Diskussion über Gesundheitsfonds bei Anne Will

Bei Anne Will wird gerade über den Gesundheitsfonds diskutiert, den ich, das will ich mal vorbeugend sagen, auch nicht gutheiße. Eben kam ein Beitrag über den vermeintlichen Unterschied der Behandlung von privat- bzw. gesetzlich versicherten Patienten. Dort wurde eine spießige Luxus-Arzt-Praxis am Kurfürstendamm gezeigt, wo nur Privatversicherte einen Termin erhalten. Der dort ansässige Arzt meinte, es gäbe dort so gut wie keine Wartezeiten, und wenn er gesetzlich Versicherte zusätzlich noch aufnähme, würde die Wartezeit mindestens eine halbe Stunde betragen.
Danach wurde eine Praxis in Berlin-Moabit gezeigt, wo die Ärmsten der Armen versammelt waren. 2 Stunden, so hieß es, müssten die gesetzlich Versicherten dort warten.
Ich bin privat versichert und kann aus eigener Erfahrung sagen: Auch in Praxen, wo ausschließlich Privatversicherte behandelt werden, gibt es Wartezeiten von bis zu 2 Stunden. Und alle diese Praxen, die mir bekannt sind, sind nicht luxuriös und nobel. Eine ganz normale Arztpraxis halt.
Ich verstehe nicht, warum die ARD da wieder solche extremen Beispiele ausgesucht hat. Mir bleibt da nur wieder der Verdacht, dass dort manipuliert wird.
Ich bin zwar auch der Meinung, dass Privatversicherte - also auch ich - einige Kompromisse in Kauf nehmen müssten, damit wieder eine Art Gerechtigkeit zwischen den beiden Formen der Krankenversicherungen herrscht, aber dann bitte ich dennoch, darüber ernsthaft und unter Berücksichtigung der realen Umstände zu diskutieren, anstatt dem Zuschauer anhand solcher Beiträge die Meinung zu bilden.

PS: Ich werde nochmal die Aufzeichnung der Sendung suchen, damit bei Interesse an einem Beitrag auch Material vorhanden ist und sowieso, damit ihr euch alle auch den Original-Beitrag ansehen könnt. Morgen mehr, jetzt guck ich weiter und geh danach schlafen.^^
In diesem Sinne eine gute Nacht

Solche „extremen“ Beispiele tauchen häufiger auf, als du vielleicht vermutest. Besonders bei bestimmten Fachärzten ist es schon gewaltig, wie man da warten darf. Durch die allmähliche Privatisierung des Gesundheitssektors wird die betuchtere Kundschaft freilich lieber angesprochen. Was da insbesondere an den Helios-Privatkliniken abgeht, ist echt nicht mehr normal.

Klar haut die ARD gerne mal auf die Kacke, aber so ganz von der Hand zu weisen ist’s auch nicht.

Es ist schwer, Gerechtigkeit aufzubauen, wenn diejenigen mit Asche sich aus der Solidargemeinschaft hinauskaufen können. Das ist eben so.

Auch Privatversicherte erreichen schnell mal den Zonk, wenn sie chronisch krankwerden, pleite gehen oder einfach nur alt werden.

Eins stört mich hier besonders:

Es gibt Fachmänner, die würden lieber hundert mal einen Routineeingriff bei einem privat Versicherten machen als einen schweren (fordernden) Eingriff bei einem gesetzlich Versicherten.
Stattdessen werden dann die Unerfahrenen an die Schwerkranken herangelassen, was dann deutlich zu einer höheren Sterberate führt, da sie halt noch nicht das Wissen eines langjährigen Fachmannes haben.

Ich finde das sehr bedenklich.
Mir kommt es manchmal so vor, als ob die gesetzlich Versicherten kein Geld in die Gesundheitskasse zahlen würden, die privat Versicherten hingegen schon (und deswegen auch bevorteilt werden).

Naja, aber irgendwie muss man ja die Armen los werden.