Folge 129 - Keine Million wert

Die bekommen nichtmal das Studio voll.

Ich bin so froh, dass diese Sendung ein Flop war. Schon als ich die Werbung dafür gesehen hat, hat sich bei mir der Magen umgedreht. Ich finde diese Sendekonzept unglaublich abartig. Wie kommt man denn auf die Idee in einer Spielshow über das Schicksal eines Menschen abzustimmen? Nun gut, manche werden sagen, dass man ja nichts verlieren konnte, sondern nur etwas gewinnen. Aber da werden Menschen in albernen Spielen vorgeführt, die mit dem Geld Gutes tun wollen. Da bekommt der Zuschauer die Möglichkeit einmal Gott zu spielen und über das Schicksal eines kranken Kindes zu entscheiden.

Das erinnert mich sehr stark an die niederländische Spielshow, bei der eine Niere verschenkt werden sollte. Dabei hat es sich aber immerhin nur um einen Fake gehandelt. Die Millionärswahl ist Realität!

Ja… und bei der Millionärswahl, geht es um eine Million Euro, Geld und nicht um eine Niere. Auch Wer wird Millionär? Oder… eigentlich jede Sendung bei der man Geld gewinnen kann, wird direkt oder indirekt über das Schicksal eines Menschen entschieden. In den meisten dieser Sendungen rufen Zuschauer an um zu entscheiden wer antreten darf oder wer ins Finale kommt oder wer gewinnt. Das Konzet war im Grunde genommen völlig offen, letztendlich hat die Mehrheit aller Bewerber mit dem Geld irgendwas gutes tun wollen. Das ein Kandidat “vorgeführt” wurde, lag an seinem eigenen Konzept UND dass man ihn halt irgendwas tun lassen wollte, damit er nicht einfach nur dasteht, während alle anderen etwas tun.

Moment mal. Die sollen eine Million bekommen, ohne was dafür zu tun?

Wenn so ein Konzept auf einem Schreibtisch eines verantwortlichen des Senders liegt, dann muss man doch sofort sehen, das das nicht funktionieren kann. Also haben die diese Aktion Spielshow Elemente ins Konzept eingefügt, damit die Mappe dicker wurde. Ist ja blöd, dass das gar nicht in den Sendungsablauf hineinpasst

Ich kann Peloponnes hier nur zustimmen. Ich fand das schon hart, wie dieser Mann runtergeklettert ist und die nackte Angst im Gesicht stehen hatte. Nach dem Motto: wie weit bist du bereit, für das Kind zu gehen? Und das zur Unterhaltung der Zuschauer, die dann Schicksal spielen können. Welch ein famoser Spaß :roll:

Ich frage mich wirklich wie man einen Menschen mit offensichtlicher Höhenangst soetwas tun lassen kann. Unfassbar. Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln. Schade eigentlich, denn am Anfang, wo man noch nicht so genau wusste um was es eigentlich geht klang das ganze Konzept sehr interessant. Da steckte mit einer besseren Redaktion im Hintergrund deutlich mehr Potenzial drin.

Also ich finde doch dass einige hier übertreiben. Contests über Geldgewinne sind nicht neu. Und der Mann mit der Höhenangst, hätte ja jederzeit aufhören können. Aber er tat es wegen der Million, dann ist doch so eine Übung sogar bei intensiver Höhenangst recht harmlos.

Ich sehe das ähnlich, wie Niggemeier: Toll das Pro7 etwas neues wagte. Unglücklicherweise war da das völlig verkorkste Wahlsystem, was der Show jeglichen Reiz nahm. Und tragisch für Pro7: Das hätte man vorgängig erkennen müssen.

Mir geht es auch nicht um Spielshows an sich, bei denen man Geld gewinnen kann. Deswegen finde ich “Wer wird Millionär?” auch ein sehr schlechtes Beispiel. Mir geht es darum, dass nicht aufgrund eigener Leistung entschieden wird, sondern durch das Wohlwollen der Zuschauer nach dem Motto: “Och joa, heute bin ich mal gnädig und stimme für den Mann mit dem kranken Patenkind”. Und dann legt sich der Zuschauer nachts ins Bett mit dem Gedanken, dass er eine gute Tat vollbracht hat.

