Massengeschmack.TV Shop

Folge 65: Umgangsformen im Alltag

Sicher nicht alle, aber ja, dass, ist nicht von der Hand zu weisen.

Wer als gesund gilt, wurde oft nicht ausreichend Untersucht. Und da dies viele sind, ist dies nun Normalität, … Vielleicht.

Ich finde es eher absurd zu erwarten, dass man von Unbekannten zum Zweck von Marketing, Politik oder was auch immer angequatscht werden will. Die wenigsten bringen die Höflichkeit zu Tage zu fragen, ob man Zeit habe - wo wir wieder beim Thema wären. :wink:

1 Like

Echt jetzt? Ich habe kein Problem damit, dann höflich „Nein, danke, kein Interesse.“ zu sagen und weiterzugehen.

Wenn mein Nervenkostüm so dünn wäre, dass mich das stresst, würde ich den öffentlichen Raum meiden und lieber zu Hause bleiben.

Nervig wird es dann, wenn ein „Nein“ nicht akzeptiert wird und die Leute aufdringlich werden, wie beispielsweise Prostituierte auf dem Kiez oder Koberer in Urlaubsorten, die sich dann eventuell sogar zu zweit oder zu dritt in den Weg stellen. Ebenso lästig sind Souvenirverkäufer in einigen Regionen der Welt, beispielsweise Südostasien.

Aber sich gleich belästigt zu fühlen, weil man eine Frage gestellt bekommt, ist schon arg übertrieben.

Kleiner Exkurs - nicht persönlich gemein:
Daran sieht man streng genommen eine gewisse „Doppelzüngigkeit“ unserer Gesellschaft.

Wenn sich jemand diskriminiert fühlt (es muss objektiv nicht so sein - aber man fühlt es halt!), dann habe ich darauf Rücksicht zu nehmen.
Wenn ich von Umfragen-/Marketingaktionen belästigt fühle, dann ist es auf ein mal anders herum.

Es geht mir nicht um die Schwere eines Vorfalls sondern darum, dass ein mal auf den „Fühlenden“ Rücksicht genommen werden soll und beim anderen Mal der „Fühlende“ gefälligst Rücksicht nehmen soll.

Zugegeben - ich wurde bisher noch nie von Mitgliedern irgendwelcher Parteien einfach so angesprochen - die scheinen ein besseres Gespür dafür zu haben, ob jemand interessiert ist oder nicht.
Von Verkaufsstand-Hanseln wurde ich schon häufig genug angesprochen, obwohl ich aktiv den Blickkontakt gemieden habe. Und spätestens das ist ungewollte Werbung - SPAM sozusagen.

Stressen tut das im Zweifel nur den Verursacher des Stresses - und das dann nicht zu knapp. Der wird sich mich garantiert merken und es kein zweites Mal versuchen - auch wenn er mich dann als Anusöffnung ansieht hab’ ich meine Ruhe.

Wobei noch nie jemand von mir eine Abfuhr erhalten hat, die nix verkaufen wollte, vorher „Haben Sie Zeit?“ gefragt und die Antwort akzeptiert hat. (Ich denke, jetzt sollte es klarer sein!)

Das ist ja auch das was ich eigentlich meinte:
Ich erwarte natürlich nicht, dass sich jeder einfach so automatisch mein Gesicht und meinen Wunsch merkt nicht angesprochen zu werden. Aber nachdem ich mit demjenigen gerade eine Diskussion über das Thema geführt habe, ist es ja VIELLEICHT möglich, dass er mich dann in Ruhe lässt wenn ich 10 Minuten später erneut vorbeikomme - genau so habe ich das auch in der Sendung gesagt.

Und eigentlich ging es mir auch mehr um den theoretischen, vielleicht sogar philosophischen Ansatz.
Nämlich darum welches Anliegen/Interesse denn höher zu bewerten ist: Das des Werbenden, der sein Produkt, seine Aktion oder seine Partei anpreisen möchte oder mein Wunsch damit nicht behelligt zu werden. Nicht ohne Grund ist ja die Kaltaquise, also das willkürliche Kontaktieren von völlig fremden Personen um diese als Kunden/Interessenten zu gewinnen an sich verboten - zumindest am Telefon. An sich ist das doch auf der Straße nichts Anders - oder doch? Diese Frage wollte ich einfach zur Diskussion stellen.

2 Like

Der Unterschied liegt hier klar darin, dass bei dem einem Beispiel eine eher private Atmosphäre herrscht und bei anderen eine berufliche.

Umgekehrt könnte ich fragen, wieso denn Pauschalisierungen ansonsten immer verpönt sind, hier bei der Bewertung einer Situation aber völlig legitim erscheinen?

Letztendlich sind das immer Einzelfälle, die man individuell bewerten muss.

