Fernsehpreis 2011

Da heute Abend der Deutsche Fernsehpreis auf RTL laufen wird, dachte ich mir, dass das ein guter Vorschlag für die nächste FKTV-Episode sein wird.
Wenn ich schon lese, wie für diese Veranstaltung geworben wird, wie z.B.:

Deutschland liebt sein Fernsehen und seine vielfältigen Programme. Von Unterhaltung bis Sport. Von Serie bis Information. Von Dokumentation bis Comedy. Täglich 223 Minuten verbringt jeder Bundesbürger durchschnittlich vor dem Fernseher, wo er sich informiert, bildet und unterhalten lässt, wo er Lebenshilfe bekommt und sich in fremde Welten entführen lässt.

Da wird mir ziemlich blümerant. Aber was will man von RTL schon anderes erwarten.

“Wo er Lebenshilfe bekommt”. Na danke. Werden wie letztes Jahr wieder oberste Trashformate ausgezeichnet werden.

was will man von RTL schon anderes erwarten.

Es ist schwer davon auszugehen, dass der Pressetext vom Stiftungsrat verfasst wurde. Dort sitzen ARD, ZDF, Sat.1 und RTL gleichberechtigt.

@ Copeland
Falls Dich die Preisträger interessierten, hättest Du sie seit gestern Abend nachlesen können.
Trotz Sperrfrist. lol
http://www.dwdl.de/magazin/33059/der_fe … perrfrist/

Schlimm genug dass es auch noch von Marco Schreyl und Nazan Eckes moderiert wird :smt021

Ich habe jetzt schon keine Lust mehr, mir diese heuchlerische und selbstverliebte Veranstaltung weiter anzusehen.
Deswegen: Ich schalte mal wieder ab.

Hat der Fernsehpreis eigentlich irgendeinen Sinn? Kann es sein das vor allem bei “Beste Comedy” jedes Jahr dieselben nominiert werden und immer mal wieder die Anke für Ladykracher nen Preis bekommt, dann zwischendurch mal ein zwei andere? Ich hätte übrigens der Heute-Show den Preis gegeben, ich kann mir vorstellen das zu so einer wöchentlichen extrem genialen Satire-Show mit genialen Grafiken und Bildern weitaus mehr gehört als jahrelang eine Sketch-Show zu produzieren (also quasi Witzebuch aufklappen und Witze suchen die man nachspielen kann). Somit komme ich zu meiner anfänglichen Frage zurück: Hat der Fernsehpreis einen tieferen Sinn?

Ich möchte mich bei den Veranstaltern bedanken, dass sie einen verdienten Fernsehschaffenden anlässlich dieses feierlichen Abends aus dem Ruhestand geholt haben. Der Frisurinstallateur von Anneliese Rothenberger hat extra für [-]heute[/-] gestern einen barocken Bienenkorb auf dem Schädel der Moderatorin modelliert. Also, Nazan Eckes, nicht etwa Marco Schreyl. Der wirkt ein bisschen angepisst, weil Nazan ein Kleid in Buttercremetortenfarben mit Rüschengirlande tragen darf, und er nicht.

Als Special Superstargast sitzt Keith Richards im Publikum. Bitte, was? Dieser welke Kopf gehört Bettina Zimmermann? Au Backe! Die Zeit ist ein fieser Schönheitsdieb!

Dem trübseligen Anlass gemäß, tragen alle Anwesenden Schwarz. Alle außer Kai Ebel. Der sieht wieder aus, als hätte er sich aus dem Altkleidersack im Puff von Eurodisney eingekleidet: glitzernde Ebby Thust-Jacke und dazu die abgetragenen Gamaschen von Dagobert Duck.

In der Großaufnahme merkt man, warum Rolf Seelmann-Eggebert Experte für alles Britische ist. Wie es eben im Mund eines Engländers so aussieht: Sein Restgebiss gemahnt an die Industriebrachen von Manchester; rotbrauner Backstein mit rußigen Rändern.

