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Folge 256: Deutsche Nachkriegsfilme

Pantoffelkino Folge 256. Hier kann darüber diskutiert werden!

Wir erfüllen in dieser Sendung erneut einen Lebemann-Wunsch: Es geht um deutsche Nachkriegsfilme. Anna, Holger und Volker widmen sich u.a. dem ersten nach dem Zweiten Weltkrieg gedrehten Spielfilm, dem ersten deutschen Farbfilm nach dem Krieg und vielen Filmen mehr. Wir sehen einen dünnen Gert Fröbe und eine verführerische Hildegard Knef. Und es geht um einen spektakulären Mord in den 50ern.

https://www.youtube.com/watch?v=EBIvBBbxN3Q

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Zunächst einmal ganz herzlichen Dank an alle Beteiligten für die sehr schöne Umsetzung meiner kleinen Wunschfolge! Auch wenn das Thema vielleicht nicht die große Masse anspricht - aber dafür sind Lebemannwünsche ja auch da.

Auf das Thema gestoßen bin ich, als ich vor etwa einem halben Jahr das erste Mal die „Berliner Ballade“ gesehen habe. Da ich diesen so klasse fand habe ich nach und nach alle in der Sendung besprochenen (und noch ein paar weitere) Filme nachgeholt und festgestellt, dass man einiges versäumt wenn man bei alten deutschen Filmen nur an Heinz Erhardt denkt (von dem ich ja ein großer Fan bin).

Vor allem der Name „Wolfgang Staudte“ ist mir nun ein Begriff, seine Filme fand ich ausnahmslos großartig! Außer den in der Sendung besprochenen „Die Mörder sind unter uns“ und „Rosen für den Staatsanwalt“ haben mich auch „Leuchtfeuer“ und „Der Untertan“ begeistert.

Bei Hildegard Knef ging es mir ähnlich wie euch. Ich kannte sie nur als ältere, etwas biestige Dame aus Fernsehsendungen. Ihre Arbeit aus jungen Jahren war mir völlig unbekannt. Und auch wenn mir der Titel „Die Sünderin“ bekannt war, gesehen hatte ich ihn noch nie. Zuerst ist sie mir dann wieder aufgefallen in Ihrer Mini-Nebenrolle in „Unter den Brücken“ von 1944 (Volker weiß Bescheid :wink: ). In „Die Mörder sind unter uns“ fiel mir dann erst mal auf, was für eine tolle Schauspielerin sie war und – ich bin ein Mann, es tut mir Leid – meine Güte, was für eine schöne Frau! Zuletzt dann natürlich die Sünderin, den ich ebenfalls eher für einen mittelmäßigen Film halte. Aber der Skandal um ihn ist auf jeden Fall mal beredenswert.

Beim „Schwarzwaldmädel“ teile ich eure Meinung uneingeschränkt! Ja, es ist in der Tat kein guter Film! Aber auch hier gilt, wie bei der Sünderin, er ist als zeithistorisches Werk zumindest besprechenswert.
Meine liebste Figur war aber der Knecht Gottlieb, gespielt vom fast 2,20 m großen Wrestler Kurt Zehe (im Trailer ist er sehr leicht zu erkennen). Alle anderen Figuren gehen einem dann doch eher auf den Geist! Also keine Angst, von mir habt ihr keine Heimatfilmfolge zu erwarten.

Bei „Das Mädchen Rosemarie“ hast du leider den falschen Trailer genommen, Holger. Da ist dir der von „Die Wahrheit über Rosemarie“ reingerutscht. Da ihr den aber auch erwähnt habt, ist das nicht so schlimm. Hier ist der richtige Trailer:

Fast alle der besprochenen Filme haben gemeinsam, dass man auf Schauspieler trifft, die heute zu Unrecht als „vergessen“ gelten können (siehe letztes „Sonntagsfrühstück“). Dem heutigen Durchschnittszuschauer werden Namen wie Arno Paulsen (Synchronsprecher von Oliver Hardy), Werner Peters („Der Untertan“), Ernst Wilhelm Borchert (Snychronsprecher von Henry Fonda), Carl Raddatz, Hubert von Meyerinck, Hanne Wieder, usw. kaum etwas sagen.

Wie auch immer, schöne Folge! Mal sehen was mir für nöchstes Jahr einfällt.

PS: Dank auch an Anna für den guten Tip! Den Film werde ich noch nachholen! :wink:

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Schöne Folge. Liselotte Pulver fehlt hier noch IMHO (Sie ist Schweizerin, ich weiß). „Züricher Verlobung“ ist zwar spätes Nachkriegskino aber die Darstellung der Selbstbewussten Frau hat für 1957 schon was. „Kohlhiesels Töchter“ bringt das ganze auf die Spitze, ist aber kein Nachkriegskino mehr.

