockenheit, abnorme Leberfunktion z.B. Transaminasenerhöhung, Hepatitis, Palpitationen, Arrhythmien, Arthralgie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Wachstumsverzögerung/Gewichtsverlust, Konvulsionen, Agitiertheit, Psychose. Häufig: Fieber. Selten bei Methylphenidat: Angina pectoris. Sehr selten: Hyperaktivität, Krampfanfälle, Muskelkrämpfe, choreoathetoide Bewegungen, Exazerbatorische bestehende Tics, Tourette-Syndrom, exogene Psychose (evtl. mit visuellen und taktilen Halluzinationen), depressive Gemütslage, zerebrale Arteriitis / Gefäßverschluss, malignes neuroleptisches Syndrom (MNS), hepatitisches Koma, thrombozytopen. Purpura bei Methylphenidat, exfoliatische Dermatitis, Erythema multiforme, Anämie. Bei psychotischen Patienten evtl. Verschlimmerung von Verhaltensstörungen und Denkstörungen. Herabsetzung der Krampfschwelle. Erhöhung Ruhepuls, Erhöhung systolischer und diastolischer Blutdruck.

Atomoxetin : Antidepressiva
Nebenwirkung:
Sehr häufig bei Atomoxetin (>10%): Verminderter Appetit, abdomininale Beschwerden, Erbrechen. Häufig bei Atomoxetin (1-10%): Influenza (Erkältung, grippeartige Symptome, Appetitlosigkeit, frühmorgendles Erwachen, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Schwindel, Somnolenz, Mydriasis, Verstopfung, Dyspepsie, Übelkeit, Dermatitis, Pruritus, Hautausschlag, Müdigkeit, Gewichtsverlust. Gelegentlich bei Atomoxetin (0,1-1%): Palpitation, Sinustachykardie, allergische Reaktionen.

Bitte nicht flasch verstehen. ADHS ist eine ernstzunehmende Krankheit. Jedoch begehst du meiner Meinung nach den gleichen Fehler, den du Frontal 21 vorwirfst, nämlich einseitige Berichterstattung

Ich habe nur meine Kritikpunkte an dem Beitrag gebracht, das ist schon richtig. Die Nebenwirkungen gibt es, ich selbst hatten in der ersten Zeit Schlafstörungen. Die Appetitlosigkeit habe ich immer noch. Man muss die Liste mit den Nebenwirkungen allerdings in den richtigen Kontext bringen:

Sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10

Häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100

Gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000

Selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000

Sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000

Nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Dazu kann man ADS/ADHS nicht heilen. Man könnte es als eine Behinderung ansehen mit der man einfach Leben muss. Am wirksamsten ist eine Behandlung mit Medikamenten, in Deutschland wird diese normalerweise mit einer Verhaltenstherapie kombiniert. Therapien alleine reichen eher bei weniger schwer Betroffenen aus.

Manche Therapieformen wie die Psychoanalyse bringen überhaupt nichts. ADS/ADHS ist eine Stoffwechselfehlfunktion im Gehirn, da hilft es nicht in Kindheitserinnerungen rumzustochern.

Ich finde es gefährlich Eltern zu verunsichern, deren Kindern es mit diesen Medikamenten deutlich besser geht. Zudem werden diese Eltern immer wieder an den Pranger gestellt.

Die Folgen einer unbehandelten ADS/ADHS können deutlich schwerer wiegen, als die Nebenwirkungen.

Es gibt übrigens noch etwas was mich an allen Sendungen über ADS/ADHS sehr stört. Man bezeichnet es als Zappelphillipsyndrom. Das ist grob irreführend.

Es gibt 3 Kernsymthome:

  • Hyperaktivität
  • Unaufmerksamkeit
  • Impulsivität

NAch ICD 10 werden 3 Typen unterschieden:

  • 314.01 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Mischtypus (ICD 10: F90.0)
  • 314.01 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Vorwiegend Hyperaktiv-Impulsiver Typus (ICD 10:
  • 314.00 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Vorwiegend Unaufmerksamer Typus (ICD 10: F98.8)

Man beschränkt sich in solchen Sendungen leider immer auf den vorwiegend Hyperaktiv-Impulsiven Typus, auf den sich auch die Bezeichnung Zappelphillip bezieht. Es gibt aber in gleicher Anzahl den vorwiegend Unaufmerksamen Typus. Diesen nennt man auch Hypoaktiv. Er entspräche vielleicht dem Hans Guck-in-die-Luft.

Um mal zu einem Punkt zu kommen. Eine ADS/ADHS Diagnose ist sehr aufwändig. Der behandelnde Arzt entscheidet dann ja nach schwere ob eine Medikamentöse Behandlung angebracht ist. Die Dosis wird über mehrere Monate angepasst, bis der Patient richtig eingestellt ist. Auf Nebenwirkungen wird von dem Arzt hingewiesen. Es findet ein regelmäßiger Austausch zwischen Patienten und Arzt statt. Wenn es gravierende Nebenwirkungen gibt, wird natürlich das Präperat gewechselt.

Ich fühle mich als Betroffener durch die einseitigen Berichte verarscht. Ich bin ja eigentlich schon genug bestraft, darf ich als Erwachsener trotz hoher Krankenkassenbeiträge die Medikamente selbst bezahlen. In die Private kann ich Dank ADS/ADHS nicht mehr wechseln. Wenn ein verzehrtes Bild aufrecht erhalten wird, hilft das bestimmt auch dabei das die gesetzlichen Kassen sich weiter stur stellen.