Folge 116: Shlomo über seine Zeit im Gefängnis

Nicht Kopernikus, sein Beispiel im hinteren Teil des Buches ist Galileo. Der Punkt ist, dass die Anhänger der herrschenden Theorie wohl auch damals gesagt haben, ihre Methoden seien nicht dogmatisch, sondern richtig und wohlüberlegt.

Wir sind gerade beim Thema Medizin, und da habe ich oft interessante Gespräche mit Leuten, die studiert haben. Es geht darum, wo der Unterschied zwischen Medizin und Alternativmedizin liegt. Oft heißt es: „Das eine funktioniert, das andere nicht.“ Fragt man, wie man das feststellt, kommt: „Das eine lässt sich belegen, das andere nicht.“ Dann sagt man, auch der Heilpraktiker könne Beispiele (also Evidenz) nennen, wo es gewirkt hat. Am Ende kommt man zu dem Punkt, dass die Medizin sich der Statistik bedient, der Heilpraktiker nicht. Dieser Punkt ist richtig, allerdings versagen fast alle dabei, eine schlüssige Begründung zu liefern, warum man die Statistik als Methode überhaupt akzeptieren sollte.

Poppers Falsifikationismus ist durchaus ein nettes Ideal, aber wir wissen beide, dass die real existierende Naturwissenschaft nicht so funktioniert. Bei anderen Themen (p-Wert, Meta-Studien etc.) fallen wir sogar in den Induktivismus zurück.

Eine zentrale Kritik von Feyerabend ist folgende: Im Falsifikationismus Poppers betrachten wir die Welt aus einer Theorie, die aus einer kühnen Überlegung entspringt. Diese müssen wir befragen können und über Deduktion zu teilentscheidbaren Sätzen (Vorhersagen) kommen. Hierbei fließen eine Reihe von Prämissen mit ein. Aus dem Szenario zur Falsifikation entwerfen wir ein Experiment, das Daten produziert, die wir interpretieren. Wenn Interpretation der Daten und Vorhersage zusammenfallen, ist die Falsifikation gescheitert, und die Theorie hat sich bewährt. Das krankt aber an drei Stellen:

  1. Wenn Vorhersage und Interpretation nicht zusammenfallen, weißt du nicht, woran es liegt. Ist die Theorie tatsächlich falsifiziert? Oder war ein Fehler in der Deduktion? Waren vielleicht Prämissen falsch? War das Experiment überhaupt geeignet? Oder ist beim Aufbau etwas schiefgelaufen? Wurden Daten vielleicht falsch erfasst oder fehlerhaft interpretiert?

  2. Und das ist schwerwiegender: Die Theorie gibt vor, welche Fragen an sie überhaupt legitim sind, welche Methoden für das Experiment zugelassen sind und welche Methoden zur Auswertung genommen werden dürfen.

Das erste Problem führt dazu, dass wir eine Theorie, die sich bewährt hat, nicht sofort verwerfen, wenn Vorhersage und Interpretation der Beobachtung nicht zusammenfallen. Dann ist entweder das Experiment falsch, oder am Ende ist gar der Wissenschaftler gescheitert. Wenn viele verschiedene Experimente immer wieder zeigen, dass beides nicht zusammenpasst, wird es als Anomalie verbucht und ignoriert. Es ist also nicht so, dass, wie Popper es fordert, falsifizierte Theorien abgelehnt werden. Nicht ohne Grund sagt Kuhn, dass der Wechsel von einem Paradigma zum anderen in der Phase der Revolution viel mit der Konvertierung von einer Religion zu einer anderen zu tun hat.

Der zweite Punkt ist nicht weniger fatal, denn wenn die Theorie vorgibt, welche Fragen ich überhaupt stellen kann und welche Methoden ich verwenden darf, ist es kein Wunder, dass Wissenschaftler, die einer bestimmten Theorie anhängen, ständig Ergebnisse produzieren, die wiederum auf die Theorie verweisen. Aus diesem Problem kommt man nicht ohne Weiteres heraus.

Selbst Popper sagt, dass Theorien nicht die Wahrheit sind. Oder wie er es ausdrückt: Wahrheit suchen nur Mathematiker und ein paar verzweifelte Juristen. Naturwissenschaftler suchen nach der bestmöglichen Theorie, die sich bewährt, indem sie Vorhersagekraft entfaltet und möglichst wenige Anomalien aufweist.

Die Frage ist hierbei: Warum soll das als Methode überhaupt akzeptabel sein? Nehmen wir an, wir haben zwei Gruppen: Einer gibst du einen Wirkstoff, der anderen ein Placebo. In beiden Gruppen gesunden am Ende 20 %. Das beweist nicht, dass ein Medikament unwirksam ist. Es kann immer noch sein, dass das Medikament 10 % in der einen Gruppe geheilt hat und die 20 % in der Kontrollgruppe Zufall waren. Klar, man kann sagen: „Aber der p-Wert war doch so gering.“ Aber Ioannidis stellt richtig fest, dass auch ein geringer p-Wert dazu führt, dass eine Vielzahl von Studien schlicht falsch und reiner Zufall sind.

Und noch einmal: Die Statistik verliert beim Individuum an Aussagekraft. Es ist unwahrscheinlich, dass du mit Mitte 40 Darmkrebs bekommst, deshalb gibt es die Vorsorgeuntersuchung erst ab 50. Wenn du aber trotzdem jetzt Darmkrebs bekommst, hilft es dir nicht weiter, dass das eigentlich unwahrscheinlich ist.

Das Spannende ist, dass die Medizin eher induktivistisch als falsifikationistisch arbeitet.

