Ereignisse in Japan und ihr Einfluss auf die Politik

Kein Ereignis beschäftigt und besorgt auch die Menschen in Deutschland so sehr, wie die mögliche Katastrophe in Japan - trotz der Entfernung von 8000km. Es wird wieder diskutiert in Deutschland, ob Kernenergie sicher sei. Selbst Union und FDP verabschieden sich - zumindest vorerste für 3 Monate - von ihrer Laufzeitverlängerung.

Haltet ihr die Besorgnis in Bezug auf deutsche Atomkraftwerke für berechtigt? Wir habe ja schon einen Thread über die mediale Verarbeitung der Unfälle, was haltet ihr von den Reaktionen der deutschen Parteien?

Mein bescheidene Meinung
Ich war noch nie ein Befürworter der Kernkraft. Allerdings nicht weil ich die deutschen Kernkraftwerke für unsicher halte, sondern eher wegen der ungelösten Fragen wie Endlagerung und Uranbeschaffung, die auch nicht für immer sichergestellt ist. Die Reaktion der Regierung kann ich nur als wahlkampftaktischen Aktionismus bewerten. Unsere Kernkraftwerke sind heute nicht unsicherer als vor den Ereignissen in Japan. Ich hätte mir ein wenig mehr Standhaftigkeit und vor allem Besonnenheit gewünscht, und zwar bei allen Parteien.

Wer exemplarisch sehen möchte, wie tapsige Provinzpolitiker die toten Japaner und die Angst vor dem Super-GAU für ihren piefigen Wahlkampf instrumentalisieren, sollte jetzt auf das Landtagswahl-Duell zwischen Kurt Beck und Julia Klöckner im SWR schalten.

Frau Klöckner antwortet auf die erste Frage der Sendung, die überhaupt nichts mit dem Thema zu tun hat. “Wie kann ich angesichts der Zeitenwende in Japan über mich reden?”, um dann im selben Atemzug mehr über ihren Kleingeist zu verraten als ihr lieb sein kann. Schade, dass Beck in staatstragender Landesvaterattitüde (“Ich helfe unserer japanischen Partnerpräfektur”) bei Klöckners Flachwasserniveau mühelos mithalten kann.

Es ist generell interessant, wie man langsam den Eindruck gewinnen könnte, dass Union und FDP eigentlich schon immer gegen die Atomkraft gewesen seien.
Ich glaube, dass ihnen das langfristig schaden wird. Denn rational ist diese Kehrtwende nicht zu begründen und das werden ihre Wähler erkennen.

Und wenn Julia Klöckner das wirklich gesagt hat, dann weiß ich nicht, ob es Dummheit oder Dreistigkeit ist, denn jeden Tag haben Menschen irgendwo auf der Welt schlimmere Probleme als wir. Jetzt ohne jeden Zwang Japan in die Debatte zu holen zeugt von Verzweilflung und Mangel an Argumenten. Aber Julia Krlöckner muss ja irgend etwas machen, dann wenn man den letzten Umfragen glaubt, dann hat sie sowieso keine Chance Ministerpräsidentin zu werden (außer vielleicht es fällt ein Winkraftwerk um und erschlägt dabei mehrere hundert Menschen… :lol:).

Was ich bezeichnend fand:

Heute in der Debatte zur Regierungserklärung mussten sich die Fraktionen der SPD und Grünen von der CDU (!)anhören, ihr Gesetz zum Atomausstieg sei nicht schnell und effektiv genug um aus der Atomenergie auszusteigen, es wurde bekrittelt, dass das Gesetz eine Übergangsfrist von 20 Jahren vorgesehen hatte.

Für wie dumm halten die eigentlich ihre eigenen Wähler?? Vor nicht mal einem halben Jahr haben die selben Politiker den Ausstieg aus dem Ausstieg befürwortet und beschlossen. Dank der Laufzeitverlängerung könnten einzelne Kraftwerke bis 2050 (!) laufen.

Ich hoffe wirklich inständig, dass die Wähler nicht so dumm sind, wie manch Politiker glaubt und sich - angefangen nächstes WE in BaWü - gezielt an der Urne ausdrückt!

Heute in der Debatte zur Regierungserklärung mussten sich die Fraktionen der SPD und Grünen von der CDU (!)anhören, ihr Gesetz zum Atomausstieg sei nicht schnell und effektiv genug um aus der Atomenergie auszusteigen, es wurde bekrittelt, dass das Gesetz eine Übergangsfrist von 20 Jahren vorgesehen hatte.