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Schöne Folge! Besonders toll fand ich, dass Volker noch „Wir Wunderkinder“ erwähnt hat, der ja wirklich toll besetzt war und ebenso wie „Rosen für den Staatsanwalt“ von „den beiden Wolfgangs“ Neuss und Müller begleitet wurde.

Bei Filmen, die die Nazi-Vergangenheit beleuchtet haben, fiel in der Tat sehr ins Auge, dass diese immer sehr leicht und humorvoll inszeniert waren, anders hätte man den Deutschen das Thema damals nicht zugänglich machen können, in der Adenauer-Zeit.

Ernstere Filme kamen dann ja erst vermehrt im Zuge der 68er Bewegung in die Kinos.

Wäre dieses Thema gewählt worden, wäre mir als erstes tatsächlich Robert Graf eingefallen, der „böse“ Gegenpart von Hansjörg Felmy in „Wir Wunderkinder“. Der ist leider sehr früh mit nur 42 Jahren verstorben, wahrscheinlich hätte er sonst noch in vielen anderen Filmen einen hervorragenden Bösewicht spielen können, eventuell auch in internationalen Produktionen.

Sein Sohn Dominik Graf ist ja heute ein bekannter Regisseur.

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Ach verdammt, da ist ein Fehler passiert - wird natürlich noch rasch ausgetauscht.

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Tolle Folge! Es gibt wohl noch eine Fortsetzung zu Das Mädchen Rosemarie auch von Rolf Thiele. Rosemaries Tochter von 1976 ebenfalls mit Horst Frank. FSK:18 :smile:

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Sehr interessantes Thema, ich gucke diese Filme hin und wieder auch ganz gerne. Inzwischen ist durch Filmjuwelen, Pidax und Co. auch mehr auf dem Markt, als ich Zeit hätte zu gucken.

„Die Sünderin“ habe ich ziemlich positiv in Erinnerung, ganz anders als hier besprochen. Natürlich ist das ein Melodram und in einem entsprechenden Ductus vorgetragen. Ich höre dem Off-Monolog der Knef aber auch gerne zu, die ja auch eine sehr interessante Stimme hat. Auch ihren Film „Alraune“ von 1952 basierend auf einem Roman aus dem Genre der Phantastik hätte man hier gut thematisieren können.

Wenn auch nicht mehr aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, wäre auch „Die Halbstarken“ mit Horst Buchholz und Karin Baal interessant für die Folge gewesen. Ein stark besetztes „Sittengemälde“ über die damalige heranwachsende Generation, wo man sich anscheinend mit 15 oder 16 Jahren gegenseitig mit „Sie“ angeredet hat.

Was ich auf jeden Fall auch noch sehen will, ist „Rosen blühen auf dem Heidegrab“ von 1952, dessen Titel zwar nach Heimatfilmstandard klingt, der sich aber der zeitgenössischen Kritik zufolge durch „stimmungsvolle Bildpoesie“ sowie „atmosphärische Dichte“ vom Genre-Einerlei abheben soll.

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Die Mörder sind unter uns, ein sehr wichtiger Film. Damals und heute. Damals wollte man ihn aber sicher nicht sehen, denn da hatte man die Probleme im Real Life und wollte die nicht noch im Kino sehen.
Der Hauptdarsteller (Ernst Wilhelm Borchert) ist übrigens die deutsche Synchronstimme von Charlton Heston und Alec Guinness.

Gerne auch mal eine Folge über schweizer Nachkriegsfilme machen, da gab es auch sehr gute „Die vier im Jeep“, „Die Gezeichneten“.

Die Erzählstimme bei Berliner Ballade ist „Der Kommissar“ Erik Ode.

Die auswärtige Affäre kenne ich auch nur mit UT. Wurde wohl nur untertitelt um den Charakter zu erhalten.

Volker zu einer Szene aus Berliner Ballade: „Bürokratie, die ja heute auch noch so ist: Wohnung bekommt man nur mit Arbeitsbescheinigung, und die kriegt man wiederum nur mit Wohnortbestätigung.

Ein zeitloses Thema schon zu Kaiser Wilhelms Zeiten im Hauptmann von Köpenick bzw. in der Verfilmung von 1956: https://youtu.be/6Boy_3GZuKc?t=435

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Danke an dich, Doc_Brown, für die super Themensetzung!
Diese Art Filme hatte ich bisher überhaupt nicht auf dem Schirm, und Pantoffelkino liefert wieder mal schöne Anregungen, den einen oder anderen dieser Film zu schauen!