Na und? Bei anderen Spielshows, entscheiden doch Anrufer darüber wer weiterkommt und wer nicht oder wer am Ende nun abräumt, warum sollte das hier schlimm sein? Klar, einige Kandidaten haben mitgemacht, weil sie die Million für einen guten Zweck verwenden wollen, wie ich schon sagte dürften das sogar die meisten Kandidaten gewesen sein. Der Patenonkel ist halt mit dem Slogan “Alles für Nele (Name des Patenkindes” aufgetreten. Schon zuvor hat er verschiedenste Dinge getan, da ist es doch logisch, dass sich der Sender was ausdenkt, wie er das auch Live unter Beweis stellen kann. Ja dem Kandidaten hat man die Höhenangst angemerkt (wenn ich mich nicht irre gab es das auch ein oder mehrmals bei Schlag den Raab), die war nicht gespielt aber erstens ist die Konfrontation mit Ängsten im TV alles andere als neu, zweitens war das weit weg von Vorführen alà “ha, ha wie lustig, der hat Angst”. Die Reaktionen waren viel mehr gekennzeichnet von Respektsbekundungen. Wenn am Endes des Tages der Zuschauer sich zufrieen ins Bett legt, weil er denkt was gutes getan zu haben… tja… why not?

@Icetwo
Wieso? Hat doch gut reingepasst, schließlich hat der Kandidat mitgemacht und die Zuschauer haben fleissig für ihn angerufen.

Ich muss sagen, ich finde die Idee vom Grund her gar nicht schlecht; sprich, Leute bewerben irgend eine Art von gutem Zweck, und die Zuschauer entscheiden wer die Kohle bekommt.

Allerdings halte ich es für unglaublich fehlgeleitet, diese Idee in so ein Showkonzept zu pressen, denn da passt es einfach nicht rein. Die Idee mit dem Werben für einen guten Zweck wirkt hier aufgesetzt, weil das mit dem eigentlichen Sendungsinhalt nichts zu tun hat. Wofür machen die Kandidaten irgendwelche Spiele, wenn sie eigentlich für ihren guten Zweck werben sollten? Warum werben die Leute für ihren guten Zweck, wenn sie die Kohle letztendlich durch Spiele reinholen?

Dazu kommt dann natürlich noch, dass Pro7 hier eindeutig einige Kandidaten bevorzugt, was die ganze Aktion natürlich absurd macht. Offenbar hat man sich nicht mal die Mühe gemacht, das intelligent zu verstecken - dass die Zuschauer sowas aufregt ist natürlich klar.

Für mich ist das ganze ein klassischer Fall von “gute Grundidee, aber mit voller Wucht gegen die Wand gefahren”.

Ich kann Niggemeier* überhaupt nicht zustimmen, dass da etwas Neues sein soll, das auch noch toll ist. Ein Millionär wird endlich demokratisch gewählt - Wahlsystem hin oder her - das offenbart schon das allgemeine und oberflächliche Verständnis von Politik und Demokratie. Jetzt soll es schon demokratisch sein, wenn ein paar Kunden für 50 Cent anrufen.

Das Konzept scheitert vermutlich auch nicht an der mangelnden Demokratie, sondern schlicht und ergreifend am Tränenfaktor - bei umgekehrter Lage hätte man doch nicht den Breakdancer beweint, oder?

Und überhaupt verstehe ich diese ewige Aufregung nicht, dass hier Leute vorgeführt werden, nicht die Leistung entscheidet, manipuliert wird usw. usf., das ist auch hier im Forum jedesmal das Gleiche: Obwohl der Skandal zum Alltag gehört, empört man sich immer wieder auf’s Neue und versteht die Welt nicht mehr.

“[I]Wenn man das Wort Demokratie in den Mund nimmt, sollte man das auch konsequent zu Ende denken.[/I]” (Holger) Nee, sollte “man” eben nicht, wie kann man überhaupt die Demokratie mit einem Privatsender in Verbindung bringen? Das eine hat mit dem anderen [B]nichts[/B] zu schaffen. Ich werde den Teufel tun die Profitjagd dieser Asozialen (den treffenderen Begriff darf ich wg. rechtlicher Bedenken gem. der Moderation nicht nennen) auch nur in irgendeiner Weise zu loben. Aber wenn man in einer Diktatur lebt, erwartet man schon von Pro7 irgendwas Demokratisches. Hauptsache das Wort kommt mal vor.

“[I]Das honorige Anliegen an sich, nämlich mit der Million was Gutes zu tun, rückt völlig in den Hintergrund.[/I]” (Holger) Ich weiß, dass Holger das Anliegen der Kandidaten meint, aber was den Sender angeht, so hat Pro7 letztlich genau [U]eine[/U] Motivation, das ist nicht die Ehre, übrigens auch nicht die Quote wie immer behauptet, sondern der Profit. Da ist also nichts in den Hintergrund gerückt, als Mittel zum Zweck war “das Gute tun” schon immer im Hintergrund.