Fragt mich eine ehrenamtliche Mitarbeiterin eines Tierheims nach Spenden oder quatscht mich eine Drückerkolonne wegen einem Zeitungsabo an? Je nach dem, wen ich von weitem erspähe, ändert sich schon mal meine innerliche Einstellung zu er Person, die mich womöglich gleich ansprechen wird.

Aber sind das nicht beides Drückerkolonnen, die erst durch den Kontext eine positive oder negative Haltung deinerseits erzeugen?
Und warum können die nicht ALLE so wie die Zeugen Jehovas früher mit dem Wachtturm schweigend in der Ecke stehen und Interessierte anlächeln?

Mir mit falschen versprechen Zeitungsabos aufzuschwatzen ist schon was anderes als ehrlich nach Spenden fürs Tierheim zu fragen.

Man kann es evtl. auch psychologisch betrachten, weil es einem u.U. unangenehm ist mit seinem 7€ Frappuccino in der Hand die Straße entlang zu laufen und dann nicht mal 1€ fürs örtliche Tierheim über zu haben. Da reagieren dann einige bestimmt ungehalten, wenn sie indirekt damit konfrontiert werden :smiley:

Weil die Erfolgsquoten dann eher gegen 0 tendieren würden, nur haben das die Zeugen noch nicht so ganz verstanden^^

Sehe ich nicht so - ich trenne da Intention von der Mechanik.

Da kann ich natürlich nur meine persönliche Meinung kund tun. Die Kommerz-Werbeindustrie hat meines Erachtens im Rahmen ihrer Aufmerkamkeisgeilheit einfach den Vogel abgeschossen, dass bei mir inzwischen eine komplette „Null Toleranz“-Haltung aufgekommen ist.
Passend dazu: Alleine gestern hat Tellows auf Handy und Fritzbox über 10 Anrufe einer münchener Solarfirma abgefangen und ins Nirwana geleitet.

Es ist halt ein Unterschied, ob mich ein Verkäufer in einem Geschäft fragt, ob er mir helfen kann oder ob in einem öffentlichen Raum mir Leute ungefragt ihre Produkte aufschwatzen wollen.

Ehrlich gesagt habe ich diesbezüglich noch die wenigsten Probleme mit den ZJs.
Die stehen zwar regelmäßig „vorm Postamt“ - warten aber geduldig, bis man sie anspricht. (Was ich ehrlich gesagt noch nie riskiert habe. :wink:)

Nix „privat“ - Es findet alles im öffentlichen Raum statt.
Wenn die versuchen würden in meinem privaten Gefilden ungefragt was vermarkten zu wollen, würden die sich auch garantiert an den Besuchsversuch erinnern und nie wieder kommen. :smiling_imp:

Ehrenamtlichen Mitarbeiter von Tierheimen haben mich noch nie angesprochen, wenn ich nicht von mir auf sie zugekommen bin und Augenkontakt hatte. Die klappern nur mir ihrer Sammeldose. :wink:

Meine Kritik war aber hauptsächlich:
Warum akzeptieren wir bei einem Fall die Gefühlslage einer Person und bei einem anderen nicht?

Ich glaube, das hängt immer von der Person ab, die einen anquatscht. An der Uni ist das ja ganz schlimm. Einmal hat mich ein Student für ein Probeabo der Süddeutschen angequatscht. Der ist aber so nett aufgetreten, dass ich das abgeschlossen habe, weil er auch meinte, dass er dafür zumindet 5 Euro Provision bekommt. Und die anschließende Kündigung des Probeabos war auch nicht so problematisch. Ansonsten gehe ich dort den meisten aus dem Weg.

Bei der MAZ hat man auch versucht, letztes Jahr in einem Einkaufscenter Leute zu werben, indem sie Kugelschreiber verteilt haben. Da war ich sehr dankbar für, die Karte habe ich aber trotzdem nicht unterschrieben, weil die Daten dann sonste wohin gewandert werden. :wink:

Prinzipiell ist mein Gefühl, dass solche Werbemethoden in den letzten Jahren außerhalb des Uni-Campus abgenommen haben. Vor 10 Jahren wurde ich noch deutlich öfter von irgendwelchen Tierschutzorganisationen angesprochen.

Dennoch kann ich nicht nachvollziehen, wie einen das stressen, ärgern oder gar erzürnen kann. Mir persönlich ist das eher unangenehm und mir tun auch die Leute leid, die das dann teilweise machen müssen.

Wir mussten auch mal jemanden über Monate anstellen, der den Kunden Payback-Karten aufschwatzen sollte, damit die Leute, die sich das ausgedacht haben, fette Boni kassieren. Was der sich tagtäglich anhören musste, ging auf keine Kuhhaut und dafür konnte er nix, er musste es eben machen.

Wie, du fragst wildfremde Leute mit anderer Hautfarbe im öffentlichen Raum nach ihrer Herkunft?