Das ist so dumm, dass ich es nicht glaube, bis ich es gesehen habe.

siehe hier, Zitat:

[10.47 Uhr] Kauder wirft Rot-Grün vor, diese hätten Kernenergie für nicht weiter verantwortbar erklärt, die Kraftwerke aber weitere 20 Jahren lang laufen lassen wollen.

Live auf Phoenix kams aber besser rüber, weil der „WTF??-Blick“ vom Trittin reaktionsschnell von der Regie eingefangen wurde ^^

Denn rational ist diese Kehrtwende nicht zu begründen und das werden ihre Wähler erkennen.

Du meinst die Wähler, die gerade Jodtabletten und Geigerzähler horten, was mindestens ebenso unrational ist.
Der Wähler wird überhaupt nichts erkennen. Das schwarzgelbe Rumgeeiere hat lediglich kurzfristig Einfluss auf die Wählermeinung. Wahrscheinlich werden CDU und Co in Atomfragen eine dauerhafte 180° Wende vollführen und in einem halben Jahr ist es so, als wäre die CDU/CSU schon immer gegen Atomkraft gewesen, abgenickt vom deutschen Michel.
Überhaupt habe ich selten so eine unsachliche Debatte gesehen, wie sie im Moment stattfindet. Kaum eine Partei bekleckert sich mit Ruhm, sondern jede betreibt Wahlkampf in Reinkultur.
Wenn die Ereignisse aus Japan eines gezeigt haben, dann das es auf jeden Fall dringend mehr Bildung benötigt, denn wer sich die Leute auf der Straße anhört, kann nur noch resignierend mit dem Kopf schütteln.

Überhaupt habe ich selten so eine unsachliche Debatte gesehen, wie sie im Moment stattfindet. Kaum eine Partei bekleckert sich mit Ruhm, sondern jede betreibt Wahlkampf in Reinkultur.

Naja, den Grünen kann man es imo nicht vorwerfen, denn die haben mit den gleichen Argumenten schon seit Jahrzehnten argumentiert.

Aber was die Regierungsparteien da grade abziehen ist an Dreistigkeit schwer zu überbieten …

Habe mir den Ausschnit eben angeguckt… habe aber die betreffende „WTF!-Blick“-Stelle nicht finden können. :smt022

Ab 6:33 kommt die erwähnte Stelle vor:

„Und jetzt will ich ihnen mal was sagen, von rot-grün: Es ist unglaublich, wie sie sich da aufführen! Sie sagen… sie sagen, Kernenergie sei nicht verantwortbar, haben aber in ihrem Kompromiss, rot-grüne Kernenergiepolitik, zwanzig Jahre diese Kernkraftwerke weiter am Netz gehalten. Was gilt nun eigentlich!?“

…nichtsdestotrotz war die Rede vom Kauder eine Ohrenvergewaltigung. Inhaltlich teilweise abstruser als diverse Doktortitelverteidigungen. Und die Sätze, die er zusammenzimmerte, sollten ihm eigentlich selbst so weh tun, dass er in Zukunft mal mit Manuskript ans Rednerpult treten sollte.

Aber ganz ehrlich, jeder, der einigermaßen kritisch gegenüber Atomenergie ist und war, sollte momentan selbst als CDU-Wähler erkennen, dass da was nicht stimmt. Darüber kann man eigentlich garnicht so viele Worte verlieren, weil die Lage echt sehr, sehr klar ist. Die Abfolge der Ereignisse ist ja fast mit dem Guttenberg-Fall vergleichbar:

Jahrelang läuft die CDU herum und behauptet voller zur Schau gestellter Selbstverständlichkeit, Atomkraftwerke seien sicher… ähnlich wie Guttenberg mit seinem Doktortitel herumlief.
Dann stellt man an einem Atomkraftwerk fest, dass da offensichtlich was nicht ausreichend sicher war… ähnlich wie in der Doktorarbeit festgestellt wurde, dass „vereinzelt Fußnoten falsch“ gesetzt wurden.
Jetzt will man drei Monate die Atomkraftwerke prüfen… ähnlich wie Guttenberg die Prüfung durch die Uni Bayreuth abwarten wollte.
Dabei nimmt man einige Atomkraftwerke vorerst vom Netz… ähnlich wie Guttenberg vorerst seinen Doktortitel abgeben wollte.
Und die ganze Zeit geben die Medien Feuer, weil fast jedem klar ist, dass Atomkraftwerke nie ganz sicher sein werden und die meisten das Restrisiko einfach nicht tragen wollen… wobei hier die Verurteilung in der Bevölkerung noch deutlicher ausfällt als bei dem Herrn Baron.
Wenn die Parallelen weiter gehen, kriegt die CDU demnächst eine deutliche Klatsche bei den Wahlen. Dieses Winden zwischen der eigenen Sturheit in der Vergangenheit und dem Nachgeben gegenüber dem öffentlichen Druck, ohne komplett sein Gesicht verlieren zu wollen, ist einfach lächerlich.