Ansonsten finde ich den Beitrag gewohnt akzeptabel, gute Arbeit und bitte weiter so. Bis zum nächsten Skandälchen, sozusagen: Bis neulich!
[SPOILER]

Weil er nichts Gutes getan hat! Aber deine Einstellung passt dann wieder ins Konzept. Alle paar Jahre Lobbyisten wählen gehen, bei Pro7 für kranke Kinder anrufen, Hauptsache man bildet sich ein irgendwie mitgemacht zu haben. Cui bono?

*Niggemeier stellt ja auch unkommentiert fest, dass es heutzutage u. U. schonmal einen Privatsender braucht, um eine wichtige politische Entscheidung durchzusetzen - einfach nur traurig. Mir jedenfalls fallen dazu eine Menge Kommentare ein. Außer ich schreibe für die FAZ, versteht sich.[/SPOILER]

Ich zitiere mal von Seite 1 ;)[QUOTE=Peloponnes;340217]Dabei hat es sich aber immerhin nur um einen Fake gehandelt. Die Millionärswahl ist Realität![/QUOTE]Also ich bin mir nicht ganz so sicher - keine justiziable Unterstellung - ob alle ehrenhaften Verwendungszwecke wirklich echt waren. Es wäre auch letztendlich egal, für was das Geld am Ende (zum Großteil) verwendet würde. Auch bei dem Umbau eines Kinderzimmers für ein krankes Mädchen (das war doch der Zweck von dem Patenonkel aus der ersten Folge?) bliebe ja noch genug Restbudget für 'nen Porsche oder eine Kreuzfahrt übrig. Aber mit diesen Anhaben hätte man wohl kaum eine Chance auf den Gesamtgewinn gehabt.

Die Sendung hätte durchaus interessant und redlich werden können, wenn eben nicht de facto der Verwendungszweck des Gewinnes zur Wahl gestanden hätte. Dann aber eben nicht mit einer einfachen “demokratischen” Wahl sondern eine klassische Spielshow a la Schlag den Raab.

[QUOTE=LSD;340312]
Die Sendung hätte durchaus interessant und redlich werden können, wenn eben nicht de facto der Verwendungszweck des Gewinnes zur Wahl gestanden hätte. Dann aber eben nicht mit einer einfachen “demokratischen” Wahl sondern eine klassische Spielshow a la Schlag den Raab.[/QUOTE]

Und wo wäre dann der Unterschied zu all den anderen Spielshows im Fernsehen?

[QUOTE=Mels;340297]
Weil er nichts Gutes getan hat! Aber deine Einstellung passt dann wieder ins Konzept. Alle paar Jahre Lobbyisten wählen gehen, bei Pro7 für kranke Kinder anrufen, Hauptsache man bildet sich ein irgendwie mitgemacht zu haben. Cui bono? [/QUOTE]

Dito!

[QUOTE=SethSteiner;340280] Na und? Bei anderen Spielshows, entscheiden doch Anrufer darüber wer weiterkommt und wer nicht oder wer am Ende nun abräumt, warum sollte das hier schlimm sein? [/QUOTE]

Weil hier überhaupt nicht die Eigenleistung zählt, sonder nur derjenige, der die rührendste Geschichte zu erzählen hat. Der Mann, der gar nichts kann, aber sein Geld ausgibt, um eine Schule in Afrika zu bauen, hätte sicherlich mehr Chancen gehabt als der Mann, der ein Virtuose im Geigenspiel ist, sein Geld aber geplant hätte für Nutten und Koks rauszuhauen. Und DAS lässt diese ganzen albernen Spiele noch dümmer und peinlicher wirken!

Es handelt sich hier eben nicht um Das Supertalent, es sollte gar nicht das Supertalent sein, genau das hat die Sendung vom Grundkonzept her ja deutlich besser gemacht als eben ein Supertalent. Es gab nicht nur die drölfzillionsten Artisten und Sänger, sondern Comedygruppen, Leute die ein Seniorendorf bauen wollen, andere die sexuelle Aufklärung vorantreiben oder wieder andere die sich für die Legalisierung von Hanf stark machten. In wievielen Formaten findet sich nicht nur eine so reiche Auswahl, sondern obendrein überhaupt solche Kandidaten? Vielleicht hätte ProSieben ja rührende Geschichten vom Wettbewerb ausschließen sollen, nur wer darf dann noch mitmachen und wer nicht? Gibt es am Ende eine Kontrolle, ob das Geld auch wirklich keinem guten Zweck zukommt?