Weil pauschalisieren nun mal pöhse ist und wie du dich fühlst, jetzt kommt der Knackpunkt, weiß ich ja frühstens hinterher. Insofern kann man sich auch nicht hinstellen und sagen „Ja, aber wenn dieser Person die Frage nach der Herkunft unangenehm ist, dann hat man das zu unterlassen.“.

Insofern funktioniert Volkers Argumentation da dann auch nicht so ganz, außer man würde mir vorher sagen „Frag mich bitte nicht nach meiner Herkuft, das mag ich nicht.“. Könnte dann umgekehrt aber auch meine Gefühle verletzen, vor allem, wenn ich gar nicht vor hatte zu fragen :wink:

1 Like

Genau. Wenn Volker sich davon belästigt fühlt, dann ist das so. Das kann ich albern finden oder nachvollziehbar, aber ich kann ihm diese Emotion nicht absprechen.
In Teilen ist das Bestandteil des demokratischen Prozesses, z.B. im Rahmen einer Unterschriftensammlung, die als Einstiegshürde für andere Begehren gilt. Das heisst aber immer noch nicht, dass man sich davon nicht belästigt fühlen darf - aber ggf., dass man es aushalten muss.

1 Like

Solltest Du wirklich den Versacher dieses „Stresses“ aufmischen, hättest Du meinen vollen Respekt. Ganz ehrlich, würdest Du, weil Du Dich über das Straßenmarketing so aufregst, wirklich zum Geschäftsführer der Firma hingehen, die dieses beauftragt hat und ihm gründlich die Meinung geigen, fände ich das bewundernswert.

Wenn Du Dich hingehen nur auf der Straße stellvertretend für den Chef an einem armen Teufel abreagierst, der aus Geldnot (und nicht etwa aus Spaß) einen solch lausigen Job bei Wind und Wetter macht, fände ich das alles andere als bewundernswert.

Und ich fürchte fast, Du meinst Letzteres. Ich würde mich gerne irren.

10 Like

Das ist übrigens der ganz falsche Weg, wenn man ein zu dünnes Nervenkostüm hat und einen sowas stresst. Ich leide unter Sozialphobie und da wird von Psychologen immer geraten: Üben, üben, üben und so viel wie möglich raus gehen und sich langsam solchen Situationen aussetzen, auch wenn es einen total stresst. Ich habe früher Panikattacken bekommen, wenn mich jemand Fremdes angesprochen hat, egal wie. Inzwischen ist das viel besser geworden.

Ansonsten finde ich das Flyer verteilen und angesprochen werden etc. nicht so tragisch (besser, als wenn die Flyer ungefragt in meinem Briefkasten landen^^) - nur manche Leute sind etwas ZU engagiert und laufen einem dann noch ein paar Meter hinterher, obwohl man schon klar und deutlich Nein gesagt hat.
Das finde ich echt schrecklich. Wenigstens hat sich mir noch nie jemand in den Weg gestellt, wie Olli das erzählt hatte. :grimacing:

5 Like

Das war in der Tat etwas blöd von mir formuliert, eine etwas etwas flapsige Formulierung für ein meiner Meinung nach aufgebauschtes Problem.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Menschen mit Sozialphobie und Angststörungen ihren Ängsten tatsächlich durch Konfrontation begegnen können und freue mich für jeden, dem es mit der Zeit besser geht.

2 Like

Üben, üben, üben und so hässlich wie möglich über andere Leute in Online-Streams herziehen, auch wenn es diese Leute stresst. :point_up:

1 Like

Was ich in dem Stream gesagt habe, war wirklich falsch von mir und hätte so auf keinen Fall passieren dürfen. Dass ich trotzdem mehrere Sachen gesagt habe, die einfach total blöd waren, tut mir extrem leid und ist vermutlich nicht wieder gut zu machen.

Jedoch ist dieser Thread hier vermutlich nicht der richtige Ort, um darüber zu sprechen.

6 Like

„Aufmischen“ ist das falsche Wort.
Die Person wird mich aber für einen angemessenen Zeitraum nicht vergessen, so dass ich meine Ruhe habe.

Der Unterschied in unserer Auffassung ist halt, dass das alles arme Teufel seien. :man_shrugging:

Leute, die aktives Marketing betreiben sind heutzutage üblicherweise Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Die Leute wollen verkaufen und ihre Provision einstreichen - sonst nix.
Am Telefon ist das so oder so illegal - ich wüsste nicht, dass diese Methoden es im öffentlichen Raum besser machen würden.

Wie gesagt: Ich hatte noch nie erlebt, dass mich jemand von Parteien oder Umfragen bei aktiver Vermeidung des Augenkontakts überhaupt und vor allem mehrfach angesprochen hätte. Jene von der Zunpft „Ich will Dir meinen Schrott andrehen“ umso mehr. Und die trifft es im Zweifel. :man_shrugging:

2 Like

Aha, machst du jetzt also doch Unterschiede? Wieso?