Frage zu Dexter

Hallo allerseits. Was ich als Nicht-Fan der Serie immer schon wissen wollte: Befürwortet ein Dexter-Fan eigentlich die Todesstrafe? Die Serie geht ja tendentiell in diese Richtung.

Ich für meinen Teil bin ein bekennender Gegner der Todesstrafe, ganz einfach deshalb weil man wenn man jenanden und sei es auf Rechtswegen töten lässt selbst zum Mörder wird. Daher werde ich niemals in Hessen leben wollen denn die haben in ihrer Landesverfassung die Todesstrafe noch drinstehen.

aber Todesstrafe und die Serie Dexter haben meiner Meinung nach nicht sehr viel gemeinsam erstens ist die Serie fiktion und 2. liegt eine herrliche Ironie darin dass ein Serienkiller Serienkiller umbringt… :smt005

Die Serie ist gut weil sie einen in das Leben eines Psychopathen einführt. Es ist rein fiktiv und einfach genial gespielt von Hall. Wieso man deswegen für die Todesstrafe sein soll bloß weil man die Serie mag erschließt sich mir nicht ganz.

Übrigens ist Leon der Profi einer meiner Lieblingsfilme…ich bin also schon länger fasziniert von diesem Genre.

Edit: Nebenbei ist die Frage genau so dämlich wie jemanden der gerne Egoshooter spielt zu fragen ob er deswegen auch für freien Waffenbesitz ist…

Es gibt keine “dämlichen” Fragen, nur “dämliche” Antworten.

Warum ist es also illegitim, diese Frage zu stellen? Immerhin begeht der Protagonist der Serie Selbstjustiz und wendet konsequent die Todesstrafe an. Dass das natürlich super-ironisch gemeint sein soll, wenn ein Serienkiller Serienkiller umbringt … geschenkt.

Und ja, Egoshooter-Spieler haben wohl eindeutig ein “Herz für Waffen”, ansonsten könnten sie sich schließlich auch mit virtuellem Obst & Gemüse bewerfen.

Nein, Contra. Nicht alle Killerspieler mögen Waffen. Einfach nein.

Irgendwie überrascht es mich nicht das du Realität nicht von Fiktion trennen kannst lol

Wenn es einen Direkten zusammenhang zwischen Gewalt in Medien (Oberbegriff) und Gewalt in der Realität gäbe dann wäre die Gesellschaft schon vor hunderten von Jahren auseinandergebrochen.
Wenn man danach gehen würde wäre ich ein Massenmörder weil ich tausende von Wildschweinen, Vögeln, Orks und anderes Getier in fantasy und scifi Spielen getötet habe und ich wäre abgestumpft weil einer meiner Lieblingsfilme Crank ist und ich auch sonst gerne Filme gucke in denen jede Menge Blut fließt…

Das ändert aber nichts daran dass ich Gewalt in der Realität höchst verabscheuungswürdig finde. :smt025

Vigilantismus, eine organisierte Form der Selbstjustiz, ist in den USA ein wichtiges Thema - mE. um einiges bedeutender als in Europa. Der Ku-Klux-Klan ist ein sehr bekanntes Beispiel. Im Grunde behandeln so gut wie alle amerikanischen Comics oder Western-Filme das Thema Selbstjustiz - der Held als Outlaw. Während die Western meist den Übergang vom rohen “vorzivilisatorischen” Naturzustand hin zum Gesellschaftsvertrag (im rousseauschen Sinn) beschreiben, handeln Comics oft von einer postmodernen Welt mit gesellschaftlichen Auflösungserscheinungen. Auch Dexter würde ich, mit seiner unterschwelligen Kritik am US-amerikanischen Rechtssystem, in diese letztere Kategorie einordnen.

Bei Dexter gefällt mir, dass hier sehr detailliert die psychologischen Hintergründe eines im Grunde psychopatischen Serienkillers ausgeleuchtet werden. Das Ende der 4. Staffel kann man übrigens auch so interpretieren, dass der Zuschauer schließlich für sein Sympathisieren mit dem Massenmörder quasi abgestraft wird. Es gibt darüber bei Dexter auch zahlreiche Szenen die geradezu als Contra-Todesstrafe gewertet werden können.

Irgendwie überrascht es mich nicht das du Realität nicht von Fiktion trennen kannst lol

:smt023

Ich glaube das bringt es so ziemlich auf den Punkt.

Ach? Warum soll ich jetzt nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können, nur weil ich einen Zusammenhang zwischen der Liebe zur Fiktion und der Überzeugung in der Realität unterstelle?

Die Frage ist doch eigentlich super-simpel: Findet man die Handlungen von Dexter nachvollziehbar und würde man demzufolge auch ein konsequenteres Vorgehen gegen Gewaltverbrecher im “echten Leben” bevorzugen.

Ich selbst habe nur den Anfang der Serie gesehen und kann mich demnach nicht zum Ende von Staffel 4 äußern. Das Erfolgsrezept der Serie ist aber nunmal das Tabu Held=Serienkiller und die arg idealisierte Darstellung desselben. Wer also Dexter gut findet, muss seine Handlungen doch zumindest akzeptebel finden.

@Contra
Nein muss er nicht!! Die allermeisten Leute die Ego-Shooter spielen verurteilen doch auch die Amokläufe, welche Ständig damit in Verbindung gebracht werden.

Man muss da schon differenzieren zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Nur weil ich RTL nicht mag muss ich doch nicht Automatisch das Fernsehen als ganzes nicht mögen. Da stellst du einen Falschen zusammenhang dar wie ich finde

Wer also Dexter gut findet, muss seine Handlungen doch zumindest akzeptebel finden.