Ebenso wie bei Guttenberg würde ein Satz ausreichen, um wenigstens im Umgang mit der Situation ehrlich zu sein:

„Wir haben gelogen.“

…gelogen, als man behauptet hat, alles sei sicher. Da dieser Satz nicht kommen wird, wird der Verfall an Glaubwürdigkeit in der Politik, im Speziellen aber bei CDU/CSU und FDP, noch an Geschwindigkeit zunehmen. Herzlichen Glückwunsch, Deutschland!

Vielen Dank für deine Mühe. Ist ja wirklich hanebüchen.

Was hier als Wahlkampf kritisiert wird, ist m.E. Demokratie in Reinkultur. Natürlich sind die schwarz-gelben Parteien Fähnchen im Winde, aber man darf nicht unter den Tisch kehren, dass wir - die Wählermeinung - der Wind sind. Dass sie nun zurück rudern kann daher nur ganz in unserem Sinne sein. Es ist bloß schrecklich, dass erste etwas passieren muss, bevor Veränderungen eintreten.

Hinzu kommt, dass das große bürgerliche Lager in der Opposition wesentlich feuriger hantiert, als die ewig gespaltene Linke, die ihre Gespaltenheit auch in Regierungsverantwortung nicht los wird. Daher haben wir in dieser Republik grundsätzlich das Phänomen, dass genuin linke Positionen häufig von der bürgerlichen Mitte reformiert werden, da es eben eine stille Mehrheit gibt, die diese Positionen vertritt. In Regierungsverantwortung jedoch knickt die Linke ein und führt Reformen ein, die man eher den liberalsten Liberalen zugetraut hätte: z.B. Hartz IV.

Aber genau das ist doch der Vorwurf an Schwarz-Gelb: Sie ändern ihre Meinung, nicht, weil sie ihre Überzeugung geändert hätten, sondern weil die Stimmung im Volk sich gedreht bzw. verhärtet hat. Dabei waren gerade CDU und FDP immer Verfechter der indirekten Demokratie, die ihre Legitimation aus den vierjährigen Wahlen gezogen haben und auf dieser Grundlage auch Entscheidungen gegen den Wind der Stimmung treffen wollten.
Und was Mappus sagt ist auch bezeichnend: Er sagt, wir müssen jetzt handeln, „weil das [von den Wählern] von uns erwartet wird“. Das heißt, er handelt nicht etwa, weil er sich Sorgen um die Sicherheit der Bevölkerung macht, sondern weil eine bestimmte Haltung in der Bevölkerung vorhanden ist - für mich Opportunismus pur.

Was hier als Wahlkampf kritisiert wird, ist m.E. Demokratie in Reinkultur.

Wahlkampf und Demokratie sind für mich kein kein Gegensatz - im Gegenteil, sie bedingen einander. Und gerade in einer demokratischen Auseinandersetzung muss man sich doch positionieren und andere kritisieren dürfen!

@deissler: Ich will aber keinen Politiker, der meiner Meinung ist, weil ich ihn dann wähle, sondern einen Politiker, den ich wähle, weil er meiner Meinung ist!

Ich hoffe, damit stehe ich nicht alleine da. Aber Parteien, die ihr Fähnchen immer nach dem neusten Hype richten stehen für mich dick und fett auf der “Liste der Unwählbaren”.

Heute verkauft die SPD neu geplante Kohlekraftwerke als Brückentechnologie. Anscheinend glauben sie selber nicht an einen baldigen Umstieg auf regenerative Energie. :roll:

Aber zu dem Thema fällt mir nur eins ein:
Einfach sich selber nicht belügen, vielleicht spricht dann auch die Politik offener. Denn was passiert denn wenn ein Politiker offen spricht? Er wird von allen Seiten angegriffen, völlig egal ob er als einziges den Mut hatte die Wahrheit zu sagen.