@Mels
Klar ist es demokratisch, wenn ein paar Kunden für 50 Cent anrufen oder am Onlinevoting teilnehmen. Wie definierst du denn Demokratie? Ist denn ein Forenvoting nicht demokratisch, wenn nicht durch eine Stimmabgabe? Das Problem war die mangelnde Demokratie, weil einige Stimmen eben am Ende mehr gezählt haben und dadurch das Konzept der demokratischen Abstimmung ad absurdum geführt wurde. Der Tränenfaktor ist diskutabel aber sicher nicht der Grund warum das Konzept gescheitert ist, sonst wären die Zuschauer doch nicht geradezu weggerannt. Letztendlich zeigt es auch, dass aller Profitgier zum Trotz, ProSieben eben das - den Profit, nicht erreichen konnte.

Die Zuschauer tun natürlich mit ihrem Voting was gutes, ist doch völlig nebensächlich, dass ProSieben abkassiert, so hält sich der Sender eben am Leben, auch wenn diese Telefonabzocke unschön ist aber das ist ja nun in nahezu jeder Sendung üblich, in der gevotet wird. Und letztendlich kann sich natürlich zu Recht ein Zuschauer mit einem wohligen Gefühl zu Bett liegen - vorausgesetzt seine Stimme wäre was wert gewesen. Denn wenn am Ende sein Kandidat gewinnt, hat er mitgeholfen dass das, was dieser Kandidat tun will auch umgesetzt wird.

[QUOTE=myworld;340271] Contests über Geldgewinne sind nicht neu. (…)
Toll das Pro7 etwas neues wagte. [/QUOTE]

Den Widerspruch verstehe ich nicht.
Und neu ist nicht immer besser. Die Redaktion hätte sich denken können, dass das ein Flop wird. Denke sowieso, dass zu viel BWLer an Produktionen beteilligt sind und nur noch nach Production Value produzieren.

Rational denkende Menschen hätten so ein Konzept akzeptiert…

[QUOTE=Maschendraht;340263]Ich fand das schon hart, wie dieser Mann runtergeklettert ist und die nackte Angst im Gesicht stehen hatte.[/QUOTE]

Jetzt, wo du’s sagst: Ich auch.
Ich hab mir bei diesem Beitrag eigentlich nur eine Frage gestellt: Was hatten die Leute von “61 Minuten” da zu suchen?

@SethSteiner
Demokratie ist Herrschaft, Gleichheit der Bürger, eben eine Staatsform. Was hat das mit kostenpflichtigen Anrufen oder Forenabstimmungen zu tun? Der Demokratie-Begriff verkommt zum Schlagwort, er soll nichts weiter sein, als “Abstimmung durch Mehrheit” und für Pro7 ist der Begriff nur das Mittel, um ein angeblich neues Konzept zu bewerben. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Hier behauptet jmd., dass Demokratie ist, wenn eine Gruppe abstimmt und die Mehrheit gewinnt. gdrbaby, sofern “stud. rer. pol.” stimmt, wird wissen, wovon ich rede. Ein derart flaches Verständis von Politik etc. ist zum Fürchten. Die Ohnmacht steht dir ins Gesicht geschrieben und das kann man dir gar nicht übel nehmen.

Und klar tun die Zuschauer mit dem Voting was Gutes - für Pro7.

Demokratie ist eine Herrschaftsform, das ist richtig aber es ist auch nichts weiter als eine Abstimmung durch die Bevölkerung. Mehr steckt da tatsächlich nicht dahinter und wenn man von “demokratisch” spricht, bedeutet das nun Mal nichts weiter als das eine Abstimmung nicht von einem Einzelnen gefällt wird, sondern von den Mitgliedern/der Bevölkerung. Ich weiß ja nicht, was du alles in Demokratie und demokratisch hineininterpretierst, die Diktatur der Mehrheit schließlich sie jedenfalls grundsätzlich nicht aus. Ohnmächtig bin ich nicht und ich sage auch nicht, dass man Pro7 nichts gutes mit einem Anruf tut. Für den Kandidaten aber (bei einem besseren System) nun Mal auch. Der gewinnt mit den meisten stimmen schließlich Geld.

Wenn eine Pro7-Sendung und Forenabstimmungen für dich Ausdruck von Demokratie sind, na gut. Lassen wir das an dieser Stelle einfach auf sich beruhen, sonst müsste ich zu weit ausholen und das will hier niemand.