Dieser Schluss, sowie die gesamte Argumentation ist rein spekulativ.

Oder Clockwork Orange, bestes Beispiel, glaubst du ich will mordend und vergewaltigendent durch die Stadt ziehen? Clockwork Orange trifft meinen Humor, was nicht zuletzt der Stilisierung geschuldet ist, welcher eben diesen kleinen aber feinen Unterschied zwischen Kunst und Realität bildet, sonst wäre es nämlich keine Kunst sondern eine wasweißich Reportage oder Dokumentation, die ja selbst auch manipulierend sein können.

Aber würde Dexter real existieren und seine Taten filmen und im Internet verbreiten säh die Kiste schon ganz anders aus.

Jemand der Black Metal hört, will noch lange keine Kirchen anzünden.

Ich finde Stirb langsam gut, aber kann mich irgendwie im realen Leben nicht wirklich fürs Demolieren von Hochhäusern oder wilde Schußwechsel in der Innenstadt begeistern. Mit mir muss was nicht stimmen.

Wir sind alle wahnsinnig gestört weil wir eine klare Trennlinie zwischen Fiktion und Realität gezogen haben… :twisted: :smt025

Fiktion komm in den meisten Fällen ja aus der Realität hinaus, woher sich auch der intellektuelle Ansprüch mancher Fiktion gründet, aber es kann nie dasselbe sein, egal wie realistisch man an die Sache herangeht.

Nun, die Frage ist vllt doch aufschlussreicher als man zunächst denkt. Findet man nur die Fiktion gut, die möglichst weit von der eigenen gesellschaftlichen Überzeugung abweicht a la “Ich find’s furchtbar und bin gerade deswegen fasziniert” oder harmoniert die eigene Überzeugung mit dem, was man sich als Unterhaltung “antut”. Meine These ist ja gerade, dass man unterschwellig den Handlungen von Dexter applaudiert obwohl man weiss, dass diese in der Realität wohl eher auf Ablehnung der Allgemeinheit stoßen würden. Das alte Erfolgsrezept halt, dass man mit Tabubrüchen automatisch erfolgreich ist.

Herrje ich sehe schon wie sich hier die Spirale des Teufels auftut… ich sach nix mehr dazu hab meine Meinung denke ich klar ausgedrückt… :smt011 :smt025

Boah contra, wie soll man sich denn jetzt gegen so einen Verwurf gegen mein Unterbewusstsein wehren, das ist unfair.

Wir können’s hier denke ich auch abkürzen: wer als Hänsel und Gretel-Fan eine insgeheime Freude am Verbrennen von Hexen entwickelt - die er auch im realen Leben mal gern auslebt - der ist ganz klar ein Fall für die Couch (ich mein jetzt die beim Onkel Doktor). Das Verständnis für Fiktion und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel ist eine substantielle Eigenschaft menschlicher Psyche, die man idR im Alter von 4-6 Jahren erlernt. Das ist die Grundlage jeglichen Geschichtenerzählens.

Mein Gott ich kann nicht glauben, dass wir ernsthaft über sowas diskutieren müssen. Ich bin geneigt, den Thread und Trollerei-Versuch abzutun.

Und ja, Egoshooter-Spieler haben wohl eindeutig ein „Herz für Waffen“, ansonsten könnten sie sich schließlich auch mit virtuellem Obst & Gemüse bewerfen.

Die Frage ist doch eigentlich super-simpel: Findet man die Handlungen von Dexter nachvollziehbar und würde man demzufolge auch ein konsequenteres Vorgehen gegen Gewaltverbrecher im „echten Leben“ bevorzugen.

Da hat der Psychologe gesprochen! Wie könnt ihr seine messerscharfe Logik in Frage stellen? :roll:

Meine These ist ja gerade, dass man unterschwellig den Handlungen von Dexter applaudiert obwohl man weiss, dass diese in der Realität wohl eher auf Ablehnung der Allgemeinheit stoßen würden.

Sammel noch ein wenig dann schaffst du sicher einen supi-fundierten Thesenanschlag. :mrgreen:

Mehr kann man zu diesem Schmarrn einfach nicht sagen.

Falsches Beispiel. Viel bedenklicher als Dexters stilisiert-ironischer Plot von haarsträubender Realitätsferne sind andere Phänomene der Film- und TV-Geschichte.

das Tabu Held=Serienkiller

Kiyotake hat bereits das Western-Motiv erwähnt. Spätestens seit den Siebziger Jahren gibt es ein solches Tabu (sofern es je eins gab) in der US-amerikanischen Popkultur nicht mehr. Dirty Harry, Ein Mann sieht rot, Lipstick sind nur einige Beispiele für massenkompatible Vigilante-Mörder, die ihren pathologischen Hass als alttestamentarischen Rachefeldzug verbrämten und damit breiten Massenzuspruch generierten. Das Phänomen reicht partiell zurück bis in die Vierziger (This Gun For Hire).

Der Nährboden für gesetzeswidrige Selbstjustiz scheint fruchtbar zu sein: In der Realität durfte sich Bernard Goetz Mitte der Achtziger als Messias des alltäglichen US-Wahnsinns feiern lassen.

btw … was es für mein Verhältnis zu sexueller Gewalt an Kindern bedeutet, dass ich Pasolinis Salo für ein Meisterwerk halte, überlasse ich jedermanns Phantasie.