Hallo,
gestern kam endlich meine beste Freundin aus Japan zurück. Sie befand sich auf ihrem Auslandsjahr und hat dementsprechend einiges Live zu erzählen gehabt.
Was ihr nun am meisten auf den Geist geht, ist die Atomdebatte.
Während Amerika, Frankreich und Co ihre Urlauber, Mitarbeiter und generell Leute aus dem Land ausfliegen, mussten sie und ihr Mann drei Tage auf dem Flughafen Osaka ausharren, in welchem minütlich die Preise für Flüge gestiegen sind. Es war sogut wie unmöglich einen Flug zu bekommen (von Japan aus), welcher zurückführte. Letztendlich haben wir von Europa aus den Flug gebucht und bezahlt (2000€ pro Person). Was trotzdem fast wieder schief gegangen wäre.
Während die Politiker sich also schön in die Debatte hineinsteigern, um potentielle Pluspunkte bei möglichen Wahlen zu erringen, haben die Deutschen in Japan die größten Schwierigkeiten aus dem Land zu kommen. So einfach wie es in den Medien dargestellt wird, alla, Frau XY kam gerade aus Osaka und erzählt nun, ist es nicht.
Nicht das Atomenergie kein wichtiges Thema ist, aber ganz ehrlich. Im Moment ist doch das wichtigste, das die Leute dort raus kommen.

LG Idike-Ruki

satierischer Videokommentar KenFm´s zur Kernenergie

Alle Welt redet von der Sicherheit von Atomkraftwerken, dabei scheinen sie die Randerscheinungen (wie beispielsweise Zwischenlager, Wiederaufbereitungsanlagen und ähnliches) zu vergessen. An jedem Ort, an dem radioaktives Material bearbeitet oder gelagert wird, kann es zur Katastrophe kommen. Die Frage ist doch nicht, ob ein Kraftwerk zu 90% sicher ist, oder zu 95%, die Frage ist, wie beherrschbar ist dieses Restrisiko, selbst wenn es noch so klein ist ? Diese Beherrschbarkeit ist bei der Atomkraft einfach nicht gegeben. Ich weiß nicht mehr genau, wer es war, doch es wurde (fast schon fahrlässig beiläufig) erwähnt, dass beispielsweise die Anlage in Gronau gegen Katastrophen wie einen Flugzeugabsturz nicht ausreichend gesichert wäre, klar wie groß ist die Wahrscheinlichkeit schon ? Aber mit einem Beben der Stärke 9.0 und einem anschließenden Tsunami hat in Japan (und das trotz der vielen tausenden Beben pro Jahr) ja auch niemand gerechnet.

Die Bundesregierung macht in dieser Situation falsch, was sie nur falsch machen kann. Verrät ihre eigenen Prinzipien, um sich an die Spitze des Volkes zu schleichen und dann auf “Die Sicherheit des Volkes kommt vor allem anderen” zu machen. Wie wollen die denn aus dieser Situation wieder herauskommen, ohne enorm an Glaubwürdigkeit zu verlieren ?

Was das Wählen angeht, da kann ich mich Markus nur anschließen, warum überhaupt wählen, wenn jede Partei, die man gewählt hat, ihre Prinzipien ändert, wie andere ihre Unterwäsche und dann von heute auf morgen auf einmal ein komplett anderes Programm fährt ?

Die Bundesregierung macht in dieser Situation falsch, was sie nur falsch machen kann. […] Wie wollen die denn aus dieser Situation wieder herauskommen, ohne enorm an Glaubwürdigkeit zu verlieren ?

Aussitzen. Die Unglaubwürdigkeit wird sich diffus auf die ganze Politiklandschaft verteilen. Traurig, scheint aber so zu sein. Die 3% Verlust der CDU bei der Wahl in Sachsen-Anhalt geben ja auch wenig Hoffnung in der Hinsicht.

Was das Wählen angeht, da kann ich mich Markus nur anschließen, warum überhaupt wählen, wenn jede Partei, die man gewählt hat, ihre Prinzipien ändert, wie andere ihre Unterwäsche und dann von heute auf morgen auf einmal ein komplett anderes Programm fährt ?