Im Teaser zur Aftershowparty kann man schon mal sehen, dass es Christine Neubauer doch noch rechtzeitig gelungen ist, ihren massigen Leib in ein Korsett aus doppelt gehärtetem Fischbeinstahl zu zwängen. Nur atmen darf sie [-]heute[/-] gestern Abend nicht mehr. Wäre ihr Kleid weiß, könnte sie glatt als Michelin-Männchen durchgehen.

Skandalentscheid in der Kategorie “Bester Mehrteiler”. Was hat denn die Jury geritten, die schwachbrüstige Hindenburg- Katastrophe auszuzeichen? Der beste Zweiteiler 2011 war doch eindeutig Dasha Klishinas Wettkampfbikini. Buh!

Nach einer knappen Stunde Langeweile hat sich die Gemeinde eine kleine Aufmunterung verdient. Passend zum systemperpetuierenden Fernsehpreis, hat man den saturierten Systemerhaltungsclown Dieter Nuhr auf die Bühne gestellt. Aber irgendwie verfangen seine braven Pointenversuche wohl nicht beim Saalpublikum. Jedenfalls befindet es die Regie für nötig, Meite Kelly einzublenden, weil sonst keiner lacht.

Auch in der Kategorie “Beste Unterhaltungssendung” wurde mein Favorit, die Sexy Sport Clips, kackedreist übergangen. Dafür ist “The Fattest Loser” nominiert, also dieses Pummelgerumpel mit Klausi Beimer und Meite Kelly. Doppel-Buh!

RTL ist auch nicht mehr das, was es einmal war! Es dauert mehr als 60 Minuten, bis zum ersten Mal Jauch und Kerner vor der Greenscreen hocken, um Filmschnipsel kaputt zu quatschen. Dafür hat man sich ausgerechnet die Leichenschändung von Loriot ausgesucht. Dreifach-Buh!
Im Applaus wird Wolfgang Rademann gegengeschnitten. Der kann froh sein, wenn er nicht nächstes Jahr so 'nen Nachruf kriegt. Toi, toi, toi!

Die Beleuchtung auf der Bühne ist nicht übel! Während sie laudatiert, indem sie langatmige Pressetexte von der Cuecard abliest, sieht man Bettina Zimmermanns garstigen Gesichtsfaltenwurf gar nicht mehr. O Wunder der Technik!
Kerner lässt als Comic Relief den Namen Fips Asmussen fallen. Der kann ihm natürlich [-]heute[/-] gestern nicht helfen. Fips kann nicht hier sein, denn der wird ja jetzt EZB-Chefvolkswirt.

Sehr angenehm ist der Auftritt von Denis Scheck. Er und sein Kompagnon finden die Muße für einen Seitenhieb auf Reich-Ranicki und en passant ehren sie Robert Gernhardt. Und weil RTL-Zuschauer damit nix anzufangen wissen, wird denen sogar noch erklärt, was ein Sonett ist.

Der obligatorische Nekrolog zu Ehren der Branchentoten (Leo Kirch, Maria Hellwig) wird vom unheiligen Pathosgraf beschallt. Ich dachte eigentlich, es sei gesellschaftlicher Konsens Verblichene mit Respekt zu behandeln. Das gilt offenbar nicht bei dieser Veranstaltung. Wolfgang Rademann wird sich freuen, nicht schon dieses Jahr gestorben zu sein.

Der obligatorische Nekrolog zu Ehren der Branchentoten (Leo Kirch, Maria Hellwig) wird vom unheiligen Pathosgraf beschallt. Ich dachte eigentlich, es sei gesellschaftlicher Konsens Verblichene mit Respekt zu behandeln. Das gilt offenbar nicht bei dieser Veranstaltung. Wolfgang Rademann wird sich freuen, nicht schon dieses Jahr gestorben zu sein.

Das ist mir auch eben aufgestoßen. Für gewöhnlich lässt man das „In Memoriam“ ja ohne Begleitbrimborium ablaufen. Stattdessen dreht sich die Kamera fleißig um den Grafen, dem der Nekrolog als Background für seine Emoschmusemucke dient. Wahrscheinlich war es dem Regisseur zu wenig Mojo.

Ich denke dass Holger den Fernsehpreis schon auf seiner Liste hat, wenn man das so sagen kann, ein Themenvorschlag ist hier schlicht überflüssig.

Da gehts weiter.

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