Fadenscheiniger Kommentar zu Google (Tagesthemen vom 01.03.)

Hallo,

der Kommentar von Holger Ohmstedt vielleicht etwas für kurz kommentiert. Hier ein paar Auszüge von http://www.tagesschau.de/multimedia/video/sendungsbeitrag38644.html

Pauschaler ging’s nicht?

Der nachfolgende Abschnitt über das Geschätsmodell der personalisierten Werbung ist meiner Meinung nach i. O.

Dann aber:

Es gibt sicher vieles, was man an Google kritisieren kann. Interessant ist da im Vergleich folgender Artikel von markt vom WDR, der deutlich differenzierter ist und auch ein paar technische Hintergründe liefert*. Aber zurück zu Holger Ohmstedt:

“Google schert sich nicht um das Urheberrecht.” Stimmt das? Kann ich mir Bücher mittlerweile kostenlos bei Google beschaffen bzw. verstößt Google tatsächlich gegen das Urheberrecht? Einem Zeit-Artikel zum Thema ist das jedenfalls nicht zu entnehmen. Herr Ohmstedt lügt also anscheinend.

Zu Steetview: Natürlich geraten Menschen ins Bild. Diese werden zumindest automatisiert verpixelt, was sicher nicht immer funktioniert. Das eigentliche Problem an Streetview, aber im Prinzip auch allen anderen verorteten Internet-Fotodiensten ist wohl, dass es dafür schlicht noch keine angepassten gesetzlichen Regelungen gibt. Vor 10 Jahren war es schlicht kaum vorstellbar, dass man sich binnen Sekunden Bilder von beliebigen Orten anzeigen lassen kann, es bestand also auch nicht die Notwendigkeit, sowas zu regeln. Das ist aber kein Problem von Google.

Und zur Bildsuchmaschine: Im markt-Artikel steht es etwas anders. Ja, Google entwickelt eine solche Suchmaschine, zunächst um bspw. ein Produkt zu fotografieren und es identifizieren und Infos anzeigen zu lassen. Bei der Suche nach Gesichtern scheint sich Google aber der Verletzung der Privatssphäre bewusst, so dass das zunächst nicht möglich ist und nach Lösungen gesucht wird. Wer weiß, vielleicht gibt es da mal eine Whitelist für Prominente. Von einem automatischen, ungefragten und grenzenlosen Datenabgleich im Hintergrund ist man wohl zum Glück noch weit entfernt.

Auch hier irrt er meiner Meinung nach. Sicherlich nutzt Google zur Zeit Lücken aus, die gesetzlich nicht geregelt sind, weil es bis vor einiger Zeit mangels technischer Umsetzung keine Notwendigkeit dafür gab. Und wenn man sich juristisch wehren will, benötigt man nun mal eine rechtliche Grundlage. Insofern verdreht er hier einiges.

Und erst mal Fakten zu schaffen ist nun mal der Lauf der Dinge. Autohersteller hatten sicher auch nicht auf die Festlegung von max. 50 km/h innerorts gewartet, bis sie KFZ verkauften, die schneller fahren.

Alles in allem ein sehr unqualifizierter Kommentar, bei dem selbst das Zufügen von massenhaft Konjunktiven nicht helfen würde. Nee, zahl’ ich nicht die GEZ.

Viele Grüße

hkl

  • Die Links zum Kommentar und markt-Artikel habe ich übrigens hier gefunden. Nur dass ich bei dem Artikel keine Hetzkampagne erkennen kann…

“Google schert sich nicht um das Urheberrecht.” Stimmt das?

Ja das stimmt. Nach deutschen Urheberrecht ist das Vervielfältigen, Einspeichern und Verarbeiten in elektronische System ohne Erlaubnis des Eigentümers verboten. Google hat sich darum nicht geschert und ohne Nachfrage Bücher kopiert, verarbeitet und gespeichert.

Zu Steetview: Natürlich geraten Menschen ins Bild. Diese werden zumindest automatisiert verpixelt, was sicher nicht immer funktioniert. Das eigentliche Problem an Streetview, aber im Prinzip auch allen anderen verorteten Internet-Fotodiensten ist wohl, dass es dafür schlicht noch keine angepassten gesetzlichen Regelungen gibt. Vor 10 Jahren war es schlicht kaum vorstellbar, dass man sich binnen Sekunden Bilder von beliebigen Orten anzeigen lassen kann, es bestand also auch nicht die Notwendigkeit, sowas zu regeln. Das ist aber kein Problem von Google.