Genau hinsehen. Letztlich muss man dann abwägen, wer seinen Positionswandel glaubwürdig begründen kann. Findet der in einem Diskurs mit der eigenen Basis statt ist das was anderes als das, was bei der CDU gerade abgeht. Legt man besonderen Wert auf Teilbereiche der Politik, kann man auch schauen, ob es da Parteien gibt, die ihre Position in dieser Hinsicht nie verändert haben. Beispiele wären Umweltfokus bei den Grünen oder Sozialfokus bei der Linkspartei. Oder eben Lobbyfokus bei der FDP und der CDU.

Aber dass man eine Partei finden könnte, die einem perfekt zusagt, wird wohl nie was werden. Da muss man dann Prioritäten setzen und Kompromisse eingehen. Nicht-Wahl ist allerdings nicht wirklich eine Option.

EDIT:

Da fällt mir noch ein, was ich gestern gefunden hatte.

http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_17_03_2011/geheimer_pruefkatalog.html

Sicherheits-Katalog des Bundesumweltministeriums:

Arbeitsgruppe RS I 3 Bonn, 16. März 2011
RS I 3 13042/9 Hausruf: 2850

Erste Überlegungen zu Konsequenzen Fukushima

Sicherheitsüberprüfung deutscher Kernkraftwerke und Neubewertung
Stand: 16.03.2011

[…] Die geforderten Überprüfungen und Maßnahmen sind für alle Anlagen kurzfristig und als Voraussetzung für die Nutzung der zusätzlichen Strommengen aufgrund der gesetzlichen Laufzeitverlängerung nach dem (aktuellen) Stand von Wissenschaft und Technik umzusetzen.
Die nachfolgende Liste […] wird insbesondere unter Berücksichtigung der Fortentwicklung der Erkenntnisse aus den japanischen Kernkraftwerken und den Zwischenergebnissen des Überprüfungsergebnisses gegebenenfalls weiterentwickelt werden.