Nun zu einem wichtigen Punkt, den Feyerabend schrieb: Eine Theorie erhält ihre Schärfe nicht aus sich selbst heraus, sondern lediglich im Vergleich zu einer anderen Theorie. Schon allein deshalb braucht die Medizin die Alternativmedizin.

Methylphenidat?

Klingt zumindest plausibel. Ich trinke generell keinen Alkohol, denn Alkohol ist haram!

Ich habe gesehen, dass es mittlerweile viele Antworten gibt, die ich noch nicht alle gelesen habe. Daher ist diese Reaktion bereits durch andere Beiträge möglicherwese schon überholt.

Das Wort bezog sich auf Shlomos Aussage, „Mir ist auf die Schnelle keine Lüge eingefallen“. Dies entlarvt ihn für mich als jemanden, der es gewohnt ist zu lügen.

Ich muss im Nachhinein zugeben, dass mir den Zusammenhang zur klinischen Diagnose „Narzisstische Persönlichkeitsstörung“ besser hätte schenken sollen. In allen Videos zum Thema (auch von anderen Youtubern) geht es um Merkmale des sogenannten „malignen Narzissmus“, der sich toxisch auf die Beziehung zur Außenwelt auswirkt. Es gibt viele Menschen mit narzisstischen Anteilen. Die meisten zeigen ein gesundes Selbstbewussstsein, ohne ihrer Umwelt Schaden zuzufügen.

Was ich durch eure Rückmeldungen gelernt habe, ist, genauer auf den Ausbildungshintergrund der Person zu achten, die ihre Dienste anbietet.
Was nicht heißen muss, dass diese Leute schlechte Arbeit leisten.
Es gibt Psychologen, die nach Studium und Zusatzausbildung viel Fachwissen angehäuft haben. Aber akademisches Wissen ist eben bestenfalls die halbe Miete … gerade im psychologischen Bereich.

Was die 162 Euro pro Therapiestunde betrifft (ich glaube, inzwischen hat sie ihre Tarife sogar erhöht) wäre es wünschenswert, wenn stärker auf den Unterschied zwischen einem studierten Psychologen und einem „psychologischen Berater“ hingeiwiesen würde. Heute wurde mir ein Video von jemandem in die Timeline gespült, der sich selbst „Reisebegleiter für Helden“ nennt.

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m.E. weder im ICD-10, noch im DSM-5 ein tatsächlich existenter Subtyp.

Hätte jetzt gesagt, dass man eher narzisstische und antisoziale Persönlichkeitsstörung kombiniert, und ne kombinierte PS diagnostiziert. (Quelle: Hab mal bisschen Psychologie studiert)

Das lustige an diesen ganzen „Diagnose“-Channeln, oder auch bei bspw reddit-Posts, ist doch eh, dass immer die Gegenseite die psychisch kranke Person ist, nie man selbst.

Gegenbeispiel: Jürgen Domian hatte auch keine psychologische Ausbildung.
Trotzdem hatte er eine Ausstrahlung, dass die Anrufer gern mit ihm geredet haben. Ich weiß, er hat kein Geld verlangt und hatte auch immer einen Psychologen im Hintergrund. Aber angenommen, er hätte irgendwann keinen Bock mehr gehabt und der WDR hätte statt seiner den Psychologen auf den Stuhl gesetzt …

Edit: Esoterische Bezüge (wie bei Astro-TV) habe ich bei den Kanälen, die ich bisher verfolgt habe, nicht festgestellt. Ansonsten hätte ich die Inhalte nicht ernst nehmen können.

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Domian hat aber doch nie Geld verlangt, sich als Autorität ausgegeben, oder Anrufer*innen als Patienten bezeichnet. Das ist doch eher wie ehrenamtliche Telefonseelsorge. Ich denke, damit hat keiner ein Problem.

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Of course „it takes two for tango“. :smiley:
Einer agiert und der Gegenpart lässt das zu.
Problematisch wird es, wenn du dich aus einer toxischen Beziehung befreien willst und dein Gegenüber das mit allen Mitteln verhindern will.

Naja, die Konstellation kann auch genau umgekehrt sein. Manche Störungen sind nicht so plakativ wie man sich das gerne vorstellt. Und das Wort toxisch find ich auch arg überstrapaziert. ^^’

Ich hatte mal einen psychiatrischen Therapeuten, dessen Methode war es, mich jahrelang zu trietzen. Gegen Ende der Sitzungsperiode hat er mit einem fetten Grinsen verkündet, er könne mich leider nicht weiterbehandeln. (Edit: in der nächsten Sitzung hat er verkündet, er wolle doch weitermachen. Beides habe ich mit weniger Fassungslosigkeit bzw. Erleichterung zur Kenntnis genommen als vermutlich erwartet.)

Nach der letzten Sitzung habe ich dem Mann die Hand gegeben und ihm alles Gute gewüscht. Er war davon ausgegangen, dass ich nach ein paar Monaten die Therapie wieder aufnehme. Beim Abschied hat er sogar nochmal extra erwähnt ich solle ihn anrufen. Was ich nicht getan habe.

Mir war’s ein Fest. :smiley:

Das ist kein Gegenbeispiel. Domian hat nämlich zu keiner Zeit behauptet, er könne irgendein Krankheitsbild mit seiner Sendung heilen oder lindern. Er hat keine Diagnosen gestellt und den Leuten auch nicht von irren Energie /Schwingungen/Feinstofflichkeiten/Informationen vorgeschwurbelt wie es Heilpraktiker tun.

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Das habe ich schon in meinem nachträglichen Edit revideirt.

Ich finde, so langsam kann eure Diskussion mal zu einem Ende kommen. Das Ganze hat mit der eigentlichen Sendung überhaupt nichts mehr zu tun.

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Shlomo war bei Jasmin Kosubek zu Gast