Auch vor 10 Jahren war das vorstellbar und eine Telefonbuchanbieter hatte das bereits damals geplant und wollte die Bilder der Häuser in seinem Telefonbuch (auf CD) veröffentlichen. Diese Firma hatte damals solchen Widerstand, dass sie es gelassen haben (ich weiß nicht mehr genau, ob es einen Rechtsstreit gab, die Bilder waren aber schon vorhanden). Bei Google soll es aber dann auf einmal in Ordnung sein?
Zugegeben, damals waren Bild des Hauses und der Name des Wohnenden plus Adresse verknüpft, was nach deutschen Recht auch nicht erlaubt ist. Bei Google sehe ich aber auch solche Verknüpfungen. Sucht man in einem Adressbuch, bei dem Googlemaps eingebaut ist, kann man sich auch gleich das dazugehörige Haus anschauen.
Des weiteren darf man nur Häuser von der Straße aus, ohne Hilfsmittel wie eine Leiter fotografieren. Google verwendet aber Hilfsmittel, wie das Stativ auf dem Dach.

Ja, Google entwickelt eine solche Suchmaschine, zunächst um bspw. ein Produkt zu fotografieren und es identifizieren und Infos anzeigen zu lassen. Bei der Suche nach Gesichtern scheint sich Google aber der Verletzung der Privatssphäre bewusst, so dass das zunächst nicht möglich ist und nach Lösungen gesucht wird.

Wird bei Picasa nicht bereits eine solche Gesichtserkennung verwendet und Verknüpfungen erstellt.

Meiner Meinung nicht. Google hat erst Bücher kopiert und erst später, als ein Rechtsstreit sich anbahnte die Verlage zu einem Vergleich gezwungen. Amerikanisches Recht hilft ihnen dabei.

Sicherlich, das machen iPhoto (oder wie die Apple-Anwendung heißt) und andere offline-Applikationen ebenfalls innerhalb der eigenen Bildesammlung. Das sollte aber nicht jedermann zugänglich sein, ist also eine andere Baustelle.

Zu Streetview:

Des weiteren darf man nur Häuser von der Straße aus, ohne Hilfsmittel wie eine Leiter fotografieren. Google verwendet aber Hilfsmittel, wie das Stativ auf dem Dach.

Wenn dem so ist, wäre es wohl klar verboten. Von daher verstehe ich die laufende Diskussion nicht. Btw., kann man das irgendwo nachlesen (Gesetz), habe ich in dem Zusammenhang noch nirgends gehört?

Meiner Meinung nicht. Google hat erst Bücher kopiert und erst später, als ein Rechtsstreit sich anbahnte die Verlage zu einem Vergleich gezwungen. Amerikanisches Recht hilft ihnen dabei.[/quote]

Aber US-amerikanisches Recht gilt nicht in D und umgekehrt. Und wenn sie einen Dienst in den USA gemäß den dort gültigen Gesetzen anbieten, ist alles ok. Wenn es aber hier strikt verboten ist, warum stimmen die Verlage dann einem Vergleich zu? Ist ja technisch kein Problem Google Books in D nicht anzubieten. (Ja, man kann IP-Filter absichtlich umgehen).

Gruß, hkl

Ein deutscher Verlag, der in Deutschland seine Bücher veröffentlicht sollte sich aber nicht in Amerika streiten müssen.
Und eigentlich dürfte dir klar sein, warum die Verlage einen Vergleich eingehen. Solche Prozesse sind in Amerika dermaßen teuer, dass sie schnell mal einen mehrstelligen Millionenbetrag erreichen. 50-100 Millionen Dollar sind da keine Seltenheit. Solch einen Prozess müssen sich die Verlage erst mal leisten können. Und der Vergleich zeigt deutlich, dass Google wohl auch in Amerika nicht ganz im Recht ist, ansonsten würden sie so etwas gar nicht anbieten.
Aber der Vergleich ist eh absurd. Es entscheiden wenige Verlage über alle Verlage und das ist danach nicht mehr anfechtbar. Sowas dürften die Verlage nie eingehen, da sie später kaum noch über die Vermarktung ihrer Bücher mitbestimmen können.

Und zu den Fotos:
Ich musste selber kurz suchen, habe aber hier eine gute Zusammenfassung gefunden:
http://www.fotorecht.de/publikationen/gebaeude.html
Und es gibt ja auch eine Stadt, die sich auf dieser Grundlage gewährt hat und in dieser Stadt (welche genau hab ich vergessen) darf Google erst mal keine Bilder machen.