I. Fukushima-Szenario – Schlussfolgerungen für deutsche KKW

  1. Erdbebenauslegung und Bodendynamik
    a) Die Erdbebenauslegung wird nach Stand von Wissenschaft und Technik mit aktuellen Erdbebenlasten kurzfristig neu berechnet. Nachrüstmaßnahmen werden ggf. unverzüglich umgesetzt.
    b) Einwirkungen aus bodendynamischen Prozessen wie Erdfälle und Subrosion, Erdrutsche und sonstige Massenverlagerungen aller Art, und zwar als direkte Einwirkung als auch ausgelöst in Folge Erdbeben, werden in den Neuberechnung der Erdbebenauslegung mit einbezogen. Nachrüstmaßnahmen werden ggf. unverzüglich umgesetzt.
    c) Insbesondere werden alle für den sicheren Betrieb bei und nach einem Erdbeben erforderlichen Komponenten aller vier Sicherheitsebenen überprüft und ggf. entsprechend ersetzt oder ertüchtigt.
  2. Hochwasserauslegung
    a) Die Hochwasserauslegung wird nach Stand von Wissenschaft und Technik unter Berücksichtigung des Klimawandels kurzfristig neu berechnet und ggf. Nachrüstmaßnahmen unverzüglich umgesetzt. Bei der Berechnung von Überflutungen werden auch Flutwellen (Nordsee) und größere Wogen an angrenzenden Gewässern betrachtet, die z. B. durch Erdbeben oder Stürme überlagert mit Hochwässern hervorgerufen werden.
    b) Insbesondere werden alle für den sicheren Betrieb bei einem Hochwasserereignis erforderlichen Komponenten für alle vier Sicherheitsebenen überprüft und ggf. entsprechend ersetzt oder ertüchtigt
  3. Weitere externe Ereignisse
    a) Die Auslegung und die Betriebsvorschriften der KKW im Hinblick auf weitere externe Ereignisse werden nach Stand von Wissenschaft und Technik auch unter Berücksichtigung des Klimawandels kurzfristig überprüft (z. B. extreme Wetterbedingungen, Flugzeugabsturz, Cyberangriff, Pandemie). Nachrüstmaßnahmen werden ggf. unverzüglich umgesetzt. Dabei wird u. a. geprüft, inwieweit die Auslegungsannahmen (z. B. für Erdbeben, Hochwasser) in die Systemauslegung eingehen und ob mögliche Einwirkungen durch das Versagen anderer Systeme und Komponenten (z. B. Hilfssysteme) hinreichend berücksichtigt sind.
  4. Kombinationswirkung von externen Ereignissen
    Es wird überprüft, welche Kombinationen von Ereignissen (z. B. Erdbeben und großflächiger Stromnetzausfall) nach Stand von Wissenschaft und Technik bei der Auslegung zu berücksichtigen sind. Nachrüstmaßnahmen werden ggf. unverzüglich umgesetzt.
  5. Konkrete Maßnahmen
    a) Die Erdbebensicherheit insbesondere der Notstromversorgungsanlagen incl. aller für deren Betrieb notwendigen Hilfs- und Versorgungseinrichtungen wird nach Stand von Wissenschaft und Technik überprüft.
    b) Die sicherheitstechnisch relevante Nebenkühlwasserversorgung ist zudem im Hinblick auf Ereignisse mit „common cause Potential“ wie Fremdstoffe (Heu, Muscheln, Quallen etc.) zu überprüfen und ggf. zu ertüchtigen.
    c) Zur Kenntnis des Anlagenzustandes muss die Messung von systemwichtigen Betriebs- Störfall und Unfalldaten von der Warte und der Notsteuerstelle aus sichergestellt sein. Zudem muss sichergestellt sein, dass diese Daten kontinuierlich den Aufsichtsbehörden übermittelt werden (Überprüfung der Notfallplanungen). Hierzu sind redundante Messungen erforderlich die über örtlich getrennte Wege geführt werden.
    d) Die Kern- und Störfallinstrumentierung ist nach Stand von Wissenschaft und Technik zu überprüfen, um auch im Auslegungsüberschreitenden Bereich aussagekräftige Werte sicherzustellen.
    e) Eine Notsteuerstelle für jeden Reaktorblock ist vorzusehen, entsprechend zu verbunkern und räumlich so anzuordnen, dass sie auch bei größeren Freisetzungen auf dem Anlagengelände durchgängig besetzt werden kann.
    f) Die Autarkie der Notstromversorgung ist für 72 Stunden sicherzustellen.
    g) Die Notfallmaßnahme zum Fluten des Reaktordruckbehälters (RDB -Außenkühlung) ist nach Stand von Wissenschaft und Technik zu überprüfen. Nachrüstmaßnahmen werden ggf. unverzüglich umgesetzt.
    h) Rückfördermaßnahmen aus dem Reaktorgebäude (SWR) oder dem Ringraum (DWR) sind für Lecks aus dem Sicherheitsbehälter vorzusehen.
    i) Es sind Maßnahmen zu ergreifen, die die Auswirkungen von Wasserstoffexplosionen bei einem Stör- oder Unfall soweit mindern, dass die Störfall- und Notfallsysteme funktionsfähig bleiben.
    j) Bei SWR: Verstärkung der Einspeisemöglichkeiten in einen unter Druck (>10bar) stehenden RDB zusätzlich zu TJ und TM, um weniger von einer Druckentlastung und Einsatz der ND-Systeme abhängig zu sein.
    k) Bei DWR: Verstärkung der Einspeisemöglichkeiten in den Primärkreis durch eine dampfgetriebene Pumpe wie bei SWR vorhanden, die nur von Steuerstrom, nicht aber Leistungsstrom abhängig ist.

II. Ähnliche Schadensszenarien
a) Es wird überprüft, ob der Ausfall der Notkühlung bzw. der Notstromversorgung bei einem Flugzeugabsturz (zufällig, terroristisch) verhindert werden kann.
b) Die Robustheit sowie die Dauer der Wirksamkeit der Notkühlung und der Notstromversorgung (Notstromdiesel, Batterien) werden im Hinblick auf längerfristigen Ausfall der Infrastruktur (z. B. externe Stromversorgung) überprüft.
c) Sämtliche Notstromdiesel sind zu verbunkern.
d) Die Rohrleitungen zur Kühlung der Sicherheitssysteme sind in zugänglichen verbunkerten Rohrleitungskanälen zu führen.[…]
n) Räumlich getrennte, erdbeben- und überflutungsgesicherte verbunkerte Brunnen mit Borlagern, mobilen Notstromgeneratoren und Pumpen vor Ort sind vorzusehen.