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Holla di Huhu! :+1:
Das sind zwei meiner Lieblingsfilme mit Liselotte Pulver. „Das Wirtshaus im Spessart“ gehört für mich auch noch in diese Kategorie*.

*Film für einen verregneten Sonntag auf dem Sofa

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Danke! Das ist meiner Ansicht auch der Zweck einer Sendung wie Pantoffelkino. In den vergangenen Jahren habe ich schon einige gute Tips angenommen, auf die ich ohne die Sendung nie gekommen wäre.
Also schön wenn ich dieses Mal meinen Teil dazu beitragen konnte. :slight_smile:

Ja, die sind auch in der Nachkriegszeit enstanden (es gilt allgemein der Zeitraum 1946 bis 1959/1960), aber ich ich wollte auch Filme in der Sendung haben, die auch in der damaligen Gegenwart spielten. Daher kamen diese beiden leider nicht in Frage.

Sonst hätte ich noch „Der Untertan“ mit reingenommen, aber der wäre vielleicht was für ein „DEFA-Spezial“!

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Habe „Karbid und Sauerampfer“ vermisst.
:grin:

Ich fand das Thema / die Filmauswahl sehr spannend - nochmal danke dafür - und ich glaube auch die Pantoffelkino-Zuschauer haben einen Mehrwert, wenn man monothematische Schwerpunkte setzt. Da fallen einem ja ganz andere Sachen auf. Habe mich gefühlt wie damals im Filmstudium :wink:

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Da wäre ich auch unbedingt dafür! Es gibt ja in dem Bereich eine Menge sehr spannender Filme auch abseits von „Die Legende von Paul und Paula“, „Spur der Steine“ oder „Jakob, der Lügner“ (bisher wunschlose Lebemenschen also gerne vortreten :wink: ).
Vielleicht lässt sich ja auch noch ein Experte auf dem Gebiet als Gast gewinnen, das PK-Team ist ja überwiegend West-geprägt.

An sich eine sehr schöne und spannende Folge (Danke auch von mir für den Wunsch, Doc_Brown :slight_smile: ), Volkers Anti-Operetten-Rant kann ich allerdings nur teilweise zustimmen: Klar, viele Operetten sind fürchterlich bieder und wahrscheinlich sehr zu Recht in Vergessenheit geraten, aber die Evergreens, die v. a. auch musikalisch über dem Durchschnitt liegen (die bereits erwähnte „Fledermaus“, „Die lustige Witwe“, „Der Zigeunerbaron“, „Die Csardasfürstin“, „Das Land des Lächelns“ etc.) sind, eine pfiffige Inszenierung und modernisierte Dialoge, gern mit Hang zur Selbstironie, vorausgesetzt, auch heute noch sehr unterhaltsam zu schauen.
Leute wie Anneliese Rothenberger oder René Kollo haben mit Darbietungen in einem arg verstaubten Ambiente allerdings zugegebenermaßen in den letzten Jahrzehnten nicht gerade Werbung für diese Kunstform gemacht :upside_down_face:

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„Das Land des Lächelns“ fand ich schon sehr ansprechend, habe das mal im Theater gesehen. Das geht ja schon ein ganzes Stück Richtung (ernste) Oper.

Tja, deren damalige Dauerpräsenz -, der man bei nur drei TV-Programmen auch nur schwer entkommen konnte - hat bei mir da vermutlich dauerhafte Schäden verursacht . :grin:

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Das ist schön zu lesen, Anna! :smiley:

Inzwischen habe ich auch deinen „eingeschmuggelten“ Film besorgt und heute Abend angesehen. Es ist wirklich ein sehr schöner Film und geht aus anderer Perpektive sehr amüsant mit dem Thema um.
Aber mit Billy Wilder kann man ja eigentlich gar nichts falsch machen (wäre auch mal was für eine Spezialsendung)!
Also noch mal danke für den Tip! Den hätte ich so bald wohl nicht aus eigenem Antrieb angesehen.

Die BluRay hat übrigens ein sehr gutes Bild! Die fehlende Synchronisation stört nicht und wäre auch in der Tat unpassend gewesen.

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Ich fürchte ja daß meine österreichischen Landsleute schon immer (oder zumindest früher) übermäßigen Einfluß auf die Film-Unkultur in Deutschland hatten (siehe Franz Antel und die diversen Schnulzen und Sexfilmchen in den 70ern). Und siehe da, auch das Libretto der „Schwarzwaldmädel“-Operette stammt von einem Österreicher :roll_eyes:

Da taugt Billy Wilder aber dann ja immerhin zur Ehrenrettung der Österreicher. :slightly_smiling_face:

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