Hallo,

Ein deutscher Verlag, der in Deutschland seine Bücher veröffentlicht sollte sich aber nicht in Amerika streiten müssen.

Jain. Wenn der Verlag bspw. das Werk eines dt. Schriftstellers in den USA verkaufen will und dort anbietet, muss er sehr wohl mit den Vor- und Nachteilen des dortigen Rechts leben.

Und eigentlich dürfte dir klar sein, warum die Verlage einen Vergleich eingehen. Solche Prozesse sind in Amerika dermaßen teuer, …

Da muss ich dir schon Recht geben, ich bin ja nur juristischer Laie und kenne mich mit dem US-amerikanischen Copyright noch weniger aus als mit dem dt. Urheberrecht. Aber dennoch verstehe ich nicht so ganz, warum die dt. Verlage nun unbedingt Prozesse in den USA anstrengen müssen. Letztlich gilt das Urheberrecht – und das wurde im Kommentar genannt – nur innerhalb der Grenzen Deutschlands. Und wenn Goolge in den USA etwas gemacht hat, was dort vielleicht, hier aber definitiv nicht zulässig ist, kann es hier von einem dt. Gericht verboten werden.

Dann liest man von einem dt. Anschluss aus „Google Books ist in D leider nicht verfügbar.“ Bei Youtoube sind m. W. nach hierzulande einige (Musik-)Clips auch nicht verfügbar (GEMA?). Oder: Nur weil wir unliebsame Details zur chinesischen Geschichte ergoogeln können, muss das von einem chinesischen Anschluss aus nicht unbedingt möglich sein. Formell, weil es dort gesetzlich nicht erlaubt ist.

Aber der Vergleich ist eh absurd. Es entscheiden wenige Verlage über alle Verlage und das ist danach nicht mehr anfechtbar. Sowas dürften die Verlage nie eingehen, da sie später kaum noch über die Vermarktung ihrer Bücher mitbestimmen können.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich hier noch einiges verpasst habe :slight_smile: Was Google mit der Vermarktung zu tun hat erschließt sich mir zz. genauso wenig, wie das Gezänk um Google News und die Presseverlage.

Und zu den Fotos:
Ich musste selber kurz suchen, habe aber hier eine gute Zusammenfassung gefunden:
http://www.fotorecht.de/publikationen/gebaeude.html
Und es gibt ja auch eine Stadt, die sich auf dieser Grundlage gewährt hat und in dieser Stadt (welche genau hab ich vergessen) darf Google erst mal keine Bilder machen.

Vielen Dank und Punkt für dich! Bislang kam mir die Diskussion eher so vor, als ob viele Menschen das einfach nicht wollen – mir ist es ja selbst nicht geheuer – und in ein allgemeines Wehklagen einstimmen, ohne mal konkret zu werden. Nun ja, das verlinkte Urteil bezieht sich primär auf Boulevardjournalisten, die eingefriedete Promigrundstücke von Leitern aus ablichten und aus Einzelbildern viel Kapital schlagen. Inwiefern das auf Google-Kamerawagen übertragbar ist, wird wohl der Prozess über mehrere Instanzen zeigen. Fotos von Hubschraubern sollen ja auch verboten sein, bei Satellitenbildern und solchen von Bildflügen scheint es keine Probleme zu geben :smt017

Fazit trotzdem bislang für mich: Dass Google rechliche Grauzonen und Spezialitäten der globalisierten Welt (unterschiedliche Gesetze in verschiedenen Ländern) ausnutzt/ausreizt, ist wohl unbestritten. Dass deren Geschäftsmodell aber darus besteht, sich über geltendes Recht hinwegzusetzen, ist ein bisschen weit hergeholt.

Viele Grüße

hkl

Deutsche Verlage haben es natürlich zuerst bei deutschen Gerichten versucht. Allerdings sind diese nicht zuständig, da die Bücher in Amerika kopiert werden.

Aber weil Du Youtube erwähnst. Das hat ja auch eine Zeit gedauert, bis urheberrecht geschüzte Inhalte gefiltert werden. Bis dahin gab es auch ein paar Rechtsstreits. Eigenartige nicht, wie Youtube es geschafft hat, jede Titte zu filtern und nur US-taugliche Videos durchzulassen, aber bei der Musik gab es Schwierigkeiten?
Aber ich glaube auch hier läuft noch ein großer Rechtsstreit.

Also Leute man kann auch übertreiben…