III. generellen Neubewertung von Risiken
a) Sofortige Inkraftsetzung des neuen kerntechnischen Regelwerks (Sicherheitskriterien für Kernkraftwerke).
[…]
l) Für alle Behälter und Rohrleitungen der Druckführenden Umschließung ist der Bruchausschluss für die nach dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik möglichen Belastungsfälle (Flugzeugabsturz, Erdbeben, Störfälle, ATWS) für die vorgesehene Betriebszeit zu gewährleisten. Der Zustand (Ermüdung, Verlagerungen, Schwingungen, Dehnungen) sind kontinuierlich zu ermitteln und auszuwerten.
[…]

IV. Überprüfungsverfahren
[…]
c) Die geforderten Maßnahmen sind für alle Anlagen kurzfristig und als Voraussetzung für die Nutzung der zusätzlichen Strommengen aus der Laufzeitverlängerung umzusetzen.

Wenn die sich von der Atomindustrie nicht wieder’n Pferd aufquatschen lassen, wären wohl alle Kernkraftwerke in Deutschland nach diesen Richtlinien nicht mehr benutzbar. Da sollte man ein Auge drauf halten. Interessant aber, dass die Maßstäbe der Arbeitsgruppe, die das erarbeitet hat, garnichtmal so schlecht sind. Offensichtlich sind sogar einige Politiker recht fähig. ^^ Nur leider entscheiden die kleinen Lichter scheinbar nicht…

Nicht dass es für mich eine Überraschung wäre:

Süddeutsche: Brüderle: AKW-Moratorium ist nur Wahlkampf-Taktik
Spiegel: Brüderle begründet AKW-Notstopp mit Wahlkampf
F.A.Z.: Brüderle begründet Moratorium mit Wahlen
Welt: Brüderle begründet Atom-Moratorium mit Wahlkampf

Ich kann nicht umhin: eine gewisse Schadenfreude macht sich in mir breit und lässt mich zuversichlich auf kommenden Sonntag blicken.

Diese Regierung zeigt mal wieder was für ein Sauhaufen sie eigentlich ist. Es ist ja nicht nur der Einfluss von Japan, sondern alle Entscheidungen in den letzten Wochen geben Deutschland immer mehr der Lächerlichkeit preis.

Ich finde es ungeheuerlich, dass die quatschköpfe die Atomreaktoren jetzt doch eher abschalten wollen. Aber dann sagt mir mal einer wen man denn sonst wählen soll! ICh will keinen Cent mehr für den Strom zahlen und daher scheiß ich ebenso auf SPD und Grüne, denn die wollen das von heut auf morgen machen. Und das geht nur wenn es der Bürger im Geldbeutel spürt.
Ich will spritpreise wie in den USA und Strompreise wie in Frankreich. Ob der Strom von einem verflixten Kraftwerk kommt das genauso gebaut ist wie ein kaputtes in Japan ist mir ziemlich wurscht, 300km neben mir steht TEMELIN und das ist wohl das schlimmste was in Europa so rumsteht.
Wenn wir hier schon kein Erdbebengebiet haben sollten wir das auch ausnützen. Der Deutsche wird am Ende draufzahlen und das völlig sinnlos, denn die nachbarländer ziehen da nicht mit. Am Ende kaufen wir den Atomstrom der Nachbarn noch teuer ein.
Außerdem ist doch das abstellen der Reaktoren sowieso völlig scheinheilig. Stellt euch mal vor man machts wie die grünen wollen. Und schaltet jedes Atomkraftwerk in Europa ab. Woher wollt ihr eigentlich noch euren Strom holen?
Ich will sicher nicht auf den Komfort der Elektrischen Medien in meinem Haushalt verzichten und zahlen will ich auch nicht mehr!

p.s.: Sollte Steinmeier jemals Kanzler werden, wünsche ich das die Atomlobby Attentäter auf ihn ansetzt, das ist doch der größte schleimscheiser der rummläuft. Seit dem Beitrag aus Fernsehkritik.tv hasse ich den typen wie die pest. Ich habe noch nie gehört, dass der konkret auf eine Frage antworten kann. Das ist wohl der größte Unsympat in der deutschen Politik.

Was ich noch lustig finde. Jeder weiß das Parteien immer nur wahlpolitisch handeln, keiner besser als der andere und doch zeigen hier manche, dass sie auch nicht klüger sind als der typisch Deutsche Wähler, indem sie schadenfreude empfinden, wenn jemand mal ausspricht, was sowieso jeder weiß.
Will den keine Sau einen Mann an der Spitze der frei Schnauze schreit was er denkt? So einer kann sich in unserer gesellschaft leider nicht durchsetzten, weil der deutsche Wähler angelogen werden will! Und genau darum Lügen alle Politiker, wie gedruckt, weil die Leute das hören wollen!