Folge 154 - Das Große Schlüpfen

Man muss das ZDF auch mal für seinen Mut loben, etwas neues probiert zu haben, was es so noch nie im deutschen Fernsehen gab und erst recht nicht live. Von der Konzeption her, war sie schon durch die Anwesenheit von Theo Pagel (Direktor des Kölner Zoos) wissenschaftlich angelegt. Es gibt nicht mehr viele Programme am Mittwochabend zur Primetime auf einem relevanten Fernsehsender, die sich rein dokumentarisch mit Tieren beschäftigen ohne in ein Quiz, einen Talk o.ä. eingekleidet zu sein. Ich bin kein Biologe, allerdings stelle ich mir den Aufwand riesig vor, Eier so zu brüten, dass sie mit der höchst möglichen Wahrscheinlichkeit innerhalb eines 90-minütigen Zweitfensters schlupfreif sind. Geklappt hat das nicht wirklich, wofür das ZDF nichts kann ohne den Tierschutz zu missachten, was Theo Pagel und die Besitzer der Eier sicherlich abgelehnt hätten.

Die konsequente Fortsetzung wäre “Das große Zeugen”, wo man im Rahmen einer abendfüllenden Show Wildtiere beim Ficken abfilmt. Das Wunder des Lebens beginnt unseren christlichen Vertretern im ZDF-Fernsehrat zufolge bereits iim Moment der Empfängnis.

JB Kerner steht staunend daneben, wenn der Rammler zeigt, wo der Hammer hängt. Prominente Pimperpaten animieren bumsmüde Pandas (Boris Becker, Heiner Lauterbach), gehen mit gutem Beispiel voran und begatten ihre Katze (Lukas Cordalis) oder appellieren an den Überlebenswillien der vom Aussterben bedrohten Spezies (Frauke Petry)

Ich habe die Sendung gesehen. Sie war vielleicht etwas langweilig, aber doch wissenschaftlich fundiert (anders als die berühmte Uri Geller Show, in der man auf die Ankunft von Außerirdischen während der Sendezeit wartete).

Finde ich ehrlich gesagt nicht schlimm, dass dafür Gebührengelder aufgewandt worden sind. Letztlich ist das ein Programm, was das Privatfernsehen nicht leisten würde, und wird hier nicht sonst eigentlich gefordert, dem Quotendruck nicht zu gehorchen?

Ich bin immer noch für das Große Kükenschreddern. Dann könnte man die Reste vom Schlüpfen auch noch unterbringen. Muss auch nicht live sein… sollte das ebenfalls langweilig werden, könnte man die Sendung im Schnitt retten.

Familienshows schön und gut, aber dies hätte eine 30-minütige Dokumentation werden können. Es ist ja nicht so, dass man Eiern in freier Wildbahn nachstellen muss, um sie bei der Paarung zu filmen. Eigentlich hätte eine zehnminütige Sachgeschichte bei der Maus gereicht.

Das Große Schlüpfen wurde jetzt auch im Neomagazin auf’s Korn genommen:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2374614/NEO-MAGAZIN-ROYALE-vom-9.4.2015?setTime=9.507#/beitrag/video/2374614/NEO-MAGAZIN-ROYALE-vom-9.4.2015

Der dort angesprochene „Livestream“ besteht aus einem 50min-Video, in dem (fast) nichts passiert :smiley:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2374616/Das-kleine-Schluepfen?setTime=2750.933#/beitrag/video/2374616/Das-kleine-Schluepfen